Urlaub in Somerset

Ich bin zwar schon seit vier Wochen wieder da, aber ich möchte dennoch ein bisschen von meinem diesjährigen Sommerurlaub berichten. Ich war mal wieder in England, da meine Schwester dort auf ihrem Hausboot lebt. Diesmal war ich nur drei volle Tage dort, aber hatte einen Tag Anreise und einen Tag Abreise, da ich von Karlsruhe nach Bath mit dem Zug gefahren bin. Die Anreise war okay, die Sicherheitskontrolle in Brüssel hat etwas genervt, aber im Großen und Ganzen kann ich Zugfahren nur empfehlen. Und so viel länger als fliegen hat es auch nicht gedauert (ca. 1 Stunde länger insgesamt), Zeit ist also kein Argument mehr.

Der Bristol-Avon am morgen. Unter der Böschung verstecken sich Hausboote.

Am ersten Tag habe ich mit Sophie von ihrem Boot aus eine Wanderung rund im Saltford gemacht. In diesem Urlaub hatte ich endlich mal englisches Wetter mit regelmäßigem Regengüssen. Das war nach der ganzen Hitze im Rheintal eine angenehme Abwechslung, hat aber auch ein wenig genervt, denn wie sich herausstellte waren meine Schuhe eben doch nicht wasserdicht. Und mein Rücksack durfte sich öfter als geplant unter der extra dafür mitgebrachten Plastiktüte verstecken, der war von vornherein nicht wasserdicht. Aber die Wanderung war dennoch sehr schön, wir haben viele Tiere gesehen, viel Natur und ein Römisches Fort.

Englische Tiere, die sich von selbst so malerisch auf ihre Weide gestellt haben.
Das römische Fort, das eigentlich nur noch aus den Wällen bestand. Die Trockensteinmauern wurden später auf die Wälle gesetzt. Man konnte vor allem im Inneren des Fort gut erkennen, das hier mal Römer waren. Während die Wege sich sonst eher schlängeln, war hier alles wie mit dem Lineal gezogen.

Das Titelbild ist übrigens auch von dieser Wanderung, es zeigt ein Panorama über den Kelston Round Hill.

Am zweiten Tag sind wir mir dem Fahrrad nach Bath gefahren. Ich wollte gern in das William Herschel Astronomy Museum, da ich zwar wusste, das Herschel mit seiner Schwester Caroline in Bath gelebt hat, aber nicht, dass es ein Museum gibt. Das hatte ich erst bei meinem letzten Besuch in Bath herausgefunden. Deshalb wollte ich das jetzt nachholen. Das kleine, aber feine Museum ist sehenswert, es gibt sowohl eine Hauseinrichtung zu sehen, die darstellt, wie die Herschels gelebt haben, aber auch viele astronomische Instrumente und viele Informationen zu den Entdeckungen von Wilhelm und Caroline Herschel.

Herschel hat 1800 das Infrarotlicht mit einem Prisma wie diesem entdeckt.
Sophie und ich waren auch so in Bath unterwegs, hier eine Ansicht der Pulteney Bridge.

Nach meinen liebsten Sandwiches im Green Bird Café wollte ich gern noch in das Museum im Royal Crescent No. 1, das ich erst auf einem Flyer im Herschel-Museum entdeckt habe. Es war ziemlich stürmisch und regnerisch an dem Tag, und obwohl Sophie nicht jedes Museum von innen sehen muss, sind wir zusammen hingegangen.

Die Bilder sind etwas verschwommen, da man, natürlich, nicht mit Blitz fotografieren durfte. Hier das „Wohnzimmer“.

Nachdem man seine 12 Pfund Eintritt pro Kopf abgegeben hat (eins der teuersten Museen, in denen ich in England je war), bekam man zuerst das Wohnqartier des Bewohners der georgianischen Zeit, Henry Sandford, zu sehen. Ja, das ganze Haus war nur für diesen einen Mann und gelegentlich seine Schwiegertochter eingerichtet! Als Teil des irischen Parlamentes muss Sandford irgendwie durch Handel zu Geld gekommen sein, und wenn ein Museum das nur so vage beschreibt, dann war das oftmals Sklavenhandel…. Aber Sophie und ich sind uns da nicht sicher, deshalb muss da so stehen bleiben. Die „upstairs“ Wohnquartiere waren jedenfalls modisch in ihrer Zeit hergerichtet und hübsch, aber der beste Teil war „downstairs“: Die Dienerschaftsquartiere!

Das Zimmer der Haushälterin im Keller.

Ich habe, als Kontrast, nur mal das Zimmer der Haushälterin eingefügt. Es gab auch noch zwei komplette Küchen, einen Essensaal, eine Vorratskammer und einen genrellen Haushaltsraum mit Brunnen und Bügelstation zu sehen. Sehr viel interessanter als „upstairs“, denn dieser Teil des historischen Lebens wird in Museen sehr oft ausgespart.

An meinem letzten Tag in Somerset ist Sophie mit mit nach Clevedon gefahren, endlich mal den viktorianischen Clevedon Pier angucken. Das Wetter war wieder recht wechselhaft, aber den schlimmsten Regen hatten wir, als wir im Bus von Bristol nach Clevedon saßen. Danach war es nur noch sehr windig.

Sophie und ich sind mit dem Rad nach Saltford zur Bushaltestelle gefahren, hier ein Landschaftsbild bei gutem Wetter mit Trockensteinmauer.

Clevedon mochte ich, auch wenn Sonntags die meisten Geschäfte bis auf Cafés und einem Buchladen geschlossen hatten. Der Pier selbst ist sehr hübsch, es gibt auch ein kleines Museum zur Geschichte des Piers. Man kann dank einer Plakette am Ende des Piers die Cargoschiffe identifizieren, die nach Cardiff oder Bristol unterwegs sind.

Clevedon Pier bei Ebbe. Der Strand besteht wie so oft in England aus Kieseln, hübschen Kieseln.
Es war ein Angelwettbewerb auf dem Pier im Gange.

Sophie wollte gern schwimmen gehen und ich wollte ans Wasser, also sind wir zur Ladye Bay gelaufen. Da ist es echt hübsch! Nicht direkt ein Geheimtipp, aber Platz genug für alle Besucher. Dort kam fast Sommerurlaubsfeeling auf! Sophie konnte wegen der hohen Wellen dann doch nicht richtig schwimmen gehen, aber ich konnte Steinchen sammeln und meine Füße ins Wasser halten. Und die Sonne schien.

