Youtube Videos von stephanie.sews

Ich habe seit kurzem einen Youtube-Kanal. Dort gibt es Videos zu meinen Kleidern, vor allem, was alles zu einem Outfit gehört und wie frau es anzieht.

Mein Kanal ist hier stephanie.sews.

Ein Video zu einer besonderen robe á la francaise (english): 18th century.

Das Video zum Schokoladenmädchen auf Deutsch: Schokoladenmädchen.

Das Video zum Schokoladenmädchen auf English: Chocolate Girl.

Viel Spaß beim Schauen!

Wanderung um Bad Urach

Über Pfingsten sind die Kontaktbeschränkungen endlich so weit aufgehoben worden, dass meine Eltern zu Besuch kommen konnten. Ich habe vorgeschlagen, in Bad Urach wandern zu gehen, da es auch absolut perfektes Wetter werden sollte. Ich selbst war schon mal in Bad Urach – vor sieben Jahren (wo ist denn die Zeit hin?!?). Ich wusste also, dass es dort sehr hübsch ist. Das wussten leider auch gefühlt 15000 andere Menschen, besonders um den Wasserfall herum. Angesichts einer still stattfindenden Pandemie semi-optimal…

Hier ist die Route, die wir gewandert sind (minus einer kleinen Abzweigungen gen Norden, da wollte Google Maps nicht so wie ich):

10 km mit nur einem Berg von 250 m Höhe sind wirklich nicht dramatisch. Zumal Bad Urach wirklich schön ist! Hier kommen einige Eindrücke von der Wanderung:

Panorama-Aufnahme vom Runden Berg (links) über das Ermstal mit Bad Urach.
Blick durch ein Fenster der Burgruine Hohenurach Richtung Bad Urach.

Die Burgruine Hohenurach ist eigentlich eine Festungsruine. Demenstprechend groß und gut gesichert ist sie auch gewesen. Erstmals urkundlich errwähnt 1235 erlebte die Burg eine bewegte Geschichte. Die Herren von Württemberg modernisierten die Burg immer wieder und bauten aus, bis sie eine Landesfestung im 16. Jahrhundert wurde. Als Gefängnis genutzt und unter anderem im Schmalkaldischen Krieg 1547 zerstört, wurde sie jedoch immer wieder aufgebaut. 1765 erst wurde die Festung aufgegeben und ihre Steine für andere Bauwerke verwendet. Bis zur Unkenntlichkeit von Pflanzen überwuchert wurde Hohenurach zwischen 1860 und 1870 für Besucher zugänglich gemacht. In jüngster Zeit – nachdem ich vor sieben Jahren dort war – wurde die Burgruine renoviert und gesichtert und war zeitweise komplett für Besucher geschlossen. Zum Glück konnten wir große Teile wieder besichtigen.

Hohenurachss größter Baurest neben den Festungsanlagen ist der Giebel des Wirtschaftstraktes.
Ungefähr 15000 Menschen auf dem Weg zum Wasserfall.
Die Aussicht zu Burgruine macht den Umgang mit so vielen Menschen wett.
Der Hohenuracher Wasserfall. Später habe ich herausgefunden, dass es mehrere Wasserfälle* in Hohenurach gibt, vielleicht hätten wir dahin ausweichen sollen.

Der Wasserfall ist geologisch-biologisch ebenfalls interessant: Er stürzt am Albtrauf 37 m in die Tiefe und trifft auf eine Kalktuffstufe, von wo er als Bach weiter in das Maisental fließt. Das Wasser des Wasserfalls tritt als Karstquelle mit Kalk angelagert am Albtrauf aus und bildet eine Kalknase, die gelegentlich abbricht. Die Kalktuffstufe bildet sich ebenfalls duch Ablagerung von Kalk aus dem Wasser.

Zum Abschluss ein abendliches Bild aus dem Maisental.

Abgesehen von der Menschenmenge am Wasserfall eine schöne Wandertour! Am Schluss gab es noch ein sehr feines Rahmschnitzel und kühles Radler in der Wirtschaft zum Löwen in Bad Urach.

*Die Gütersteiner Wasserfälle, um genau zu sein. Die wären wohl die bessere Wahl gewesen, das wären ca. 2,5 km mehr gewesen.

