Das Jahr des (inneren) Schwein(ehunde)s*

2019 scheint bei mir das Jahr der Veränderung zu werden. Auslöser dafür ist hauptsächlich, das ich mit meiner Jobumgebung so sehr unzufrieden bin. Ich kämpfe zusätzlich immer mal wieder mit persönlichen Problemen, wieder jeder andere auch, nur schaffe ich es oft nicht, den genauen Grund für meine Unausgeglichenheit zu finden.

Versteht mich nicht falsch, ich mag den Inhalt meiner Arbeit in der Kunstgalerie sehr, ich kann nur einfach nicht damit, wie er organisiert ist. Ich hätte nie gedacht, dass mir sowas mal so wichtig sein kann, aber ich brauche ein geregeltes Maß an Arbeit, um zurecht zu kommen. (Randbemerkung: ein paar Sachen konnte ich selbst organisieren, aber vieles wird von oben geblockt. Es ist nicht so, als hätte ich 2018 nicht versucht, mein Arbeitsumfeld zu verändern.)

Das letzte Jahr über habe ich schon gemerkt, das der Wurm drin ist, aber hauptsächlich darüber gejammert – noch wusste ich genau, was eigentlich das Problem ist. Das führt bei mir zu übermäßigem Jammern. Jetzt weiß ich, was ich tun kann, um das Problem zu beheben, und das jammern wird weniger. Insgesamt ist der große Überplan also, einen anderen Job zu finden. Am besten etwas, das weiterhin mit Schlösser und Gärten zusammenpasst.

Bei Schlösser und Gärten hatte ich umzugsbedingt und wegen des Weihnachtsgeschäfts drei Monate Pause einlegen müssen. In den drei Monaten hat sich das Gerücht bestätigt, dass das Schloss Mannheim ab März 2019 wegen Renovierungsarbeiten bis 2020 geschlossen bleiben wird. Das hat mich zunächst geärgert, da ich den Kurs, von dem ich hier ja schon berichtet hatte, anders angegangen wäre, hätte ich das gewusst. Dann wurde mir jedoch eine Ersatzposition im Schloss Schwetzingen ab April angeboten, die mit meinem Schneiderhobby zusammengeht, weshalb sich das Problem schnell gelöst hat.

Auf sportlicher Seite steht ein Auftritt mit der Tibal-Fusion-Tanzklasse an, und ich weiß jetzt schon, das ich bei dem angekündigten zweiten Auftritt nicht dabei sein werde. Ich tanze seit drei Jahren sehr gern und gehe regelmäßig ins Training, aber ich wollte nie Auftritte haben und jetzt weiß ich auch wieder warum: ich möchte die Zeit für Auftritte einfach nicht aufwenden. Es gilt ein Kostüm für mich passend zu den anderen Tänzerinnen zu machen, es gibt Extraproben und der Auftritt selbst kostet mich wohl ein ganzes Wochenende – ich leide nicht sehr unter Lampenfieber, aber allein der mit Menschen gefüllte Raum und die Aufregung der anderen, die ich spüren kann, wird mich auslaugen. (Ich kenne die Rocking Away the Cold-Hafla als Besucher.) Der Auftritt wird Klasse werden, wir alle stecken da so viel Arbeit rein, aber für mich reicht das erst mal.

Längerfristig steht ein Rechtsstreit mit unserem ehemaligem Vermieter aus, den ich schon seit Dezember versuche weit von mir zu schieben – ich möchte mit der ganzen Sache eigentlich nichts mehr zu tun haben, auch wenn wir warscheinlich im Recht sind. Es laugt mich aus, immer wieder darüber zu sprechen, zu texten und Temine zu haben. Ich möchte nur noch, das die Sache vorbei ist, egal mit welchem Ausgang. (Leider weiß ich, dass wir in absehbarer Zeit keine Ruhe davor haben werden, denn es steht noch eine Abrechnung aus.) Hier arbeite ich an mir, mich da eher wie mein Freund zu verhalten, der das Ganze wenig an sich ran lässt (und sich zugegeben auch sehr viel weniger darum kümmert als die beiden Mädchen aus unserer alten WG). Ich sehe hier aber auch eine große Chance für mich, vielleicht wird mir so die Angst genommen, immer alles hinzunehmen, auch wenn man im Recht ist, nur aus Angst, die Wohnung gekündigt zu bekommen.

Ich habe in den vergangenen Jahren viele Hürden überwinden müssen, vieles davon hätte ich mir vor, sagen wir, 10 Jahren, gar nicht vostellen können. Ich werde besser darin, diese Hürden leichter zu nehmen (und Hürden, dich nicht überspringen kann, einfach sein zu lassen und nicht ständig darüber zu grübeln). Das möchte ich in 2019 weiter führen. Ich habe dieses schon geschafft, da schaffe ich das hier auch noch.

Ganz großes Thema jetzt gerade ist die Wohnung und vor allem putzen und aufräumen. In einer WG mit vier anderen Menschen konnte ich vieles auf andere abwälzen bzw. vieles war durch andere verursacht, das ist in meiner eigenen Wohnung nun nicht mehr der Fall. Mein Freund ist ebenfalls ein ordentlicher Mensch, und zusammen arbeiten wir Schritt für Schritt an der neuen Wohnungseinrichtung. Das wird uns eventuell das ganze Jahr begleiten. Im Moment habe ich Marie Kondo und ihre Methoden für mich entdeckt. Ich gehöre zum Glück nicht zu den Menschen, die die These, durch aufräumen werde mein Leben besser, für das neue Mantra halten, aber ich nehme dennnoch Sortier- und Falttipps sowie eine gewisse Achtsamkeit für meine Dinge mit. Gestern hat jemand zu mir gesagt: „Du hast so viele schöne Dinge.“ und ich habe zugestimmt. Ziel in der neuen Wohnung ist, die Dinge besser zur Geltung kommen zu lassen und mehr zu benutzen. Und vor allem: weniger Neues zu kaufen.

