The life changing magic of reading a lot of self help books and then actally having time to imply them to your daily life (because of a pandemic)

Ich bin überrascht, wie gut mir die Quarantäne und die folgende soziale und räumliche Distanzierung getan hat. Ich vermisse nichts. Es ist viel ruhiger, daußen wie drinnen. Fast keine Flugzeuge, kaum Autos, kaum LKWs, ab und an eine Straßenbahn. Das lauteste ist der Hubschrauber, der das Krankenhaus ansteuert. Wenn der gelandet ist, ist es wieder still. Keine lauten Partys im Haus gegenüber. Ich muss den Leuten auf der Straße nicht mehr ausweichen, sie weichen mir aus. Mir kommen die vielen Leute oft zu nah, ich genieße es, meinen persönlichen Bereich nicht verteidigen zu müssen.

Weniger arbeiten nach einer längeren Pause, in welcher ich mir Zeit für alle Dinge nehmen konnte, die mich interessieren und erfreuen, hat mir enorm mit dem Lärm in meinem Kopf – all die Ideen und Gedanken, die gedacht werden wollen – geholfen. Auf Arbeit sind alle besogt, aber niemand muss sich hetzen, um die vielen Kundenanfragen zu beantworten. Weniger Leute verlangen etwas von mir, ich muss mich nicht mehr ständig verbiegen, um anderen Wünsche zu erfüllen. Meine eigenen Wünsche nehme ich besser war – auf der Arbeit ist alles, was ich will, kleine Pausen machen zu können, wenn ich sie brauche. Jetzt geht das. Das ist schlecht fürs Geschäft, aber gut für mich.

Soziale Termine habe ich bisher überhaupt nicht vermisst. Ich bin gern allein mit meinem Kopf, gern allein mit den Tätigkeiten, die ich mag. Ich habe seit einer Woche niemanden außer meinen Arbeitskollegen und meinem Freund gesehen. Vor allem vermisse ich weder die wöchentliche Tanzstunde noch die wöchentliche Yogastunde. Mir reicht es vollkommen, zur Arbeit zu laufen und wieder heim (60 min gesamt), und jeden Tag 10 min Yoga zu machen. Ganz allein. Ich kommuniziere mit meinen Freunden per Text, und so gern ich zusammen im Pub sitzen würde, so wenig vermisse ich es. Der soziale Druck ist vollkommen weg, und der „ich müsste mal ausgehen“ Gedanke auch – und es fehlt mir nicht. Während ich die letzten sechs Monate oft sauer war, weil ich nicht ausgehen konnte wegen der Arbeit, so fehlt es mir jetzt, wo ich sowieso nicht ausgehen kann, überhaupt nicht. Das ist seltsam und befreiend. Mit meiner Familie telefoniere ich, und auch das reicht mir – ein Besuch war in nächster Zeit ohnenhin nicht geplant. Ostern fällt aus, und ich freue mich einfach nur auf die freien Tage, an denen ich machen kann, was ich will. Ich kann nähen, ich kann aber genauso gut den ganzen Tag Youtube schauen – und das keinen Druck gibt, irgendwas machen zu müssen, erfreut mich das umso mehr.

Gar nicht fehlt mir shopping. Das die Läden geschlossen haben macht mir überhaupt nichts aus. Gut, ich arbeite im Handel und habe noch Zugang zu Büchern und Material, aber ich möchte ohnehin keine Kleidung kaufen. Ich möchte sie selbst machen. Der ganze Druck, Sachen besorgen zu müssen, ist weg. Wir haben alles.

Cafés vermisse ich. Ich sitze wohl doch gern über einem Kaffee oder Tee und unterhalte mich. Ab und an, nicht wöchentlich.

Zwei weitere Dinge haben sich geändert, eins, über das ich keine Macht hatte, und eins, das ganz aus mir kommt. Das erste ist die Sommerzeit. Es ist jetzt hell, wenn ich zur Arbeit gehe, und hell, wenn ich heim komme. Ich stehe fast freiwillig auf, weil es hell ist. Ich bin anscheinend recht lichtempfindlich und denke über die Anschaffung einer Tageslichtlampe für die wieder kommende dunkle Zeit nach. Das andere ist mein Bullet Journal, dass ich noch bevor allem angefangen habe. Ich sehe jetzt schon, was ich eigentlich den ganzen Tag so treibe – und was mich wirklich interessiert. Ich tracke sehr viele meiner Tätigkeiten und habe auch Schlafenszeiten und Arbeitszeiten notiert. Ich sehe schon nach wenigen Wochen Zusammenhänge. Das ist sehr erhellend, aber das Bullet Journal an sich macht mir auch wahnsinnig viel Spaß.

Ich möchte ein Haus bauen oder kaufen. In meinem Kopf ist die Idee noch nie aufgetaucht, warum sollte ich mich an einen Ort binden? Ich bin in den letzten 14 Jahren sechsmal umgezogen. Aber jetzt hätte ich gern einen festen Platz nur für uns, den ich selbst gestalten kann. Das ist neu.

Meine Priotitäten haben sich in Richtung Ruhe verschoben. Das ist alles, was ich wollte, aber ich wollte es nicht so, dank einer Pandemie, die Todesopfer fordert.

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