Schokoladenmädchen Finale

Ich habe mir ein Stativ gekauft. Deshalb ohne viele Worte einige Fotos vom Schokoladenmädchen mit mir in Jacke und Kleid drin.

Zwei Dinge: Ich habe die Fotos im warmen Nachmittagssonnenlicht gemacht, weshalb ich den kühlen Farbton des Pastells nicht ganz treffen kann (ich mag das warme Licht aber sehr). Und Jacke und Rock sind immernoch farblich umgekehrt, aber je länger ich mich mit den Bildern beschäftigte, desto weniger stört mich das. Vielleicht gab es auch solche Schokoladenmädchen.

Links: Stephanie, 2020, Handyfoto und Bearbeitung mit Krita. Rechts: Jean-Étienne Liotard, Das Schokoladenmädchen 1774, , Pastell

Ich stelle mir Nandl mittlerweile als freches Mädchen, aber gut in ihrer Arbeit als Kaffeehausbedienung vor. Nandl war bestimmt nicht schüchtern, hat sich aber an die geltenden gesellschaftlichen Regeln ihrer Zeit gehalten. Leider weiß die Geschichte nichts genaues von Nandl oder Anna.

Übrigens trägt das Schokoladenmädchen all dies hier:

Jacke, Rock, Unterrock, Taschen, Pokissen, Schnürbrust, Unterhemd, Haube und Schürze.

Das Darunter sieht so aus (und ich liebe, dass das prinzipiell ein Unterwäschefoto von mir ist, aber niemand da so warnehmen wird!):

Die Schuhe sind ein nur ersatzweise da, ich besitze ein helles Paar Theaterschuhe in der korrekten Form. Diese sind nur gerade in einer anderen Stadt. Die roten Schuhe mussten jetzt ausreichen.

Ich hoffe, dass sich irgendwann eine Gelegenheit ergibt, dieses Kleid auch gebührend auszuführen (ich denke da an einen Kaffeehausbesuch)!

Schokoladenmädchen 3

Teil 1 der Geschichte und Teil 2 sind hier und hier zu finden.

Und es ist fertig! Ein Gutes hat das ganze Kurzarbeiten und daheim bleiben ja, dieses Projekt war überraschend schnell fertig. Alles neue (außer der Jacke) ist handgenäht, und handnähen dauert wohl doch gar nicht so lang, wie ich anfangs dachte. Mein Youtube-Video-Konsum ist leider damit sehr in die Höhe geschnellt. Ich habe manche Tage bis zu 3,5 Stunden Video geschaut, aber das waren auch die Tage, an denen ich mit der Hand genäht habe. Da ist ein bisschen Unterhaltung hilfreich.

Jedenfalls folgt hier nun das fertige Schokoladenmädchen – reverse, und irgendwann werde ich Fotos nachreichen, auf denen ich das ganze Outfit trage und ein Tablett halte. Das ist gerade aber aus verschiedenen Gründen nicht möglich.

Die Profilansicht, wie sie auch auf dem Pastell zu sehen ist. Die Haube schaut etwas traurig aus, wenn da kein Kopf drin ist!

Ich mag tatsächlich die Schürze doch sehr gern, der weiße Baumwollstoff ist gerade durchscheinend genug. Die Farben sind auf dem Pastell eher matt und gedämpft, aber zum einen ist es eben ein Pastell, zum anderen sind die Kleidungsstücke des Schokoladenmädchens nicht mit modernen Farben gefärbt worden. Ich mit den bunten Farben zufrieden.

In der Frontansicht kann man gut sehen, das die Schürze, wie erwähnt, nicht voll genug ist, aber dünn genug, um Jacke und Rock durchscheinen zu lassen.

Es fehlte am Gesamtbild ja nur noch die Haube. Die Seide dazu war ja schon eingetroffen, nur hatte ich nicht bedacht, das ich für den vorderen Haubenstreifen festes Material brauchte. Da einfach so in den Stoffladen gehen an dem Tag noch keine Option war habe ich mich für einen festen Karton entschieden, den ich noch da hatte. Das gleiche gilt für die Spitze, die nicht füllig genug ist und eventuell nochmal überarbeitet wird – obwohl mir die Spitze an sich gefällt. Das blaue Band musste ich dann auch noch bestellen, da ich nur grünes Band hatte.

