Pet en l’air oder ein ufO ist kein ufO mehr

Ich hatte ein wenig Urlaub. Es wurde auch ein Abenteuer unternommen, aber dazu kommt vielleicht noch ein großer Blogbeitrag. Ich hatte aber auch Zeit zum Nähen – und Geburtstag, weswegen ich Geburtstagsgeld hatte. Zuerst wusste ich nicht, was ich damit anfangen soll, aber dann dachte ich, ich gehe diesmal keine Kompromisse ein und kaufe den teuren Stoff, den ich mir immer zu dem Pet en l’air vorgestellt habe: reine Seide.

Zu dem was? Ein Pet en l’air, wörtlich „Pups in der Luft“, ist eine Art kurze Robe á la francaise. Die Kleiderform mit den typischen Falten hinten, aber nicht bis zum Boden reichend, nannte man bis in die 1740er „casaquin“, erst danach kam die pupsige Bezeichnung auf. Ich habe so ein Teil von ganz, ganz früher im Schrank, aber nur ein einziges Mal mit einem viel zu schweren roten Rock auf dem WGT getragen. Heute nähe ich auch anders, ich würde die Bänder für die Verzierung nicht mehr ganz hart historisch inkorrekt mit einem Rollsaum versehen, aber so habe ich das eben damals gestaltet, als mir Akuratesse noch nicht so wichtig war.

Pet_1
Das gute Stück. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mal, wann ich das genäht habe. Ups. Das Oberteil selbst ist aus Baumwollstoff, aber die Deko schon aus Dupion-Seide.

Ich hatte also dieses „unfertige Objekt“, kurz ufO, jahrelang im Schrank und jetzt endlich den Stoff, den ich mir immer dazu vorgestellt habe. 3m wunderbare, nicht ganz tiefschwarze Dupionseide. Der Stecker zu dem Kleid ist auch schon lange verloren, aber Poschen sind vorhanden, damit es auch seine typische querovale Form bekommt.

Stoff
Links das Oberteil, danach der Stoff für die Saumrüsche, dann der für die Dekorüsche und dann der eigentliche Rockstoff.

Es ging also damit los, das ich historisch unkorrekt Stoffstreifen durch die Overlockmaschine gezogen habe.

Overlock
Der Streifen Washitape sorgt dafür, dass alle Steifen am Ende gleich breit sind.

Und dann habe ich, ebenso historisch unkorrekt, alles durch den ruffler (den „Rüscher“) gezogen:

ruffler
Made in China, macht das Nähen so viel leichter! Laut ist der ruffler. Aber hinten kommt eine fertige Rüschendeko raus.

Das Zusammenfügen der Teile war dann leicht, es sind eigentlich nur Rechtecke, die in eine Rockform gebracht werden. Nicht vergessen oben in der Mitte vom Rock etwas Länge rauszunehmen, denn durch die querovale, ausladende Form hängt der Rock sonst vorn zu tief.

Saum
Den Rock an einer Wäscheleine aufhängen und den Saum im Stehen stecken entspannt den Rücken und die Knie ungemein. Ich brauche mal einen richtigen Arbeitstisch, immer alles auf dem Boden machen ist nichts auf Dauer…

Die Rüsche habe ich mit einer simplen Schablone aus Papier aufgesteckt. Ich wollte das Schlichte des Kleides beibehalten und habe daher nur eine einfache, wellenförmig laufende Rüsche eingeplant.

Ruesche_1
Idealerweise hätte ich die Wellenwiederholung auf den Rockumfang berechnet und die Welle etwas steiler und kleiner gemacht, aber es hat fast gepasst.

Es wird langsam klar, das das eher in Richtung „gothic meets rococo“ als historisch korrekt geht, das ist aber auch ok, denn wann außer zum WGT kann ich in seidenen Röcke rumlaufen? Ich kaufe mir zu dem Kleid noch einen opulenten Hut, und e voila, neues Outfit gefunden!

Ruesche_2
Das silberne Band vom Oberteil musste natürlich wiederholt werden, also habe ich es einfach beim Annhähen mitlaufen lassen. Das hat überraschend gut funktioniert.

Was jetzt noch fehlt sind ein Stecker und ein sinnvolles Foto, wenn ich das Kleid an habe. (Oder ich kaufe mir endlich mal eine Schneiderpuppe….)

Ruesche_3
Fertige Wellen mit silbernem Band.
stecker
Ein kleiner, leicht schiefer Stecker. Das macht aber nichts, fertig im Kleid sieht man das gar nicht mehr. Muss ich eben auf der einen Seite mehr wegstecken.