Work in Progres: Weiße Robe á la Polonaise

Heute möchte ich mein aktuelles Nähprojekt vorstellen. Ich nenne es das ‚historisch okaye‘ Projekt, denn ich bemühe mich um historische Akuratesse, aber ich weiß auch, dass ich Abstriche machen muss. Letzendlich lebe ich eben – zum Glück – nicht im 18. Jahrhundert.

Es soll eine Robe á la Polonaise werden. Meine Recherche zum Thema ist schon Jahre alt, eine Robe á la Polonaise war eins meiner ersten Nähprojekte. Damals aus Vollpolyester, bin ich mit den Jahren schlauer geworden und verwende heute nur noch Baumwolle, Leinen, Seide oder Wolle für historische Kleidung. Mein letzter Versuch einer Polonaise war ein komplett weißes Kleid, das mit entsprechenden Accessoiries den Look gut wiedergegeben hat. Komplett weiße Kleider, ohne Muster, waren damals aber eher nicht üblich. Bisher habe ich auch ausschließlich mit der Maschine genäht, diesmal ist es anders: ich nähe das komplette Kleid mit der Hand. Das geht schneller als erwartet. Ich habe das restliche Jahr 2019 eingeplant, aber so langsam nähe ich gar nicht mit der Hand.

Hier also meine aktuellen Quellen für meine Recherche:

Willow and Thatch – ein Artikel über Kleider mit indischem Blockprint

Lars Datter – sehr hilfreiche Seite, die real existierende Kleider zusammenstellt, zum Beispiel dieses oder dieses

Entgegen meiner auf Instagram verkündetetn Erkenntnis, das ich bisher kein originales Kleid finden konnte, das ein Zugband am Ausschnitt hat, habe ich dann heute dieses Kleid gefunden, das sehr wohl ein Zugband hat. Aber es scheint keine übliche Technik gewesen zu sein.

Dieses Kleid ist die Optik, die ich anstrebe, aber ohne den Rock aus dem gleichen Stoff, ich habe nämlich nicht genug Stoff für einen Rock.

Weiterhin empfehle ich die Publikationen vom Kyoto Costume Institute und American Duchess18th Century Dessmaking„. Letzterem Buch verdanke ich die ersten nicht verdrehten Ärmel meiner Polonaisen-Karriere, es wird dort sehr gut erklärt, wie genau diese Ärmel eingesetzt werden müssen.

Ich habe es geschafft, drei Meter indischen Blockprints auf einem Leinen-Baumwollgemisch zu erwerben. Da hatte ich einfach Glück, das es einen Stoffverkäufer bei den India Summer Days in Karlsruhe gab. Der Druck ist zu groß, um wirklich historisch korrekt zu sein, aber korrekter wird es mit meinem Budget wohl nicht mehr.

Das Schnittmuster habe ich nicht selbst gemacht, ich verwende weiterhin Period Impressions Robe á la Polonaise und Petticoat (PI420), obwohl ich an selbigem sehr viel geändert habe.

So, nun genug der Vorrede, auf zum eigentlichen Projekt:

Zuschnitt der beiden Ärmelteile.

Schon beim Zuschnitt habe ich einen Fehler gemacht: Ich habe die Ärmel nicht umgedreht und damit zwei linke Ärmel zugeschnitten. Zum Glück hat sich das Blockdruckmuster durchgedrückt, ich habe nämlich absolut keine ausreichend großen Reste für einen weiteren Ärmel übrig. Ich habe versucht, das Muster halbwegs abzustimmen, da mir gleich aufgefallen ist, das es eine gewissen Varianz im Druck gibt. Sprich, einfach von der linken Stoffseite zuschneiden und dann zwei gleich gemusterte Teile zu bekommen war nicht. Aber immerhin weiß ich jetzt, das ich wirklich von Hand gedruckten Stoff erworben habe. Mit dem Ärmel muss ich also nun leben. Ich habe mir die Freiheit erlaubt, mit einer Zickzackschere zuzuschneiden, da ich die Stoffkanten erst ganz am Schluss versäubern werde und hoffe, so extremes ausfransen zu vermeiden. Futter ist im Oberteil ein fester weißer Baumwollköper, in Ärmeln und Rockteil dünne Baumwolle.