Eine Nahaufnahme der Haube im Profil.

Die Haube war dann leider doch kein Projekt, dass ich aus vorhandenem Material bestreiten konnte. Da ich nicht gut im Hauben machen bin und auch keinen Spaß daran habe, bin ich aber mit dem Ergebnis sehr zufrieden! Mit einem Dutt, wie ihn das Schokoladenmädchen wohl drrunter trägt, formt sich meine Haube wie im Pastell von Liotard wiedergegeben. Das blaue Band ist übrigens ausreichend, um die Haube am Kopf zu halten, keine Nadeln notwendig. Daher ist das Band auch lose.

Damit ist das nächste große Nähprojekt fertig! Ich hoffe, dass ich es irgendwann ausführen kann.

Der Wonnemonat – Zum Namen des Monats Mai

Für mich hat der Mai bisher eine besondere Bedeutung gehabt: Im Mai findet in Leipzig das Wave Gotik Treffen statt, und in dessen Rahmen ein kleiner Mittelaltermarkt namens Wonnemond. Das Wort habe ich vor langer Zeit schon nachgeschlagen und weiß daher, das Wonnemond einer der alten Namen des Mai ist. Karl der Große gab im 8. Jahrhundert dem Monat seinen Namen, eigentlich althochdeutsch wunnimanot. Dies bedeutet eigentlich Weidemonat, bezeichnet also den Monat, in dem man das Vieh wieder auf die Weide treiben kann. Somit dreht sich im Mai alles um den Beginn des Frühlings.

Auch die Römer gaben dem maius einen Namen, der sich auf den Lauf der Jahreszeiten und das Bauernjahr bezog. Im Mai wurden der Göttin Maia Opfer dargebracht, welche als Attrribut ein Füllhorn tragen kann. Der Mai war einmal der dritte Monat und ist nun der fünfte Monat.

Am 1. Mai findet der internationale Feiertag der Arbeiterbewegung statt. Für die katholische Kirche ist der Mai der Monat der Marienverehrung. In bestimmten Gegenden ist das Aufstellen eines Maibaumes Brauch.

Schokoladenmädchen 2

Es geht weiter! Hier ist der erste Teil der Geschichte.

Ich habe mit der Schürze weiter gemacht. Für diese hatte ich noch (ein klein bisschen zu wenig) weißen Baumwollstoff da. Die Schürze ist daher nicht so füllig wie auf dem Gemälde und irgendwann werde ich eine neue machen, aber funktional ist sie auf jeden Fall. Ich habe die Schürze mit einem normalen Reihstich mit Baumwollgarn genäht.

So sieht das aus, wenn ich viel von Hand nähe.

Der aktuelle Stand des Projekts sieht so aus:

Das Fichu oder Schultertuch ist eigentlich leicht gestreift, was ich beim Vergrößern des Pastells entdeckt habe. Eventuell werde ich aber trotzdem dieses vorhandene und ebenfalls von Hand gesäumte Fichu verweden, da es optisch gut passt – und ich sowieso keine genaue Reproduktion mache.

Von vorn wirkt das ganze Ensemble noch mehr wie ein Kleid der mittleren Klasse. Man denke sich nur ein Tablett dazu….

Die Seide für die Haube kam gesten mit der Post – und sie ist absolut perfekt! Genau der richtige Rosaton, und auch der weiße Schimmer entspricht dem Portrait.

Zum Schluss noch einen Einblick in meine Recherche: Hier ist die Doppelseite zum Projekt in meinem Nähbuch, in dem ich Inspiration und Anleitungen gleichmaßen sammle:

Dank dieser Doppelseite ist mir aufgefallen, das das Fichu gestreift ist. Ein bisschen bereue ich ja, das die Farben bei mir umgekehrt sind, allerdings würde das gelb meiner Seide ohnehin nicht direkt zum rosa der Haube passen…. Die Jacke ist doch mehr senffarben als gelb. Andereseits gab es die Jacke nun einmal schon. Wir werden sehen, wohin mich dieses Projekt noch führt!

