Wandertag im Schwarzwald

Letzten Samstag hatten wir eine Einladung zum Wandertag. An dem Tag waren 33°C , und ich hatte schon das schlimmste befürchtet, als es hieß, die Strecke ginge kaum durch Wald, aber es war dann sehr, sehr schön und angenehm!

Kunst mit Kuh. Okay, Kunst mit Kühen und Bach. Die Kunst war entlang des „Lebenswegs“, den wir teilweise gegangen sind.

Los ging es bei Sonners Heinehof. Da gab es allerlei freilaufendes Nutzvieh, für die Städterin (wie mich) natürlich spannend. Vorbei an Kühen ging es los in Richtung Schweighof, erst runter ins Tal, dann immer schön Berg auf. Da gab es eine Menge schöner Aussichten, zum einen ins Tal Richtung St. Ulrich, zum anderen gen Rheinebene.

Blick von halber Höhe Richtung St. Ulrich.

Vorbei an einem kleinen, gipfelkreuzartigem Jesus ging es weiter, teilweise durch den Wald, teilweise an Kuhweiden vorbei, Richtung des Eckhofes, wo uns Eis versprochen worden war. Das hat natürlich angespornt! Bis dahin ging es noch meistens bergauf.

Blick ins Tal Richtung St. Ulrich von weiter oben. Kaiserwetter.

Es gab wirklich sehr, sehr feines Eis mit Milch von der Eckhof-Kuh. Ich hatte einen Milkshake:

Etwas rosa aufgrund des roten Sonnenschirms. Den Eckhof gab es schon im 16. Jahrhundert.

Zurück zum Heinehof ging es nach dem Eis recht fix, erstmal war es später am Tag und die Sonne knallte nicht mehr so sehr, zum anderen ging es jetzt wirklich nur noch bergab (manchmal zu schnell, eine ausgeschilderte Abkürzung stellte sich als kiesig und rutschig heraus).

Freilaufende Gänse beim Heidehof. Es gab noch mehr Gänse auf einer großen Weide.

Am Schluss gab es ein feines Essen für alle im Heinehof. Platt und fertig und zufrieden ging es dann wieder nach Hause. Ein schöner Tag!

Google lässt mich den Weg nicht exakt aufnehmen, die Abkürzung kennt es z.B. gar nicht. Aber das war so ungefähr unsere Wanderroute.

Es passiert nichts, aber es ist viel los

*Die Links in diesem Beitrag sind unbezahlt und von mir gesetzt!

Eigentlich hebe ich mir ja immer bestimmte Themen oder Ereignisse für den Blog auf. Diesen Monat hatte ich aber weder eine Idee noch ein Thema. Dabei habe ich mich mit so vielen Dingen beschäftigt! Darum soll es heute hier gehen – nichts passiert, aber viel los.

Mein letzter Artikel „Was ich nicht mehr kaufe“ ist dann doch nur die Spitze des Eisbergs gewesen. Was Anfang des Jahres mit Marie Kondo angefangen hat setzte sich mit der Entdeckung von Minimalismus als Lebenskonzept, Nachhaltigkeit und am Ende dann sogar Zero Waste fort. Youheum wurde eine große Inspiration, nicht nur eine Resource. Ihre Beiträge betrachte ich allerdings mit einem Funken Vorsicht, denn ich halte offen gesagt nichts vom Healing Code und EFT. Den Healing Code finde ich schlicht gefährlich. Methodisch Inkorrekt, der Wissenschaftspodcast, hat eine Kategorie „Schwurbel der Woche“, in den ich für mich persönlich alles derartige von Youheum einordne. That said: Der Rest ihres Blogs, Podcasts und Videos ist sehr gut! Viele Tipps zur Nachhaltigkeit, Minimalsimus als Lebensstil und generell einiges an Lebensweisheit. Den letzten Monat habe ich mich also hauptsächlich damit beschäftigt.

Gleich nach dem letzten Eintrag war dann die Gulaschprogammiernacht des Entropia e.V., bei der ich Samstag war und wieder viel gelernt habe. Ich kann mich immernoch nicht selbst überreden, die Frauen mit den Nähmaschinen anzusprechen, da möchte ich doch so gern mit machen! Ich hab sogar selbst was auf der GPN produziert:

Einfaches Stickbild des Sternbildes Kassiopeia mit LED.

Das WGT kam und ging das folgende Wochenende. Zum Thema Kostüme hatte ich mich ja schon hier geäußert. Beim Szeneblog Spontis gab es dann eine erwachsene, offene Diskussion zum Thema, an der ich mich ebenfalls beteiligt habe.

