The American Duchess Guide to 18th Century Dressmaking

Buchrezension:

Lauren Stowell, Abby Cox: The American Duchess Guide to 18th Century Dressmaking. How to Hand Sew Georgian Gowns and Wear Them with Style, Page Street Publishing Co, Salem 2017.

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Eine kurze Rezension zum gerade erschienen Guide von American Duchess. Das Buch, welches ich Mitte November vorbestellt hatte, kam schon am Erscheinungstag an, nämlich letzten Freitag. Es ist kein Hardcover, aber dennoch solide gemacht. Ein Kartonumschlag, bei dem der Buchblock in der Mitte herauspringt und somit den Buchrücken nicht zerknickt beim Lesen. Dadurch schlägt sich das Buch super flach auf, ideal, um es beim nähen neben der Arbeit liegen zu haben.

Gelesen habe ich zunächst die Einleitungsteile zu jedem Kleid. Es werden eine Englische Robe (1740er), eine Robe á la francaise (Sacque) (1760er bis 1770er), eine Robe á la anglaise (Italian gown, der Namensunterschied wird im Buch erklärt) (177oer bis 1790er) und ein Kleid mit hoher Taille, noch kein Regency-Kleid, aber eine „Round Gown“ (1790er) vorgestellt. Jedem Kleid sind großformatige Fotos vorangestellt, danach folgen ein bis zwei Seiten Hintergrundinformationen und Bilder von erhaltenen Kleidern. Dieser Teil interessierte mich am meisten, da ich gern einen Einblick in die Recherchearbeit anderer Leute haben wollte. Es ist auch gleichzeitig der informativste Teil. Amazon bietet einen schönen Einblick in das Buch, bei dem man auch mal ins Inhaltsverzeichnis schauen kann. Die Anleitungen sind sehr ausführlich, manche, wie das befestigen von Bändern, sind für mich schon irrelevant, dennoch kann ich sicher noch etwas lernen. Vor allem das selbsterstellen von Schnittmustern wird für mich wichtig werden. Zu jedem Kleid werden auch die jeweiligen Accesoires vorgestellt – und am Ende jeden Kapitels gibt es eine Anleitung, wie man das Kleid anzieht! Ganz, ganz wichtig! Wie oft habe ich schin fertig angezogen dagestanden und konnte dann die Schuhe nicht mehr selbst binden…. Gestört hat mich nur, dass, wie die Autorinnen selbst bemängeln, eine Anleitung für eine Schnürbrust (stays) komplett fehlt. Und viele der Bilder sind mit zum Beispiel 2a und 2b beschriftet, im Text gibt es aber nur eine Nummer 2.  Das ist auch Jennifer von Historical Sewing aufgefallen. Aber das schafft man mit halber Geistesleistung als Leser trotzdem zu verstehen. Für mich steht noch das ausprobieren der Anleitungen aus, ich werde wohl zuerst die Anglaise oder Italian Gown ausprobieren, da mir dieser Kleidertyp noch im Kleiderschrank fehlt.

Alles in allem ein schönes Buch, das wohl einen Ehrenplatz in meiner kleinen Handbibliothek bekommen wird!

Universitätsmamsellen

Juhu, meine erste Buchrezenzion! Es handelt sich um:

Eckart Klessman: Universitätsmamsellen. Fünf Frauen zwischen Rokoko, Revolution und Romantik, AB – Die Andere Bibliothek GmbH & Co. KG, Berlin 2017.

Universitaetmamsellen

Vorneweg: Ein wunderschön aufgemachtes Buch. Der Einband ist natürlich industriell gefertigt, aber es ist ein solide gemachtes Buch. Der Einband, laut Impressum extra gestaltet, zeigt vier der fünf besprochenen Charaktere. Es gibt ein Lesebändchen und Kapitalbänder, gedruckt wurde auf haptisch angenehmem Papier. Die Vorsatzblätter zeigen zwei verschiedene Ansichten von Göttingen. Alles in allem ein schönes Exemplar!

