Angefangen: Das Schokoladenmädchen – invers (Corona-Tagebuch Tag 9 und 10)

Ich habe etwas Neues angefangen! Durch Corona hatt ich einiges an freier Zeit (das werde ich sehr vermissen!). Diese habe ich genutzt, um meine Stofftruhe durchzugehen. Leider war kein geeigneter Stoff für Masken dabei, alles entweder zu dick, zu dünn oder zu grob gewebt. Generell hatte ich nicht mehr viel auf Lager, viele Reste, ein großes Stück Wolle in schwarz (das ist jetzt ein Rock), aber nichts in großen Mengen. Also habe ich Stoff bestellt. Dank der unermüdlich arbeitenden Paketboten kam meine Seide in hellgrün und gelb auch recht fix.

Work in Progress auf dem Sofa, da im Arbeitszimmer Home Office betrieben wurde.

Ich hatte ja hier schon diese blaue Jacke vorgestellt. Die gelbe Seide habe ich für einen Rock zu eben dieser Jacke verwendet! Ich habe American Duchess Anleitung aus ihrem Buch verwendet, im Kapitel The Italian Gown wird genau erklärt, wie man ein Petticoat in historischer Technik näht. Drei Tage später hatte ich also einen gelben Rock.

Noch ein Fichu dazu und eine Haube….

Als ich beides zusammen auf die Puppe gezogen habe fühlte ich mich sehr an den Schokoldenmädchen von Liotard erinnert, nur eben mit umgekehrten Farben.

Das Schokoladenmädchen von Jean-Etienne Liotard, 1743-1745, Pastell auf Pergament, Alte Meister Dresden.

Fehlt noch eine Haube, für die ich schon passenden Stoff online gefunden habe, und Schuhe. Unterkleidung und ein Tablett habe ich schon.

Mal sehen, wo hin mich dieses Projekt noch führt.

Corona-Isolations-Tagebuch, Tag 7 und 8

Ach, Corona, Corona, Corona. Die Fallzahlen steigen, die Todesfälle auch, und ich habe irgendwo gelesen, dass jeder dritte Fall in Baden-Württemberg in Stuttgart ist.

Ich war heute einkaufen. (Ich war seit 8 Tagen nicht draußen und bin seit zwei Tagen komplett symptomfrei.) Das hier könnte die Apocalypse sein. Ich habe im Nahkauf einen desinfizierten Einkaufswagen ausgehändigt bekommen, überall sind Markierungen auf dem Boden, wie viel 1,5 m Meter sind, es gab kein Mehl, kein Klopapier und keine Küchentücher, generell waren die Regale recht leer. Alles, was haltbar ist war so gut wie ausverkauft – allerdings gab es auch viele Gemüsesorten nicht. Unser Mittagessen gab es also ohne Kichererbsen und mit Brokkoli statt Blumenkohl. Die Kassiererin sitzt hinter einer Plexiglasscheibe.

Was es reichlich gab: Bier. Vielleicht wurde gerade aufgefüllt, aber in diesem spezifischen Nahkauf ist das Bierregal eigentlich immer halb leer. Wenn die Deutschen kein Bier mehr kaufen, dann ist wohl echt was nicht in Ordnung….

Beim Bäcker stehen die Leute draußen in 1,5 m Abstand voneinander an. Generell ist keiner da, es ist auch alles, was nicht Lebensmittel und täglicher Bedarf ist, geschlossen. Gastronomie nur noch an der Tür zum Mitnehmen. Einige Menschen tragen einen Mundschutz.

Das ist alles richtig und nötig, aber: ich bin schnell wieder Heim gegangen und habe mich gar nicht mehr ins dm getraut, so gruselig war das.

Corona-Isolations-Tagebuch, Tage 5 und 6

Ich mag eigentlich gar nichts mehr zum Thema Corona schreiben.

