Was macht eigentlich eine Galerieassistentin?

Nachdem ich mein ganzes Studium der Kunstgeschichte gefragt worden bin, was man eigentlich damit macht, werde ich jetzt gefragt, was ich als Galerieassistentin so mache. (Das hört wohl nie auf…)

Also, was mache ich den ganzen Tag über?

Ich arbeite in der Modern Art Gallery. Zunächst berate ich Kundinnen, die sich einen Rahmen für ein bereits vorhandenes Bild aussuchen wollen. Ich habe über 2000 Rahmenmuster zur Verfügung, und es sei gesagt, dass ich mich ganz gut auskenne und durchaus von etwas abraten kann, was vielleicht dem Kunden supergut gefällt, aber nicht zum Bild passt oder umgekehrt. Sprich, ich stupse Leute in die richtige Richtung, bin aber auch bereit, etwas Verrücktes auszuprobieren. Es gibt so viele tolle Bilderrahmen!

Rahmen
Rahmenmuster von einer Firma names Klüber.

Hier kommt dann meine handwerkliche Ausbildung ins Spiel: Ich rahme die Bilder dann auch ein. Je nachdem wie groß das Bild ist bekomme ich entweder Rahmenstücke direkt vom Hersteller oder einen Leerrahmen, und dann handwerke ich los.

Das zweite große Thema sind die Originale, von denen die Gallery am meisten im Bereich Grafik führt. Radierungen, Serigrafien, Carborundum-Radierungen, Collagen, alles ist dabei. Malerei und Zeichnung natürlich auch, auch gibt es vereinzelt Skulpturen. Viel limtierte Sachen, und da diese preislich eher im Mittelfeld sind, macht es am meisten Spaß, die zu verkaufen.

Ansonsten bin ich auch für die Kasse, das führen den Bestellbuchs, allerlei Organisatorisches und manchmal auch für die Webseiten-Betreuung zuständig.

Und ich kann mit jeder Menge Kunst umgehen:

Regen
Ich kann leider nicht erzählen, welche Kundin es gebracht hat, Datenschutz und so.

Dieses Bild ist ein Aquarell, das eine Kundin zum einrahmen vorbeigebracht hat. Der Rahmen ist bereits ausgesucht und bestellt, und ich habe hier das Passepartout ausgeschnitten und das Bild mit speziellem, säurefreien Klebeband im Passepartout befestigt. Das Band muss säurefrei sein, damit es über die Zeit nicht das Papier des Bildes übersäuert und braune Flecken macht. Die Briefbeschwerer helfen beim Ankleben.

Manchmal bringen Kunden auch lustige Sachen, also, für mich lustig:

Karte
Historische Karte von Leipzig, vor 1990.

Also, ich lebe ja im Südwesten Deutschlands, und es ist immer schön, Zugewanderte zu treffen. Lustig für mich, das der Kunde mir eine Karte meiner eigenen Heimatstadt bringt! Auch hier ist das Passepartout schon drum.

Spezialfälle gibt es immer wieder:

Puppen1
Handgemachte Puppen, die so gerahmt werden müssen, dass zwischen ihnen und dem Glas genug Platz ist.

Dieses Platz schaffen nennt man „hochbauen“. Ich bin nicht immer begeistert vom Hochbauen, vor allem, wenn es viele Bilder hintereinander sind, da ich Ruhe brauche, um sehr exakt alles zuzuschneiden und einzukleben. Zum Glück habe ich einen tolle Kollegin! Zu zweit geht alles besser.

Puppen2
Seitlich in den Rahmen fotografiert, damit man das Hochbauen besser sieht.

Anderseits ist die Herausforderung manchmal wirklich gut, denn das Tagesgeschäft kann auch in einer Galerie manchmal langweilig sein. Meine Chefin ist total auf Zack, was den aktuellen Zeitgeschmack betrifft, und bringt oft neue Kunst mit, aber dennoch. Ein komplizierter Auftrag ist gleichzeitig toll und nervig.

Libelle
Nochmal hochgebaut. Eine echte Libelle, die letzten Sommer leider im Ladengeschäft verunglückt ist. Man kann fast alles einrahmen.

Manchmal schlagen meine eigenen Ideen mir den Boden unter den Füßen weg. Ein Stoffbild zwischen zwei Glasscheiben rahmen? Klar, machen wir!

Nur wie?

Mandala
Zweiseitiges Stoffmandala, beidseitig sichtbar gerahmt.

Am Ende wurde es eine ganz clevere Lösung, die wir drei „Guardians of the Gallery“ uns ausgedacht haben: auf der Rückseite dieses Rahmens ist ein zweiter Rahmen eingehängt, in den wiederum einen Leiste geklebt ist, die alle Aufbauten im Inneren verdeckt.

Ihr seht, fast alles ist möglich.

So, das war ein kleiner Einblick in mein Tagesgeschäft. Man kann also doch etwas aus einem Studium in Kunstgeschichte und einer Ausbildung zur Buchbinderin machen…. 😉

NACHTRAG:

Der Regentag fertig gerahmt:

Regentag

Außerdem habe ich den perfektesten Rahmen gemacht:

Spagl_3
Das ist eine Schattenfuge. Es kommt ein auf Keilrahmen gezogenes Leinwandbild in den Rahmen, mit 5 mm Abstand zum silbernen Rand – eben die Schattenfuge.
Spagl__2
Das ist leider ziemlich unscharf, mein Handy ist nicht so gut mit Makro. Erinnerung: Kamera kaufen…

Spagl_1

 

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