Konsum und Müll ist in meinem Umfeld vor allem in der WG ein großes Thema. Einer meiner Mitbewohner hat vollkommen Recht, wenn er den großen Anteil an der globalen Erwärmung und den wirtschaftlichen Schwierigkeiten den großen Kooperationen/Firmen zuschreibt. Schuld sind zu großen Teilen deren unsachgemäßer Umgang mit Ressourcen, diebische Geschäftspraktiken und schlicht kriminelle Energie. Mir fallen da auf Anhieb der Dieselskandal, der Glyphosatfall und die durch wirtschaftliche, politische und nicht zuletzt eben durch die globale Erwärmung ausgelöste „Flüchtlingskrise“ ein. Dennoch denke ich, dass auch weiterhin jeder Einzelne seinen Teil tun kann. Bei mir bezieht sich das vor allem auf mein Konsumverhalten: ich versuche schon seit letztem Jahr, nur Sachen zu kaufen, die ich wirklich gut finde (Marie Kondo nennt das „spark of joy“) und von denen ich glaube, dass ich sie brauche und sehr lange benutzen werde. Mein Freund verfolgt diesen Gedanken schon länger, was zur Folge hat, das wir viele teure Sachen haben – davon aber immer nur schönes und ein einziges. Der nächste Schritt wäre nun, sich mehr auf Fair Trade und die Herkunftt der Dinge zu konzentrieren. Wir arbeiten da dran, ich kaufe meine Schuhe nun „made in Germany“, unser Bett ist aus europäischem Holz und ebenfalls in Deutschland hergestellt, sehr viele unserer Küchendinge sind so, dass wir sie warscheinlich für immer haben. Zum Glück habe ich wenigstens auf der Arbeit ind diesem Bereich kein Gewissensproblem, denn das meiste der Waren in der Galerie wird sogar in Baden-Württemberg produziert (weniger Liefer-LKW hat das auch noch zur Folge). Müll scheint sich irgendwie von selbst gelöst zu haben. Biomüll kommt bei uns eh in einen Papierbeutel und wird in die entsprechende Tonne entsorgt, und abgesehen vom Verpackungsmaterial vom Umzug (das glücklicherweise viel Pappe und Papier war und über die entsprechende Sammlung entsorgt werden konnte) produzieren wir beide überraschend wenig Mülll. Restmüll ist unter 6 l in zwei Wochen. Wir werden weiterhin wenn möglich eher unverpackte Lebensmittel kaufen. Das wird zum Glück von den lokalen Supermärkten hier unterstützt, alle bieten Optionen zum selbst abpacken an – sei es als Fleischtheke oder loses Obst und Gemüse.

Nach dem 35c3 habe ich mich gefragt, wo eigentlich mein von meinen Eltern schon gefördertes politisches Engagement hin ist. Ich war als Jugendliche viel auf Demos – teilweise mit meinem Eltern – aber in den letzten Jahren bin ich zwar regelmäßig wählen gegangen, aber das wars auch schon. Zu jeder Wahl gehörte auch, das ich mich informiere, was ich wähle und wen ich wo sehen will (mit der Bundestagswahl hat das übrigens geklappt, mein Abgeordneter sitzt im Bundestag und vertritt meine Ansichten da, wie ich finde, ganz gut). Aber sonst? Ich nehme mir für 2019 vor, wenigstens gelegentlich mal die eine oder andere Sache zu unterstützen, die ich wichtig finde.

Den Kreativitätsschub vom 35c3 möchte ich weiterverfolgen. Momentan hängt es an einer fehlenden Bestellung, aber LED werden hoffentlich in 2019 weiterhin Thema bleiben. (Weniger im Internet bestellen steht nicht auf meiner Liste, da leider die meisten Geschäft ähnliche Öffnungszeiten haben wie mein Arbeitsplatz und ich so schlicht nicht einkaufen gehen kann.)

Und der letzte große Punkt für 2019: mehr bloggen (das klappt ja schon ganz gut). Jede Woche ein Eintrag war utopisch, und manchmal ist es eben nur ein Eintrag im Monat, da oft auch Recherche dazu gehört. Alle zwei Wochen könnte aber realistisch werden. Ich könnte ja auch mal wieder über Bücher schreiben – und vor allem müssen die Einträge ja nicht lang sein. Das wäre wirklich gut für mich.

*2019 ist das Jahr des Schweins

Unter Hackern

Dieser Beitrag wird bis zum Ende des Kongresses bearbeitet und erweitert. Viel Spaß mit der finalen Version 5!

Live vom 35. Chaos Communication Congress in Leipzig

Ich sitze in Halle 2 an einem Tisch bei den Futterständen. Hinter mir ist eine helle Lampe, sonst ist mein Handy oft das hellste in meiner direkten Umgebung. Musik unbestimmten Genres (Ambient?) läuft, aber nicht zu laut. Das Geräusch von Gesprächen liegt über der Halle, die gefüllt ist mit inspirierten Leuten, die an Projekten arbeiten, sich austauschen, basteln. LED-Lichter und Glitzer setzen Akzente. Die allgemein akzeptierte Anweisung, jeden Menschen im Foto vorher zu fragen sorgt für eine extrem entspannte Atmosphäre. Ist doch egal ob meine Haare richtig liegen, es wird nicht ohne meine Zustimmung festgehalten. Generell ist es bei den Hackern egal, ob du Männlein, Weiblein, Kindlein oder irgendwas dazwischen bist. Das ist sehr, sehr angenehm. Geschaut wird höchstens, wenn man ein interessantes Objekt mit sich trägt. Das können blinkende Rucksäcke, Haarschmuck oder beleuchtete Taschen sein. Hat man ein Fahrgerät – Roller, fliegender Teppich, Skates, Longboard, Sessel, Getränkekasten… – macht das die Wege kürzer, man wird aber gut im Ausweichen. Als Fahrer wie auch als Fußgänger. Richtig voll ist es nie, auch das hinaus- und hineingehen in die Vortragssäle klappt ohne Gedränge und Gedrücke. Dafür sorgen auch die unzähligen Engel, wie die freiwilligen Helfer genannt werden. Man kommt schnell ins Gespräch, über fachliches, aber auch einfach mit dem Nebentisch zum Thema Podcasts.

C3Croc
Dieses Bild ist tatsächlich von Tag zwei, als das C3Croc noch relativ sauberes Wasser hatte. Es bewacht die Skulpturen.

Für mich nicht ganz Neuland, aber in den Dimensionen schon. Ich war zweimal auf der Gulasch Programmier Nacht in Karlsruhe, aber dort nur als Kurzbesucher. Der CCC bespielt die komplette Neue Messe Leipzig, kein Vergleich zur handlichen GPN. Die schiere Größe des Events stört allerdings die Atmosphäre kaum, es bleibt kreativ.