Der vorhandene Unterbau.

Unterwäsche ist schon vorhanden, ich nähe nicht ein komplettes Set neu und von Hand. Es ist in der Form ein gutes Set, im Material auch, alles Baumwolle, aber eben mit der Maschine genäht.

Der Fortschritt nach etwa drei Arbeitstagen mit jeweils vier Stunden nähen.

Das Zusammenfügen der Teile ging recht schnell. Ich habe Futter und Oberstoff als ein Teil verarbeitet, diese beiden Teile zuerst grob von Hand zusammen geheftet. Stellt sich raus, das diese Technik eher frühes 19. Jahrhundert ist, aber ich meine, einige Originale mit flachem Futter gesehen zu haben. Leider sind viele Kleider online nicht von innen wieder gegeben. Da bin ich dann wohl wieder im Bereich historisch ok.

An der Rückseite sieht man gut, das dass Ausrichten des Musters nicht ganz geklappt hat. Aber ich bin dennoch sehr zufrieden mit der Optik, denn solche Musterrverrutschungen sind durchaus überliefert.

Besonders bei Kleider der Mittel- und Unterschicht konnte, wohl wie bei mir aus Gründen der Stoffmenge – nicht immer auf passende Muster geachtet werden. (Beispiele hier und hier.) Das ist also in Ordnung bei mir. Insgesamt fängt das Kleid an auszusehen wie es soll, also möglichst nah am Original. Ich habe mir übrigens auch echte Kleider in Karlsruhe im Schloss, in Bath, in Ludwigsburg und in Berlin im Museum angsehen (allerdings alles schon vor einer Weile), sodass ich glaube, diesmal richtiger zu liegen als sonst. Handnähen macht natürlich auch etwas aus, alles ist viel feiner als sonst.

Das Band ersetzte ich noch gegen etwas matteres. Die Seitenfalten kommen daher, das der Rockteil noch nicht angesetzt ist und damit die Nahzugabe noch nicht umgefaltet ist. Mit dem Rock sollte dann alles smooth anliegen.

Die Frontansicht ist schon sehr vielversprechend. Ich schließe das Kleid mit einer Schnürung vorn, da ich nicht genug Ösen hatte, habe ich einfach kleine Öschen mit Stickgarn genäht – funktioniert überraschend gut. Ich werde noch schmale Stahlstäbe hinter die Fadenösen schieben, damit der wobbelige Teil an der Front entfernt wird (das sagt auch das Schnittmuster). Die Schnürung ist auch dazu da, mein doch recht schwankendes Gewicht abzufedern. Das komplett weiße Kleid, das ich oben erwähnt habe, gibt es nicht mehr, da ich es absolut nicht mehr passend bekommen habe (und irgendwas komisches mit dem Stoff nach dem vorsichtigen Waschen passiert ist, es lies sich nicht mehr entknittern und war ganz hart?).

Ich habe das halb fertige Oberteil hier über einen existierenden weißen Baumwollrock gezogen, werde diesen aber eventuell ersetzen, vielleicht gegen einen grünen Rock? Aus Baumwolle oder Seide? Auf jeden Fall sollte ich diesen dann von Hand nähen, das ist der aktuelle weiße nicht, und ich finde, man sieht es.

Momentan ist das Oberteil fertig, und es fehlt nur noch der Rockteil. Das werde ich dann einfach nachreichen, wenn alles fertig ist.

Nachtrag: So sieht das fertige Ergebnis aus:

Frontansicht. Es gibt einen passenden Strohhut, den ich nur etwas umdekorieren muss. Eine Haube werde ich noch machen.
Seitenansicht. Und das beendet das Projekt (zunächst).

Reisen und Reisetagebücher

Reisetagbücher 1999-2019.

