Jacke aus den 1770er Jahren

… oder auch: wie unbequem ist das denn?!?

Die Prüfung für Schlösser und Gärten ist vorbei, das WGT habe ich auch überstanden, Zeit, mein letztes Nähprojekt zu präsentieren:

Eine Jacke für die 1770er Jahre.

Im Metropolitan Museum ist eine Jacke in der Art in gelb erhalten, allerdings mit einer anderen Verschlusslösung:

 

2010.342_B
Diese Jacke aus Seide wird vorn ohne Stecker geschlossen, aber von hinten sieht sie genau aus wie meine. Quelle: The Met

Ich wollte mal ein etwas weniger höfisches Gewand anfertigen, etwas bequemes für heiße Tage, eher Richtung bürgerliches Leben des 18. Jahrhunderts. Die Stoffwahl war daher keine Seide, sondern Baumwolle, ungemustert. Ich wollte ursprünglich gelben Stoff nehmen, habe dann aber diesen wunderbaren blauen Stoff gefunden, der auch genau genug vorhanden war. Also blau-weiß statt gelb-weiß. Auch einen Hut gab es schon, den ich neu dekoriert habe. Diesmal historisch korrekter mit einen Streifen Stoff, den ich, mangels Stanzeisen, mit einer Zickzackschere ausgeschnitten habe.

Jacke_Selfie
Das Hutband sieht gleich so viel besser aus!

Das komplette Outfit besteht aus:

  • einer Chemise aus dünnem Baumwoll-Leinen-Gemisch (vorhanden)
  • einem weißen Korsett, das ich neu angefertigt habe, das nur sehr, sehr leicht mit Stäben versehen ist
  • eigentlich weißen Strümpfen, vorhanden, die ich aber aufgrund der Hitze auf den Fotos nicht trage
  • einem Halstuch aus Leinen
  • einem Pokissen, auch neu, in weiß
  • einem Unterrock
  • einem Petticoat, der schon vorhanden war
  • der blauen Jacke mit Stecker
  • und dem Hut

Alles einmal angezogen, und – es ist unglaublich unbequem. Das Korsett mag nicht von hinten mit dem Pokissen gedrückt werden, die Jacke hält vorn nur durch pure Willenskraft zusammen (was sollte das mit den Knöpfen?!?), und zu warm ist es auch!

Jacke_2
Pokissen auffluffen – hier sieht man den Unterrock hervorblitzen. Die Rückseite kommt dem historischen Original sehr nahe.

Auf jeden Fall muss ich Ösen an der Vorderseite ergänzen, und ich würde das ganze gern ohne Korsett tragen können – das ist nicht historisch korrekt, aber so wie es jetzt ist werde ich es nie wieder anziehen wollen. Es sollte leicht und elegant sein, nicht anstrengend!

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Sonniger Tag, daher die Lichtflecke. Hier sieht man die Schnürung vorn über dem Stecker, und wie alles nur hält, weil ich das so will. Verrutscht ist es auch schon. Eigentlich soll der Stecker am Korsett festgesteckt werden, aber ich werde ihn wohl vorn in die Jacke mit Haken und Augen einhängen.

Allerdings hat es Spaß gemacht, die Jacke zu nähen. Ich musste das Schnittmuster (J. P. Ryan, A fine Collection of 18th Century Jackets, View B) sehr viel kleiner machen, da mir Größe 10 viel zu Groß war, aber die Passform ist ganz gut, finde ich. Alle sichtbaren Nähte sind diesmal von Hand genäht, deshalb hat das ganze Projekt länger gedauert, als ich dachte, aber es hat sich gelohnt.

Jacke_1
Sommer, Sonne, unbequem. Ich hoffe die Zugfalten an der Vorderseite der Jacke gehen weg, wenn ich den Verschluss ändere.

 

Ein Gedanke zu „Jacke aus den 1770er Jahren“

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