Coronatagebuch

Die aktuelle Zeit zeigt uns, und mit „uns“ und „wir“ meine ich uns als generelle Bürger dieses Staates, dass mehr Ruhe gar nicht so schlimm ist. Ja, die Wirtschaft liegt am Boden. Ja, die Infektionsrate schreitet voran. Es sterben Menschen. Aber wir sind daheim und können uns mal auf uns konzentrieren. Auch wenn tiefe Inneinsichten auch nervös machen können. Was wir vor allem sehen, ist Unsicherheit.

Werden wir morgen noch einen Job haben? Wie bringe ich Geld für die Miete auf, wenn ich in Kurzarbeit gehen muss? Ist mein Job eigentlich systemrelevant? Wie lange wird die Post noch zustellen? Haben sich meine Großeltern vielleicht schon angesteckt? Wie geht es meiner Familie? Bleiben alle so gut es geht drinnen? Geht es meinen Nachbarn eigentlich gut? Machen meine Freunde auch alle Home Office und bleiben drin? Wo gibt es Klopapier? Wann gibt es wieder Hefe? Wann kann ich wieder verreisen? Wie geht es meinen Freunden in anderen Ländern, schlimmstenfalls in Italien? Wie geht es den Kassiererinnen im Supermarkt eigentlich so hinter ihren Plexiglasschreiben? Warum hält dieser eine Mann im Supermarkt sich einfach nicht an die vorgegbeben 1,5 m Abstand??? Kommt die Mundschutzpflicht? Wer wird mir meine Verluste in meinem Geschäft bezahlen? Wie kann ich meine Ansprüche geltend machen? Wann kommt das Geld? Habe ich mich vielleicht schon angesteckt, habe aber keine Symptome? Wann wird es einen Impfstoff geben? Muss ich mich testen lassen, wenn ich huste? Und: Wann wird das alles wieder vorbei sein?

Und die Antwort ist manchmal: frag doch mal nach, per Telefon, E-Mail oder sogar Brief. Meistens lautet die Antwort aber auch: Wir wissen es nicht.

Und damit müssen wir alle nun zurecht kommen. Natürlich ist das psychisch anstrengend, natürlich geht das an die Substanz. Aber das Virus ist etwas, auf das sich niemand vorbereiten konnte und vieles kann einfach nicht beantwortet werden – erst hinterher können uns die Geschichtsbücher sagen, ob wir richtig oder jedenfalls gut genug reagiert haben. Bis dahin können wir nur die Anweisungen vom Gesundheitsamt befolgen, für uns und für andere. Und von Tag zu Tag leben. Immer einen nach dem anderen.

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