Letzten Montag bin ich von einer Reise zurückgekehrt und habe am folgenden Tag mein Reisetagebuch von eben dieser Reise „fertig gemacht“, sprich, Fotos eingeklebt, letzte Details notiert und Landkarten eingefügt. Ich war in Großbritannien, genau genommen in England in Somerset, bei meiner Schwester Sophie unterwegs. Sophie hat mich gefragt, was ich dann mit den Reisetagebüchern mache, als sie mich das aktuelle Reisetagebuch hat schreiben sehen. Sophie und ich waren schon öfter zusammen auf Reisen, meistens waren die Reisen Geschenke von unseren Eltern. Ich habe auf jeder dieser Reisen ein Tagebuch geführt, muss aber zugeben, das diese bis zum Umzug in einem Fach im Schrank standen und sehr selten herausgeholt wurden. In der neuen Wohnung sind meine Tagebücher sogar im Keller gelagert. Als ich Sophie das gesagt habe, hat sie mich gefragt, was das Tagebuchschreiben dann überhaupt soll. Gute Frage. Also habe ich alle meine Reisetagbücher aus dem Keller geholt und durchgesehen. Das ich sehr oft in Großbritanien war wusste, ich aber nicht wie oft genau: neun (9) Mal! Gut, das liegt auch daran, das Sophie schon seit einer Weile mehr in Großbritannien lebt als in Deutschland und letztes Jahr endgültig dahin ausgewandert ist, aber ich habe da wohl schon eine Affinität. Es hilft wohl auch, dass ich die Landessprache spreche.

Die Tagebücher selbst habe ich in der Regel vor Ort gekauft, in seltenen Fällen habe ich ein Notizbuch mitgebracht. Zwei der Bücher habe ich selbst gemacht.

Das erste Reisetagebuch allerdings ist exakt 20 Jahre alt und dokumentiert eine Reise innerhalb Deutschlands. 1999 war Campingurlaub in Koserow auf Usedom mit der ganzen Familie angesagt. Es ist das einzige frühe Tagebuch, obwohl wir mehrfach in Koserow waren. Am lustigsten ist nicht etwa meine ungelenke Schrift oder meine faktischen Beschreibungen der Ereignisse, zum Beispiel der Eintrag vom 14.08.1999: „Heute wahren wir baden. Ohne Strandmuschel (!), denn das Gestänge war weg.“ (Rechtschreibung und Zeichensetzung beibehalten). Sondern, das gewisse, in die familiäre Einnerung eingegangene Ereignisse alle im selben Urlaub passiert sind! Meine Familie erzählt immer wieder gern die Geschichte, wie wir 22km am Strand langewandert sind (ich bin 12, meine Schwester ist 9!). An einem Nachmittag. Oder die Geschichte, wie ich in Stralsund auf eine Bierdose gefallen bin und mir das Knie aufgeschnitten habe. Oder der tolle Mittelaltermarkt in Koserow. Alles derselbe Urlaub!

„Mein Ferienbuch“ von 1999. Mit beigelegten Postkarten und Zeitungsausschnitten.

Danach erstmal wieder eine große Lücke. Ich weiß, das wir mehrfach an Ost- und Nordsee im Urlaub waren, aber ich habe kein Reisetagebuch geführt. Das nächste Reisetagebuch beschreibt dann schon meine erste größere Auslandsreise: nach London, die Abschlussfahrt meiner Abiturklasse (in der 11. Klasse und nicht in der 12., warum auch immer).

Reisetagebuch London 2005.