Ladye Bay an einem malerischen Tag. Aus der Wolke im Hintergrund hat es ab und an auf dem Wasser geregnet, aber sie blieb auf dem Wasser.

Wieder einmal ein sehr schöner Urlaub in Somerset. Auf dem Rückweg habe ich noch einige Stunden in London einen Stopp eingelegt, um in Kings Cross beim Gleis 9 3/4 einkaufen zu gehen. Dann fuhr auch schon mein Eurostar nach Köln.

Reisen und Reisetagebücher

Reisetagbücher 1999-2019.

Letzten Montag bin ich von einer Reise zurückgekehrt und habe am folgenden Tag mein Reisetagebuch von eben dieser Reise „fertig gemacht“, sprich, Fotos eingeklebt, letzte Details notiert und Landkarten eingefügt. Ich war in Großbritannien, genau genommen in England in Somerset, bei meiner Schwester Sophie unterwegs. Sophie hat mich gefragt, was ich dann mit den Reisetagebüchern mache, als sie mich das aktuelle Reisetagebuch hat schreiben sehen. Sophie und ich waren schon öfter zusammen auf Reisen, meistens waren die Reisen Geschenke von unseren Eltern. Ich habe auf jeder dieser Reisen ein Tagebuch geführt, muss aber zugeben, das diese bis zum Umzug in einem Fach im Schrank standen und sehr selten herausgeholt wurden. In der neuen Wohnung sind meine Tagebücher sogar im Keller gelagert. Als ich Sophie das gesagt habe, hat sie mich gefragt, was das Tagebuchschreiben dann überhaupt soll. Gute Frage. Also habe ich alle meine Reisetagbücher aus dem Keller geholt und durchgesehen. Das ich sehr oft in Großbritanien war wusste, ich aber nicht wie oft genau: neun (9) Mal! Gut, das liegt auch daran, das Sophie schon seit einer Weile mehr in Großbritannien lebt als in Deutschland und letztes Jahr endgültig dahin ausgewandert ist, aber ich habe da wohl schon eine Affinität. Es hilft wohl auch, dass ich die Landessprache spreche.

Die Tagebücher selbst habe ich in der Regel vor Ort gekauft, in seltenen Fällen habe ich ein Notizbuch mitgebracht. Zwei der Bücher habe ich selbst gemacht.

Das erste Reisetagebuch allerdings ist exakt 20 Jahre alt und dokumentiert eine Reise innerhalb Deutschlands. 1999 war Campingurlaub in Koserow auf Usedom mit der ganzen Familie angesagt. Es ist das einzige frühe Tagebuch, obwohl wir mehrfach in Koserow waren. Am lustigsten ist nicht etwa meine ungelenke Schrift oder meine faktischen Beschreibungen der Ereignisse, zum Beispiel der Eintrag vom 14.08.1999: „Heute wahren wir baden. Ohne Strandmuschel (!), denn das Gestänge war weg.“ (Rechtschreibung und Zeichensetzung beibehalten). Sondern, das gewisse, in die familiäre Einnerung eingegangene Ereignisse alle im selben Urlaub passiert sind! Meine Familie erzählt immer wieder gern die Geschichte, wie wir 22km am Strand langewandert sind (ich bin 12, meine Schwester ist 9!). An einem Nachmittag. Oder die Geschichte, wie ich in Stralsund auf eine Bierdose gefallen bin und mir das Knie aufgeschnitten habe. Oder der tolle Mittelaltermarkt in Koserow. Alles derselbe Urlaub!

„Mein Ferienbuch“ von 1999. Mit beigelegten Postkarten und Zeitungsausschnitten.

Danach erstmal wieder eine große Lücke. Ich weiß, das wir mehrfach an Ost- und Nordsee im Urlaub waren, aber ich habe kein Reisetagebuch geführt. Das nächste Reisetagebuch beschreibt dann schon meine erste größere Auslandsreise: nach London, die Abschlussfahrt meiner Abiturklasse (in der 11. Klasse und nicht in der 12., warum auch immer).

Reisetagebuch London 2005.

Diese Busreise führte mich und 30 andere Kinder durch den Eurotunnel über Windsor und Canterbury nach London. Es gab einen Tagesausflug nach Stratford-on-Avon, insgesamt war es eine ziemliche Bildungsreise. Hier schon schwärme ich von den gotischen Gewölben der Canterbury Cathedral, den Bildband, den ich mir davon kaufen wollte, habe ich aber nie gekauft. Mir sind von dieser Reise besonders der Besuch einer Aufführung von Shakespeares „The Winters Tale“ im Globe und die Parade Trooping the Color in Erinnerung geblieben, bei der ich die Queen sehen konnte. Das Tagebuch bricht auf der Rückfahrt im Bus mit dem Satz „Herr Müller hat Fieber.“ ab. Da haben die Schüler wohl ihren Lehrer buchstäblich krank gemacht…

Zum Abitur habe ich von meinen Eltern eine Reise geschenkt bekommen. Mein größter Wunsch war Venedig, und meine Eltern haben sich ordentlich ins Zeug gelegt. Lufthansa-Flug, gutes Hotel, Buskarten und Taschengeld inklusive. Ich hatte da meinen Ausbildungsvertrag als Buchbinderin schon unterschrieben, verdiente aber natürlich noch kein eigenes Geld.

Sophie und Stephanie in Venedig, 2006.

Begleitet hat mich Sophie, ich bin 19 und Sophie 16 Jahre alt. Keiner spricht auch nur ein Wort italienisch. Wir sind trotzdem zurecht gekommen. Ich bin mit Sophie in jede Kirche gegangen, die nicht schnell genug geschlossen hat, und statt in Murano, wo jeder Tourist hin muss, sind wir nach Burano gefahren. Es war eine tolle Reise, mit sehr viel Kultur. Bisher bin ich kein zweites Mal nach Venedig gefahren und weiß auch nicht, ob ich sollte, denn Venedig muss sich sehr verändert haben. In diesem Reistagebuch ist „mein“ Venedig festgehalten. So werde ich es kein zweites Mal erleben.

Die nächste Reise führte mich und Sophie 2008 nach London. Das war ihr Abiturgeschenk von unseren Eltern. Dieses Reisetagebuch umfasst leider nur Text, einen 5-Pfund-Schein und Fahrkarten. Ich erinnere mich vor allem an den Shoppingtrip in Covent Garden – die kleine Reisetasche, die ich dort gekauft habe, benutze ich noch heute – und die chaotische Rückfahrt. Wer konnte auch ahnen, dass die Tube nachts den Betrieb einstellt… Unser Flieger ging in den frühen Morgenstunden. Übrigens ist in allen Großbritannien-Urlauben bis auf den letzten in 2019 auffällig, das ich quasi nie von Regen berichte. Englisches Wetter gab es für mich kaum.