Deshalb die guten Dinge von heute:

  • ich bin endlich relativ früh aufgestanden (um 9 Uhr)
  • ich habe mich wach und erholt gefühlt
  • ich habe gefrühstückt (Kaffee stand schon da, da mein Freund um 9 Uhr im Home Office anfängt)
  • und dann tatsächlich Yoga gemacht
  • dann habe ich meinen Python-Kurs auf Skillshare fertig gemacht
  • dann einiges an Youtube geschaut (Rowena Tsai und Lavendaire Lifestyle)
  • dann weiter im Wikinger-Buch gelesen (wusstet ihr, liebe Leser, das es „Wikinger“ eigentlich gar nicht gab? Das war eine lose Gruppe von unterschiedlichen Königreichen mit ähnlichem Lebensstil!)
  • und dann Armello mit Freunden in Quarantäne gespielt

Die ganze Sache macht irgendwie doch, das man enger zusammenrückt. Nicht nur habe ich jetzt öfter Kontakt mit meiner Familie – mein Onkel, mit dem ich sonst kaum Kontakt habe, hat sich gemeldet – auch „unternehme“ ich mehr mit Freunden. Ein Freund berichtet mir von seinem Badumbau und welche Schwierigkeiten die Sache so verursacht. Leute, mit denen ich sonst nicht so viel Kontakt habe, melden sich.

Meinen Zimmerpflanzen geht es blended. Es stellte sich heraus, das es bei uns zu trocken ist. Jetzt bin ich daheim und sprühe die Pflanzen regelmäßig ein und schwupps, schon sind alle grüner.

Corona-Isolations-Tagebuch, Tag 4

Heute bin ich zum ersten Mal seit Tagen nicht völlig verschwitzt aufgewacht. Insgesamt fühle ich mich auch besser – ich merke wohl erst, dass ich krank war, wenns vorbei ist. Ich hoffe, das ich den Virus jetzt hatte und hoffentlich auch immun bin.

Heute war ich ziemlich faul. Es ist auch der erste Tag, an dem es ununterbrochen geregnet hat, ich wollte auch gar nicht rausgehen. Ich habe begonnen, einen Rock zu nähen, wir haben zusammen was gekocht, ich habe ein neues Buch angefangen (Jörg Staecker, Matthias Toplak: Die Wikinger) und Amnimal Crossing gespielt (auf dem 3DS, ich habe mir leider doch keine Switch gekauft).

Meiner Familie geht es gut, viele können zu Hause bleiben oder sind eh schon daheim. Meine Oma versteht den Ernst der Lage nicht so, etwas, das auch andere meiner Freunde schon bemerkt haben: die alte Generation will einfach nicht daheim bleiben. Tja. Ich höre mich nach und nach bei meinen Freunden um, von denen einige im Kunst- und Kulturbereich arbeiten. Die machen sich große, große Sorgen um ihre Arbeit, sind aber alle gesund.

Greta Thunberg hat übrigensvor ein paar Tagen das hier gepostet – es bedarf keiner weiteren Worte:

Corona-Isolations-Tagebuch, Tag 3

Langsam aber sicher fällt mir die Decke auf den Kopf. Ich suche dringend nach Corona-Freien Angeboten im Netz, denn nähen kann ich erst, nachdem mein Freund fertig ist mit arbeiten. So groß ist unsere Wohnung dann doch nicht, dass ich komplett umziehen könnte.

Ich mag gar nicht mehr ständig nach News schauen. Alles, alles ist von Corona überschrieben. Ich wollte eben schauen, was eigentlich aus den Protesten in Hongkong geworden ist, aber auch da steht in jedem Artikel, welchen Einfluss das Coronavirus auf die Proteste hat.

Meine Lunge fühlt sich voll an. Meine Mutter, die meine Großmutter streng überwacht (die will einfach nicht hören und geht trotzdem raus, obwohl sie 2 (!) Balkone hat), meinte, Corona verursacht Lungenentzündung, und die hatte ich schon mal, das fühlt sich tatsächlich ähnlich an. Minus die enormen Schmerzen.

