Senbazuru

Ich hatte mir im März spontan eine kleine Packung Origami-Papier gekauft. Wie man Origami faltet wusste ich ja schon vom 35C3. In dieser 10x10cm Packung waren 50 Blatt Origami-Papier mit verschiedenen Mustern, und ich hatte schnell die ganze Packung leer gefaltet. Ausschließlich Kraniche, weil mir dieses Modell am besten gefallen hat (und ich mich an eine Geschichte mit 1000 Kranichen dunkel erinnern konnte). Einen Teil der Kraniche habe ich auf Zwirn gezogen und Girlanden drauß gemacht, die anderen landeten in einer Box. Das hat so viel Spaß gemacht, das ich noch mehr falten wollte. Zu etwas anderem hatte ich auch kaum Lust, nicht mal zum Netflix schauen oder so. Totale Unlust. Nur Kraniche falten ging als Ausgleich. Leider war dann erst mal ein Paar Tage Faltpause, gezwungenermaßen. Mein Paket mit dem neuen Papier, diesmal 7x7cm, wurde über DPD versendet und hatte Probleme, zu mir zu finden. Es kam schließlich ein kleiner Würfel Papier an:

Ein japanisches Senbazuru-Set! Es enthält genau 1005 Blatt Papier für eben 1000 Kraniche (plus 5, falls etwas nicht klappt).

Die Packung an sich ist ja schon total hübsch, aber der Inhalt auch: 12 verschiedene Farben, die sich als Regenbogen zusammensetzen lassen. Das Muster ist auf allen Blättern gleich. Damit war entschieden: ich mache ein Senbazuru! Derweil hatte ich die Sache mit den 1000 Kranichen nachgeschlagen und bin dabei auf Sasaki Sadako gestoßen und auf diesen Artikel, der eigentlich schon alles wieder gibt, was es zu wissen gibt.

Hier sieht man den Regenbogen schön, auch wenn nicht alle Farben dabei sind.

Derzeit bin ich bei 86 Kranichen. Ich falte zwischen einem und 16 am Tag. Ich zähle die ersten 50 Kraniche mit, sodass ich am Ende 55 Blatt von dem 7x7cm-Papier über haben sollte. Ich will nicht nur viele Kraniche haben, sondern auch schöne Kraniche, was mich ein bisschen verlangsamt. Ich versuche schon, exakt zu falten.

Kranich-Armee, und das ist nur ein Teil der kleinen Kraniche.

Was ich mit den 1000 Kranichen mache weiß ich noch nicht. Ich ziehe wie gesagt einige auf Girlanden auf, und auf Instagram wurde auch schon angefragt, ob ich welche verschenken will. Das ist gar keine dumme Idee, Kraniche verschenken bringt dem Empfänger nämlich Glück.

Gruppe türkiser Kraniche.

Kraniche falten entspannt tatsächlich. Es fordert die für mich gerade richtige Menge an Konzentration.

Links einer von den großen Kranichen, rechts ein farblich passender kleiner.
Zwei besonders schöne rosane Kraniche.

Die Kraniche befriedigen außerdem meinen Sinn für Ästhetik. Das zusammestellen der Girlanden und zusammesetzen der farblich passenden großen und kleinen Kraniche macht auch total Spaß.

Traditionelle japanische Muster.
Der aktuelle Zustand der Box. Ich glaube, ich brauche mal wieder eine neue Box…
Die Origami-Ecke. Alles gefaltete von mir, die Girlande mit den Schmetterlingen ist das Ergebnis vom 35C3, die runden Scheiben habe ich von einem Künstler geschenkt bekommen.

Disziplin

Laut dem Google-Wörterbuch ist Disziplin unter anderem


das Beherrschen des eigenen Willens, der eigenen Gefühle und Neigungen, um etwas zu erreichen.