Was Sophie und ich 2008 in London gemacht haben.

Es folgen zwei Jahre in anderen Ländern. 2010 fahre ich von Leipzig aus mit meinem damaligen Freund nach Prag. Das war eigentlich ein toller Urlaub, wir haben uns viel Kultur angesehen, aber ich war während des gesamten Urlaubs krank, weswegen ich Prag gar nicht in so guter Erinnerung habe. Lustig war, das mein Freund tschechischen Absinth probiert hat und ein ziemlichen Pokerface aufsetzen musste, denn das Zeug war ordentlich! Wir hatten da aber schon Erfahrung mit Absinth, deshalb war es umso lustiger. Der letzte Tag auf dem Vyšehrad ist mir in bester Erinnerung geblieben. Das war genau die richtige Kombi aus Geschichte, Natur und Kultur für mich. Falls man in Prag ist sollte man den Ausflug dort hin einplanen.

Merch aus dem Mucha-Museum, in dem wir gar nicht waren. Prag 2010.
Das ist eine recht typische Ansicht eines meiner Reisetagebücher: handgeschriebene Seite neben Eintrittskarte. Prag 2010.

Seit 2009 studiere ich übrigens, und passender weise, Kunstgeschichte. Wenn ich mir meine Reisetagebücher anschaue, dann sehe ich schon 1999 einen Ausflug in ein Kunstmuseum, in Canterbury die Entdeckung der Gotik und danach die häufigen Erwähnungen von Kunst und Kultur. Paris 2011 war wiederum ein Geschenk unserer Eltern, allerdings weiß ich den Anlass nicht mehr. Sophie und ich fuhren also nach Paris, mit dem Zug, denn ich lebe nahe der französischen Grenze. Wir schauen uns den Louvre an (und machen irgendwann „Bilder pro Minute“, weil man einfach nicht alles an einem Tag sehen kann und wir uns im Vofeld schon Abteilungen ausgesucht hatten und trotzden nicht alles geschafft haben), das Museé de Orsay, Notre Dame, Sacre Coeur… Paris mochte ich allerdings nicht so recht. Es ist so voll mit Menschen und Autos, und von „magischem“ Licht keine Spur, alles voll Müll und Abgase… Montmartre war schön, aber eben auch ein Touristenhotspot.

Paris 2011, passend mit Stickern aus dem Louvre.

2011 ist eins der beiden Jahren, in denen ich zweimal weg war. Die zweite Reise im Herbst ging mit der Uni nach Madrid. 20 junge Frauen auf Bildungsreise, und nur eine Dozentin spricht Spanisch. Es war lustig, aber auch extrem intensiv. Jeder musste – mehr oder weniger gute – Referate vor Ort halten. Ich erinnere mich dunkel, vorgeworfen bekommen zu haben, das ich eins meiner Referate hätte besser vorbereiten sollen, denn das Bild hing zu dem Zeitpunkt leider in einer extrem teuren Sonderausstellung. Ich fand das damas schon unfair, woher hätte ich das denn bitte wissen sollen? Außerdem war die Organisation und Ticketbuchung Sache der Uni. Mein anderes Referat war dafür sehr gut (das erwähne ich sogar im Tagebuch) und den Schein habe ich bekommen. Den Palacio Real hätte ich mir gern gespart, das ist einer der hässlichsten Paläste, die mir je untergekommen sind. Und da leben Monarchen drin! Aber den Tagesausflug zum Escorial möchte ich nicht missen, das war hochgradig spannend.

Das Reisetagebuch besteht zu großen Teilen aus Kunstpostkarten. Madrid 2011.

2013 kam dann wieder eine große Reise mit der Familie. Eine ziemlich aufregende Reise mit Bahn, Flugzeug, Schiff und Bus nach – Irland und Wales. Ja, wieder Großbritannien, da Sophie in Bangor in Wales im Auslandssemester war. Wir haben uns zu einem Familienwochenende in Dublin getroffen. Dublin ist von allen Städten, die ich gesehen habe, wohl die speziellste. Wales – am anderen Ende der Fähre – hat mich aus den Socken gehauen. Es ist so schön dort! Wir wollten eigentlich nach Snowdonia, aber im April lag noch Schnee dort, weswegen wir dann nur am Rand in Llanberis waren. Einer der schönsten Ausflüge überhaupt. Auch Beaumaris und Caernarfon Castle sind sehenswert. Ich möchte immer einmal nach Wales zurück, aber bisher ist es nicht dazu gekommen.

Der einzige Urlaub, der zwei Notizbücher gefüllt hat. Dublin & Bangor 2013.
Die Reisetagebücher sind gefüllt mit vielen Informationen. Dublin & Bangor 2013.

Ab jetzt ist das Reiseziel immer Großbritannien. Ich hatte London die letzten Jahre vermisst und wollte auch gern in die große Harry-Potter-Ausstellung der Warner Bros, also bin ich 2015 mit meinem damaligen Freund nach London gefahren. An dem Urlaub war nicht alles perfekt, aber er war etwas ganz besonderes. Selten war ein Urlaub so angefüllt mit Sachen, die mich wirklich interessieren. Außerdem hatte ich das Hotel zufällig in einer extrem tollen Lage ausgewählt, Earls Court ist wirklich zu empfehlen! Diese Reise habe ich mir übrigens nach der Abgabe meiner Masterarbeit gegönnt, und es war auch die erste Reise, die ich selbst geplant hatte. Harry Potter war so wichtig für mich, das ich nicht weiß, ob ich nochmal hinfahren würde. Es ist beim zweiten Mal einfach anders, wenn man schon einmal irgendwo glücklich war. Das gleiche Gefühl versuche ich oben bei Venedig zu beschreiben.

London 2015, mit Eintrittskarten für Harry Potter.