Von meinen Kollegen hat eine einen Test gemacht, eine hat einen Termin zum Testen bekommen. Alle anderen bekamen gesagt, nicht getestet zu werden.

Wir als Gesellschaft haben uns teilweise auf die zwei Wochen Home Office/daheim bleiben gefreut. Das gab mir zu denken, vielleicht ist es an der Zeit, generell die kapitalistische Arbeitswelt zu diskutieren und dann zu ändern. Es wird gerade kein großer Profit gemacht, und siehe da, die Welt dreht sich weiter, es ist sauberer, weniger laut, und die Tiere erobern sich Platz zurück. Ich hoffe – und ich hoffe da wohl zu viel, will aber noch nicht aufgeben – dass uns als Gesellschaft diese Vorgänge zu denken geben und es nach Corona nicht einfach weiter geht wie bisher. Ich habe mir fest vorgenommen, nicht panisch alle Aufträge abzuarbeiten, wenn ich wieder arbeiten gehe, und wenns geht noch Überstunden zu machen, sondern zu machen, was in meiner normalen Arbeitszeit geht. Dann verschiebt sich eben das eine oder andere. Das hier ist eine Pandemie, es betrifft uns alle, und ich arbeite nun wirklich nicht im systemrelevanten Sektor.

Ich möchte noch etwas anderes als Corona-Corona-Corona und werde gleich ältere Youtube-Videos schauen, die ganz andere Sachen zum Thema haben.

Was macht eigentlich Greta Thunberg?

Corona-Isolations-Tagebuch, Tag 2

Ich habe sehr, sehr wahrscheinlich das Coronavirus. Meine Sympome decken sich mit allen, die meine Kollegen haben. Keiner von uns hat Fieber, oder ernsthafte Lungenprobleme, aber ich fühle, dass ich nicht mein volles Lungevolumen habe, viel huste, und generell „abgeschlagen“ bin, will sagen, ich schlafe viel. Meine Ärztin, welche ich schwer erreichen konnte heute, hat strenge Isolation angeordnet. Auf den Virus selbst soll ich nicht getestet werden – es spricht sich langsam rum, das die zuständigen Stellen überfordert sind. Es werden wohl nur noch ernste Fälle und Leute, die in Risikogebieten waren, getestet.

Anmerkung: ich frage mich, ob Baden-Württemberg nicht langsam Risikogebiet sein sollte; das Elsass ist es und es grenzt direkt an BaWü. Grenzen sind ja eh von Menschen ausgedachte Konzepte, den Virus schert das nicht, dass das eine Elsass und das andere BaWü ist.

Abgesehen von einem laaangen Mittagsschlaf und viel Zeit in der telefonischen Warteschleife vom Arzt habe ich heute ein wenig gewebt (dilettantisch), Essen gekocht, während mein Freund Home Office macht, gründlich staubgesaugt (danch musste ich mich erst mal hinlegen), die Küchenfenster geputzt, Wäsche gewaschen und auch den Müll runter gebracht. Zum Glück gehört zu unserem Mietshaus ein kleiner Garten, sonst könnte ich gar nicht raus. Hab natürlich geschaut, das die Kinder, die jetzt im Hof spielen, drinnen sind, wenn ich raus gehe.

Gelernt habe ich heute von meinem Freund, wie ich Python auf ein Rechenproblem aus der Arbeit anwende (die Grundlagen hatte ich ja beim 36C3 schon angeschaut) und wie eine Blockchain funktioniert.

Ich lese gerade: Charles Duhigg: The Power of Habit.

Ich nehme mir vor, früher aufzustehen, das hier ist ja kein Urlaub. Nicht wirklich jedenfalls. Um 9 Uhr sollte machbar sein.