Wie der Titel schon sagt geht es es um fünf Frauen, allesamt Professorentöchter. Ihre Väter lehren an der 1737 gegründeten Georg-August-Universität in Göttingen. Und so handelt das erste Drittel des Buches dann auch von den Vätern. Hier hätte ich es beinah weggelegt, denn ich habe „Universitätsmamsellen“ nicht gekauft, um Geschichten über Männer zu lesen! Doch dann nimmt das Buch Fahrt auf, und es beginnt mit Philippine Gatterer (1756-1831), verheiratete Engelhard. Philippine hat in ihrer Jugend zwei Gedichtbände veröffentlicht, die Klessmann aber nicht gut bewertet. Während Wikipedia diese Gedichte aus heutiger Sicht als Teil der deutschen Literaturgeschichte nennt, findet Klessmann (*1933, das Buch ist mit der Originalauflage 2008 eher zum Alterswerk zu zählen) Gatterers Gedichte kaum erwähnenswert. Außer von ihrem frühen Ruhm in Göttingen spricht er kaum noch von ihr – sie hat aber auch lange Zeit nach dem zweiten Band nichts mehr veröffentlicht. Caroline Michaelis (1763-1809), verheiratete Böhmer, Schlegel und Schelling, ist die wohl interessanteste Frau im ganzen Buch. Sie ist Schriftstellerin und Klessmann wandert durch ihre bewegtes Leben wie durch einen Garten. Wenn es um Caroline Schelling geht läuft Klessmann zu Hochform auf, es liest sich plötzlich alles leicht. Klessmann zeigt angenehmerweise auch Carolines weniger begeherenswerte Charakterzüge auf, ohne sie, wie anscheinend viele Schriften aus ihrer Lebenszeit, völlig zu kritisieren. Als nächstes stellt Klessmann Therese Heyne (1764-1829), verheiratete Foster und Huber, vor. Diese sehr umtriebige Schriftstellerin gibt zeitweise ihre eigene Zeitschrift heraus, etwas besonderes im 18. Jahrhundert! Meta Wedekind (1765-1853), verheiratete Liebeskind und Forkel, wird als nächstes besprochen. Von Metas Leben bleibt vor allem  ihre Affäre mit Gottfried August Bürger in Erinnerung, über deren Ende Bürger harsche Worte findet. Meta war vor allem als Übersetzerun aktiv, unter anderem hat sie Ann Radcliffes „Udolpho“ übersetzt – das Buch, welches Jane Austen verwendet um ihrer Heldin in „Northanger Abbey“ einen gehörigen Schrecken einzujagen. Dorothea Schlözer (1770-1825), verheiratete Rodde,  bleibt vor allem im Gedächtnis, weil sie 1787 als zweite Frau in deutschprachigen Landen einen Doktortitel verliehen bekam. Das Wunderkind und die hochbegabte Frau scheinen zwei verschiedene Menschen zu sein, denn Werke sind von ihr während ihrer Lebenszeit nie veröffentlich worden. Dorothea hat in Lübeck einen Salon geführt und umfangreich Briefe geschrieben, aber nicht wie die anderen einen Roman, Gedichte oder Übersetzungen. Nachdem Klessmann alle fünf Frauen vorgestellt hat verknüft er ihre Lebensgeschichten miteinander. Teilweise waren die Frauen miteinander befreundet, manchmal zerbrach auch eine Freundschaft, aber alle waren Teil des literarisch-akademischen Lebens ums 1800. Dieser Bilderbogen liest sich dann auch schnell und gut, alle kommen anhand ihrer überlieferten Briefe selbst zu Wort und man merkt Klessmann an, das er Jahre in die Recherche gesteckt hat. Ich lese ja sehr, sehr gerne Biografien von Frauenleben um 1800, und „Universtätsmamsellen“ ist da eine erfrischende Ausnahme, da es exakt recherchiert, gut zu lesen und schön gemacht ist. Gleich fünf Frauen, ihre Lebensumstände und die politische Situation während der napoleonischen Kriege zu betrachten wirkt wie ein Mammutwerk. Klessmann schafft es aber, sein großes Thema leicht zu präsentieren. Alles in allem: sehr zu empfehlen!