Manteltaschenfund

Ich weiß gar nicht, warum ich immer so negativ eingestellt bin und mein Leben langweilig finde. Es ist nicht das große Wahre und auch nicht genau das, wo ich hin wollte – aber schlecht ist es auch nicht. Und langweilig schon gar nicht.

Wegen des kalten Wetters habe ich meinen dicksten, flauschigsten, handgestrickten Pullover (danke, Mama!) aus dem Schrank genommen und angezogen. Über den passt meine normale Winterjacke nicht, deshalb habe ich einen Mantel, den ich zuletzt im November an hatte, aus dem Schrank genommen. Woher ich weiß, dass ich den Mantel im November das letzte Mal getragen habe? Daher:

Da waren Fahr- und Eintrittskarten in den Taschen! Von Links oben: Eintritt ins Ludwigsburger Schloss vom Ausflug nach Ludwigsburg, Eintrittskarte für Schwetzingen, Fahrkarten für die Berliner U-Bahn und ein Kalender von der Postbank. Ich habe mein Konto nicht bei der Post. Ich komme ganz schön rum! Und an keinem der Ausflüge war ich ohne nette Begleitung unterwegs. Ich habe tolle Sachen gesehen, geredet und gelacht, Fotos gemacht… Und den Mantel habe ich auch noch von meiner Kollegin geschenkt bekommen (danke, Jutta!). Besser könnte es fast nicht sein.

Was stand da eigentlich mal?

Die beiden Clubs in Karlsruhe, die noch Gothic-Veranstaltungen und vergleichbares anbieten, sind beide Kellerclubs. Beide mit Zugang über ein leeres Grundstück und beide mit mehr (Nachtwerk) oder weniger (Culteum) schönen Gewölben. Irgendwann hat meine innere Kunsthistorikerin sich gefragt, was da wohl vorher mal stand, wo jetzt nur noch die Kellergewölbe stehen. Vor allem im Fall des Nachtwerks, das ein wirklich großes Gewölbe mit Kreuzrippen hat. Die Lage des Nachtwerks Richtung Rhein und an der Alb verleitete mich, hier einen Bauernhof oder sogar ein Lokal zu vermuten, denn solche Keller wurden maximal bis Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut, vor allem in der Umgebung des noch sehr jungen Karlsruhe. Älter als 1700 kann das Gewölbe kaum sein, da im Karlsruher Raum wenig vor diesem Datum gebaut wurde.

Und damit war ich schon mittendrin in der Recherche. Ein hübscher Magen-Darm-Infekt beschert mir heute einen letzten Ausruh-Tag, an dem ich endlich wieder zum Denken fähig bin, und da dachte ich, schau’n mer mal, was die Archive auf den ersten Blick so zu bieten haben.

Erster Anlaufpunkt für solche Unterfangen: Wikipedia. Als Start für eine Recherche immer gut, nicht immer komplett richtig (vor allem das Stadtwiki), aber manchmal sind in den Einzelnachweisen Archivalien verlinkt.

Also: Culteum Essenweinstraße Nachtwerk Pfannkuchstraße Pfannkuch und nochmal Pfannkuch (Stadtwiki)

Was haben wir gelernt? Den Eintrag zum Culteum muss man nicht ernst nehmen. Bei der Essenweinstraße kristallisiert sich heraus, dass diese um 1903 bis 1909 angelegt oder neu bebaut wurde, da es vier Kulturdenkmale aus dieser Zeit gibt. Zum Nachtwerk wird es interessanter:

Er besteht aus einem großen Gewölbekeller, der zuvor der Firma Pfannkuch Handelsgesellschaft mbH als Weinkeller diente.

Okay, und woher kam dieser Weinkeller?

Die Pfannkuchstraße wurde erst 1976 in Pfannkuchstraße umbenannt, vorher hieß sie Oberfeldstraße. Merke: in den Archiven nach Oberfeldstraße suchen! Die Zentralbäckerei von Pfannkuch befand sich gegenüber dem Grundstück, auf dem heute das Nachtwerk steht, also ist naheliegend, das Pfannkuch das Nachtwerk als Weinlager genutzt hat. Pfannkuch war eine Supermarktkette, die 1896 gegründet wurde, vor dem zweiten Weltkrieg ihr Zentrallager in der Oberfeldstraße baute und 1998 an SPAR verkauft wurde. Mehr dazu in den Wikipedia-Artikeln. Der Stadtwiki-Artikel hatte noch einen interessanten Link in den Einzelnachweisen: klick

pfannkuch_klein
Der Link führte zur BLB, zu einem Adressbuch von 1960. Die Weingroßkellerei befindet sich in der Oberfeldstraße 14, also im Nachtwerk.