Corona-Isolations-Tagebuch, Tag 1

Ich werde ich gar nicht groß auf die Corona-Vorgänge in der Welt eingehen, dass steht in den News und später wohl auch in den Geschichtsbüchern. Dies wird ein absolut persönlicher Blog von daheim werden, alles hier ist meine emotionale Sicht auf die Dinge.

Gesten Nachmittag gab es die defnitive Nachricht, dass ich direkten Kontakt mit jemandem mit Coronavirus hatte. Im Geschäft, also wirklich ziemlich direkten Kontakt. Besagtes Geschäft wurde geschlossen und alle Mitarbeiter heim geschickt, für 14 Tage, um zu schauen, wer Symptome hat.

Den ersten Tag in Isolation habe ich mit dem Haushalt zugebracht. Ich arbeite sonst von 10-19 Uhr, da habe ich abends keine Lust mehr, noch groß was im Haushalt zu machen. Das erzwungene Daheim blieben wollte ich gleich nutzen, um all die Wäsche zu waschen, die so selten gewaschen wird, wie Decken und Soafkissen. Allerdings habe ich morgens schon angefangen zu husten und dann auch den Nachmittag verschlafen; es fühlt sich an, wie ein milder Corona-Fall. Viel Zeit habe ich auch verwendet, mit dem Geschäft in Kontakt zu sein, da doch noch einiges geregelt werden soll. Die zuständigen Stellen für Corona-Tests sind bereits jetzt überfordert, ich werde also nicht getestet werden, selbst wenn ich Symptome habe. (Diese Info hat uns Mitarbeitern unser Chef vom Gesundheitsamt weitergeleitet.) Was ich und mein Freund machen, den ich angesteckt haben kann, wissen wir noch nicht, ich kam telefonisch nicht zum Gesundheitsamt durch, nur zum Infotelefon der Stadt Karlsruhe, welches mich bat, meinen Hausarzt zu kontaktieren. Der hatte da schon geschlossen. Morgen versuche ich, mehr herauszufinden.

Warum trägt der März den Namen März?

Der März hatte früher viele Namen, so im 9. Jahrhundert Lenzinmanoth, später Lenz, Lenzing, dann im 15. Jahrhundert Merz (mit e), Lentzimanoth, Mertzo, bayrisch Merze, sächsich martimaen und nicht zuletzt römisch martius nach dem Römischen Gott Mars.

Man sieht: entweder bezieht sich der Monatsname auf das jahreszeitliche Geschehen, eben den Start des Frühlings bzw. Lenzes, oder auf die alte römische Bezeichnung.

Am 1. März war in römischer Zeitrechnung der Jahersbeginn. Bis 153 v. Chr. traten an dem Tag (oder am 15. März) die Konsuln ihr Amt an. Erst im genannten Jahr wurde der Jahres- und damit Amtsbeginn auf den 1. Januar gelegt.

Manchmal fällt Ostern in den März, aber sonst finden in diesem Monat kalendarisch keine Feste statt. Für mich ist aber immer ein Fest: die Leipziger Buchmesse findet immer Mitte März* statt.

Literaturhinweis:

Ich benutze für alle Monatsnamen-Artikel das Buch „Die Deutschen Monatnamen“ von. Dr. Karl Weinhold, Halle 1869. Auch wenn dieses Buch mehr als veraltet ist bietet es doch einen guten Startpunkt für Monatsnamen, die ich dann bei Wikipedia überprüfe.

*Außer 2020, in diesem Jahr wurde sie wegen einer weltweiten Virus-Pandemie abgesagt.

Warum heißt der Februar Februar?

Das Wort Februar selbst stammt von dem lateinischen februare, das heißt reinigen. Die Römer benannten ihren ab 153 v. Chr. zweiten Monat nach dem Fest, das in dieser Zeit stattfand. Das Reinigungs- und Fruchtbarkeitsfest wurde im Rahmen der Lupercalien ausgerichtet.