Diese Busreise führte mich und 30 andere Kinder durch den Eurotunnel über Windsor und Canterbury nach London. Es gab einen Tagesausflug nach Stratford-on-Avon, insgesamt war es eine ziemliche Bildungsreise. Hier schon schwärme ich von den gotischen Gewölben der Canterbury Cathedral, den Bildband, den ich mir davon kaufen wollte, habe ich aber nie gekauft. Mir sind von dieser Reise besonders der Besuch einer Aufführung von Shakespeares „The Winters Tale“ im Globe und die Parade Trooping the Color in Erinnerung geblieben, bei der ich die Queen sehen konnte. Das Tagebuch bricht auf der Rückfahrt im Bus mit dem Satz „Herr Müller hat Fieber.“ ab. Da haben die Schüler wohl ihren Lehrer buchstäblich krank gemacht…

Zum Abitur habe ich von meinen Eltern eine Reise geschenkt bekommen. Mein größter Wunsch war Venedig, und meine Eltern haben sich ordentlich ins Zeug gelegt. Lufthansa-Flug, gutes Hotel, Buskarten und Taschengeld inklusive. Ich hatte da meinen Ausbildungsvertrag als Buchbinderin schon unterschrieben, verdiente aber natürlich noch kein eigenes Geld.

Sophie und Stephanie in Venedig, 2006.

Begleitet hat mich Sophie, ich bin 19 und Sophie 16 Jahre alt. Keiner spricht auch nur ein Wort italienisch. Wir sind trotzdem zurecht gekommen. Ich bin mit Sophie in jede Kirche gegangen, die nicht schnell genug geschlossen hat, und statt in Murano, wo jeder Tourist hin muss, sind wir nach Burano gefahren. Es war eine tolle Reise, mit sehr viel Kultur. Bisher bin ich kein zweites Mal nach Venedig gefahren und weiß auch nicht, ob ich sollte, denn Venedig muss sich sehr verändert haben. In diesem Reistagebuch ist „mein“ Venedig festgehalten. So werde ich es kein zweites Mal erleben.

Die nächste Reise führte mich und Sophie 2008 nach London. Das war ihr Abiturgeschenk von unseren Eltern. Dieses Reisetagebuch umfasst leider nur Text, einen 5-Pfund-Schein und Fahrkarten. Ich erinnere mich vor allem an den Shoppingtrip in Covent Garden – die kleine Reisetasche, die ich dort gekauft habe, benutze ich noch heute – und die chaotische Rückfahrt. Wer konnte auch ahnen, dass die Tube nachts den Betrieb einstellt… Unser Flieger ging in den frühen Morgenstunden. Übrigens ist in allen Großbritannien-Urlauben bis auf den letzten in 2019 auffällig, das ich quasi nie von Regen berichte. Englisches Wetter gab es für mich kaum.

Was Sophie und ich 2008 in London gemacht haben.

Es folgen zwei Jahre in anderen Ländern. 2010 fahre ich von Leipzig aus mit meinem damaligen Freund nach Prag. Das war eigentlich ein toller Urlaub, wir haben uns viel Kultur angesehen, aber ich war während des gesamten Urlaubs krank, weswegen ich Prag gar nicht in so guter Erinnerung habe. Lustig war, das mein Freund tschechischen Absinth probiert hat und ein ziemlichen Pokerface aufsetzen musste, denn das Zeug war ordentlich! Wir hatten da aber schon Erfahrung mit Absinth, deshalb war es umso lustiger. Der letzte Tag auf dem Vyšehrad ist mir in bester Erinnerung geblieben. Das war genau die richtige Kombi aus Geschichte, Natur und Kultur für mich. Falls man in Prag ist sollte man den Ausflug dort hin einplanen.

Merch aus dem Mucha-Museum, in dem wir gar nicht waren. Prag 2010.
Das ist eine recht typische Ansicht eines meiner Reisetagebücher: handgeschriebene Seite neben Eintrittskarte. Prag 2010.