Noch etwas fiel mir auf: Der Teil der Pfannkuchstraße, auf dem das Nachtwerk liegt, gehört zu Grünwinkel. Und wie man in dem Link lesen kann wurde Grünwinkel 1784 ein selbstständiger Ort. Also ist meine These vom Gasthof bei Grünwinkel noch nicht ganz ausgeschlossen….

Gruenwinkel_klein
Die Pfannkuchstraße befindet sich im nordwestlich vom Hauptteil Grünwinkels.

Bei weiteren Kartenbetrachtungen: Mühlburg liegt gerade auf der anderen Seite der Alb. Und Mühlburg ist sogar noch älter als Grünwinkel, vorher schon erwähnt, aber 1565 als Sommerresidenz des Markgrafen ausgebaut. Wieder ein Punkt für einen erheblich älteren Gewölbekeller als bisher nachweisbar. Möglich ist es…. (Der liebe Leser sieht, wie ich mich hier in eine These versteige.)

Jetzt heißt es wirklich ins Archiv einsteigen. Das Generallandesarchiv liefert nur einen einzigen Eintrag: Fliegerschaden in: Karlsruhe, Industriegleis Oberfeldstraße 03.09.1942. (hier). Also weiter zum Stadtarchiv. Der Suchbegriff „Oberfeldstraße“ liefert 59 Suchergebnisse. 14 in den Stadtakten, 2 in den Amtsbüchern und 42 in den Archivalischen Sammlungen. Die ersten 14 betreffen nicht die Oberfeldstraße 14 und 15, weisen aber auf eine rege Geschäftstätigkeit in der Oberfeldstraße nach dem Krieg hin. Die beiden Amtsbücher befassen sich mit Bürgerausschussvorlagen.

findbuch
So sieht das dann aus, wenn man die Treffer anklickt.

Und da ein Treffer:

S. 213 – 214: Tausch von Grundstücken an der Oberfeldstraße gegen ein Grundstück im Oberfeld mit der Firma Pfannkuch GmbH (Antrag vom 11.12.1929) (03 Stadt Karlsruhe Amtsbücher, Bestand: 3/B Amtsbücher)

Also wurden 1929 irgendwelche Grundstücke für Pfannkuch getauscht! Die größte Überraschung: Ganz unten am Findbuch ist ein kleines pdf-Symbol. Und wenn man da drauf klickt, kann man sich das Amtsbuch anschauen! Ganz bequem von zu Hause aus mit einer Tasse Tee in der Hand! Leider ist der Eintrag nur marginal hilfreich, immerhin weiß ich jetzt, das Pfannkuch seit den 1920ern auf dem Grundstück tätig war. Der Keller müsste da schon gestanden haben – oder aber Pfannkuch hat ihn erst erbauen lassen.

Tausch
Quelle: siehe oben. Dem Antrag wurde stattgegeben.

In den 43 Archivalischen Sammlungsstücken habe ich nur das gefunden:

Dieser fragwürdige Hausfrauennachmittag unterm Hakenkreuz:

Hausfrauennachmittag
Postkarte von 1936. 08 Archivische Sammlungen, 08.10 Plan- und Bildersammlung, Bestand: 8/PBS XIVf – Plan- und Bildersammlung – Firmenansichten

Diverse Ansichten der Firma Pfannkuch aus den 1970ern, hier mal nur zwei:

lkw
Einweihung des neuen Lagergebäudes und erweiterten Fleischwerks der Lebensmittelgroßhandlung Pfannkuch in der Oberfeldstraße 14, 1970. Negativ: A 19 22_5_10
zentrale
„Tag der offenen Tür“ mit Volksfest bei der Pfannkuch-Zentrale in der Oberfeldstraße, April 1975. Negativ: A 29 102_2_29