Der Februar ist in 2020 ein besoderer Monat: 2020 ist ein Schaltjahr. Es wird also einen 29. Februar geben. Warum der Schalttag, der im Februar eingefügt wird, genau hier eingefügt wird, hat ebenfalls historische Gründe: Der Februar war ursprünglich der letzte Jahresmonat. Wie beim Artikel zum Januar berichtet, begann das Jahr am 1. März. Was erscheint sinnvoller, als am Ende den fehlenden Tag anzuhängen. Für den modernen Menschen ist der Schalttag also eher am Anfang des Kalenders. Der Schalttag ist notwenig, um den Kalender an das Sonnenjahr und damit die Jahreszeiten anzupassen.

Alte Namen des Februar sind hornunc, hornung, horninc, Sporkele, Brigidamonat und Fassnachtman. Die ersten drei Namen stoßen, ja, in etwa ins selbe Horn, allein vom Klang, und sollen den Monat bezeichnen, an dem der Rothirsch sein Geweih abstößt und beginnt, sich ein neues wachsen zu lassen. Hanning ist als Abwandlung davon im heutigen Pennsylvaniadeutsch erhalten geblieben.

Sporkele und Fassnachtman beziehen sich beide auf die wilden Feste zur Faschingszeit, das erste Wort abgeleitet vom lateinischen (spurcalia), das zweite recht selbsterklärend. Brigidamonat bezieht sich auf die Heilige Brigida, eine irische Heilige des 6. Jahrhunderts, deren Feiertag der 1. Februar ist.

Der 1. Februar ist damit einer der vielen Tage, die christlich umgewidmet und überformt wurden. Der 1. Februar ist traditionell in Irland der Tag, an dem die Schafe beginnen Milch zu geben, also der Tag, an dem das Leben zurückkehrt. Hier in Deutschland freue ich mich vor allem darüber, das die Tage wieder merklich länger werden und der Frühling mit den ersten Frühblühern seine Rückkehr anzeigt.

Aufm Congress

Es war endlich so weit, der 36. Chaos Communication Congress stand an! Letztes Jahr hatte ich ja schon vom 35C3 berichtet, und dieses Jahr ist es zwar nicht live (so ein Quark), aber es soll einen Bericht geben.

Diesmal hatten wir ein Hotelzimmer an der Messe gemietet, weswegen wir an Tag eins erstmal unser Gepäck an der Garderobe abgeben mussten. Aber dann ging es gleich richtig los, mit der Opening Ceremony. Gleich danach ging es zum ersten Workshop: Japanese (Reading) Beginner to Expert. Das war ein Crashkurs zum lesen und ein wenig schreiben von japanischen Zeichen und sehr lehrreich, vor allem die Weitergabe von vielen, vielen Lernageboten durch Taulex war super. Wenn ich jetzt nur noch dranbleiben würde könnte ich bestimmt irgendwann Japanisch lesen…. Dann Gepäck ins Hotel bringen (das viele Geld hatte sich gelohnt, das war ein feines Hotel!) und wieder zurück zum Talk von Karla über Climate Modeling. Hier habe ich vor allem eine Definition des Unterschieds zwischen Wetter und Klima mitgenommen, der Donald Trump ja immer noch nicht klar ist. Dabei hat Karla das so knackig erklärt. Im Anschluss war ich bei einem kurzen Talk über Orientalismus, der mir zwar nichts neues erzählt hat, aber immerhin ein größeres Publikum für diese problematische Weltsicht (wir vs. die anderen) erreichen konnte.

An Tag eins habe ich mich auch als Engel registriert, da dann aber schon nur noch eine Schicht an Tag drei bekommen. Das Engeln ist so beliebt, das es während des Congresses nicht an freiwilligen Helfern mangelt. Ich wollte vor allem der Community etwas zurück geben, hatten wir doch über den Ticketpreis schon etwas gespendet.