Seit 2009 studiere ich übrigens, und passender weise, Kunstgeschichte. Wenn ich mir meine Reisetagebücher anschaue, dann sehe ich schon 1999 einen Ausflug in ein Kunstmuseum, in Canterbury die Entdeckung der Gotik und danach die häufigen Erwähnungen von Kunst und Kultur. Paris 2011 war wiederum ein Geschenk unserer Eltern, allerdings weiß ich den Anlass nicht mehr. Sophie und ich fuhren also nach Paris, mit dem Zug, denn ich lebe nahe der französischen Grenze. Wir schauen uns den Louvre an (und machen irgendwann „Bilder pro Minute“, weil man einfach nicht alles an einem Tag sehen kann und wir uns im Vofeld schon Abteilungen ausgesucht hatten und trotzden nicht alles geschafft haben), das Museé de Orsay, Notre Dame, Sacre Coeur… Paris mochte ich allerdings nicht so recht. Es ist so voll mit Menschen und Autos, und von „magischem“ Licht keine Spur, alles voll Müll und Abgase… Montmartre war schön, aber eben auch ein Touristenhotspot.

Paris 2011, passend mit Stickern aus dem Louvre.

2011 ist eins der beiden Jahren, in denen ich zweimal weg war. Die zweite Reise im Herbst ging mit der Uni nach Madrid. 20 junge Frauen auf Bildungsreise, und nur eine Dozentin spricht Spanisch. Es war lustig, aber auch extrem intensiv. Jeder musste – mehr oder weniger gute – Referate vor Ort halten. Ich erinnere mich dunkel, vorgeworfen bekommen zu haben, das ich eins meiner Referate hätte besser vorbereiten sollen, denn das Bild hing zu dem Zeitpunkt leider in einer extrem teuren Sonderausstellung. Ich fand das damas schon unfair, woher hätte ich das denn bitte wissen sollen? Außerdem war die Organisation und Ticketbuchung Sache der Uni. Mein anderes Referat war dafür sehr gut (das erwähne ich sogar im Tagebuch) und den Schein habe ich bekommen. Den Palacio Real hätte ich mir gern gespart, das ist einer der hässlichsten Paläste, die mir je untergekommen sind. Und da leben Monarchen drin! Aber den Tagesausflug zum Escorial möchte ich nicht missen, das war hochgradig spannend.

Das Reisetagebuch besteht zu großen Teilen aus Kunstpostkarten. Madrid 2011.

2013 kam dann wieder eine große Reise mit der Familie. Eine ziemlich aufregende Reise mit Bahn, Flugzeug, Schiff und Bus nach – Irland und Wales. Ja, wieder Großbritannien, da Sophie in Bangor in Wales im Auslandssemester war. Wir haben uns zu einem Familienwochenende in Dublin getroffen. Dublin ist von allen Städten, die ich gesehen habe, wohl die speziellste. Wales – am anderen Ende der Fähre – hat mich aus den Socken gehauen. Es ist so schön dort! Wir wollten eigentlich nach Snowdonia, aber im April lag noch Schnee dort, weswegen wir dann nur am Rand in Llanberis waren. Einer der schönsten Ausflüge überhaupt. Auch Beaumaris und Caernarfon Castle sind sehenswert. Ich möchte immer einmal nach Wales zurück, aber bisher ist es nicht dazu gekommen.

Der einzige Urlaub, der zwei Notizbücher gefüllt hat. Dublin & Bangor 2013.
Die Reisetagebücher sind gefüllt mit vielen Informationen. Dublin & Bangor 2013.

Ab jetzt ist das Reiseziel immer Großbritannien. Ich hatte London die letzten Jahre vermisst und wollte auch gern in die große Harry-Potter-Ausstellung der Warner Bros, also bin ich 2015 mit meinem damaligen Freund nach London gefahren. An dem Urlaub war nicht alles perfekt, aber er war etwas ganz besonderes. Selten war ein Urlaub so angefüllt mit Sachen, die mich wirklich interessieren. Außerdem hatte ich das Hotel zufällig in einer extrem tollen Lage ausgewählt, Earls Court ist wirklich zu empfehlen! Diese Reise habe ich mir übrigens nach der Abgabe meiner Masterarbeit gegönnt, und es war auch die erste Reise, die ich selbst geplant hatte. Harry Potter war so wichtig für mich, das ich nicht weiß, ob ich nochmal hinfahren würde. Es ist beim zweiten Mal einfach anders, wenn man schon einmal irgendwo glücklich war. Das gleiche Gefühl versuche ich oben bei Venedig zu beschreiben.