Eine ganz wichtige Errungenschaft für den Sommer wurde das folgende Wochenende installiert: Fliegengitter! Wir sind ja umgezogen, wie ich hier schrieb, und da wir einmal quer durch die Stadt nach Westen gen Rhein gezogen sind und dieses Jahr die Schnakenbekämpfungshubschrauber beide havariert waren, erwarten wir einen große Plage. Ob das chemische Bekämpfen der Schnaken ökologisch sinnvoll ist bezweifle ich, aber nicht jeder mag sich Fliegengitter installieren. Bisher haben die Gitter vor allem gegen die Wanzen geholfen, die jetzt außen drauf sitzen und rein gucken. Nehmt das, ihr Stinkwanzen!

Ich war tatsächlich mal wieder in einem Club. So nachts und mit tanzen. War ganz gut, auch meine Freunde hatte ich eine Weile nicht gesehen. Ich mag nicht mehr so viel Alkohol trinken und auch nicht mehr so lang bleiben, das ist wohl so ein Altersding – oder ich setze meine Prioritäten einfach anders? Bis 2 Uhr wars auf jeden Fall ganz gut.

Im Geschäft habe ich derzeit eine Schulpraktikantin. Ich hatte noch nie eine Praktikantin, ich war immer selbst die Praktikantin, deshalb gebe ich mir größte Mühe, dass sie einen Mehrwert aus dem Praktikum mitnimmt – wie Dinge gemacht werden, generelle Arbeitswelt, beantworten aller Fragen. Außerdem muss sie keinen Kaffee kochen und spült auch nur Geschirr, wenn sie Lust hat. Meine Praktikantin ist nicht da, um Pumpelarbeiten zu machen, sondern um was zu lernen!

Was ich als wöchentliche Gewohnheit eingeführt habe ist einmale die Woche zusätzlich zum Tanzunterricht Yoga zu machen. Derzeit noch mit einen Youtube-Video, aber im kommenden Semester möchte ich endlich einen Kurs an der Volkshochschule besuchen. Darauf spare ich ein wenig, auch wenn ich von finanzieller Seite nicht in Panik geraten muss, denn ich bekomme eine Gehaltserhöhung!

Mein Handy ist kaputt gegangen. Na ja, es funktioniert noch, aber ich habe das Display gesplittert (man nennt es auch Spider App, weil es aussieht wie ein Spinnennetz). Leider wird das Handy bei längerer Benutzung an der gesplitterten Stelle sehr heiß. Das ist zum einen gut, weil es meine Handynutzung einschränkt, aber auch doof, weil mein Handy mein wichtigstes Gadget ist. Ich spare für 2020 auf ein neues Handy, ein modulares, halbwegs fair und ökologisch produziertes Telefon. Das wird teuer, deshalb muss ich sparen.

Der Ausblick für den Rest des Sommers ist durchaus positiv. Ich habe mehrere Mittelaltermärkte im Kalender stehen, und dann noch eine kleine Reise nach England – diesmal mit dem Zug, was ein Abenteuer in sich ist. Wandern gehen möchte ich auch – die kommenden Monate werden also bestimmt gut!

Manteltaschenfund

Ich weiß gar nicht, warum ich immer so negativ eingestellt bin und mein Leben langweilig finde. Es ist nicht das große Wahre und auch nicht genau das, wo ich hin wollte – aber schlecht ist es auch nicht. Und langweilig schon gar nicht.

Wegen des kalten Wetters habe ich meinen dicksten, flauschigsten, handgestrickten Pullover (danke, Mama!) aus dem Schrank genommen und angezogen. Über den passt meine normale Winterjacke nicht, deshalb habe ich einen Mantel, den ich zuletzt im November an hatte, aus dem Schrank genommen. Woher ich weiß, dass ich den Mantel im November das letzte Mal getragen habe? Daher:

Da waren Fahr- und Eintrittskarten in den Taschen! Von Links oben: Eintritt ins Ludwigsburger Schloss vom Ausflug nach Ludwigsburg, Eintrittskarte für Schwetzingen, Fahrkarten für die Berliner U-Bahn und ein Kalender von der Postbank. Ich habe mein Konto nicht bei der Post. Ich komme ganz schön rum! Und an keinem der Ausflüge war ich ohne nette Begleitung unterwegs. Ich habe tolle Sachen gesehen, geredet und gelacht, Fotos gemacht… Und den Mantel habe ich auch noch von meiner Kollegin geschenkt bekommen (danke, Jutta!). Besser könnte es fast nicht sein.