Über Hobbys (nein, nicht Hobbits)

Fangen wir mit den Grundlagen an:

„Ein Hobby (deutscher Plural: Hobbys) ist eine Freizeitbeschäftigung, die der Ausübende freiwillig und regelmäßig betreibt, die dem eigenen Vergnügen oder der Entspannung dient und zum eigenen Selbstbild beiträgt, also einen Teil seiner Identität darstellt. Das Wort „Hobby“ ist vom englischen hobby horse abgeleitet, das mit „Steckenpferd“ in beiden Bedeutungen – Kinderspielzeug und Freizeitbeschäftigung – übersetzt wird. Das hölzerne Steckenpferd trägt seinen Reiter nirgendwohin, weil es in den Händen gehalten wird, entsprechend erwirtschaftet das Hobby kein Einkommen und ist kein Beruf.

Beispiele für verbreitete Hobbys sind Aktivitäten wie Sammeln, Handarbeiten, Basteln, Modellbau, Sport, Kunst oder Weiterbildung.“

Sagt Wikipedia, aufgerufen am 21.04.2020 um 10:57 Uhr.

Ich mache mir, jetzt, wo ich so viel Freizeit habe, immer mal wieder Gedanken über Hobbys. Was für schräge Hobbys Leute haben (lebende Tiger sammeln?!?) und warum Leute Hobbys aufgeben und andere anfangen.

Von mir aus gesehen sieht das so aus: Als Teenager waren meine Hobbys Gitarrenunterricht, Gesangsunterricht, Kunst-AG, lesen und basteln. Außerdem hatte ich Haustiere. Heute mache ich davon noch: Lesen und basteln. In meinen frühen 20ern hatte ich lesen und nähen als Hobbys und habe auch ab und an Gitarre gespielt. Heute nähe ich noch, lese noch und meine Gitarre steht nur noch dekorativ herum. Dafür mache ich Yoga, habe wieder Haustiere und habe begonnen, ein Bullet Journal zu führen (das fällt ein bisschen unter basteln). Insgesamt bewegen sich meine Hobbys alle im kreativen Bereich, und das schon immer. „Basteln“ habe ich als Buchbinderin zu meinem Beruf gemacht. Wie oben steht: ein Hobby ist kein Beruf und erwirtschaftet kein Einkommen. Damit wäre ich hier den Schritt vom Hobby zum Beruf gegangen.

Und hat mich das glücklich gemacht? Überraschenderweise finde ich erstmal keine Studien zu diesem Thema, jede Menge Studien dazu, welche Hobbys beliebt sind, welchen psychologischen Einfluss Hobbys haben, aber nichts, ob ein Hobby zum Beruf machen eine gute Idee ist. Ausgerechnet Bento hat einen Artikel dazu, in dem es heißt:

„Ich glaube, wenn man von etwas leben muss, verändert das am Ende auch das Produkt. Weil man es an den Markt anpasst und nicht mehr macht, was man eigentlich will.“ sagt Fabian.

Neben vielen anderen Gründen, wie, dass man ehrenamtlich etwas Gutes tun möchte, finde ich diesen Grund ganz nachvollziehbar. Ich habe meine „Bastelei“ zum Beruf gemacht, und irgendwie nahm mir das den Spaß – hochwertige, über lange Zeit gefertigte Bücher kauft keiner, aber in kleinen Serien gefertigte Bücher mit weniger Arbeitsaufwand und daher geringerem Preis schon. Aber machen möchte ich Bücher in der ersten Kategorie. Also, nein, so richtig glücklich hat mich das nicht gemacht.

Dafür macht mich nähen glücklich. Manchmal fühlt sich das an wie Arbeit, weil Teile des Nähens „gemacht werden müssen“ – ich hasse, hasse, hasse zuschneiden. Aber wenn ich über den Punkt drüber bin macht es Spaß. Ich hadere hier immmer wieder mit mir, was ich mit meinen ganzen Nähprodukten machen will, denn selbst tragen ist irgendwie vom Tisch. Aber verkaufen….? Siehe oben.