Und das wars mit der Pfannkuchstraße, dem Nachtwerk und der Oberfeldstraße. Keine Hinweise auf ein älteres Gebäude oder ob überhaupt jemand vor der Firma Pfannkuch auf dem Gelände gebaut hat. Nach derzeitigem Stand ist der Keller frühestens in den 1920ern gebaut wurden, und das auch extra für Pfannkuch. (Schade, kein alter Gasthof…)

Und das Culteum in der Essenweinstraße? Der Hinweis, das es in der Essenweinstraße Kulturdenkmale stehen, grenzt die Erbauungszeit eines möglichen Gebäudes auf ab 1896-1900 ein. Die Essenweinstraße hieß schon immer Essenweinstraße. Das Generallandesarchiv weiß nichts, das Stadtarchiv liefert 90 Ergebnisse. 42 von sind Akten, 3 Amtsbücher, 45 Stücke aus den Archivischen Sammlungen. Das Culteum liegt in der Essenweinstraße 9, aber zusammen mit der Hausnummer schränkt das die Suche im Findbuch nur auf Dinge ein, in denen die 9 vorkommt (z.B. 1939). Diesmal fange ich unten an mit der Suche, bei den 45 Archivalien. Leider kein Treffer. Einige Fotos der Bewohner der Essenweinstraße 44, aber nicht mal ein Hinweis auf die Essenweinstraße 9. Weiter zu den Amtsbüchern.

Aha, ein Treffer:

S. 250 – 257: Ausbau von Teilen der Veilchen- und Essenweinstraße zu Ortsstraßen, mit Verträgen, Tabellen und Plan (s. S. 815) (Antrag vom 04.09.1902) (03 Stadt Karlsruhe Amtsbücher, Bestand: 3/B Amtsbücher – Amtsbücher)

1902? Ein Plan? Gibt es diesen Plan in der pdf, die wie bei der Oberfeldstraße angehängt ist?

Das ist fast ein Treffer:

essenweinstr
Plan zum Ausbau der Essenweinstraße und Veilchenstraße von 1902, I.-Num.: 0031, Dat.-Findbuch: 4. Jan. 1902 – 15. Dez. 1904. Zu diesem Plan gibt es beim Antrag eine Liste der Besitzer der jeweiligen Flurstücke.

Leider, leider befindet sich das Grundstück Essenweinstraße 9 vor, also westlich, der Sternbergstraße.

Das nächste Amtsbuch enthält einige interessante Baupläne, z.B. füreine Mädchenschule in der Sophienstraße und eine Blaupause für ein Auto (?), aber leider geht auch hier der Ausbau der Essenweinstraße gen Osten weiter:

Essenwein_1908
Plan zum Ausbau der Essenweinstraße und Veilchenstraße von 1908, I.-Num.: 0033, Dat.-Findbuch: 8. Febr. 1907 – 17. Dez. 1908.

Im dritten Amtsbuch, jetzt von 1910, nach einem Eintrag über die finanzielle Beteiligung der Anwohner am Straßenbau, wieder das:

S. 589 – 592a: Ausbau eines Teils der Essenweinstraße zur Ortsstraße, mit Verträgen und Lageplan (Antrag vom 30.07.1910) (I.-Num.: 0034, Dat.-Findbuch: 15. Dez. 1908 – 23. Mai 1910)

Wer lange sucht wird fündig! Diesmal ist es das Straßenstück zwischen Georg-Friedrich-und Sternbergstraße! (Juhu!) Ich habe die Karte der Einfachheit halber eingenordet, sie ist mit Nord bezeichnet, aber gedreht ins Amtbuch eingebunden:

Essenwein_1910_nord
S. 589 – 592a: Ausbau eines Teils der Essenweinstraße zur Ortsstraße, mit Verträgen und Lageplan (Antrag vom 30.07.1910) (I.-Num: 0034, Dat.-Findbuch: 15. Dez. 1908 – 23. Mai 1910)

Uuuuund, Trommelwirbel: Da ist etwas ungefähr auf dem Gelände des Culteums verzeichnet! Grundstück 6272, Himmelsbach, Anton, Fabrikant!

H-Fuchs-und-Soehne
Quelle: siehe oben, Anton Himmelsbach steht unter 2.c.

Damit habe ich zwei Rätsel gelöst: erstens: Dieser Teil der Essenweinstaße wurde erst 1910 angelegt, der restliche Teil weiter östlich eher. Das Culteum war möglicherweise einfach ein Fabrikkeller. Dazu kommt, das das Culteum eigentlich nur im vorderen Bereich alte Steine hat, der Rest ist unter viel Beton beinah unkenntlich. Der vordere Teil stammt also von vor 1910!