Google-Wörterbuch, aufgerufen am 05.04.2019

Nach der Aufräum-Sache mit Marie Kondo stelle ich für mich vor allem fest, das es nun auf Disziplin ankommt, die Dinge auch wieder an ihren zugewiesenen Platz zu räumen. Ich möchte damit etwas für mich erreichen (mehr Ordnung). Dieser Gedanke führte mich weiter. Es gehört eine gehörige Portion Disziplin dazu, jeden Morgen aufzustehen, sich anzuziehen und zur Arbeit zu fahren, und dabei auch noch pünktlich zu sein. Das wird, vor allem in Deutschland, als selbstverständlich angesehen, aber eigentlich, finde ich, ist es das nicht. Zumal die Welt sich weiter dreht, wenn man zu spät kommt. Meine Chefin beispielsweise kommt gern mal zu spät (obwohl ich bemerke, das sie daran arbeitet), aber meistens macht das nichts. Der Termin findet dann trotzdem statt, eben etwas später. Das soll jetzt kein Aufruf sein, absichtlich zu spät zur Arbeit zu kommen. Dieses Beispiel soll die Disziplin der Pünktlichkeit in Relation zur Realität setzen. Ich selbst tendiere dazu, zu früh dran zu sein, was auch unpünktlich ist. (Später am Tag werde ich eventuell einen Zug nehmen, mit dem ich genau pünktlich sein sollte. Wir werden sehen, ob ich nicht doch einknicke und wieder lieber 30 Minuten zu früh da bin als unpünktlich zu spät zu sein).

Die eigene Disziplin erstreckt sich auch auf Körperpflege und Sauberkeit. Irgendwie geht das bei mir Hand in Hand, ich dusche täglich (was zwar nicht gut für die Haut ist, aber sonst fühle ich mich unsauber, vor allem, wenn ich mit dem Rad zur Arbeit und zurück fahre). Ich sorge auch für mein direktes Umfeld. Im Geschäft verlasse ich den Laden so, wie ich am nächsten Morgen vorfinden möchte, maximal lasse ich ein angefangenes Projekt liegen, das ich am nächsten Morgen weiter bearbeiten will. Das gilt vor allem für die Tage, an denen meine Kollegin morgens kommt oder ich gar nicht da bin. Das gehört, finde ich, zur Disziplin dazu. Morgens nicht erst mal eine Stunde herumzulaufen, Sachen wegzuräumen und Kasse und Kassenbuch einzurichten sorgt für einen gelasseneren Start in den Tag. Daheim räume ich eben auf, aber ich sauge auch, wische regelmäßig die Küchenoberfläche ab, bringe den Müll herunter – entweder nach Termin oder wenn er voll ist – lüfte und mache die Betten. Ich finde, den Alltag durch das Ausführen dieser kleinen Dinge bequem und am Laufen zu halten gehört zur Disziplin dazu.

Größere Putzaktionen gehören ebenfalls zur Disziplin. Alle meine Freunde haben jetzt eigene Wohnungen, und alle sorgen dafür, das es so sauber wie möglich ist. Bei mir gehört dann staubwischen, die Bäder putzen, den Boden wischen, Wäsche waschen, die Küche gründlich putzen, Haare aus Abflüssen entfernen und sowas dazu. Muss eben gemacht werden, ein ganz typischer Satz, wenn es um Disziplin im Haushalt geht.

Wenn man Haustiere hat kommt man um Disziplin nicht herum. Ich möchte erreichen, das es meinem Hund, meiner Katze, meinen Garnelen so gut wie möglich geht. Ich habe vielleicht keine Lust, das stinkige Katzenklo sauber zu machen, aber ich muss mich hier beherrschen und es einfach machen. Oder, konketer, ich muss eben Wasserwechsel im Aquarium machen, auch wenn die aufwändig sind.

Am Schluss greift die Disziplin des einzelnen dann auf die Außenwelt über. Ich sollte mich disziplinert an Verkehrsregeln halten, auch wenn ich als Radfahrer das Gefühl habe, mich da noch schnell durchquetschen zu könnne und damit schneller von der Kreuzung zu sein. Leute erst aus der Bahn aussteigen zu lassen, während man draußen im Regen steht, gehört zu einer der diszipliniertesten Regeln des alltäglichen Zusammenlebens. Und schon kommme ich zu Kern der Sache: Eine gewisse Disziplin sorgt für ein gutes Zusammenleben in einem in Städten eben begrenztem Raum. Dafür ist Disziplin da.

Ab und an sollte man die Disziplin aber fahren lassen. Sonst macht das Leben keinen Spaß. Mal nicht aufräumen, mal nicht putzen, mal drängeln. Muss auch mal sein. Aber immer in Maßen!