Mich haben vor allem die Vorträge (Talks) angezogen. Als Kunsthistorikerin völlig fachfremd kann ich hier definitiv etwas Neues lernen. Manchmal fällt es mir schwer, wach zu bleiben (ich hätte mich im Studium nicht auf Wissen schlafend diffundieren trainieren sollen…), was aber nicht an der Qualität der Talks liegt. Bisher habe ich fünf Talks besucht, deren Themen von „How does the Internet work?“ bis zu „The good, the strange and the ugly in 2018 art&tech“ reichten. Ich habe jetzt eine dunkle Ahnung, wie mein Laptop mit Hilfe von Routern und Servern Internetseiten auf meinen Bildschirm bringt. Ich habe einen Ausflug in mein eigenes Fach gemacht und Kunst mit Technik verknüpft gesehen und die soziologische und ökologische Komponente vorgestellt bekommen. Ich werde so viel neues Wissen, Inspiration und Motivation vom CCC mitnehmen, das es für das ganze Jahr 2019 reicht!

Ada
Die Vögel wurden während des Congresses rehabilitiert. Die Dame ist Ada Lovelace, die als erste Programmiererin angesehen wird.

Im folgenden möchte ich einige der Talks hervor heben, die mir besonders viel mitgegeben haben. (Am Ende des Beitrags gibt eine Liste aller Talks, die besucht habe.) Da wäre zum Ersten der Talk über Datenschutz, der mich daran erinnert hat, die AGB von meiner eigenen Arbeitsstelle genauer lesen zu wollen, ob es da mit rechten Dingen zugeht. Die neuen Polizeigesetze in den einzelnen Bundesländern sind… Mir fehlen die Worte. (Dieser Talk war bis auf den letzten Platz besetzt.) Nico Semsrott verpackt Wahrheiten auf deprimierende Weise und bringt die volle Halle trotzdem zum Lachen. Ich lerne, wie ich mich bei eventuellen Hausdurchsuchungen durch die Polizei zu verhalten habe und welche Rechte ich habe und was ich tue, wenn die andere Seite meine Rechte nicht kennt.

Es gibt neben den Talks auch Workshops. Bisher habe ich einen Origami-Faltworkshop besucht. Dieser war so gut gefüllt, das das vorn erlernte Falten per mündlichem Wissenstransfer nach hinten durchgegeben würde und sich gegenseitig geholfen wird. Ich bin absolut begeistert, wie durch spontane Zusammenarbeit drei Origamitiere von allen Teilnehmern gefaltet werden konnten. Wenn mein nächster Workshop auch so läuft („Sewing with Electricity“)…! „Be excellent to each other!“ live und in Aktion!

Glaswurst
Nachts verwandelt sich die Glaswurst, sonst als Glashalle bekannt, in eine bunte Partyhalle mit Bars und Licht.

Es gab bereits einige Planänderungen. Statt der Doku „All creatures welcome“ war ich dann in Martin Sonneborns Satire aus dem Inneren des EU-Parlaments. Diese Veranstaltung wurde nicht gefilmt und ich kann sie somit nicht nachholen, anders als den Film. Davor hat Joscha einen Talk über den „Ghost in the Machine“ gehalten, den ich unbedingt nochmal gucken muss. Ich gebe zu, ich habe nicht alles genau verstanden, ich habe dennoch einige hochspannende Konzepte für mein eigenes Denken mitgenommen.

Wir haben einen Krankheitsfall in der Gruppe. Ich bleibe noch ein wenig daheim, um als nächstes herauszufinden, welche Daten Amazon über uns speichert. Das geht auch per Livestream.

Ich muss ständig fragen, welches Datum wir haben und welcher Wochentag ist (Ist Sonntag? Haben die Läden auf? Ah, nein, Samstag, Apotheke hat auf). Es verwirrt mich, ich finde es aber saugut. Richtig Pause von der Alltagswelt!

Amazon speichert alles, was nicht wirklich überraschend ist. Viel interessanter waren die Hinweise am Schluss des Talks, wie man an seinen Datensatz heran kommt. Das ist nämlich gar nicht so einfach, obwohl Amazon gesetzlich verpflichtet ist, dem Benutzer seine gespeicherten Daten zu geben. Ich fahre auf die Messe, nur um dann 45 min im CCL entspannt herumzusitzen und der Musik dort zu lauschen. Es folgt der Workshop, auf den ich mich schon den ganzen Congress freue. Und es war super! Ich habe es zwar nicht geschafft, meinen genähten Stromkreis zum laufen zu bringen, weiß aber, was ich falsch gemacht haben könnte und werde es daheim nochmal versuchen. Helen Leigh hat einen wunderbaren Job gemacht, viele Teilnehmer hatten am Ende einen drückbaren Stoffschalter. Und wieder waren alle Teilnehmer/innen sehr nett und hilfsbereit.

„Internet of Dongs“ ist, nach was es klingt: per App gesteuerte Vibratoren haben enorme Sicherheitslücken. Der Vortrag war kurz und knackig, und die Sicherheitslücken sind derartig lächerlich, das sogar ich einigermaßen beim Hacken mitgekommen bin.

Heute lag das Ende von Anfang an in der Luft. Die Teilnehmer scheinen alle übermüdet und geschafft zu sein, und auch meine Gruppe schafft nur noch zwei Talks und einen Kaffee. Als wir das Messegelände verlassen hat das Abbauen bereits begonnen. Ich möchte eigentlich noch nicht gehen und freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr.

Ich habe insgesamt das Gefühl, hier richtig zu sein. Der Congress und seine Teilnehmer gibt mir Hoffnung, das die menschliche Welt vielleicht doch noch geändert und besser gemacht werden kann.

Und noch etwas: kein Mensch braucht binäre Toiletten. Wir gehen da alle einfach nur kacken.