Zuletzt die Akten. Alle 42 Ergebnisse sind Anträge auf Wiederzulassung eines Gewerbebetriebs nach 1945. Viele Kraftfahrzeugwerkstätten, ein Bäcker, ein oder zwei Schlosser, ein Maler, ein Feilenhauer, ein oder drei Schneidereien, ein oder zwei Metzger, ein Uhrmacher, ein Küfer, eine Nähmaschinen-Reparaturwerkstatt, eine Wäscherei, kurzum: das ganze Spektrum der handwerklichen Betriebe des oberen Mittelstandes. In der Essenweinstraße 9 wurde 1946 eine Holzsägerei angemeldet, von einem Hans Herbolsheimer. Ab hier könnte man die Personenstandsregister in Kirchen oder dem Generallandesarchiv befragen. Meine Frage ist jedoch geklärt!

P.S. Ja, normalerweise sollte man sich ändernde Hausnummern miteinbeziehen, das ist hier in Karlsruhe aufgrund des fehlenden Alters aber zu vernachlässigen.

P.P.S. Ich habe mal ein bisschen mit Photoshop herumgespielt und das Culteum befindet sich unter dem rechteckigem Gebäude, auf welches das Wort „Himmelsbach“ zeigt. Also, sehr entzaubert, das ganze.

 

Willkommen im Historikerhimmel – Ausflug nach Ludwigsburg

Letztes Wochenende war ein lang anstehender Besuch bei Dieter in Ludwigsburg geplant. Also ab in die S-Bahn und los gehts! Ludwigsburg überraschte mit wundervollem Sonnenwetter und eigentlich war es Samstags noch zu warm für den Wintermantel. Was also machen nach einem Rundgang durch die Stadt, einem Besuch im Buchladen (natürlich) und einem mehr als ausreichendem Essen im örtlichen Pub? Klar, schönes Wetter, Zeit fürs Museum! Das Ludwigsburger Schloss, erbaut ab 1704 und bis in die 1730er imfassend erweitert, verfügt über original erhaltene Fürstenappartements und gleich zwei Corps de Logis. Es gibt zu jeder Schlosshälfte eine Führung, einmal die Seite mit dem Damenappartement, zum anderen das Herrenappartement. Natürlich mussten wir beides anschauen! Hintereinander! Jede Führung geht etwa 90 Minuten, klar machen wir das und dann noch den Schlosspark hinten dran! Wir hatten ja keine Ahnung. Zum Glück war die Dame, die die Führungen gemacht hat, sehr motiviert und hatte ein unglaubliches Wissen. Ich habe sie ständig mit Fachfragen unterbrochen, was die erste Führung ziemlich verlängert hat – das tut mir immernoch Leid! Aber ich musste wissen, ob der Boden noch original ist (ja), ob die Vorhänge noch aus der Zeit sind (nein) usw. usw.

Innen
Man, äh, darf eigentlich nicht im Schloss drinnen fotografieren. Das ist nur ein kleiner Eindruck von dem, was einen erwartet.

Die Räume im Schloss sind ein riesiger Fundus an historischem Wissen, nicht nur über die diversen Herzöge und Könige, die Ludwigsburg als Sommersitz oder Regierungssitz genutzt haben, auch an Raumausstattung und Gemälden bleiben fast keine Wünsche offen. Besonders ins Auge gefallen sind dabei die Möbel aus der Zeit um 1810, die allerdings teilweise aus dem Stuttgarter Schloss stammen. Außerdem hatte es ein paar hochwertige Gemälde der Herrscher, die auch gut Auskunft über die Mode der Zeit gaben.

MagdaleneWilhelminevonWuerr
Magdalene Wilhelmine von Württemberg (1677-1742), hier noch als Tochter des Herzogs von Württemberg, war später die Frau Karl Wilhelms von Baden-Durlach (1679-1738). Quelle

 

Leider war die Gemäldegalerie auf der Seite des Herzogs mehr als durchschnittlich, verglichen mit der Sammlung Karoline Luise von Badens aus etwa der selben Zeit (heute großteils Kunsthalle Karlsruhe), oder eigentlich jeder anderen fürstlichen Sammlung, war in dieser ein kleiner Rubens alles, was hervorstach. Da wurde um des Sammelns willens und nicht um der Qualität willen zusammengekauft. Man kann auch die beiden Kirchen des Schlosses besichtigen, eine davon in all ihrer barocken Pracht. Insgesamt dauerten die Führungen etwa drei Stunden. Man kann das Schloss nicht ohne Führung besichtigen, was angesichts der originalen Ausstattung nur logisch ist.