Es folgt ein zweites Jahr, in dem ich zweimal verreise. Das Jahr direkt nach dem Ende des Studiums, bevor es mit dem Job los geht, fahre ich noch mal zu Sophie, die jetzt in Bristol studiert. Bristol ist eine von den Städten, die ich wirklich mochte, aber der besondere Tag dieser Reise war der Tag am Ärmelkanal in Lyme Regis. Da hat, trotz verrückter Busfahrt dort hin, einfach alles gestimmt. Auch nach Lyme Regis traue ich mich nicht ein zweites Mal, obwohl ich unbedingt noch einmal richtig wie Mary Anning Fossilien sammeln will. In diesem Urlaub habe ich übrigens das erste Mal Bath besucht, hauptsächlich wegen Jane Austen und dem Fashion Museum. Doch im Gedächtnis geblieben sind mir besonders die Roman Baths, die ein uralter Ort sind und trotz touristischem Überlauf absolut sehenswert sind.

Bristol 2016, eins meiner schönsten Reistagebücher.

Übrigens sind Sophie und ich auch nach Cardiff gefahren, um Dr. Who zu besuchen, der zwar eine kleinere Ausstellung als Harry Potter hat, aber dafür eine schönere Stadt drumherum.

Sophie macht im selben Jahr ein Praktikum in Cambridge. Da ich in Oxford schon mal kurz war (London 2005), kann ich mir diese College-Stadt nicht entgehen lassen und fliege für ein Wochenende auf die Insel. Cambridge bringt mir einen umfangreichen Einblick in englische Literatur, nicht nur mit dem Besuch der Colleges, sondern auch mit einem Ausflug in die Wren Library und in den Orchard Tea Garden.

Bei diesem Reisetagebuch ist ein Stift mit der Aufschrift „Cambridge University“ dabei, den ich immer noch gern hervor hole, um gebildet zu wirken. Cambridge 2016.

In 2017 bekomme ich keine zwei Wochen Urlaub am Stück. Aus diesem Jahr gibt es einen umfangreichen Bericht aus der Karlsruher Kunsthalle, in der ich sehr ausführlich war. 2017 war allerdings insgesamt eher ein Jahr zum vergessen, weshalb eine fehlende Reise da nicht ins Gewicht fällt.

Karlsruher Kunsthalle 2017.

Letztes Jahr, 2018, ist Sophie dann endgültig nach England gezogen. Unsere Eltern haben uns zu unseren Uni-Abschlüssen eine große Reise schenken wollen, die wir dann auf Sophies Hausboot auch endlich durchführen konnten. Ich hatte meinen Abschluss da schon drei Jahre in der Tasche. Sophie und ich wollten schon länger eine Hausboot-Rundreise in England machen, dass Sophie dann schon ein Hausboot gemietet hatte war eher ungeplant. Das war eine der besten Reisen überhaupt, sehr viel Landschaft, wenig Stadt – aus den trubeligen Städten bin ich wohl langsam herausgewachsen – und Hausboot fahren ist gar nicht so einfach. Ich habe mir aus England einen Sonnenbrand und einen wunderschönen Bluterguss mitgebracht, war aber so begeistert wie selten nach einer Reise. Baden im Fluss, Tiere sehen, Kultur anschauen, gutes Essen und gutes Wetter, es war alles dabei.

Kennet und Avon Canal 2018. Dies ist eins der umfangreichsten Reisetagebücher, ich habe alles festgehalten.

Sophie und ich waren auch wieder in Bath, diesmal, um wirklich das Jane Austen-Museum anzuschauen und im Green Bird Café die feinen Open Sandwichs zu essen. Wir habe mittlerweile Bath-Traditionen, auf die ich auch jetzt, 2019, bestanden habe. Mittlerweile hat Sophie ein Hausboot gekauft, und da habe ich sie letzte Woche besucht. Diesmal bin ich mit dem Zug gefahren, was die bessere Wahl war, und so konnte ich auch etwas Zeit in London einplanen, das ich langsam vermisse. Dieses Jahr hatte ich zum ersten Mal englisches Wetter, es hat immer wieder geregnet, was Sophie und mich nicht von Wandertouren oder Ausflügen mit dem Fahrrad abhielt.

Nach 20 Jahren wieder ein selbstgemachtes Reisetagebuch. Aber mittlerweile bin ich Buchbinderin. Bath 2019.

Ist Reistetagebuch schreiben eigentlich noch zeitgemäß? Hatten Reiseberichte nicht im 18. Jahrhundert ihren Siegeszug in der Literatur angetreten? Ich glaube nicht, dass meine Berichte literarischen Wert haben, aber der persönliche Wert ist enorm. Ich musste an einigen Stellen lachen, anderen war ich enttäuscht beim lesen, aber alles in allem haben mir die Bücher vor allem geholfen, die Reisen gut zu erinnern. Es gibt ein oder zwei Reisen, wie die 2006 zu meiner Brieffreundin Kirandeesh nach, well, England, über die ich kein Tagebuch geführt habe, und das ist wirklich schade.

Was mich im Nachhinein sehr stört sind die vielen Flugreisen. Von den vierzehn hier erwähnten Reisen sind nur fünf nicht mit dem Flugzeug unternommen worden, und bei den meisten davon wäre es auch anders gegangen. Gerade England ist mit dem Bus oder der Bahn gut zu erreichen, warum nicht öfter so? Ich will mir meinem CO2-Abdruck gar nicht vorstellen. Aber das ist etwas, das ich nicht mehr rückgängig machen kann, nur in Zukunft besser.

Zum Abschluss noch etwas Statistik:

  • unternommene und dokumentierte Reisen: 14 in 20 Jahren
  • unternommene, aber nicht dokumentierte Reisen: 8 (diese alle bis auf eine nach Polen innerhalb Deutschlands)
  • das sind 1,1 Reisen pro Jahr
  • von den dokumentierten Reisen waren… :
  • Flugreisen: 9
  • Reisen mit dem Bus: 1
  • Reise mit dem Auto: 1
  • Reisen mit dem Zug: 3
  • Besuchte Länder (außer Deutschland): Italien, Großbritannien, Tschechien, Frankreich, Spanien – und Polen, wozu es kein Tagebuch gibt

Wandertag im Schwarzwald

Letzten Samstag hatten wir eine Einladung zum Wandertag. An dem Tag waren 33°C , und ich hatte schon das schlimmste befürchtet, als es hieß, die Strecke ginge kaum durch Wald, aber es war dann sehr, sehr schön und angenehm!

Kunst mit Kuh. Okay, Kunst mit Kühen und Bach. Die Kunst war entlang des „Lebenswegs“, den wir teilweise gegangen sind.