Nachtrag: Ich habe mich, statt für die Abreise zu packen, nochmal an mein Projektchen aus dem Workshop „Sewing with Electricity“ gesetzt und siehe da, jetzt leuchtet es (es war tatsächlich ein Fehler in der „Verkabelung“):

Persönlicher Fahrplan (Adams, Borg, Clarke etc. sind die jeweiligen Vortragssäle. Wer die Talks nachschauen will schaut bitte hier: https://media.ccc.de/c/35c3 )

Tag 1

  • Datenschutz für Neulandbürger – Beata Hubrig – Clarke
  • How does the Internet work? – Peter Stuge – Borg
  • Origami-Workshop
  • Transmission Control Protocol – Hannes Mehnert – Dijkstra
  • Polizeigesetze – Marie Bröckling, Constanze Kurz – Adams
  • Freude ist nur eun Mangel an Information – Nico Semsrott – Adams

Tag 2

  • Verhalten bei Hausdurchsuchungen – qbi, Kristin Pietrzyk – Borg
  • The good, the strange and the ugly in 2018 art&tech – Régine Debatty – Clarke
  • The Ghost in the Machine – Joscha – Adams
  • Meine Abenteuer im EU-Parlament – Martin Sonneborn – Adams

Tag 3

  • Archäologische Studien im Datenmüll – Letty, Katharina Nocun – Adams
  • Sewing with Electricity – Workshop – Helen Leigh
  • Internet of Dongs – Werner Schober – Borg

Tag 4

  • Netzpolitischer Wetterbericht – Markus Beckedahl – Adams
  • Secuity Nightmares 0x13 – frank, Ron – Adams

Schöne Festtage!

Frohe Weihnachten, nachträglich ein schönes Julfest, happy Chanukka und alle, die kein Weihnachten o.ä. feiern: schöne Feiertage….! Ich bin bei der Familie und habe ausnahmsweise mal den Laptop dabei, da ich zwischen den Jahren auf dem 35C3 bin. Nächstes Jahr möchte ich mehr schreiben, deshalb: Wir lesen uns nächstes Jahr wieder!

Update: ich blogge gleich live vom 35C3. Das die Infrastruktur hier gut ist hätte ich mir vorher denken können…

Garnelenaquarium

Nachdem ich einige Beiträge bei Instagram über mein aktuelles Aquarium geposted habe kam ich darauf, dass es doch schön wäre, die ganzen Informationen statt dort in langen Beschreibungen hier zusammenzufassen.

2013 habe ich ein erstes Nano-Aquarium eingerichtet. Mein damaliger Freund hatte ein großes Aquarium mit vielen Fischen drin, aber auch kleinen Garnelen am Boden, die einfach das Beste an diesem Aquarium waren! Mein Aquarium sollte also nur diese Garnelen enthalten. Es wurde ein 30l Nano, mit Filter, Licht und später auch einem Heizstab, da das große Aquarium ein tropisches Aquarium und die Garnelen, von denen sechs bei mir einziehen sollten, höhere Wassertemperaturen gewöhnt waren. Das kleine Aquarium wurde größtenteils mit Material, das schon vorhanden war, eingerichtet. Der Kies war derselbe wie im großen Aquarium, ich habe Pflanzenableger bekommen und ganz viel Tipps und Hilfe. Nach einigen Wochen Einfahrzeit, ich denke, es waren sechs Wochen, durfte ich mir also einige Rückenstrichgarnelen (Neocaridina davidi) im großen Aquarium aussuchen. Dort gab es auch Zebrarennschnecken, entweder Neritina natalensi oder Neritina turrita, von denen eine mittelgroße ebenfalls als Algenvernichter einzog. Diese ist gelb-schwarz gestreift, es kam später noch eine gekaufte rote mit schwarzen Punkten dazu. Diese Schnecke gehört der selben Art an, ist also einfach ein anderer Farbschlag.

Aquarium_Wutach
Foto von 2016. (Ich habe die Festplatte mit Fotos von 2013 noch nicht in einem der Umzugskartons gefunden). Die gelb-schwarze Zebrarennschnecke ist gut am Thermometer zu erkennen.

Wurzel, Pflanzen (hier eine Anubias barteri var. nana) und einige Mosskugeln (Cladophora aegagrophila), Filter, Heizstab und natürlich Licht – alles da. Und wie man sieht haben es die sechs Garnelen sehr geliebt, denn sie haben Unmengen Nachwuchs produziert. Praktischerweise habe ich damals in einem Neubau mit Zentralheizung (dazu später mehr) gewohnt und das Aquarium stand im Bad direkt neben dem Waschbecken. Wasserwechsel waren also mein kleinstes Problem in der Zeit. Größeres Problem war die zeitweise Überpopulation. Das hat sich dann aber auch irgendwie von selbst reguliert. Die besagte Anubias hatte ich leider nicht richtig gewässert, so dass ich mit der Pflanze vermutlich ein Schneckenabewehrmittel ins Aquarium geholt habe, das eben auch andere Wirbellose wie meine Nelchen angegriffen hat. Die vielen Garnelen auf dem Bild sind die Nachkommen der wenigen, die diesen Pflegefehler überlebt haben. Seitdem bin ich etwas paranoid, was neue Dinge im Aquarium angeht. Mir kommt da nichts rein, was nicht mindestens eine Woche gewässert wurde. Außerdem hatte ich eine Garnelengeneration, die wohl einen Gendefekt hatte (bei einem Startgenpool von nur sechs Tieren nicht unwarscheinlich…) und eine Häutung im mittleren Alter nicht überstanden hat. Danach habe ich auch gelernt, das Huminstoffe aus getrocknetem Laub enorm wichtig für Garnelen in der Häutung sind. Blätter sammle ich im Herbst selbst, bevorzugt in Gebieten mit wenig oder kaum Verkehr wie z.B. dem Schwarzwald oder dem Odenwald. Deutsche Eiche oder Ahorn haben sich als geeignet erwiesen. Diese koche ich zweimal ab und spüle sie vor dem Einlegen ins Aquarium nochmal mit klarem Wasser und hatte damit nie Probleme.

Insgesamt ging es den Garnelen aber über die drei Jahre im Neubau blendend. Irgendwann habe ich gelernt, das die Haltung von Zebrarennschnecken in reinem Süßwasser nicht artgerecht ist. Mir tut es heute noch Leid, das ich da zwei Wildfänge sitzen haben, denn ich finde, Wildfänge in den allgemeinen Handel zu bringen ist grundlegend falsch. Es gibt genug Auswahl an in Deutschland lange gezüchteten Tieren, da muss man nicht noch eine Schnecke einbringen! Deshalb achte ich darauf, keine Wildfänge mehr zu kaufen (indem ich Überprüfe, ob die Art nachgezüchtet wurde). Artgerechter kann ich aus Platzmangel und finanziellen Gründen leider nicht nachträglich werden. Die beiden behalten ihr gewohntes Habitat also leider weiterhin bei.