Willkommen im Historikerhimmel – Ausflug nach Ludwigsburg

Letztes Wochenende war ein lang anstehender Besuch bei Dieter in Ludwigsburg geplant. Also ab in die S-Bahn und los gehts! Ludwigsburg überraschte mit wundervollem Sonnenwetter und eigentlich war es Samstags noch zu warm für den Wintermantel. Was also machen nach einem Rundgang durch die Stadt, einem Besuch im Buchladen (natürlich) und einem mehr als ausreichendem Essen im örtlichen Pub? Klar, schönes Wetter, Zeit fürs Museum! Das Ludwigsburger Schloss, erbaut ab 1704 und bis in die 1730er imfassend erweitert, verfügt über original erhaltene Fürstenappartements und gleich zwei Corps de Logis. Es gibt zu jeder Schlosshälfte eine Führung, einmal die Seite mit dem Damenappartement, zum anderen das Herrenappartement. Natürlich mussten wir beides anschauen! Hintereinander! Jede Führung geht etwa 90 Minuten, klar machen wir das und dann noch den Schlosspark hinten dran! Wir hatten ja keine Ahnung. Zum Glück war die Dame, die die Führungen gemacht hat, sehr motiviert und hatte ein unglaubliches Wissen. Ich habe sie ständig mit Fachfragen unterbrochen, was die erste Führung ziemlich verlängert hat – das tut mir immernoch Leid! Aber ich musste wissen, ob der Boden noch original ist (ja), ob die Vorhänge noch aus der Zeit sind (nein) usw. usw.

Innen
Man, äh, darf eigentlich nicht im Schloss drinnen fotografieren. Das ist nur ein kleiner Eindruck von dem, was einen erwartet.

Die Räume im Schloss sind ein riesiger Fundus an historischem Wissen, nicht nur über die diversen Herzöge und Könige, die Ludwigsburg als Sommersitz oder Regierungssitz genutzt haben, auch an Raumausstattung und Gemälden bleiben fast keine Wünsche offen. Besonders ins Auge gefallen sind dabei die Möbel aus der Zeit um 1810, die allerdings teilweise aus dem Stuttgarter Schloss stammen. Außerdem hatte es ein paar hochwertige Gemälde der Herrscher, die auch gut Auskunft über die Mode der Zeit gaben.

MagdaleneWilhelminevonWuerr
Magdalene Wilhelmine von Württemberg (1677-1742), hier noch als Tochter des Herzogs von Württemberg, war später die Frau Karl Wilhelms von Baden-Durlach (1679-1738). Quelle

 

Leider war die Gemäldegalerie auf der Seite des Herzogs mehr als durchschnittlich, verglichen mit der Sammlung Karoline Luise von Badens aus etwa der selben Zeit (heute großteils Kunsthalle Karlsruhe), oder eigentlich jeder anderen fürstlichen Sammlung, war in dieser ein kleiner Rubens alles, was hervorstach. Da wurde um des Sammelns willens und nicht um der Qualität willen zusammengekauft. Man kann auch die beiden Kirchen des Schlosses besichtigen, eine davon in all ihrer barocken Pracht. Insgesamt dauerten die Führungen etwa drei Stunden. Man kann das Schloss nicht ohne Führung besichtigen, was angesichts der originalen Ausstattung nur logisch ist.

Wer mehr Eindrücke vom Inneren des Schlosses sehen will, der findet Bilder hier, hier oder hier.

 

Danach ist man aber mehr als abgefüttert mit Informationen, so sehr, das sogar geübte Historiker wie ich nochmal Wikipedia befragen müssen, wer da jetzt eigentlich was hat erbauen lassen und wann Württemberg Königreich wurde (1806). Und das schlimmste: bis alles fertig gezeigt war war es draußen dunkel! Also nix mit Park angucken. Das Schloss sieht aber auch im Dunkeln wunderschön aus und ist hübsch beleuchtet.

Fontaene
Auch im Dunkeln eine Schönheit: Das Neue Corps de Logis.

Also musste der Tag hier beendet werden und die berühmte Schwarz-Weiß-Bar aufgesucht werden. Diese war leider arg voll, sodass wir uns mit Katzentischen begnügen mussten – aber die Cocktails da sind ziemlich gut, und hallo, ist da Alkohol drin! Der geneigte Leser lasse sich nicht von den blumigen Beschreibungen in der Karte irritieren, zwei Cocktails sind mehr als genug! Zusammen mit der freundlichen Kellerathmosphäre – das ist keine Ironie, ich mag Kellerbars – und einer Menge gemachten und gelachten Wörtern ein gelungener Abend.