Da wir gern Podcasts hören, unser Lieblingspodcast ist Methodisch Inkorrekt, waren wir gleich an Tag eins bei der Podcast-Bühne. Hier haben sich Jenny und Advi auf- und abgeregt und Roddi hat bei Och Menno! über seine Erfahrungen mit E-Mobilität berichtet.

Wir haben den ersten Tag recht früh abgeschlossen, da das eben auch unser gemeinsamer Jahresurlaub war. Die Messe war auch dieses Jahr wunderbar gestaltet, mit einer großen Lasershow in der Glashalle und Installationen in jeder Halle und einem großen Bereich für Kunstwerke zum angucken und mitmachen. Allerdings, und das ist im Umfeld vom Chaos Computer Club auch sinnvoll, darf man keine Menschen fotografieren, ohne sie zu fragen, also gibt es am besten nur Fotos ohne Menschen drauf. Davon habe ich ein paar zum Herzeigen.

Im Congress Centrum Leipzig, das einfach Teil des Congresses war – der CCC bespielt die komplette Messe – gab es in der Chill-Out-Zone einen Infinity Cube.

Tag zwei begann mit einem umfangreichen Frühstück im Hotel (da gab es wirklich alles, bis hin zu Leipziger Lerchen), bei dem wir vermutlich unter uns Congressgängern waren. Jedefalls sind mir kaum Leute ohne Bändchen aufgefallen. Sehr angenehm! Für uns stand um 11 Uhr schon der erste Workshop an: Python Programming for Absolute Beginners. Das war was für mich, ich kann überhaupt nicht programmieren. Der Workshop war sehr gut, Ingo hat den wirklich gut vorbereitet und geleitet. Ich kann sagen, dass ich bisher das Beispielproblem schon daheim reproduzieren und lösen konnte (mit ein bisschen Unterstützung, ich bin ja total neu). Ich wollte gern zum Origami-Kurs von Cyberpilot, an dem ich letztes Jahr schon teilgenommen hatte, um eventuell zu helfen. Der Kurs war doppelt so voll wie das Jahr davor! Wirklich helfen konnte ich nur bei den Kranichen, an der Blume bin ich peinlicherweise total gescheitert. Ähem. Die Blume möchte ich daheim noch nachfalten, das hat mich gestört. Es war aber ein toller Workshop, die Teilnehmer haben sich schnell gegenseitig geholfen und die Stimmung war fröhlich. Am Ende hatte jeder mindestens zwei Origamimodelle.

Ich glaube, den Nachmittag haben wir mit Kunst anschauen und Freunde treffen verbracht. Es war jedenfalls nicht langweilig! Abends besuchten wir den Vortrag von David Kriesel: BahnMining – Pünktlichkeit ist eine Zier. Den empfehle ich nachzuschauen, der war nicht nur inhaltlich, ja, bahnbrechend, sondern auch lustig. Das die Deutsche Bahn im Fernverkehr nicht immer so pünktlich ist wie sie behauptet, und wie die Bahn überhaupt Pünktlichkeit definiert, das ist sehr erhellend. Für Leute, die Bahn fahren, aber auch Leute, die das nicht tun. Unterhaltsam ausgewertete Daten sind immer sehenswert.

Ein Kunstwerk von Julian Finn, zu dem man den Code und die Bauanleitung im Internet finden kann.

Tag drei startete nicht so perfekt, denn wir kamen in den Vortrag von Mona Google-sensei und Leiharbeit – IT in Japan gar nicht mehr rein. Da waren doppelte so viele Leute wie Platz im Raum! Mona hatte recht spontan einen Spot in den self-organised-Sessions gebucht und wohl das Interesse unterschätzt. Da hat sie uns später erzählt, um 18:45 Uhr gab es dann einen zweiten Termin für diesen Vortrag. Leicht chaotisch, denn das war natürlich nicht geplant. Was wäre ein Congress ohne Chaos. Aber hoch interessant! In Japan wird in der Arbeitswelt auf ganz andere Arten der Qualifikation Wert gelegt als hier, die ganze Unternehmenskultur ist anders. Die Unternehmenskultur ist manchmal aber eben doch der durchschnittlichen deutschen Unternehmenskultur sehr ähnlich.