Warum Leute ihre Hobbys wechseln: in meinem Fall bin ich aus manchen Hobbys einfach rausgewachsen. Die Musik fühlte sich oft nach Pflicht an, ich bin aber froh, das ich ein Instrument lernen konnte. Singen war eher Therapie als Talent, und das habe ich auch mit Beginn der Abizeit aus Zeitgründen aufgegeben – und es nie vermisst. Derzeit wachse ich aus dem Tanzen heraus. Ich habe vier Jahre lang Tribal Fusion getanzt. Angefangen hatte ich das in einer Zeit, in der ich arbeitslos war, damit ich eine sanfte Form von Bewegung mache. Aber nach einigen Jahren kamen dann die ersten Auftritte, und das liegt mir irgendwie gar nicht. Zur Zeit ist Tanzen als Gruppe in einem Raum nicht erlaubt, und ich habe es nicht ein einziges Mal vermisst. Ich mag nicht verpflichtend ins Tanzstudio gehen müssen. Andere Leute geben ihre Hobbys aus Zeitgründen auf, das kann ich auch verstehen, denn zwischendurch fiel mir das Tanzen schwer, weil ich nach neun Stunden Arbeit auch noch Tanzen gehen „musste“. Manchmal ist die die Energie für die schönen Sachen eben auch aufgebraucht.

Was die Art der Hobbys angeht: hier habe ich eine (verlässliche oder nicht) Statistik gefunden, die besagt, das im Garten arbeiten das beliebteste deutsche Hobby ist. Shopping ist Platz zwei. Wie „einkaufen“ ein Hobby sein kann, verstehe ich persönlich nicht, aber jedem das seine. Basteln landet auf Platz 11, noch vor Yoga. Mich wundert, das Jagen in dieser Statistik überhaupt noch auftaucht. Insgesamt sehe ich vor allem im oberen Bereich mit „zum Essen ausgehen“ und „einkaufen“ Dinge, die ich irgendwie nicht als Hobbys beschreiben würde. Fehlt nur noch, dass „Instagram“ da als Hobby auftaucht.

Was mich zu der Frage bringt die sich andere auch schon gestellt haben: Warum haben manche Menschen keine Hobbys? Anscheinend gibt as dafür viele Gründe: in der Kindheit von den Eltern zu Hobbys gezwungen werden ist einer (und diese dann natürlich nicht mehr zu mögen), ein anderer Zeitmangel, wieder andere führen den Wunsch nach Flexibilität an, „das kann ich doch nicht“ und gar nicht mit einem Hobby anfangen, oder oder oder. Ich finde Menschen ohne Hobby auch ok, aber manchmal etwas schwierig, denn ich empfinde solche Menschen als eindimensional. Aber das ist nur meine Meinung.

Insgesamt sind Hobbys ein Weg, und nicht unbedingt ein Ziel. Hier ist noch ein anderer schöner Artikel zu diesem Thema. Ich freue mich über Kommentare, was meine Leser so als Hobbys hatten und warum, und welche Hobbys ihr heute so ausübt!

The life changing magic of reading a lot of self help books and then actally having time to imply them to your daily life (because of a pandemic)

Ich bin überrascht, wie gut mir die Quarantäne und die folgende soziale und räumliche Distanzierung getan hat. Ich vermisse nichts. Es ist viel ruhiger, daußen wie drinnen. Fast keine Flugzeuge, kaum Autos, kaum LKWs, ab und an eine Straßenbahn. Das lauteste ist der Hubschrauber, der das Krankenhaus ansteuert. Wenn der gelandet ist, ist es wieder still. Keine lauten Partys im Haus gegenüber. Ich muss den Leuten auf der Straße nicht mehr ausweichen, sie weichen mir aus. Mir kommen die vielen Leute oft zu nah, ich genieße es, meinen persönlichen Bereich nicht verteidigen zu müssen.