Aquarium_Wassertest
Kleines Foto beim Wassertest. Man beachte die fehlenden Sicherheitsschlaufen* bei den Kabeln – etwas, das ich damals schon wusste, aber nicht ändern konnte aufgrund der räumlichen Gegebenheiten. Links neben dem Auqarium eine CO2-Flasche, daneben eine Lufthebepumpe.

2016 bin ich samt dem Aquarium umgezogen. Ich musste erst nachlesen, wie man ein Aquarium umzieht, und bei Nano-Aquarien wurde vielfach empfohlen, sämtliche Technik und Deko und Pflanzen zu entfernen, das Wasser bis auf wenige Zentimeter abzulassen und das Aquarium samt Tieren von A nach B zu bringen (das Wasser muss dabei abgefüllt und mit umgezogen werden, da am neuen Standort andere Wasserwerte herrschen können). Nun ja, das war nicht die beste Idee meines Lebens. Meine armen Eltern haben ganz schön geschnauft, als die das fast leere Aquarium samt Garnelen auf einem Brett die Treppen hochtragen mussten. Den Garnelen hat das auch nicht so gut gefallen, da ich die Pflanzen ja wieder einpflanzen musste und bis alles wieder sauber gefiltert war fehlten einige der Nelen – Tod durch Stress. Die neue Wohnung ist ein Altbau gewesen – und ich hatte das Zimmer, das am weitesten vom Bad entfernt war. Wasserwechsel waren plötzlich ein großes Drama, und ich machte gleich zwei schwerwiegende Pflegefehler: ich habe nicht genug darauf geachtet, dass das warme Wasser jetzt aus einer älteren Gastherme mit Kupfer drin kam und das ich kaltes Wasser nicht einfach so ins Aquarium schütten kann. Ersteres wurde mir sehr schnell klar, da Kupfer auch Schnecken angreift und vor allem meine Rennies sich in der neuen Wohnung nicht so richtig eingewöhnen wollten – Fluchversuche wurden gestartet. Die Garnelen haben sich zunächst nicht mehr fortgepflanzt. Also nahm ich kaltes Wasser, was immerhin nicht im Kupfer erhitzt werden musste – und das war noch falscher, denn der plötzliche Wassertemperaturunterschied kostete den meisten meiner Nelchen das Leben (ich habe sehr geweint deswegen). Danach hatte ich den Dreh gezwungenermaßen schnell raus, Wasser abfüllen, ein oder zwei Nächte stehen lassen, mit dem Wasserkocher (der nicht frisch entkalkt sein darf) erhitztes Wasser dazugeben, bis die Temperatur einigermaßen passt, dann Wasserwechsel machen. Den Nelen ging es so wieder besser und auch die Schnecken schneckten wieder fröhlich herum. Mir waren diese Wasserwechsel aber eigentlich zu umständlich, weswegen ich nur noch alle zwei Wochen gewechselt habe (zum Schluss dann alle drei Wochen…) und so ohne es zu wissen ein Altwasseraquarium bekam. Das war auch okay, denn alles war fest eingefahren, aber das Aquarium hatte eben nicht mehr das kristallklare Wasser, wie ich es gewöhnt war.

Aquarium_alt
Durch eine nicht ganz saubere Scheibe zu fotografieren ist nicht ideal… So sah das Aquarium zum Schluss aus. Man sieht meine Putzunlust an den Fadenalgen…

Schlimmer noch, die bei den Nelen sehr beliebten Mooskugeln fingen an, Fäden auszubilden (am Ende sind es eben Algen) und das Aquarium war nur noch dezent bevölkert. Hier habe ich dann einen gravierenden Fehler gemacht: ein guter Freund von mir hat mir neue, orange Garnelen und zwei kleine Fische zum Geburtstag geschenkt. Die Fische fühlten sich anfangs wohl, bis einer in den Filter (ich habe zwischendurch mit anderen Herstellern experimentiert, da Dennerle schon sehr teuer ist) geschwommen ist und umkam. Da ich ausgerechnet Fische ausgesucht hatte, die zwar Nano-geeignet, aber in Gruppen zu mindestens zwei gehalten werden sollten, hat der andere schnell aufgegeben. Die Garnelen haben ebenfalls nicht überlebt: ich habe sie zu schnell ins Wasser gesetzt, und den Unterschied von Wasserwerten und vermutlich Temperatur haben sie nicht verkraftet. Das tut mir heute noch so sehr leid, wenn man sich Tiere anschafft, dann ist man auch voll und ganz für deren Wohlbefinden verantwortlich, und ich habe hier alles falsch gemacht, was ging.

Besser lief es dann mit den blauen Garnelen, die meinen recht ingezüchteten Bestand an roten Garnelen auffrischen sollten. Auch meine blauen Garnelen sind Neocaridina davidi, nur eben in einem anderen Farbschlag (nicht zu verwechseln mit Caridina mariae, welche auch blau sein können). Diese neuen blauen Nelen machten fleißg Nachkommen mit meinen roten, was dazu führt, das ich heute noch blau gestreifte Garnelen in der Gruppe habe. Von den rein blauen hat leider keine ihr erstes Jahr überlebt, ich habe aus einer Fachzeitschrift später auch erfahren, warum: jede Garnelenpopulation bringt ihre eigenen Bakterien mit, und wenn zwei Populationen aufeinander treffen, kommt eine meist nicht mit den neuen Bakterien zurecht. Sollte ich nochmal neue Garnelen einsetzen wollen, dann muss ein kleines Quarantänebecken her, in dem das Wasser regelmäßig aus dem großen Aquarium zugetauscht wird, damit sich die Bakterien „kennen lernen können“.

Nelen_Mooskugel
Garnele auf Mooskugel, eigentlich eine schöne Sicht. Wenn die Mooskugeln sich nicht irgendwann in Fäden auflösen würden…

Dann kam die Entscheidung, aus der Wohnung auszuziehen. Das mittlerweile vier Jahre alte Aquarium war auch reichlich zugekalkt, ich habe öfter den Filter komplett austauschen müssen, da er einfach verkalkt ist, und schön sah es auch nicht mehr aus – die Garnelen waren mittlerweile nur noch zu acht, die Schnecken standen gut im Futter. Zeit für was Neues.