Los ging es bei Sonners Heinehof. Da gab es allerlei freilaufendes Nutzvieh, für die Städterin (wie mich) natürlich spannend. Vorbei an Kühen ging es los in Richtung Schweighof, erst runter ins Tal, dann immer schön Berg auf. Da gab es eine Menge schöner Aussichten, zum einen ins Tal Richtung St. Ulrich, zum anderen gen Rheinebene.

Blick von halber Höhe Richtung St. Ulrich.

Vorbei an einem kleinen, gipfelkreuzartigem Jesus ging es weiter, teilweise durch den Wald, teilweise an Kuhweiden vorbei, Richtung des Eckhofes, wo uns Eis versprochen worden war. Das hat natürlich angespornt! Bis dahin ging es noch meistens bergauf.

Blick ins Tal Richtung St. Ulrich von weiter oben. Kaiserwetter.

Es gab wirklich sehr, sehr feines Eis mit Milch von der Eckhof-Kuh. Ich hatte einen Milkshake:

Etwas rosa aufgrund des roten Sonnenschirms. Den Eckhof gab es schon im 16. Jahrhundert.

Zurück zum Heinehof ging es nach dem Eis recht fix, erstmal war es später am Tag und die Sonne knallte nicht mehr so sehr, zum anderen ging es jetzt wirklich nur noch bergab (manchmal zu schnell, eine ausgeschilderte Abkürzung stellte sich als kiesig und rutschig heraus).

Freilaufende Gänse beim Heidehof. Es gab noch mehr Gänse auf einer großen Weide.

Am Schluss gab es ein feines Essen für alle im Heinehof. Platt und fertig und zufrieden ging es dann wieder nach Hause. Ein schöner Tag!

Google lässt mich den Weg nicht exakt aufnehmen, die Abkürzung kennt es z.B. gar nicht. Aber das war so ungefähr unsere Wanderroute.

Es passiert nichts, aber es ist viel los

*Die Links in diesem Beitrag sind unbezahlt und von mir gesetzt!

Eigentlich hebe ich mir ja immer bestimmte Themen oder Ereignisse für den Blog auf. Diesen Monat hatte ich aber weder eine Idee noch ein Thema. Dabei habe ich mich mit so vielen Dingen beschäftigt! Darum soll es heute hier gehen – nichts passiert, aber viel los.

Mein letzter Artikel „Was ich nicht mehr kaufe“ ist dann doch nur die Spitze des Eisbergs gewesen. Was Anfang des Jahres mit Marie Kondo angefangen hat setzte sich mit der Entdeckung von Minimalismus als Lebenskonzept, Nachhaltigkeit und am Ende dann sogar Zero Waste fort. Youheum wurde eine große Inspiration, nicht nur eine Resource. Ihre Beiträge betrachte ich allerdings mit einem Funken Vorsicht, denn ich halte offen gesagt nichts vom Healing Code und EFT. Den Healing Code finde ich schlicht gefährlich. Methodisch Inkorrekt, der Wissenschaftspodcast, hat eine Kategorie „Schwurbel der Woche“, in den ich für mich persönlich alles derartige von Youheum einordne. That said: Der Rest ihres Blogs, Podcasts und Videos ist sehr gut! Viele Tipps zur Nachhaltigkeit, Minimalsimus als Lebensstil und generell einiges an Lebensweisheit. Den letzten Monat habe ich mich also hauptsächlich damit beschäftigt.

Gleich nach dem letzten Eintrag war dann die Gulaschprogammiernacht des Entropia e.V., bei der ich Samstag war und wieder viel gelernt habe. Ich kann mich immernoch nicht selbst überreden, die Frauen mit den Nähmaschinen anzusprechen, da möchte ich doch so gern mit machen! Ich hab sogar selbst was auf der GPN produziert:

Einfaches Stickbild des Sternbildes Kassiopeia mit LED.

Das WGT kam und ging das folgende Wochenende. Zum Thema Kostüme hatte ich mich ja schon hier geäußert. Beim Szeneblog Spontis gab es dann eine erwachsene, offene Diskussion zum Thema, an der ich mich ebenfalls beteiligt habe.

Eine ganz wichtige Errungenschaft für den Sommer wurde das folgende Wochenende installiert: Fliegengitter! Wir sind ja umgezogen, wie ich hier schrieb, und da wir einmal quer durch die Stadt nach Westen gen Rhein gezogen sind und dieses Jahr die Schnakenbekämpfungshubschrauber beide havariert waren, erwarten wir einen große Plage. Ob das chemische Bekämpfen der Schnaken ökologisch sinnvoll ist bezweifle ich, aber nicht jeder mag sich Fliegengitter installieren. Bisher haben die Gitter vor allem gegen die Wanzen geholfen, die jetzt außen drauf sitzen und rein gucken. Nehmt das, ihr Stinkwanzen!

Ich war tatsächlich mal wieder in einem Club. So nachts und mit tanzen. War ganz gut, auch meine Freunde hatte ich eine Weile nicht gesehen. Ich mag nicht mehr so viel Alkohol trinken und auch nicht mehr so lang bleiben, das ist wohl so ein Altersding – oder ich setze meine Prioritäten einfach anders? Bis 2 Uhr wars auf jeden Fall ganz gut.

Im Geschäft habe ich derzeit eine Schulpraktikantin. Ich hatte noch nie eine Praktikantin, ich war immer selbst die Praktikantin, deshalb gebe ich mir größte Mühe, dass sie einen Mehrwert aus dem Praktikum mitnimmt – wie Dinge gemacht werden, generelle Arbeitswelt, beantworten aller Fragen. Außerdem muss sie keinen Kaffee kochen und spült auch nur Geschirr, wenn sie Lust hat. Meine Praktikantin ist nicht da, um Pumpelarbeiten zu machen, sondern um was zu lernen!

Was ich als wöchentliche Gewohnheit eingeführt habe ist einmale die Woche zusätzlich zum Tanzunterricht Yoga zu machen. Derzeit noch mit einen Youtube-Video, aber im kommenden Semester möchte ich endlich einen Kurs an der Volkshochschule besuchen. Darauf spare ich ein wenig, auch wenn ich von finanzieller Seite nicht in Panik geraten muss, denn ich bekomme eine Gehaltserhöhung!

Mein Handy ist kaputt gegangen. Na ja, es funktioniert noch, aber ich habe das Display gesplittert (man nennt es auch Spider App, weil es aussieht wie ein Spinnennetz). Leider wird das Handy bei längerer Benutzung an der gesplitterten Stelle sehr heiß. Das ist zum einen gut, weil es meine Handynutzung einschränkt, aber auch doof, weil mein Handy mein wichtigstes Gadget ist. Ich spare für 2020 auf ein neues Handy, ein modulares, halbwegs fair und ökologisch produziertes Telefon. Das wird teuer, deshalb muss ich sparen.