Weniger arbeiten nach einer längeren Pause, in welcher ich mir Zeit für alle Dinge nehmen konnte, die mich interessieren und erfreuen, hat mir enorm mit dem Lärm in meinem Kopf – all die Ideen und Gedanken, die gedacht werden wollen – geholfen. Auf Arbeit sind alle besogt, aber niemand muss sich hetzen, um die vielen Kundenanfragen zu beantworten. Weniger Leute verlangen etwas von mir, ich muss mich nicht mehr ständig verbiegen, um anderen Wünsche zu erfüllen. Meine eigenen Wünsche nehme ich besser war – auf der Arbeit ist alles, was ich will, kleine Pausen machen zu können, wenn ich sie brauche. Jetzt geht das. Das ist schlecht fürs Geschäft, aber gut für mich.

Soziale Termine habe ich bisher überhaupt nicht vermisst. Ich bin gern allein mit meinem Kopf, gern allein mit den Tätigkeiten, die ich mag. Ich habe seit einer Woche niemanden außer meinen Arbeitskollegen und meinem Freund gesehen. Vor allem vermisse ich weder die wöchentliche Tanzstunde noch die wöchentliche Yogastunde. Mir reicht es vollkommen, zur Arbeit zu laufen und wieder heim (60 min gesamt), und jeden Tag 10 min Yoga zu machen. Ganz allein. Ich kommuniziere mit meinen Freunden per Text, und so gern ich zusammen im Pub sitzen würde, so wenig vermisse ich es. Der soziale Druck ist vollkommen weg, und der „ich müsste mal ausgehen“ Gedanke auch – und es fehlt mir nicht. Während ich die letzten sechs Monate oft sauer war, weil ich nicht ausgehen konnte wegen der Arbeit, so fehlt es mir jetzt, wo ich sowieso nicht ausgehen kann, überhaupt nicht. Das ist seltsam und befreiend. Mit meiner Familie telefoniere ich, und auch das reicht mir – ein Besuch war in nächster Zeit ohnenhin nicht geplant. Ostern fällt aus, und ich freue mich einfach nur auf die freien Tage, an denen ich machen kann, was ich will. Ich kann nähen, ich kann aber genauso gut den ganzen Tag Youtube schauen – und das keinen Druck gibt, irgendwas machen zu müssen, erfreut mich das umso mehr.

Gar nicht fehlt mir shopping. Das die Läden geschlossen haben macht mir überhaupt nichts aus. Gut, ich arbeite im Handel und habe noch Zugang zu Büchern und Material, aber ich möchte ohnehin keine Kleidung kaufen. Ich möchte sie selbst machen. Der ganze Druck, Sachen besorgen zu müssen, ist weg. Wir haben alles.

Cafés vermisse ich. Ich sitze wohl doch gern über einem Kaffee oder Tee und unterhalte mich. Ab und an, nicht wöchentlich.

Zwei weitere Dinge haben sich geändert, eins, über das ich keine Macht hatte, und eins, das ganz aus mir kommt. Das erste ist die Sommerzeit. Es ist jetzt hell, wenn ich zur Arbeit gehe, und hell, wenn ich heim komme. Ich stehe fast freiwillig auf, weil es hell ist. Ich bin anscheinend recht lichtempfindlich und denke über die Anschaffung einer Tageslichtlampe für die wieder kommende dunkle Zeit nach. Das andere ist mein Bullet Journal, dass ich noch bevor allem angefangen habe. Ich sehe jetzt schon, was ich eigentlich den ganzen Tag so treibe – und was mich wirklich interessiert. Ich tracke sehr viele meiner Tätigkeiten und habe auch Schlafenszeiten und Arbeitszeiten notiert. Ich sehe schon nach wenigen Wochen Zusammenhänge. Das ist sehr erhellend, aber das Bullet Journal an sich macht mir auch wahnsinnig viel Spaß.

Ich möchte ein Haus bauen oder kaufen. In meinem Kopf ist die Idee noch nie aufgetaucht, warum sollte ich mich an einen Ort binden? Ich bin in den letzten 14 Jahren sechsmal umgezogen. Aber jetzt hätte ich gern einen festen Platz nur für uns, den ich selbst gestalten kann. Das ist neu.

Meine Priotitäten haben sich in Richtung Ruhe verschoben. Das ist alles, was ich wollte, aber ich wollte es nicht so, dank einer Pandemie, die Todesopfer fordert.

