(Regency-) Kleid mit Überkleid, Teil V

Manchmal ist das Hobby, Kleider nach zu produzieren, einfach anstrengend. Heute habe ich sechs (!) Stunden damit zugebracht, ein einfaches Futter in das Kleid zu bringen. Ich habe doch noch ein Stück dünnen Baummwollstoff in der Stofftruhe gehabt, der genau gereicht hat.

Dabei habe ich mir den bekannten Modekupfer nochmal angesehen, denn ich wollte auch noch die Spitze für den Ausschnitt des weißen Kleides aussuchen und bestellen. Diesmal habe ich das Bild nicht aus meinem Blog, sondern aus dem Ordner für den Blog gezogen, und daneben ist dieses Bild abgespeichert:

reg2
Oha, andere Ärmel, anderer Verschluss, aber gestreift!

Leider, leider habe ich mir selbst einen Stein in den Weg gelegt: keinerlei Info, was das für ein Kleid ist oder woher ich das Bild habe! Kann es ein Original sein?

Am Ende habe ich die Google-reverse-Bildersuche bemühen müssen. Das Ergebnis ist leider ein bisschen enttäuschend: es ist ein Filmkostüm. Es gab als Quelle bei Pinterest wornthrough.com an, und bei der Bildersuche stand einmal „Purple Regency-style gown with pelisse – FIDM 2009 Emmy exhibit, costumes from the film Sense and Sensibility“ dabei, aber nicht, auf welcher Seite diese Worte stehen. Auf wornthrough.com habe ich trotz aller Suche keinen Zusammenhang finden können. Letztendlich war ich wohl einfach blind, denn ich kenne den Film:

sense
BBCs „Sense and Sensiblity“, 2008, das Kleid getragen von Hattie Morahan als Elinor. Quelle: rushblog

Nun ja, ich liege mit meiner Interpretation des Modekupfers wohl nicht ganz falsch, wenn die Filmleute, die ihre Recherchearbeit definitv gut gemacht haben, diese Art Kleid ähnlich interpretieren.

Jetzt ist das Futter drin und die neue Spitze bestellt.

Futter
Es gibt nicht viel zu sehen. Die Bänder, die an den Bügel geknotet sind, sind die Haarbänder.

 

(Regency-) Kleid mit Überkleid, Teil IV

Der letzte Stand hier war ja ein anziehbares Objekt, das noch keinen Verschluss hatte, keinen Saum um den Ausschnitt rum und auch noch zu kurz war. Den Saum um den Ausschnitt habe ich nicht abfotografiert, es war eigentlich nur umlegen und festnähen. Da ich es nicht über mich bringe, historisch korrekt zu arbeiten – was bei meiner Stoffwahl auch verschwendete Mühe wäre – habe ich alle Nahtzugaben mit der Overlockmaschine versäubert, sodass „umlegen und festnähen“ immernoch eine saubere Lösung ist.

Es folgt das verlängern des Kleides. Da der Stoff nicht in Webrichtung gestreift ist, sondern gerade andersherum, konnte ich die langen Teile nicht einfach unten verlängern, sondern musste ansetzen. Ansetzen immerhin ist historisch korrekt, aber kein Spaß, wenn man Streifen genau aneinander passen muss. Am Ende hat es auch nur fast geklappt.

Ansetzen
Ansetzen der vorderen beiden, umgeschlagenen Streifen am Rockteil. Die Streifen habe ich so genau wir möglich aufeinander gelegt. Dort, wo die Nadeln sind, wird später die Naht laufen.

Jetzt fehlt noch der Verschluss:

Regency
Zu Erinnerung der Modekupfer aus dem Journal des Luxus und der Moden.

Eigentlich sind es nur zwei Bänder, die das Kleid vorn zusammen halten.

Zuschnitt Streifen
Also schneide ich aus dem Stoff ein paar schmale Streifen, versäubere diese wieder historisch unkorrekt und mache ein paar einfache Bänder daraus.

Auf der einen Seite sind die Bänder angenäht, auf der anderen habe ich Haken und Augen eingesetzt. Und siehe da:

Fertiges-Kleid
Fertig!

Die Haare sind nur ein Stand-In, aber so in etwa könnte es aussehen. Bänder für die Haare habe ich auch gleich noch gemacht. Das Kleid schleppt nur ein paar Zetimeter, fällt aber genau wie auf dem Modekupfer, da ich die unteren 60 cm mit dem selben Stoff wie dem Oberstoff gefüttert habe. Man sieht das Ende dieser Fütterung noch, denn noch fehlt ein Futter für das Oberteil, das dann dieses Ende überdecken würde. Die Schleppe ist dadurch schön schwer geworden. Meine Ärmel sind ganz anders als auf dem Modekupfer, da ich endlich die im Schnittmuster vorgegebenen Raffungen einigermaßen hinbekommen habe wollte ich das nicht ändern. Mein Unterkleid ist natürlich anders – ich habe von dem gestreiften Stoff  nichts mehr, um die Ärmel anzupassen. Zartgelbe Handschuhe fallen dann also auch weg. Was noch im machbaren Bereich liegt ist die Tasche. Das weiße Kleid bekommt noch eine Halsrüsche.

Insgesamt ist es mehr ein get-the-look-Projekt denn eine richtige Nachfertigung des Modekupfers. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es hat eine ganze Weile gedauert, vor allem das Verkleinern war viel Aufwand. Mit den Details, die noch hinzugefügt werden können wäre dieses Ensemble sogar etwas für das nächste WGT….