Am nächsten Morgen dann eine böse Überraschung: kein schönes warmes Herbstwetter mehr, sondern kalt und Dauerregen! Da der Park ja gestern wegen Dunkelheit ausgefallen ist und heute nachgeholt werden sollte keine guten Nachrichten. Also erst mal ausgedehnt frühstücken. Dieter und ich hatten ein Museum noch nicht angeschaut – das Modemuseum. Dieses kannte ich zwar von einem Ausflug mit meiner Freundin Lisa (die man aus dem Artikel zum Freilichmuseum Beuren kennt), aber diesmal wollte ich mir vor allem die Kleider des 18 .Jahrhunderts genauer anschauen. Zu Studienzwecken wie z.B. für das Überkleid (zu welchem es hoffentlich bald Neuigkeiten geben wird).

Notizen
Auch im Modemuseum durfte man keine Fotos machen. Dafür habe ich jetzt einige Seiten meines Notizbuches voll mit Skizzen und Anmerkungen.

Dieter war zum Glück nicht furchtbar gelangweilt von meinem Sermon über Nähte, Stoffarten und französischen Kleidernamen. Mit mir in ein Modemuseum zu gehen ist schon recht mutig. Das Museum ist zum Glück nicht allzu groß, der größte Teil ist zum 18. und frühen 19. Jahrhundert. Leider ist nichts, oder fast nichts, an Kleidung von den ursprünglichen Besitzern des Schlosses Ludwigsburg erhalten. Dennoch liefern die Vitrinen mit den Kleidern ein anschauliches Bild, was man wohl im Schloss getragen hat.

Park
Der barocke Teil des Ludwigsburger Blühenden Barock.

Nach dem Mittagessen in einem der Cafés im Schlosspark hörte es dann auch endlich auf zu regnen. Nasse Herbstblätter sind ja meist farbiger als trockene, so hatte es auch sein gutes. Leider ist vieles im Schlosspark rutschig wenn nass, sodass der „Abgesang mit Heimgang“, der während unseres Spaziergangs stattfand, kein Wunder ist. Der Schlosspark schließt Anfang November, und der Sonntag war der letzte Tag des Kürbisfestes (Reste davon sieht man ein wenig im oberen Foto). Den Märchengarten hatte ich noch nicht gesehen.

Frosch
Ziemlich tolle Froschfontäne, die man über Trittsteine selbst steuern konnte, versteckt in einem matschigem Labyrinth.

Der Märchengarten schwankt zwischen „ist ja süß“ und „…..(?)“. Erbaut ab 1959, um mehr Besucher in den Schlosspark zu locken, sind vor allem die ersten Märchen charmant, die neueren (bis 2009) sind nicht so interessant gemacht. Fast alle Märchen kannte ich, nur der Riese Goliath stammte aus der Bibel und war nicht ohne Schild erkennbar.

Der Schlosspark an sich ist sehenswert, es gibt auch einen japanischen Garten, eine Voliere, eine künstliche Burgruine und viele interessante Bäume und Pflanzen. Im Blühenden Barock gibt es sogar nachgebaute Spielzeuge des barocken Hofes! Einige Schaukeln und ein Karussel, die aber leider schon nicht mehr in Betrieb waren, so spät im Jahr.

Bonsai
Der Herbst ist da: Bonsai aus dem japanischen Garten.

Ein Spaziergang durch den Park anfang November macht kalt und nass, bei Einbruch der Dunkelheit wollte ich dann nur noch ins Warme und einen Tee trinken. Bis mein Zug zurück nach Karlsruhe fuhr war ich dann wieder gut aufgewärmt.

Alles in allem: Man kann dieses große Schloss samt Garten nicht in einem Tag schaffen. Es gibt ja auch noch das Schloss Favourite, dass derzeit restauriert und renoviert wird. Der Eintritt ist happig, lohnt sich aber. Bei Regen braucht man Wanderschuhe für den Park. Ludwigsburg an sich ist hübsch und es gibt auch die eine oder andere Möglichkeit, gescheit Konsum zu betreiben. Warum nochmal wohne ich in Karlsruhe?

 

Komm auf die Moloch – Wochenende in Berlin

Der Titel bezieht sich auf das Musical „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“. Musik gibt es hier. Ich empfinde Berlin immer als leicht überfordernd, weil es da so groß und viel und gleichzeitig ist, eben ein Moloch. Das Titelbild ist zufällige Streetart.

Dieser Eintrag ist ein bisschen spät dran. Ich war eigentlich schon vorletztes Wochenende bei meiner Schwester Sophie in Berlin, habe mir aber einen schönen Virus von dort mitgebracht und als ich wieder gesund war kam das Leben mit einem Brückentag und einer Reihe Feiertage dazwischen.