Der Ausblick für den Rest des Sommers ist durchaus positiv. Ich habe mehrere Mittelaltermärkte im Kalender stehen, und dann noch eine kleine Reise nach England – diesmal mit dem Zug, was ein Abenteuer in sich ist. Wandern gehen möchte ich auch – die kommenden Monate werden also bestimmt gut!

Manteltaschenfund

Ich weiß gar nicht, warum ich immer so negativ eingestellt bin und mein Leben langweilig finde. Es ist nicht das große Wahre und auch nicht genau das, wo ich hin wollte – aber schlecht ist es auch nicht. Und langweilig schon gar nicht.

Wegen des kalten Wetters habe ich meinen dicksten, flauschigsten, handgestrickten Pullover (danke, Mama!) aus dem Schrank genommen und angezogen. Über den passt meine normale Winterjacke nicht, deshalb habe ich einen Mantel, den ich zuletzt im November an hatte, aus dem Schrank genommen. Woher ich weiß, dass ich den Mantel im November das letzte Mal getragen habe? Daher:

Da waren Fahr- und Eintrittskarten in den Taschen! Von Links oben: Eintritt ins Ludwigsburger Schloss vom Ausflug nach Ludwigsburg, Eintrittskarte für Schwetzingen, Fahrkarten für die Berliner U-Bahn und ein Kalender von der Postbank. Ich habe mein Konto nicht bei der Post. Ich komme ganz schön rum! Und an keinem der Ausflüge war ich ohne nette Begleitung unterwegs. Ich habe tolle Sachen gesehen, geredet und gelacht, Fotos gemacht… Und den Mantel habe ich auch noch von meiner Kollegin geschenkt bekommen (danke, Jutta!). Besser könnte es fast nicht sein.

Willkommen im Historikerhimmel – Ausflug nach Ludwigsburg

Letztes Wochenende war ein lang anstehender Besuch bei Dieter in Ludwigsburg geplant. Also ab in die S-Bahn und los gehts! Ludwigsburg überraschte mit wundervollem Sonnenwetter und eigentlich war es Samstags noch zu warm für den Wintermantel. Was also machen nach einem Rundgang durch die Stadt, einem Besuch im Buchladen (natürlich) und einem mehr als ausreichendem Essen im örtlichen Pub? Klar, schönes Wetter, Zeit fürs Museum! Das Ludwigsburger Schloss, erbaut ab 1704 und bis in die 1730er imfassend erweitert, verfügt über original erhaltene Fürstenappartements und gleich zwei Corps de Logis. Es gibt zu jeder Schlosshälfte eine Führung, einmal die Seite mit dem Damenappartement, zum anderen das Herrenappartement. Natürlich mussten wir beides anschauen! Hintereinander! Jede Führung geht etwa 90 Minuten, klar machen wir das und dann noch den Schlosspark hinten dran! Wir hatten ja keine Ahnung. Zum Glück war die Dame, die die Führungen gemacht hat, sehr motiviert und hatte ein unglaubliches Wissen. Ich habe sie ständig mit Fachfragen unterbrochen, was die erste Führung ziemlich verlängert hat – das tut mir immernoch Leid! Aber ich musste wissen, ob der Boden noch original ist (ja), ob die Vorhänge noch aus der Zeit sind (nein) usw. usw.

Innen
Man, äh, darf eigentlich nicht im Schloss drinnen fotografieren. Das ist nur ein kleiner Eindruck von dem, was einen erwartet.

Die Räume im Schloss sind ein riesiger Fundus an historischem Wissen, nicht nur über die diversen Herzöge und Könige, die Ludwigsburg als Sommersitz oder Regierungssitz genutzt haben, auch an Raumausstattung und Gemälden bleiben fast keine Wünsche offen. Besonders ins Auge gefallen sind dabei die Möbel aus der Zeit um 1810, die allerdings teilweise aus dem Stuttgarter Schloss stammen. Außerdem hatte es ein paar hochwertige Gemälde der Herrscher, die auch gut Auskunft über die Mode der Zeit gaben.

MagdaleneWilhelminevonWuerr
Magdalene Wilhelmine von Württemberg (1677-1742), hier noch als Tochter des Herzogs von Württemberg, war später die Frau Karl Wilhelms von Baden-Durlach (1679-1738). Quelle

 

Leider war die Gemäldegalerie auf der Seite des Herzogs mehr als durchschnittlich, verglichen mit der Sammlung Karoline Luise von Badens aus etwa der selben Zeit (heute großteils Kunsthalle Karlsruhe), oder eigentlich jeder anderen fürstlichen Sammlung, war in dieser ein kleiner Rubens alles, was hervorstach. Da wurde um des Sammelns willens und nicht um der Qualität willen zusammengekauft. Man kann auch die beiden Kirchen des Schlosses besichtigen, eine davon in all ihrer barocken Pracht. Insgesamt dauerten die Führungen etwa drei Stunden. Man kann das Schloss nicht ohne Führung besichtigen, was angesichts der originalen Ausstattung nur logisch ist.

Wer mehr Eindrücke vom Inneren des Schlosses sehen will, der findet Bilder hier, hier oder hier.

 

Danach ist man aber mehr als abgefüttert mit Informationen, so sehr, das sogar geübte Historiker wie ich nochmal Wikipedia befragen müssen, wer da jetzt eigentlich was hat erbauen lassen und wann Württemberg Königreich wurde (1806). Und das schlimmste: bis alles fertig gezeigt war war es draußen dunkel! Also nix mit Park angucken. Das Schloss sieht aber auch im Dunkeln wunderschön aus und ist hübsch beleuchtet.

Fontaene
Auch im Dunkeln eine Schönheit: Das Neue Corps de Logis.

Also musste der Tag hier beendet werden und die berühmte Schwarz-Weiß-Bar aufgesucht werden. Diese war leider arg voll, sodass wir uns mit Katzentischen begnügen mussten – aber die Cocktails da sind ziemlich gut, und hallo, ist da Alkohol drin! Der geneigte Leser lasse sich nicht von den blumigen Beschreibungen in der Karte irritieren, zwei Cocktails sind mehr als genug! Zusammen mit der freundlichen Kellerathmosphäre – das ist keine Ironie, ich mag Kellerbars – und einer Menge gemachten und gelachten Wörtern ein gelungener Abend.