Wer mehr Eindrücke vom Inneren des Schlosses sehen will, der findet Bilder hier, hier oder hier.

 

Danach ist man aber mehr als abgefüttert mit Informationen, so sehr, das sogar geübte Historiker wie ich nochmal Wikipedia befragen müssen, wer da jetzt eigentlich was hat erbauen lassen und wann Württemberg Königreich wurde (1806). Und das schlimmste: bis alles fertig gezeigt war war es draußen dunkel! Also nix mit Park angucken. Das Schloss sieht aber auch im Dunkeln wunderschön aus und ist hübsch beleuchtet.

Fontaene
Auch im Dunkeln eine Schönheit: Das Neue Corps de Logis.

Also musste der Tag hier beendet werden und die berühmte Schwarz-Weiß-Bar aufgesucht werden. Diese war leider arg voll, sodass wir uns mit Katzentischen begnügen mussten – aber die Cocktails da sind ziemlich gut, und hallo, ist da Alkohol drin! Der geneigte Leser lasse sich nicht von den blumigen Beschreibungen in der Karte irritieren, zwei Cocktails sind mehr als genug! Zusammen mit der freundlichen Kellerathmosphäre – das ist keine Ironie, ich mag Kellerbars – und einer Menge gemachten und gelachten Wörtern ein gelungener Abend.

Am nächsten Morgen dann eine böse Überraschung: kein schönes warmes Herbstwetter mehr, sondern kalt und Dauerregen! Da der Park ja gestern wegen Dunkelheit ausgefallen ist und heute nachgeholt werden sollte keine guten Nachrichten. Also erst mal ausgedehnt frühstücken. Dieter und ich hatten ein Museum noch nicht angeschaut – das Modemuseum. Dieses kannte ich zwar von einem Ausflug mit meiner Freundin Lisa (die man aus dem Artikel zum Freilichmuseum Beuren kennt), aber diesmal wollte ich mir vor allem die Kleider des 18 .Jahrhunderts genauer anschauen. Zu Studienzwecken wie z.B. für das Überkleid (zu welchem es hoffentlich bald Neuigkeiten geben wird).

Notizen
Auch im Modemuseum durfte man keine Fotos machen. Dafür habe ich jetzt einige Seiten meines Notizbuches voll mit Skizzen und Anmerkungen.

Dieter war zum Glück nicht furchtbar gelangweilt von meinem Sermon über Nähte, Stoffarten und französischen Kleidernamen. Mit mir in ein Modemuseum zu gehen ist schon recht mutig. Das Museum ist zum Glück nicht allzu groß, der größte Teil ist zum 18. und frühen 19. Jahrhundert. Leider ist nichts, oder fast nichts, an Kleidung von den ursprünglichen Besitzern des Schlosses Ludwigsburg erhalten. Dennoch liefern die Vitrinen mit den Kleidern ein anschauliches Bild, was man wohl im Schloss getragen hat.

Park
Der barocke Teil des Ludwigsburger Blühenden Barock.

Nach dem Mittagessen in einem der Cafés im Schlosspark hörte es dann auch endlich auf zu regnen. Nasse Herbstblätter sind ja meist farbiger als trockene, so hatte es auch sein gutes. Leider ist vieles im Schlosspark rutschig wenn nass, sodass der „Abgesang mit Heimgang“, der während unseres Spaziergangs stattfand, kein Wunder ist. Der Schlosspark schließt Anfang November, und der Sonntag war der letzte Tag des Kürbisfestes (Reste davon sieht man ein wenig im oberen Foto). Den Märchengarten hatte ich noch nicht gesehen.

Frosch
Ziemlich tolle Froschfontäne, die man über Trittsteine selbst steuern konnte, versteckt in einem matschigem Labyrinth.