Beinahe wäre ich gar nicht in Berlin angekommen, da ich erst sehr spät von der Arbeit losgekommen bin und fast den Zug verpasst hätte. Und dann gab es auch noch Personenschaden auf der Strecke, den die Deutsche Bahn aber gut gehandhabt hat – ich durfte einfach außerplanmäßig in Fulda in einen außerplanmäßig dort haltenden Zug steigen und kam so nur 20 Minuten zu spät in Berlin an, statt über zwei Stunden später. Glück im Unglück. Sophie wohnt sehr zentral, sodass wir am nächsten Morgen recht fix loslegen konnten.

Fernsehturm
Berlin, Berlin. Leider nicht mehr mit so vielen hübschen Herbstbäumen, da der große Sturm gerade vorbei war.

Zuerst waren wir in Mitte einen Einkaufstour machen – für mich als Provinzbewohnerin aus dem Ländle ist es irgendwie ein Muss, mal schicke Läden zu besuchen. Wir waren in einem tollen Schreibwarenladen, in einer Buchhandlung namens Hundt Hammer Stein (dort habe ich auch das meiste Geld ausgegeben), bei Muji  und in der Kunstbuchhandlung Walther König. Muji war leider kein tolles Kauferlebnis, da es dort sehr überlaufen war, aber ich brauchte einen Stift. Unbedingt. Einen Second-Hand-Laden und ein oder zwei Chi-Chi-Läden (Chi-Chi: Sachen, die hübsch sind, die man aber nicht unbedingt braucht, wie z.B. Seife) haben wir auch noch besucht. Den Namen von dem Second-Hand-Laden habe ich mir gleich gar nicht notiert, ich wollte einen Rock kaufen, aber der Preis war für Second-Hand (nicht Vintage!) ziemlich frech. Gegessen haben wir bei Quy Ngyên, ein leckerer, veganer Vietnamese. Die Limo dort ist fantastisch! Natürlich lassen Sophie und ich die Kultur nicht ganz aus, wir waren in der Sophienkirche (die namentliche Übereinstimmung ist reiner Zufall).

Sophienkirche
Die Sophienkirche ist ruhig gelegen. In den Häusern rechts und links waren noch Einschusslöcher von Straßenschlachten aus dem Zweiten Weltkrieg zu finden.

Die Sophienkirche ist 1713 geweiht worden und Berlins einzige erhaltene Barockkirche. Die große Orgel ist renoviert, aber das Gebäue an sich braucht dringend neuen Putz und Farbe, was das ganze sehr charmant macht. Ich bin als Kunsthistorikerin aber immer für den Erhalt von Gebäuden, also sollte die Kirche renoviert werden, charmant hin oder her. Martin Luther King hat 1964 dort eine Rede gehalten, weswegen die Kirche ganz gut besucht wird. Ich hoffe, das so die Spenden schnell zusammen kommen.

Sophienkirche_Decke
Mein Handy hatte den Tag vor der Abreise beschlossen, dass es jetzt nicht mehr starten will, weshalb alle Fotos dieses Beitrags mit dem Tablet gemacht worden sind. Die Kirchendecke ist eigentlich weiß und geht auf einen Umbau 1891/1892 zurück; ist also leider nicht original erhalten.

Im Museum auf der Museumsinsel waren wir letztes Mal, als ich in Berlin war, weshalb wir nur kurz vorbei geschaut haben, da der Säulengang dort einer meiner Lieblingsorte ist. Im Berliner Dom war ich schon wieder nicht, da dort eine geschlossene Veranstaltung stattfand.

Museumsinsel
Ach man, das Foto ist richtig unscharf. Aber ich mag den Säulengang auf der Museumsinsel so sehr.

Samstag Abend hatte Sophie eine Einladung zur Nobelpreisfeier von ICAN. ICAN hat zwei Wochen zuvor den Friedensnobelpreis gewonnen und es gab eine Party der deutschen Abteilung von ICAN. Das war ziemlich cool! ICAN hat einen Vertrag durchgesetzt, den 53 Staaten unterschrieben haben, der, kurz gefasst, den Besitz von Atomwaffen zu einem Verstoß gegen das Völkerrecht erklärt.* Die Party selbst war ein bisschen improvisiert, aber nichtsdestotrotz toll.