Auqarium_neu
Das zweite Möbel nach einem Sofa, das in die neue Wohnung einzog, war dieses Kallax, auf welches das neue Aquarium gehoben wurde, nachdem es seine Einfahrphase auf dem Boden stehend überstanden hat.

Ich wollte mich wegen der wenige Nelen verkleinern, aber mittlerweile hatte ich so viel von Wassertests, Garnelenbabys und Dünger erzählt, das mein Freund mitmachen wollte. Es wurde also ein identisches 30l Nanoaquarium. Komplett neu eingerichtet, mit Bodengrund für die Pflanzen, einem neuen Filter, neuer, moderner Heizstab, CO2-Topper und Lufthebepumpe. Auch einige neue Pflanzen sollten kommen, also wanderte nur ein kleiner Ableger von dem Wald aus Wasserschrauben (Vallisneria americana) aus dem alten Aquarium ins neue. Da ein Aquarium eine Einfahrphase braucht, das ist die Zeit, in der sich gute Bakterien bilden und Nitrit in Nitrat umgewandelt werden kann, musste das neue Aquarium vier Wochen vor dem Umzug stehen. So hatten wir dann eine leere Wohnung, in der eine komplette Küche stand und in einem Zimmer ein voll angeschlossenes Aquarium auf dem Boden auf einem Brett. Ich musste das Einfahren aus diesen Zeitgründen etwas beschleunigen, und habe den alten Vorfilter in den neuen Filter eingesetzt, um die guten Bakterien zu übertragen. Das hat prima geklappt, denn es gab nie einen Nitritpeak (wenn das Nitrit noch nicht abgebaut wird und daher seinen Maximalwert erreicht hat). Jedoch gab es eine Bakterienblüte aufgrund der vielen Nährstoffe, die mit dem neuen Bodengrund und dem CO2 für die Pflanzen eingetragen wurden. Diese Bakterienblüte erledigte ich nach einigen positiven Wassertests mit dem dem Einsetzen von Blasenschnecken, die irgendwie zu jedem Aquarium gehören (sie kommen in der Regel als Ei mit gekauften Pflanzen mit). Die Bakterienschleier auf den Scheiben habe ich bei einem Wasserwechsel ein wenig abgewischt, die Schnecken erledigten den Rest.

Nach vier Wochen regelmäßigen testens konnten dann die Garnelen und Zebrarennschnecken einziehen.

Aquarium_Detail
Das neue Aquarium im Ganzen. Die Technik ist mehr oder weniger dieselbe geblieben, die Temperatur habe ich um einen Grad im Vergleich zum alten Aquarium gesenkt. Die Höhle im Vordergrund soll mal die Luftblasen von der Lufthebepumpe ausströmen, da kämpfe ich aber noch mit dem genauen Setting.

Das alte Aquarium habe ich komplett ausgeräumt, dann alle Tierchen abgefangen – sieh an, es waren sogar neun Garnelen! – und dann leer transportiert. Es steht als Backup nun im Keller. Behalten habe ich nur die Lufthebepumpe und das Thermometer. Schnecken und Garnelen sind in eigenen Tüten gereist und bekamen eine Styroporbox drumrum, damit das Wasser trotz der Autofahrt nicht zu sehr auskühlt. Sehr viel bessere Art, seine Tiere umzuziehen, als auf einem Brett!

Nelen_ziehen_ein
Einzug! Die Schnecken sind links im Beutel, die Garnelen rechts. Bei den Garnelen liegt ein Plastiknetz mit drin, da die Tierchen sich während der Reise irgendwo festhalten können müssen.

Ich habe diesmal den Schnecken 45 Minuten Zeit gegeben, sich an die neuen Bedingungen zu gewöhnen. Bei denen habe ich schneller neues Wasser hinzugeschüttet als bei den Garnelen, weswegen sie nach 45 Minuten schon einziehen konnten. Die Garnelen sollten sich etwas langsamer an die neue Temperatur und die neuen Wasserbedingungen gewöhnen. Das hat beides sehr gut geklappt! Die Wasserwerte im neuen Aquarium sind den alten sehr ähnlich, aber man weiß ja nie. Alle neun Garnelen sind freiwillig aus ihrer Tüte ins Aquarium umgezogen.

Zwei Wochen später sind die ersten Babys da. Nachdem sich Monatelang nicht fortgepflanzt wurde, waren zwei Garnelen rechtzeitig so trächtig geworden, das die Babys genau am Umzugstag schlüpfen könnten. 48 Stunden nach dem Umzug habe ich dann die erste Babygarnele entdeckt. Die Schnecken fühlen sich wieder wohler, und uns scheint es, als wären die Garnelen röter geworden (sie bekommen immernoch dasselbe Futter wie zuvor).

Der nächste Meilenstein werden die Posthornschnecken (Planorbarius corneus). Jetzt habe ich entdeckt, das nicht alle kleinen braunen Schnecken im Aquarium Blasenschnecken sind. Stellt sich heraus, dass an den neuen Pflanzen wohl Posthornschneckeneier waren! Da diese ähnlich groß wie meine Methusalem-Zebrarennschnecken werden und damit in direkter Futterkonkurrenz stehen, werde ich sehen, wer sich durchsetzt bzw. wer bleiben darf. Posthörner allerdings leben in stehendem Süßwasser, wären somit die artgerechtere Wahl. Ich hoffe, das sich beide arrangieren.

Posthorn
Eindeutig eine Posthornschnecke, die da rechts an der Scheibe hochschneckt. Außerdem: glückliche Garnelen (eine bereits wieder trächtig).

Insgesamt macht mir Aquaristik als Hobby wieder großen Spaß. Der Hänger mit dem alten Aquarium in der vorhergehenden Wohnung war wohl auch durch meine vielen Fehler begründet. Aquaristik braucht Zeit und einen Plan, mal eben neue Tiere reinschmeißen geht nicht! Ich habe über die Jahre so viel über die Haltung von Rückenstrichgarnelen gelernt. Mit der neuen Wohnung, in der der Wasserwechsel schon zweimal hervorragend funktioniert hat (auch hier hat die Gastherme Kupfer, aber der Durchlauferhitzer in der Küche nicht!), kann auch das Garnelenpflegen wieder erfolgreich angegangen werden!