London 2015, mit Eintrittskarten für Harry Potter.

Es folgt ein zweites Jahr, in dem ich zweimal verreise. Das Jahr direkt nach dem Ende des Studiums, bevor es mit dem Job los geht, fahre ich noch mal zu Sophie, die jetzt in Bristol studiert. Bristol ist eine von den Städten, die ich wirklich mochte, aber der besondere Tag dieser Reise war der Tag am Ärmelkanal in Lyme Regis. Da hat, trotz verrückter Busfahrt dort hin, einfach alles gestimmt. Auch nach Lyme Regis traue ich mich nicht ein zweites Mal, obwohl ich unbedingt noch einmal richtig wie Mary Anning Fossilien sammeln will. In diesem Urlaub habe ich übrigens das erste Mal Bath besucht, hauptsächlich wegen Jane Austen und dem Fashion Museum. Doch im Gedächtnis geblieben sind mir besonders die Roman Baths, die ein uralter Ort sind und trotz touristischem Überlauf absolut sehenswert sind.

Bristol 2016, eins meiner schönsten Reistagebücher.

Übrigens sind Sophie und ich auch nach Cardiff gefahren, um Dr. Who zu besuchen, der zwar eine kleinere Ausstellung als Harry Potter hat, aber dafür eine schönere Stadt drumherum.

Sophie macht im selben Jahr ein Praktikum in Cambridge. Da ich in Oxford schon mal kurz war (London 2005), kann ich mir diese College-Stadt nicht entgehen lassen und fliege für ein Wochenende auf die Insel. Cambridge bringt mir einen umfangreichen Einblick in englische Literatur, nicht nur mit dem Besuch der Colleges, sondern auch mit einem Ausflug in die Wren Library und in den Orchard Tea Garden.

Bei diesem Reisetagebuch ist ein Stift mit der Aufschrift „Cambridge University“ dabei, den ich immer noch gern hervor hole, um gebildet zu wirken. Cambridge 2016.

In 2017 bekomme ich keine zwei Wochen Urlaub am Stück. Aus diesem Jahr gibt es einen umfangreichen Bericht aus der Karlsruher Kunsthalle, in der ich sehr ausführlich war. 2017 war allerdings insgesamt eher ein Jahr zum vergessen, weshalb eine fehlende Reise da nicht ins Gewicht fällt.

Karlsruher Kunsthalle 2017.

Letztes Jahr, 2018, ist Sophie dann endgültig nach England gezogen. Unsere Eltern haben uns zu unseren Uni-Abschlüssen eine große Reise schenken wollen, die wir dann auf Sophies Hausboot auch endlich durchführen konnten. Ich hatte meinen Abschluss da schon drei Jahre in der Tasche. Sophie und ich wollten schon länger eine Hausboot-Rundreise in England machen, dass Sophie dann schon ein Hausboot gemietet hatte war eher ungeplant. Das war eine der besten Reisen überhaupt, sehr viel Landschaft, wenig Stadt – aus den trubeligen Städten bin ich wohl langsam herausgewachsen – und Hausboot fahren ist gar nicht so einfach. Ich habe mir aus England einen Sonnenbrand und einen wunderschönen Bluterguss mitgebracht, war aber so begeistert wie selten nach einer Reise. Baden im Fluss, Tiere sehen, Kultur anschauen, gutes Essen und gutes Wetter, es war alles dabei.

Kennet und Avon Canal 2018. Dies ist eins der umfangreichsten Reisetagebücher, ich habe alles festgehalten.