Sonntag stand dann schon der Zug für die Heimreise bereit, sodass wir uns einen kleinen Kulturpunkt ausgesucht haben, den ich gern besuchen wollte: Das Computerspielemuseum Berlin. Ich kenne den Ausstellungsteil des ZKM in Karlsruhe sehr gut und wollte schauen, wie das Museum in Berlin so ist. Und das Fazit vorneweg: Würde man das Museum in Berlin mit dem in Karlsruhe zusammenlegen hätte man das perfekte Museum zum Thema Videospiele. Berlin hat viel zur Geschichte der Videospiele, einen Raum für eine Sonderausstellung, viele hands-on-Ausstellungsstücke und einen kleinen Raum, der eine Arcade-Spielhalle nachbaut, aber kaum was zum künstlerischen Aspekt der Spiele – und ganz ganz neue Spiele fehlen komplett. Da würde das ZKM perfekt anschließen, da hier der geschichtliche Teil winzig und unbefriedigend ist.

Wall
Die „Wall of Hardware“, in der Konsolen und Handhelds und… einfach alles seit Beginn der Videospiele ausgestellt waren.

Ich interessiere mich ja mehr als Sophie für Games, aber Sophie hatte auch ihren Spaß. Am besten hat ihr ELIZA von 1966 gefallen. Die ziemlich oberflächliche Simulation eines Psychotherapeuten, benannt nach Eliza Dolittle aus Pygmalion (oder My Fair Lady), konnte Sophie schnell an seine Grenzen bringen. Aber so frühe spielerische Anwendungen hat man kaum mal in einem Museum zum ausprobieren.

Eliza
Hier sehen wir Sophie, wie sie ELIZA austrickst.

Ich fand den museumspädagischen Ansatz zur Historie der Videospiele am besten. Eine Wand mit integrierten Ausstellungskästen konnte vom Besucher mittels eines Lasers angesteuert werden und hat dann auf einem Bildschirm Snippets vom Gameplay und historische Informationen zu Meilensteinen der Videospiele gegeben.

History
Die ansteuerbare Wand zu den Game-Meilensteinen.

Informationsbeschaffung zu gamemifizieren ist eine clevere Idee, um den Besucher passend zum Thema anzusprechen. Ansonsten ist der Arcade-Raum ziemlich großartig, ich habe zum ersten Mal „Space Invaders“ ausprobiert, es gab aber auch „Pac Man“ und „Donkey Kong“ und einige weitere. Der Raum war an einem Sonntag im Oktober aber recht schnell ziemlich voll, sodass ich nicht alle Spiele angespielt habe.

Polyplay
Poly Play ist der einzige Arcade-Automat, der in der DDR produziert wurde.

Ich wusste nicht mal, dass in  der DDR überhaupt Spiele hergestellt wurden! Der Poly Play-Automat war zum ausprobieren, ansonsten wurde die super raren DDR-Spielkonsolen hinter Glas gezeigt. Eine ganze Wand war dem Thema Spiele in der DDR gewidmet, was mich als geborene Ossi überrascht hat. Ich habe davon einfach nichts gewusst. Leider waren die Spiele in der DDR in der Entwicklung denen in der BRD und dem Rest der Welt etwa vier Jahre hinterher, sodass es keine großen Exportschlager waren. Von Poly Play sind aber, soweit ich das richtig erinnere, etwa 2000 Stück verkauft worden.

Der Shop im Museum ist winzig, aber gut sortiert. Nichts, was nicht auch woanders erhältlich wäre, aber es gab einen Sale… Nun ja.

Und dann war es auch schon wieder Zeit, in der recht vollen Zug nach Karlsruhe zu steigen, der mich ohne Zwischenfälle wieder Heim gefahren hat. Zum Glück hatte ich für die sechs Stunden meinen Nintendo dabei, wenigsten ein bisschen zocken nach dem Computerspielemuseum…

*Ich hoffe, ich habe das richtig verstanden und habe die Zahlen richtig. Wenn nicht, schreibt mir!

Wardruna in Heidelberg am 17.10.2017

Da Kameras im Kongresshaus verboten waren habe ich diesmal keine eigenen Fotos zum Herzeigen.

Ich habe im Kongresshaus in Heidelberg einen Flyer gefunden, den ich ersatzweise eingescannt habe:

Wardruna

Für besseres Verständnis höre der Leser hier oder hier ein Lied von Wardruna.