Der Märchengarten schwankt zwischen „ist ja süß“ und „…..(?)“. Erbaut ab 1959, um mehr Besucher in den Schlosspark zu locken, sind vor allem die ersten Märchen charmant, die neueren (bis 2009) sind nicht so interessant gemacht. Fast alle Märchen kannte ich, nur der Riese Goliath stammte aus der Bibel und war nicht ohne Schild erkennbar.

Der Schlosspark an sich ist sehenswert, es gibt auch einen japanischen Garten, eine Voliere, eine künstliche Burgruine und viele interessante Bäume und Pflanzen. Im Blühenden Barock gibt es sogar nachgebaute Spielzeuge des barocken Hofes! Einige Schaukeln und ein Karussel, die aber leider schon nicht mehr in Betrieb waren, so spät im Jahr.

Bonsai
Der Herbst ist da: Bonsai aus dem japanischen Garten.

Ein Spaziergang durch den Park anfang November macht kalt und nass, bei Einbruch der Dunkelheit wollte ich dann nur noch ins Warme und einen Tee trinken. Bis mein Zug zurück nach Karlsruhe fuhr war ich dann wieder gut aufgewärmt.

Alles in allem: Man kann dieses große Schloss samt Garten nicht in einem Tag schaffen. Es gibt ja auch noch das Schloss Favourite, dass derzeit restauriert und renoviert wird. Der Eintritt ist happig, lohnt sich aber. Bei Regen braucht man Wanderschuhe für den Park. Ludwigsburg an sich ist hübsch und es gibt auch die eine oder andere Möglichkeit, gescheit Konsum zu betreiben. Warum nochmal wohne ich in Karlsruhe?

 

Wardruna in Heidelberg am 17.10.2017

Da Kameras im Kongresshaus verboten waren habe ich diesmal keine eigenen Fotos zum Herzeigen.

Ich habe im Kongresshaus in Heidelberg einen Flyer gefunden, den ich ersatzweise eingescannt habe:

Wardruna

Für besseres Verständnis höre der Leser hier oder hier ein Lied von Wardruna.

Die Anreise zur Kongresshalle gestaltet sich schwierig, trotz dass ich in wunderbarer, autobesitzender Begleitung gefahren bin. Das eigentlich Parkhaus war bereits voll als wir ankamen, sodass wir ins benachbarte Parkaus ausweichen mussten, in welches wir als vorletztes Auto reinfuhren. Dann musste jeder gleich nach dem Betreten der Stadthalle mal aufs Klo – und schon hatten wir die Vorband Kaunan verpasst. Auf die hatte ich mich eigentlich gefreut, da es ein neues Projekt von Oliver S. Tyr von Faun ist. Ein Lied habe ich mitbekommen, das hat mir gut gefallen. Mehr kann ich leider nicht zu Kaunan sagen. Dieses Unglück haben Wardruna mehr als wett gemacht. Für diese Art Musik ist die Stadthalle ein gut gewählter Ort, die schnörkelige Ballhausarchitektur hat sehr zur Atmosphäre beigetragen. (Perfekt wäre das Konzert oben auf dem Heiligenberg gewesen, aber man kann nicht alles haben.) Wardruna sind live so viel besser als auf CD oder gar mp3! Einar Selvik singt mit mehr Ausdruck, als man vielleicht aufnehmen kann, die Band ist gut eingespielt und die außergewöhnlichen Instrumente sind gut abgemischt. Zusammen mit einer schönen Lichtshow ein Ereignis! Musik zum Träumen und Genießen. Das hat das Publikum auch die meiste Zeit getan, abgesehen von frenetischem Beifall zwischen den Songs war es sehr still und es wurde sich wenig bewegt. Ich habe keins meiner Lieblingslieder vermisst. Unten folgt eine Setlist vom Konzert in Utrecht vor drei Tagen, die sich mit meiner Erinnerung aus Heidelberg deckt:

  1. Tyr
  2. Wunjo
  3. Bjarkan
  4. Heimta Thurs
  5. Runaljod
  6. Raido
  7. Isa
  8. Jara
  9. Algir – Stien klanar
  10. Dagr
  11. Rotlaust tre fell
  12. Fehu
  13. NaudiR
  14. Odal
  15. Helvegen
  16. Zugabe: Snake Pit Poetry
Warduna_2
Bild mit freundlicher Genehmigung von Jan Heesch vom Rock Genuine Magazin.

(Dieter, falls du das liest: Es war mir ein Fest!)