Sophie und ich waren auch wieder in Bath, diesmal, um wirklich das Jane Austen-Museum anzuschauen und im Green Bird Café die feinen Open Sandwichs zu essen. Wir habe mittlerweile Bath-Traditionen, auf die ich auch jetzt, 2019, bestanden habe. Mittlerweile hat Sophie ein Hausboot gekauft, und da habe ich sie letzte Woche besucht. Diesmal bin ich mit dem Zug gefahren, was die bessere Wahl war, und so konnte ich auch etwas Zeit in London einplanen, das ich langsam vermisse. Dieses Jahr hatte ich zum ersten Mal englisches Wetter, es hat immer wieder geregnet, was Sophie und mich nicht von Wandertouren oder Ausflügen mit dem Fahrrad abhielt.

Nach 20 Jahren wieder ein selbstgemachtes Reisetagebuch. Aber mittlerweile bin ich Buchbinderin. Bath 2019.

Ist Reistetagebuch schreiben eigentlich noch zeitgemäß? Hatten Reiseberichte nicht im 18. Jahrhundert ihren Siegeszug in der Literatur angetreten? Ich glaube nicht, dass meine Berichte literarischen Wert haben, aber der persönliche Wert ist enorm. Ich musste an einigen Stellen lachen, anderen war ich enttäuscht beim lesen, aber alles in allem haben mir die Bücher vor allem geholfen, die Reisen gut zu erinnern. Es gibt ein oder zwei Reisen, wie die 2006 zu meiner Brieffreundin Kirandeesh nach, well, England, über die ich kein Tagebuch geführt habe, und das ist wirklich schade.

Was mich im Nachhinein sehr stört sind die vielen Flugreisen. Von den vierzehn hier erwähnten Reisen sind nur fünf nicht mit dem Flugzeug unternommen worden, und bei den meisten davon wäre es auch anders gegangen. Gerade England ist mit dem Bus oder der Bahn gut zu erreichen, warum nicht öfter so? Ich will mir meinem CO2-Abdruck gar nicht vorstellen. Aber das ist etwas, das ich nicht mehr rückgängig machen kann, nur in Zukunft besser.

Zum Abschluss noch etwas Statistik:

  • unternommene und dokumentierte Reisen: 14 in 20 Jahren
  • unternommene, aber nicht dokumentierte Reisen: 8 (diese alle bis auf eine nach Polen innerhalb Deutschlands)
  • das sind 1,1 Reisen pro Jahr
  • von den dokumentierten Reisen waren… :
  • Flugreisen: 9
  • Reisen mit dem Bus: 1
  • Reise mit dem Auto: 1
  • Reisen mit dem Zug: 3
  • Besuchte Länder (außer Deutschland): Italien, Großbritannien, Tschechien, Frankreich, Spanien – und Polen, wozu es kein Tagebuch gibt

Japanische Blockbindung

Der heutige Blogeintrag zeigt, wie man eine japanische Buchbindung, ein Blockbuch, macht.

Man braucht:

  • Papier, ich habe ein graues 90g/m2 in DIN A4 einfach halbiert
  • dickeres Papier, z.B. Naturpapier, für die Buchdeckel – dieses Papier kann ca. 2cm länger sein als der Buchblock breit ist
  • etwas Karton für die Innenseite der Buchdeckel
  • eine dicke Nadel
  • einen Papierbohrer (oder eine Ahle und einen Hammer)
  • eine Schere
  • Band, z.B. Stickgarn oder ein anderes dickeres Band
  • ein Lineal
  • eine Unterlage, in meinem Fall eine dünne MDF-Platte
  • zwei Wäscheklammern
Was man braucht.

Zuerst legt man Buchdeckel, Karton für in die Buchdeckel und den Papierstapel aufeinander, so, dass es ein Buch mit zwei blauen Buchdeckeln ergeben kann. Der Karton bildet dabei die zweite Lage nach dem Papier, da er das Papier verstärken soll. Den Stapel möglichst gerade zusammenstoßen und mit zwei Klammern ca. 5 cm vom Buchrücken entfernt zusammenklammern. Die Länge des Deckelpapiers steht dabei auf der gegenüberliegenden Seite über.

Man sieht ein wenig die rohen, welligen Kanten des blauen Deckpapiers. Das ist die Seite, die länger ist und über steht.