Coronatagebuch

Die aktuelle Zeit zeigt uns, und mit „uns“ und „wir“ meine ich uns als generelle Bürger dieses Staates, dass mehr Ruhe gar nicht so schlimm ist. Ja, die Wirtschaft liegt am Boden. Ja, die Infektionsrate schreitet voran. Es sterben Menschen. Aber wir sind daheim und können uns mal auf uns konzentrieren. Auch wenn tiefe Inneinsichten auch nervös machen können. Was wir vor allem sehen, ist Unsicherheit.

Werden wir morgen noch einen Job haben? Wie bringe ich Geld für die Miete auf, wenn ich in Kurzarbeit gehen muss? Ist mein Job eigentlich systemrelevant? Wie lange wird die Post noch zustellen? Haben sich meine Großeltern vielleicht schon angesteckt? Wie geht es meiner Familie? Bleiben alle so gut es geht drinnen? Geht es meinen Nachbarn eigentlich gut? Machen meine Freunde auch alle Home Office und bleiben drin? Wo gibt es Klopapier? Wann gibt es wieder Hefe? Wann kann ich wieder verreisen? Wie geht es meinen Freunden in anderen Ländern, schlimmstenfalls in Italien? Wie geht es den Kassiererinnen im Supermarkt eigentlich so hinter ihren Plexiglasschreiben? Warum hält dieser eine Mann im Supermarkt sich einfach nicht an die vorgegbeben 1,5 m Abstand??? Kommt die Mundschutzpflicht? Wer wird mir meine Verluste in meinem Geschäft bezahlen? Wie kann ich meine Ansprüche geltend machen? Wann kommt das Geld? Habe ich mich vielleicht schon angesteckt, habe aber keine Symptome? Wann wird es einen Impfstoff geben? Muss ich mich testen lassen, wenn ich huste? Und: Wann wird das alles wieder vorbei sein?

Und die Antwort ist manchmal: frag doch mal nach, per Telefon, E-Mail oder sogar Brief. Meistens lautet die Antwort aber auch: Wir wissen es nicht.

Und damit müssen wir alle nun zurecht kommen. Natürlich ist das psychisch anstrengend, natürlich geht das an die Substanz. Aber das Virus ist etwas, auf das sich niemand vorbereiten konnte und vieles kann einfach nicht beantwortet werden – erst hinterher können uns die Geschichtsbücher sagen, ob wir richtig oder jedenfalls gut genug reagiert haben. Bis dahin können wir nur die Anweisungen vom Gesundheitsamt befolgen, für uns und für andere. Und von Tag zu Tag leben. Immer einen nach dem anderen.

Warum heißt der April wie er heißt?

Und schon starten wir in den vierten Monat des modernen Kalenders. Der April war der zweite Monat im Jahr, hat das Jahr doch eigentlich im März begonnen (wie ich hier erklärt habe).

Karl der Große führte im 8. Jahrundert für den Aprilis den Namen Ostermond (später Ostermonat ein). Aprilis wiederum ist lateinisch, jedoch weiß man nicht, woher der Name kommt. Die römische Frühlingsgöttin ist Venus, Aprilis kann also eventuell nur von ihrem griechischen Equivalent Aphrodite hergeleitet sein. Aperire, das lateinische Wort für öffnen, kann ebenso als Herkunft in Frage kommen. Es öffnen sich im April die Blüten (zumindest haben sie das in meiner Kindheit noch getan, jetzt ist Ende März und einiges an Frühblühern ist, während wir in Süddeutschland in Quarantäne drinnen saßen, aufgeblüht und schon verblüht).

Das große Fest im April – auf welches Ostermond bezug nimmt – ist eben Ostern. Das Fest der Auferstehung Jesu ist mit dem Karfreitag das wichtigste christliche Fest.

Für mich steht Ostern dieses Jahr nicht als besonderes Fest an, da ich ganz sicher arbeiten muss. Dafür haben um Ostern sowohl mein Freund als auch meine Schwester Geburtstag, das finde ich viel wichtiger!

Und ja, dass der Papst die Osterfeierlichkeiten abgesagt hat, trotz dieser Wichtigkeit, zeigt, wie ernst die Lage auf der Welt gerade ist.