*Sicherheitsschlaufen: das Kabel des entsprechenden Gerätes wird vor der Steckdose in eine tiefer liegende Schlaufe gelegt, damit eventuelles am Kabel herunterlaufendes Wasser nicht in die Steckdose laufen kann.


Für die Aquaristiker unter uns: Daten zum Aquarium

Dennerle Nano 30 l mit Bodengrund, Garnelenkies, Eckfilter mit Babyschutz, CO2 aus der Bioflasche mit einfachem Topper, Lufhebepumpe läuft nur stundenweise, Dennerle Nano Heizstab auf 24°C, Beleuchtung: Dennerle 5710 Nano Power LED 5.0

Besatz: neun erwachsene Rückenstrichgarnelen, zwei Babygarnelen gesichtet, zwei Zebrarennschnecken, Blasenschnecken, Posthornschnecken und leider auch Hüpferlinge

Pflanzen: Vallisneria americana, Alternanthera reineckii (rosanervig), Egeria densa, Lilaeopsis brasiliensis, Hemianthus callitrichoides („Cuba“)

Wasserwerte: Temperatur 24°C, PH 6,5 bis 7, Kupfer, Nitrit: 0 mg/l, sehr hartes Wasser (was für Karlsruhe typisch ist und an welches die Garnelen gewöhnt sind)

Diesmal alles gleich richtig – wir ziehen um.

Vielleicht hat der aufmerksame Leser auf den Bildern des letzten Beitrages Arme gesehen, die nicht meine sein können. Das sind die von meinem Freund. Mit dem, ich nenne ihn aus Datenschutzgründen ab jetzt Peter¹, ziehe ich bald aus unserer WG, die wir uns mit drei anderen Leuten teilen, aus. Wir ziehen in eine schöne, helle Dreizimmmer-Küche-Zweimal-Bad Wohnung im vierten Obergeschoss. Diese mieten Peter und ich von unserer super netten Vermieterin, und auch sie hat gesagt, dass ein bisschen was gemacht werden muss. Es wäre mit ein wenig Dübellöcher flicken und Farbe hie und da getan gewesen, wir leben aber beide seit Jahren in Zwischenlösungen, und diesmal soll es dauerhaft, schön und richtig sein. Deshalb renovieren Peter und ich die Wohnung. Die ganze Wohung. Nicht den Boden, der hat nämlich total schöne, historische Bodendielen aus der Erbauungszeit des Hauses, aber alles andere.

Schlafzimmer
Dieser wunderschöne Dielenboden! Das ist das Schlafzimmer, das erste Zimmer, das wir fertig gestrichen haben.

Irgendwie hat diese Wohnung eine gute Annmutung. Wir wissen auch nicht warum, und wie haben keinerlei Möbel außer der voll ausgestatteten Küche (die einfach in der Miete mit drin ist), aber wir fühlen uns sehr wohl in unserem neuen Domizil. Oberste Priorität hatte das tatsächlich das Schlafzimmer, da wir uns ein neues Bett kaufen mussten. Damit das Bett geliefert und aufgebaut werden kann, musste das Schlafzimmer als erstes fertig werden. Zuletzt ist die Küche dran, da diese ohnehin eingebaut und damit bereits benutzbar ist.

Schlafzimmer_streichen
Ich habe ganz schön was gelernt beim Streichen, z.B. das abkleben viel länger dauert als das eigentliche streichen, und das es Folie gibt, an der schon Abklebeband dran ist. Wir sind bei weitem keine Profis, aber ich finde, das Peter und ich doch recht sauber arbeiten. Wir sind recht langsam, da beide voll berufstätig, aber Schlafzimmer, Wohnzimmer, Arbeitszimmer und Gang zur Toilette sind schon fertig.

Es ist mit dem Stand heute noch folgendes zu tun:

  • Flur streichen
  • Klo-/Waschbeckenumbau
  • Wände im Bad
  • Gastherme vom Installateur richten lassen
  • Liefertermin Bett
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  • Organisatorischer Kleinkram wie GEZ, ummelden etc.

Der Umzugstermin soll Anfang Dezember sein. Ich freue mich schon!

¹ Peter ist anscheinend der häuftigste Vorname in Deutschland. Damit ist die Tarnung perfekt.

 

Heute rahmen wir uns ein Bild – Schattenfugenrahmen

Ich arbeite ja auch handwerklich, indem ich Kundenaufträge einrahme. Im Falle eines auf Leinwand gemalten Bildes, dass auf einen Keilrahmen gespannt ist, kann man eine sogenannte Schattenfuge als Rahmen nehmen. Dieser wird nicht direkt am Keilrahmen anliegen, sondern wird eben eine Fuge bilden. Das Bild muss auf einen Keilrahmen gespannt werden, denn sonst kann man das Bild nicht befestigen. Das heißt, alle Kunst auf Papier fällt damit weg.

Was braucht man also?

  • eine weiche Unterlage auf einem großen Tisch
  • ein auf Keilrahmen aufgezogenes Bild, egal ob original oder Kunstdruck
  • einen Schattenfugenrahmen, der auf jeder Seite 0,5cm größer ist als die größten Ausmaße des Bildes (diesen bekommt man im Künstlerfachhandel und in Einrahmungsfachgeschäften)
  • Pappstreifen
  • eine Bohrmaschine mit einem kleinen Bohrer (für Holz)
  • Schrauben mit Senkkopf (für Holz), in der Regel 2,5-3cm lang
  • eine Ahle
  • einen Aufhänger, das kann ein typischer Galerieaufhänger sein oder ein klassischer Dreiecksaufhänger (ist das Bild länger als 80cm auf der längsten Seite nimmt man  zwei Aufhänger)
  • einen Schraubendreher
  • einen Zollstock

01 Anfang
Man braucht: eine Unterlage, hier Bubblewrap und Papier, einen Schattenfugenrahmen, das Bild, einen Schraubendreher, Schrauben, Zollstock und Pappstreifen.

Zunächst legt man das Bild in den Rahmen, mit dem Motiv nach oben natürlich. Dann ein wenig mittig ausrichten und die Pappstreifen in die Fuge stecken. Hier ist wichtig, dass auf jeder Seite gleich viele Pappstreifen sind, in meinem Fall waren es sechs. Das Bild wird von diesen Pappstreifen straff im Rahmen gehalten werden, es darf richtig klemmen und gestopft werden – aber nicht zu sehr, damit die schmale Rahmenleiste nicht in der Mitte nach außen gedrückt wird.