Die Anreise zur Kongresshalle gestaltet sich schwierig, trotz dass ich in wunderbarer, autobesitzender Begleitung gefahren bin. Das eigentlich Parkhaus war bereits voll als wir ankamen, sodass wir ins benachbarte Parkaus ausweichen mussten, in welches wir als vorletztes Auto reinfuhren. Dann musste jeder gleich nach dem Betreten der Stadthalle mal aufs Klo – und schon hatten wir die Vorband Kaunan verpasst. Auf die hatte ich mich eigentlich gefreut, da es ein neues Projekt von Oliver S. Tyr von Faun ist. Ein Lied habe ich mitbekommen, das hat mir gut gefallen. Mehr kann ich leider nicht zu Kaunan sagen. Dieses Unglück haben Wardruna mehr als wett gemacht. Für diese Art Musik ist die Stadthalle ein gut gewählter Ort, die schnörkelige Ballhausarchitektur hat sehr zur Atmosphäre beigetragen. (Perfekt wäre das Konzert oben auf dem Heiligenberg gewesen, aber man kann nicht alles haben.) Wardruna sind live so viel besser als auf CD oder gar mp3! Einar Selvik singt mit mehr Ausdruck, als man vielleicht aufnehmen kann, die Band ist gut eingespielt und die außergewöhnlichen Instrumente sind gut abgemischt. Zusammen mit einer schönen Lichtshow ein Ereignis! Musik zum Träumen und Genießen. Das hat das Publikum auch die meiste Zeit getan, abgesehen von frenetischem Beifall zwischen den Songs war es sehr still und es wurde sich wenig bewegt. Ich habe keins meiner Lieblingslieder vermisst. Unten folgt eine Setlist vom Konzert in Utrecht vor drei Tagen, die sich mit meiner Erinnerung aus Heidelberg deckt:

  1. Tyr
  2. Wunjo
  3. Bjarkan
  4. Heimta Thurs
  5. Runaljod
  6. Raido
  7. Isa
  8. Jara
  9. Algir – Stien klanar
  10. Dagr
  11. Rotlaust tre fell
  12. Fehu
  13. NaudiR
  14. Odal
  15. Helvegen
  16. Zugabe: Snake Pit Poetry

Warduna_2
Bild mit freundlicher Genehmigung von Jan Heesch vom Rock Genuine Magazin.

(Dieter, falls du das liest: Es war mir ein Fest!)

Fotoatelier von Otto Hofmann im Freilichtmuseum Beuren

Wie versprochen folgt der Extra-Artikel über das Fotoatelier aus dem Freilichtmuseum Beuren. Ich fand dieses kleine Gebäude am interessantesten, da es sich erstens baulich von den anderen Häusern unterschied und zweitens sehr genau die Arbeitswelt um 1910 wiedergab. Außerdem zeigte es das Mind-Set der Leute um 1910. Fotografie war damals noch etwas besonderes, und ein Bild von sich zu besitzen war teuer und etwas besonderes. Kein Wunder, dass die Kundschaft von solchen Fotoateliers in ihrer besten Sonntagskleidung abgelichtet werden wollte. Ich fand das Atelier auch interessant, weil ich eine kleine Sammlung alter Fotos besitze, von denen leider keins aus Kirchheim unter Teck stammt, aber einige aus Leipzig und Dresden (komischerweise, denn ich habe alle Bilder im selben Antiquitätengeschäft in Karlsruhe gekauft). Also wollte ich wissen, wie solche Bilder entstanden sind.

Eigene Fotos
Ein Stück meiner eigenen Sammlung. Oben links: junge Frau aus dem Fotoatelier Mürnseer in Karlsruhe. Oben Mitte: Soldat des 1. Weltkriegs aus dem Fotoatelier Sander aus Leipzig. Oben rechts: Ellie Grant aus dem Fotoatelier Fier in Trier, 1889 (steht alles handschriftlich auf der Rückseite). Unten links: Junge Dame aus dem Fotoatelier Bing in Wien. Unten rechts: Brautpaar aus dem Fotoatelier Tschopp in Wil, nach 1896.

Otto Hofmann kam 1882 nach Kirchheim unter Teck. Der gelernte Malergehilfe fand schnell eine Anstellung als Dekorationsmaler. Er macht bald eine Ausbildung zum Fotografen, und 1889 richtet er sich sein Atelier ein: er stellt ein Baugesuch zur Erstellung eines photographischen Ateliers im Garten des F. Stadelmayer, Alleenstr. 64 im Mai 1889. Im Schätzungsprotokoll der Gebäude-Brand-Versicherung wird das Glashaus mit Anbau am 01.01.1891 vermerkt als „neu erbaut, erstmals versichert, 1 fotografisches Atelier heizbar, 1 Vorzimmer“.* Seine Blütezeit erlebt das „Atelier für Photographie“ zwischen 1894 und 1914. Otto Hofmann wird zum gefragtesten Fotografen in Kirchheim und Umgebung. Dank der Mithilfe seiner Frau Anna und später seiner Tochter Anna jr. kann er den Kundenansturm bewältigen und gleichbleibend gute Qualität liefern. Leider gehen nach dem Ersten Weltkrieg die Geschäfte schlechter, und als 1930 Anna jr. das Atelier nicht übernehmen kann, führen Otto und seine Frau es bis 1948 weiter. Otto Hofmann stirbt 1950.