Am nächsten Morgen dann eine böse Überraschung: kein schönes warmes Herbstwetter mehr, sondern kalt und Dauerregen! Da der Park ja gestern wegen Dunkelheit ausgefallen ist und heute nachgeholt werden sollte keine guten Nachrichten. Also erst mal ausgedehnt frühstücken. Dieter und ich hatten ein Museum noch nicht angeschaut – das Modemuseum. Dieses kannte ich zwar von einem Ausflug mit meiner Freundin Lisa (die man aus dem Artikel zum Freilichmuseum Beuren kennt), aber diesmal wollte ich mir vor allem die Kleider des 18 .Jahrhunderts genauer anschauen. Zu Studienzwecken wie z.B. für das Überkleid (zu welchem es hoffentlich bald Neuigkeiten geben wird).

Notizen
Auch im Modemuseum durfte man keine Fotos machen. Dafür habe ich jetzt einige Seiten meines Notizbuches voll mit Skizzen und Anmerkungen.

Dieter war zum Glück nicht furchtbar gelangweilt von meinem Sermon über Nähte, Stoffarten und französischen Kleidernamen. Mit mir in ein Modemuseum zu gehen ist schon recht mutig. Das Museum ist zum Glück nicht allzu groß, der größte Teil ist zum 18. und frühen 19. Jahrhundert. Leider ist nichts, oder fast nichts, an Kleidung von den ursprünglichen Besitzern des Schlosses Ludwigsburg erhalten. Dennoch liefern die Vitrinen mit den Kleidern ein anschauliches Bild, was man wohl im Schloss getragen hat.

Park
Der barocke Teil des Ludwigsburger Blühenden Barock.

Nach dem Mittagessen in einem der Cafés im Schlosspark hörte es dann auch endlich auf zu regnen. Nasse Herbstblätter sind ja meist farbiger als trockene, so hatte es auch sein gutes. Leider ist vieles im Schlosspark rutschig wenn nass, sodass der „Abgesang mit Heimgang“, der während unseres Spaziergangs stattfand, kein Wunder ist. Der Schlosspark schließt Anfang November, und der Sonntag war der letzte Tag des Kürbisfestes (Reste davon sieht man ein wenig im oberen Foto). Den Märchengarten hatte ich noch nicht gesehen.

Frosch
Ziemlich tolle Froschfontäne, die man über Trittsteine selbst steuern konnte, versteckt in einem matschigem Labyrinth.

Der Märchengarten schwankt zwischen „ist ja süß“ und „…..(?)“. Erbaut ab 1959, um mehr Besucher in den Schlosspark zu locken, sind vor allem die ersten Märchen charmant, die neueren (bis 2009) sind nicht so interessant gemacht. Fast alle Märchen kannte ich, nur der Riese Goliath stammte aus der Bibel und war nicht ohne Schild erkennbar.

Der Schlosspark an sich ist sehenswert, es gibt auch einen japanischen Garten, eine Voliere, eine künstliche Burgruine und viele interessante Bäume und Pflanzen. Im Blühenden Barock gibt es sogar nachgebaute Spielzeuge des barocken Hofes! Einige Schaukeln und ein Karussel, die aber leider schon nicht mehr in Betrieb waren, so spät im Jahr.

Bonsai
Der Herbst ist da: Bonsai aus dem japanischen Garten.

Ein Spaziergang durch den Park anfang November macht kalt und nass, bei Einbruch der Dunkelheit wollte ich dann nur noch ins Warme und einen Tee trinken. Bis mein Zug zurück nach Karlsruhe fuhr war ich dann wieder gut aufgewärmt.

Alles in allem: Man kann dieses große Schloss samt Garten nicht in einem Tag schaffen. Es gibt ja auch noch das Schloss Favourite, dass derzeit restauriert und renoviert wird. Der Eintritt ist happig, lohnt sich aber. Bei Regen braucht man Wanderschuhe für den Park. Ludwigsburg an sich ist hübsch und es gibt auch die eine oder andere Möglichkeit, gescheit Konsum zu betreiben. Warum nochmal wohne ich in Karlsruhe?

 

Komm auf die Moloch – Wochenende in Berlin

Der Titel bezieht sich auf das Musical „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“. Musik gibt es hier. Ich empfinde Berlin immer als leicht überfordernd, weil es da so groß und viel und gleichzeitig ist, eben ein Moloch. Das Titelbild ist zufällige Streetart.

Dieser Eintrag ist ein bisschen spät dran. Ich war eigentlich schon vorletztes Wochenende bei meiner Schwester Sophie in Berlin, habe mir aber einen schönen Virus von dort mitgebracht und als ich wieder gesund war kam das Leben mit einem Brückentag und einer Reihe Feiertage dazwischen.

Beinahe wäre ich gar nicht in Berlin angekommen, da ich erst sehr spät von der Arbeit losgekommen bin und fast den Zug verpasst hätte. Und dann gab es auch noch Personenschaden auf der Strecke, den die Deutsche Bahn aber gut gehandhabt hat – ich durfte einfach außerplanmäßig in Fulda in einen außerplanmäßig dort haltenden Zug steigen und kam so nur 20 Minuten zu spät in Berlin an, statt über zwei Stunden später. Glück im Unglück. Sophie wohnt sehr zentral, sodass wir am nächsten Morgen recht fix loslegen konnten.

Fernsehturm
Berlin, Berlin. Leider nicht mehr mit so vielen hübschen Herbstbäumen, da der große Sturm gerade vorbei war.

Zuerst waren wir in Mitte einen Einkaufstour machen – für mich als Provinzbewohnerin aus dem Ländle ist es irgendwie ein Muss, mal schicke Läden zu besuchen. Wir waren in einem tollen Schreibwarenladen, in einer Buchhandlung namens Hundt Hammer Stein (dort habe ich auch das meiste Geld ausgegeben), bei Muji  und in der Kunstbuchhandlung Walther König. Muji war leider kein tolles Kauferlebnis, da es dort sehr überlaufen war, aber ich brauchte einen Stift. Unbedingt. Einen Second-Hand-Laden und ein oder zwei Chi-Chi-Läden (Chi-Chi: Sachen, die hübsch sind, die man aber nicht unbedingt braucht, wie z.B. Seife) haben wir auch noch besucht. Den Namen von dem Second-Hand-Laden habe ich mir gleich gar nicht notiert, ich wollte einen Rock kaufen, aber der Preis war für Second-Hand (nicht Vintage!) ziemlich frech. Gegessen haben wir bei Quy Ngyên, ein leckerer, veganer Vietnamese. Die Limo dort ist fantastisch! Natürlich lassen Sophie und ich die Kultur nicht ganz aus, wir waren in der Sophienkirche (die namentliche Übereinstimmung ist reiner Zufall).