Wir mussten nicht lange suchen, um einen anderen Vortrag zu finden, der uns interessiert, also haben wir uns mit etwas Mate und Rhabarberlimo in den Vortrag von Gunnar Thöle Wie man ein klimafreundlichen Haus baut gesetzt. Am besten baut man neu und dann ein Passivhaus. Und Isolation ist wichtig! Es folgten zwei Vorträge, die eher was für meinen IT-Freund waren, Linux on Open Source Hardware and Open Source chip design und FinFisher, see You in Court! . Open Source Hardware fand ich auch ganz interessant, denn das meiste an Hardware ist eben nicht Open Source. Da gibt es mittlerweile einige Optionen, aber die muss man auch kennen. FinFisher, eine Firma, die Staatstrojaner baut, wurde von netzpolitik.org und weiteren angezeigt, weil die Software in anderen Ländern benutzt wurde, wo sie nicht hingehört, in der Türkei zum Beispiel. Wie die Software da wohl hin gekommen ist? Eher nicht auf legalem Weg.

Nach Google-Sensei begann meine kleine Schicht als Engel, die darin bestand, zu schauen, dass keine nicht-Engel und keine Leute ohne festes Schuhwerk in das BOC/LOC laufen. BOC – Bottle Operation Center, wo die zu verkaufenden und die Pfandflaschen sortiert werden, LOC – Logistics Operation Center. Am Ende war es mir und meinem Mitengel Shark eher ein Spiel: „Gilt das jetzt als Schuhe oder nicht?“. Am Ende meiner Schicht haben wir uns wiedergefunden, Freunde getroffen und kurz in die Disko reingeschaut, die wirklich krass gut dekoriert war. Die Musik war nicht unser Ding, vor allem aber: laut. Da war es uns im Hotel mit einem Whisk(e)y lieber.

Hier habe ich ein paar Leute fotografiert, ohne sie zu fragen, standen auch eher im Hintergrund rum. Deshalb der schlechte Anonymitätsbalken. Das Einhorn war echt gut gemacht! Genähter Bezug mit Druckknöpfen und allem. Und LEDs, natürlich.

Tag vier, nach dem Hotelfrühstück unter uns, begann mit einem Nickerchen. Das war dann doch etwas viel Congress. Am frühen Nachmittag hatte ich mir Helen Leighs Vortrag Hackers & Makers changing music technology in den Fahrplan eingetragen. Bei Helen Leigh hatte ich ja im Jahr davor einen Workshop über Electric Sewing besucht. Ihr Talk war sehr gut, mit vielen guten Beispielen für Musikinstrumente und einem Geschichtstündchen mit Dr. Who. Security Nightmares, eigentlich ein Highlight jedes Jahr, war ein bisschen traurig. Aber das soll es wohl sein. Die Closing Ceremony war gleichzeitig witzig und auch ein bisschen traurig. Danach fängt der Abbau an, dann ist’s vorbei, wie schade.

Das war wohl die am meisten fotografierte Installation auf dem ganzen Congress. Die war aber auch toll!

So schlimm hatte ich noch nie Post-Festival-Depression. Der Congress war viel zu schnell vorbei, viel zu interessant, viel zu viel Neues gelernt, viel zu viele nette, höfliche, (normale) Leute, viel zu guter Umgang, jeder kann sein wie er will, niemand zwingt einen zu etwas. Dagegen erscheint mir mein Alltag und mein alltäglicher Umgang mit Menschen, ja, erschreckend und deprimierend. Zum Glück kommt die Gulaschprogrammiernacht im Mai zu meiner Rettung.

Links:

BahnMining von David Kriesel: klick

Kunst von Julian Finn: klick