Ich habe mir jetzt aus zwei Büchern und der MDF-Platte und einem Bügeleisen als Gewicht eine Vorrichtung gebaut, in der ich bequem und mit gerade liegendem Buch bohren konnte. Das ist aber nicht unbedingt notwendig, nur praktisch, weil die Klammern den Buchrücken so nicht nach oben drücken können.

Meine Vorrichtung aus zwei Büchern und der MDF-Platte.

Im nächsten Schritt zeichnet man mit dem Linel drei Markierungen jeweils 1,5 cm vom Rand entfernt an: eins in der Mitte und zwei je oben und unten 2 cm vom Rand entfernt. An diesen Stellen drei Löcher mit dem Papierbohrer bohren.

Man sieht die Markierungen nicht, aber das ist das erste Loch, 2 cm vom unteren Rand und 1,5 cm vom Buchblockrand entfernt.

Sind die drei Löcher gebohrt geht es ans Binden: Der Faden, in meinem Fall zwei Fäden, ein schwarzer und ein blauer zur Dekoration, sollte ausreichend lang sein. Lieber mehr abschneiden als zu wenig. Zuerst den Faden in die Nadel einfädeln – bei mir war das wegen der beiden Fäden eine dicke Stopfnadel – und dann durch das mittlere Loch von oben nach unten durchfädeln:

Die Nadel guckt unten raus.

Den Faden oben 10-15 cm herausstehen lassen, an dieser Stelle wird dann verknotet. Jetzt die Nadel wieder von oben durch das selbe Loch stechen und den Faden gut anziehen – der Faden muss immer gut angezogen werden, da nicht nachkorrigiert werden kann.

Die Nadel ist unten und eine Schlaufe ist fest angezogen.

Im nächsten Schritt von unten nach oben in das benachbarte Loch stechen.

Die Nadel ist oben. Faden wieder anziehen.

Erneut von unten durch das selbe Loch stechen, damit sich eine feste Schlaufe bildet.

Die Nadel ist jetzt oben.

Jetzt durch das mittlere Loch, das, welches schon eine Schlaufe hat, von oben nach unten stechen.

Die Nadel ist unten. Es fängt an wie eine Buchbindung auszusehen.

Jetzt von unten nach oben durch das dritte Loch stechen.

Die Nadel ist oben. Festziehen nicht vergessen!

Wieder eine feste Schlaufe bilden, indem die Nadel von unten nach oben durchgestochen wird:

Fast geschafft!

Um die Bindung fertig zu stellen, jetzt in der Mitte mit dem stehengelassenen Faden einen festen Knoten binden. Ich habe noch eine kleine Schleife gebunden.

Die Bindung an sich ist fertig!

Die Klammern können nun entfernt werden. Jetzt wird das Buch fertig gestellt:

Zur Fertigstellung die überstehenden 2cm blaues Deckpapier um den mitgebundenen Karton falten.

Das blaue Papier um den Karton falten. Das gibt festere Buchdeckel als nur das blaue Papier um die oberste Seite des Buchblockes zu falten. Dieser Schritt kann auch weggelassen werde, es müssen keine 2cm überstehen. Dann wäre das Blockbuch hier schon fertig.

Jetzt kann losgeschrieben werden!

Das fertige Buch sieht dann so aus:

Von vorn mit der Schleife….
…. und von hinten.

Ein schönes kleines Kreativprojekt für einen Nachmittag. Leider lassen sich Blockbücher aufgrund ihrer Bindung nicht so gut aufschlagen, aber als Notiz- oder Skizzenbuch sind diese Bücher allemal geeignet! Ich werde meins als Reisetagebuch verwenden. (Es wäre auch eine Möglichkeit, die Seiten lose mit auf Reisen zu nehmen und dann Flyer und Eintrittskarten und Postkarten mit der japanischen Bindung zusammenzubinden.)

Weitere Bindungsarten sind hier zu finden:

Lost im Papierladen

Weitere Informationen zur japanischen Blockbindung hat Wikipedia