Sophienkirche
Die Sophienkirche ist ruhig gelegen. In den Häusern rechts und links waren noch Einschusslöcher von Straßenschlachten aus dem Zweiten Weltkrieg zu finden.

Die Sophienkirche ist 1713 geweiht worden und Berlins einzige erhaltene Barockkirche. Die große Orgel ist renoviert, aber das Gebäue an sich braucht dringend neuen Putz und Farbe, was das ganze sehr charmant macht. Ich bin als Kunsthistorikerin aber immer für den Erhalt von Gebäuden, also sollte die Kirche renoviert werden, charmant hin oder her. Martin Luther King hat 1964 dort eine Rede gehalten, weswegen die Kirche ganz gut besucht wird. Ich hoffe, das so die Spenden schnell zusammen kommen.

Sophienkirche_Decke
Mein Handy hatte den Tag vor der Abreise beschlossen, dass es jetzt nicht mehr starten will, weshalb alle Fotos dieses Beitrags mit dem Tablet gemacht worden sind. Die Kirchendecke ist eigentlich weiß und geht auf einen Umbau 1891/1892 zurück; ist also leider nicht original erhalten.

Im Museum auf der Museumsinsel waren wir letztes Mal, als ich in Berlin war, weshalb wir nur kurz vorbei geschaut haben, da der Säulengang dort einer meiner Lieblingsorte ist. Im Berliner Dom war ich schon wieder nicht, da dort eine geschlossene Veranstaltung stattfand.

Museumsinsel
Ach man, das Foto ist richtig unscharf. Aber ich mag den Säulengang auf der Museumsinsel so sehr.

Samstag Abend hatte Sophie eine Einladung zur Nobelpreisfeier von ICAN. ICAN hat zwei Wochen zuvor den Friedensnobelpreis gewonnen und es gab eine Party der deutschen Abteilung von ICAN. Das war ziemlich cool! ICAN hat einen Vertrag durchgesetzt, den 53 Staaten unterschrieben haben, der, kurz gefasst, den Besitz von Atomwaffen zu einem Verstoß gegen das Völkerrecht erklärt.* Die Party selbst war ein bisschen improvisiert, aber nichtsdestotrotz toll.

Sonntag stand dann schon der Zug für die Heimreise bereit, sodass wir uns einen kleinen Kulturpunkt ausgesucht haben, den ich gern besuchen wollte: Das Computerspielemuseum Berlin. Ich kenne den Ausstellungsteil des ZKM in Karlsruhe sehr gut und wollte schauen, wie das Museum in Berlin so ist. Und das Fazit vorneweg: Würde man das Museum in Berlin mit dem in Karlsruhe zusammenlegen hätte man das perfekte Museum zum Thema Videospiele. Berlin hat viel zur Geschichte der Videospiele, einen Raum für eine Sonderausstellung, viele hands-on-Ausstellungsstücke und einen kleinen Raum, der eine Arcade-Spielhalle nachbaut, aber kaum was zum künstlerischen Aspekt der Spiele – und ganz ganz neue Spiele fehlen komplett. Da würde das ZKM perfekt anschließen, da hier der geschichtliche Teil winzig und unbefriedigend ist.

Wall
Die „Wall of Hardware“, in der Konsolen und Handhelds und… einfach alles seit Beginn der Videospiele ausgestellt waren.

Ich interessiere mich ja mehr als Sophie für Games, aber Sophie hatte auch ihren Spaß. Am besten hat ihr ELIZA von 1966 gefallen. Die ziemlich oberflächliche Simulation eines Psychotherapeuten, benannt nach Eliza Dolittle aus Pygmalion (oder My Fair Lady), konnte Sophie schnell an seine Grenzen bringen. Aber so frühe spielerische Anwendungen hat man kaum mal in einem Museum zum ausprobieren.

Eliza
Hier sehen wir Sophie, wie sie ELIZA austrickst.

Ich fand den museumspädagischen Ansatz zur Historie der Videospiele am besten. Eine Wand mit integrierten Ausstellungskästen konnte vom Besucher mittels eines Lasers angesteuert werden und hat dann auf einem Bildschirm Snippets vom Gameplay und historische Informationen zu Meilensteinen der Videospiele gegeben.

History
Die ansteuerbare Wand zu den Game-Meilensteinen.

Informationsbeschaffung zu gamemifizieren ist eine clevere Idee, um den Besucher passend zum Thema anzusprechen. Ansonsten ist der Arcade-Raum ziemlich großartig, ich habe zum ersten Mal „Space Invaders“ ausprobiert, es gab aber auch „Pac Man“ und „Donkey Kong“ und einige weitere. Der Raum war an einem Sonntag im Oktober aber recht schnell ziemlich voll, sodass ich nicht alle Spiele angespielt habe.

Polyplay
Poly Play ist der einzige Arcade-Automat, der in der DDR produziert wurde.

Ich wusste nicht mal, dass in  der DDR überhaupt Spiele hergestellt wurden! Der Poly Play-Automat war zum ausprobieren, ansonsten wurde die super raren DDR-Spielkonsolen hinter Glas gezeigt. Eine ganze Wand war dem Thema Spiele in der DDR gewidmet, was mich als geborene Ossi überrascht hat. Ich habe davon einfach nichts gewusst. Leider waren die Spiele in der DDR in der Entwicklung denen in der BRD und dem Rest der Welt etwa vier Jahre hinterher, sodass es keine großen Exportschlager waren. Von Poly Play sind aber, soweit ich das richtig erinnere, etwa 2000 Stück verkauft worden.

Der Shop im Museum ist winzig, aber gut sortiert. Nichts, was nicht auch woanders erhältlich wäre, aber es gab einen Sale… Nun ja.

Und dann war es auch schon wieder Zeit, in der recht vollen Zug nach Karlsruhe zu steigen, der mich ohne Zwischenfälle wieder Heim gefahren hat. Zum Glück hatte ich für die sechs Stunden meinen Nintendo dabei, wenigsten ein bisschen zocken nach dem Computerspielemuseum…

*Ich hoffe, ich habe das richtig verstanden und habe die Zahlen richtig. Wenn nicht, schreibt mir!