Holzschnitt aus Nagasaki

Manchmal bekomme ich interessante Sachen auf der Arbeit zum Rahmen. Diese Woche ist es ein Holzschnitt aus Japan, bei dem der Rahmen noch ganz war, aber das Glas zerbrochen. Ich konnte den Kunden überreden, den Rahmen zu behalten, weil ich fand, dass er gut zum Bild passt und ich auch beim Drehen des Bildes auf der Rückseite ein Etikett gefunden habe, das besagt, das das Bild in Japan gerahmt worden ist. Das war am Ende auch gut so, denn der Rahmen ist etwas ganz besonderes:

Rahmenecke
Eine etwas abgestoßene Rahmenecke.

Was hier zu sehen ist klassische japanische Holzverbindungen. Der Rahmen wurde nicht, wie in Europa üblich, getackert, genagelt oder geklebt, sondern über einen Zapfen verbunden (der dunkle Stich). Sowas gibt es zwar auch heute in Europa, es ist aber unbeschreiblich teuer. Außerdem sind die Japaner für Ihre perfekten und kunstvollen Holzsteckverbindungen bekannt.

Der Inhalt des Bilderrahmens ist eine Karte von Nagasaki:

Passepartout
Die Karte, hier im neuen Passepartout.

Eindeutig ein Holzschnitt in zwei Farben, schwarz und blau. Das Blau ist ziemlich versetzt zum Schwarz. Das Schnitt selber wurde schon einmal restauriert, er ist nämlich auf ein dünnes Trägerpapier aufgeklebt.

Laut dem Etikett auf der Rückseite ist es ein Holzschnitt von 1802, vom Verleger Bunkin-Do. Laut dem Printing Museum Tokio wurden diese Holzschnitte vor allem zwischen 1790 und 1830 für ein ausländisches Publikum als Souvenir hergestellt.

Etkett
Bunkin-Do ist das Verlagshaus, dass das Etikett in Englisch ist weist wiederum auf ein Souvenir hin.

Ich freue mich, dass der Kunde sich für entspiegeltes Glas entschieden hat, das auch über eine erhöhten UV-Schutz im Vergleich zu normalem Glas verfügt. So bleibt sein Holzschnitt lange schön.

fertiges-Bild
Das fertig neu gerahmte Bild.