Atelier_2
Das hölzerne Ateliergebäude. Die Tür zum Windfang steht offen, ganz leicht kann man das Wort „Atelier“ über der Tür erkennen.

Das 28 m2 großeGebäude selbst lässt er mehrfach umbauen, es zieht sogar einmal um. Nach 1950 wird das Glashaus als Gartenhaus und dann als Lagerschuppen genutzt und gerät nach und nach in Vergessenheit. 2002 zieht es dann schließlich ins Freilichtmuseum Beuren um.  Mehr Informationen zu diesen baulichen Vorgängen gibt es bei der Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg, und zwar hier.

Von aussen
Dieses Foto habe ich von außen nach innen aufegnommen, deshalb die starke Spiegelung. Das Ateliergebäude ist und war nach Norden ausgerichtet, und mit Vorhängen konnte das Licht im Inneren ideal gestaltet werden.

Bevor der Kunde, der ein Foto von sich sollte, den eigentlichen Fotoraum betrat, kam er in das Cabinet. Dieses diente als Warteraum. Ein kleiner Ofen beheizte Fotoraum und Cabinet, ein Spiegel für letzte Korrekturen an der Frisur steht bereit, un Beispielfotos und Alben bieten Inspiration.

Fotowand
Das mittlere und größte Foto war für mich von Interesse: es zeigt eine große Familie, deren Mutter möglicherweise asiatischer Herkunft war.

Otto Hofmann stellte in seinem Atelier Accescoiries für seine Kundschaft bereit, wie eine Pelzstola oder modische Hüte. Sonntags war Hauptgeschäftszeit, da die Leute ohnehin in ihren besten Sonntagskleidern nach der Kirche unterwegs waren, ließen sie oft ein Foto machen. Anna Hofmann jr. berichtet noch 1985 im Teckboten:

„Wie haben schier Tag und Nacht gearbeitet, auch Sonntags. Sonntags kamen die Leute von den Dörfern in die Stadt, und dann gingen sie auch beim Fotografen vorbei und wollten ein Bild haben.“*

Vorhang
Hatte man im Vorzimmer abgewartet und sich gerichtet ging es weiter in den eigentlichen Fotoraum. Der Hintergrund konnte auf Kundenwunsch angepasst werden, es sind noch fast alle von Otto Hofmanns Hintergründen erhalten! Dieser hier ist allerdings eine Kopie.

Ich vermute, dass Anna Hofmann sr. für die Retusche zuständig war. Es gab, angeschlossen an den Warteraum und auf der verglasten Nordseite bei idealem Licht gelegen, ein kleines Retuschierzimmer. Auch in den Zeiten vor Photoshop wollte die Kundschaft schöner und schlanker aussehen – wenn auch die erste Retusche Fehler auf der Fotoplatte ausgleichen sollte. Die Schönheitsretusche kam erst später dazu.

Retusche
Der kleine Retuschierraum. Es gab in einer Slideshow auch Beispiele retuschierter Fotos zu sehen.

Eine im Atelier vorhandene kleine Dunkelkammer war nicht zum Entwickeln der Fotos gedacht. Die eigentliche Dunkelkammer wird sich im Haupthaus befunden haben. Die kleine Dunkelkammer wurde genutzt, um die empfindliche Platte in die Kamera einzulegen. Wer mehr über Plattenfotografie wissen möchte, findet Informationen hier.

Innen
Leider war das Glasdach den Ateliers undicht, deshalb die Eimer.

Die Atmosphäre im Fotoatelier war einzigartig. Es strahlte eine angenehme Ruhe aus, und dank der perfekten Lichtverhältnisse fühlte man sich irgendwie geerdet. Dazu kam die vorhandene Kamera, die das alte Handwerk darstellte. Abgesehen davon war es von allen Gebäuden jenes, dass sich am ehesten an der Raumeinrichtung der Oberschicht orientierte – Otto Hofmann wollte seinen Kunden ganz eindeutig etwas bieten.

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Was wäre dieser Blogartikel ohne eine Foto vom Fotografenehepaar. Hätte mich auch gewundert, wenn Hofmanns nie ein Foto von sich zu Werbezwecken gemacht hätten.

Damit beende ich meinen Bericht vom Freilichtmuseum Beuren! Dort kann man wirklich noch etwas lernen und einen schönen Tag verbringen. Mehr Informationen zum Freilichtmuseum Beuren gibt es hier.