02 Pappstreifen
Das Bild im Rahmen, mit allen Pappstreifen versehen.

Dann misst man von oben den Abstand zwischen der Außenkante des Bilderrahmens zum Keilrahmen. Das ist wichtig, damit man später beim bohren nicht genau in der Fuge herauskommt.

03 Mass_1
Bei mir waren es hier etwa 3 cm.

Jetzt kann das Bild samt Rahmen umgedreht werden, die Pappstreifen halten es im Rahmen fest.

In der Mitte jeder Bildseite wird diese 3 cm eine Markierung gemacht:

04 Mass_2
Etwa 3cm vom Rand weg in der Mitte jeder Seite ein Kreuz. Ist das Bild größer als 80cm, dann braucht es zwei Schrauben auf der langen Seite.

Das ist die Markierung für die Bohrung. Es ist wichtig, das man mit dem Bohrer nicht nach vorn durchsticht und das Bild beschädigt. Ich schätze die Tiefe gleich beim Einsetzen des Bohrers in die Bohrmaschine ab und lasse den Bohrer gar nicht weit vorstehen.

Jetzt kann gebohrt werden:

05 Bohren
Die Kaffekanne ist optional. Arbeiten auf dem Esstisch. Man sieht, dass ich beim Bohren die Leiste des Keilrahmens etwas nach oben festziehe, auch wenn die Pappstreifen das Bild fest im Rahmen halten.

Die Schrauben dürfen, wie der Bohrer, natürlich nicht nach vorn durchkommen. sie dürfen also inklusive Senkkopf nicht länger als der Rahmen und der Keilrahmen zusammen sein.

06 Schraube
Hier ein Foto meiner Handwerkerhand mit der passenden Schraube. Diese ist genau richtig, etwas kürzer als Rahmen und Keilrahmen zusammen.

Durch die Bohrlöcher kann das Bild in den Rahmen geschraubt werden. Diese Art der Rahmung ist kleben vorzuziehen, denn das Bild kann so einfach herausgeschraubt werden und neu aufgespannt werden oder neu gerahmt werden.

07 Schrauben
Morgens nach dem ersten Kaffee auf dem Küchentisch schrauben. Vier Schrauben kann man schon mal von Hand schrauben, für mehr wäre ein Akkuschrauber dann praktisch….

Und wieder umdrehen! Das Bild ist jetzt fest, und die Pappstreifen können herausgezogen werden.

08 Pappe-raus
Ein schöner Schatten in der Fuge! Die Pappstreifen sollten nicht leicht herauszuziehen sein, sondern etwas klemmen.

Jetzt ist das Bild fast fertig, von vorn wird nochmal kontrolliert, ob alle Fugen gleich breit sind. Manche Keilrahmenbilder sind nicht exakt rechteckig oder an einer Seite schief, das wird man in einem geraden Schattenfugenrahmen sehen. Meistens stellt man das aber erst durch nachmessen fest und es guckt sich wirklich weg, wenn das Bild an der Wand hängt.

09 fast-fertig
Kontrolle von vorn. Mein Keilrahmen ist zwar gut abgelagert, aber gerade.

Nochmal umdrehen – jetzt zahlt sich die Unterlage aus. So kann man das Bild noch nicht aufhängen, es fehlt noch der Aufhänger.

10 Aufhaenger
Ich habe den typischen Galerieaufhänger verwendet, mit zwei kleinen Schräublein befestigt.

Hier kommt die Ahle zum Vorstechen zum Einsatz. Oben in der Mitte des Rahmens, etwas nach unten versetzt, damit die Schräublein nicht in der Fuge zum Vorschein kommen. Mein Bild ist ziemlich genau 70x50cm groß und mit dem Rahmen zusammen sehr leicht, sodass ein kleiner Aufhänger genügt.

11 fertig
Und fertig! Nachdem ich das Bild im Rahmen hatte, habe ich festgestellt, dass ich gar keinen Platz zum Aufhängen habe. Ups. Aber ich ziehe bald um, dann bekommt es einen Ehrenplatz.

Bei meinem Bild hat die Höhe des Keilrahmens mit der Innenhöhe des Rahmens perfekt zusammengepasst, ich habe mir einen Rahmen ausgesucht, der für diese Standartkeilrahmen hergestellt wird. Standart sind etwa 2cm. Man kann aber auch 4cm hohe Keilrahmen kaufen, da braucht man dann einen höhere Schattenfugenrahmen. Möchte man ein 2cm hohes Bild in einen für 4cm gedachten Rahmen setzen, kann man das Bild aufbocken. Dazu gibt es im Baumarkt praktische Leisten, die man sich zusägen  und auf dem Keilrahmen anschrauben kann. Dann geht das Rahmen genau wie oben beschrieben vonstatten, nur das man noch durch diese zusätzliche Leiste bohrt.

Damit haben wir meinem Original einen schönen Rahmen gegeben. Nachmachen durchaus empfohlen, aber der Rahmen darf gern im Fachgeschäft gekauft werden, man möchte ja den lokalen Einzelhandel unterstützen, nicht?

 

Jacke aus den 1770er Jahren II

In den 1770ern muss es auch schon Haken und Augen gegeben haben. Ich habe mich ja so unwohl in der Jacke gefühlt, in die ich so viel Arbeit gesteckt hatte. Jetzt endlich habe ich mal Augen unter den Knöpfen angebracht und siehe da: plötzlich ist alles ganz anders!

neu_vorn
Die Jacke an der Schneiderpuppe. Die Puppe trägt kein Korsett.

Die Jacke steht am Ausschnitt etwas ab, was mir jetzt an der Puppe erst auffiel, da sie ja mit einem Fichu, einem Einstecktuch, getragen wird. Mit dem Fichu sieht es perfekt aus….

neu_detail
Ich liebe es, an der Puppe Details zu fotografieren! Hier sieht man oben das erste Auge etwas hervorspitzen.

Damit wäre das Projekt endgültig abgeschlossen. Eine tragbare, bequeme Variante der Jacke ist entstanden und wird wohl zum WGT das ganze schwarz aufmischen.