Warum ich auf dem WGT so gern Kostüme trage

Ich gehe seit 17 Jahren auf das Wave-Gotik-Treffen. Ich fühle mich schon lange der Schwarzen Szene zugehörig, denn da passe ich am ehesten hin. Deshalb folgen ab jetzt meine 1000 Wörter zur ewigen Diskussuion über die sogenannte „Kostümfraktion“. Mitgothics werden genau wissen, was ich meine, aber für alle Außenstehenden: Innerhalb der Schwarzen Szene gibt es schon seit Jahren ein Diskussion über verschiedene Kleidungsstile, besonders angefeindet werden dabei die Cyber-Gruftis und die Kostüm-Interessierten. Über erstere kann ich gar nichts sagen, da ich mich mich weder so kleide noch die passende Musik mag. Aber, oh boy, zur Kostümfraktion habe ich eine Menge zu sagen! Das soll kein Verteidungspost werden, sonders es wird ein biografisch basierter Eintrag werden, der zur Diskussion mehr Einsicht und Erkenntnis beitragen soll.

Anfangen möchte ich mit der Musik. Wie oben erwähnt hören Szenemitglieder oft, aber nicht immer, gern passende Musik zu ihrer Kleidung. Grob vereinfacht im Fall vom Beispiel Cybergoth eben elektronische Musik, die sich für mich nach utz-utz-utz anhört, die Kostümfraktion gern Musik, die ich am bestend mit „wallend“ beschreiben kann. Ein kurzes, grob vereinfachtes Beispiel zeigt: Es gibt da einen Zusammenhang zwischen Kleidung und Musik. Es folgt, wie so oft in der Schwarzen Szene, ein ABER: Das trifft nicht immer zu. Es gibt auch Leute, die sich jeden Tag des Festivals einer anderen Richtung entsprechend kleiden. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus ist der typische WGT-Besucher aber entweder/oder, bleibt also seinem Stil über die Festivaltage treu.

Was für ein Festival eigentlich? Das Wave-Gotik-Treffen, kurz WGT, findet seit 28 Jahren jedes Jahr zu Pfingsten in Leipzig statt und ist einer der großen Szene-Treffpunkte. Die ganze Stadt wird etwas dunkler, da die Veranstaltungsorte über ganz Leipzig verteilt sind. 20000 Besucher jedes Jahr, und die Bevölkerung kommt gut damit zu Recht. Haben sich wohl dran gewöhnt, die Guten. Man findet sich hier und insgesamt als Szene

[…] aufgrund ähnlich lautender Motive zusammen. Die düster-morbide Ästhetik steht dabei nicht alleine im Vordergrund. Vielmehr ist es das Wissen, in der Szene Gleichgesinnte für den Ausdruck der eigenen Gedanken und Gefühle in Bezug auf das Leben an sich und das Dasein in dieser Gesellschaft zu finden, […].

Kisten Wallraff: Die Gothics Teil 2. Weiss wie Schnee, Rot wie Blut und Schwarz wie Ebenholz, Hrsg. vom Archiv der Jugendkulturen, Berlin 2001.

Und das habe ich aus einem Buch, das auch schon 18 Jahre alt ist und welches an der selben Textestelle darauf verweist, das sich daran seit 20 Jahren nicht viel geändert habe. Und dem stimme ich zu. Ich war 2002 das erste Mal mit Eintrittskarte auf dem WGT, und es hat sich nach ankommen angefühlt. „Diese Leute sind so wie ich!“, dachte sich mein 15jähriges Ich.

WGT 2006, noch in gekauften Sachen und mit den typischen Stahlkappenschuhen zum Mittelalter-Inspirierten Kleid

Von Anfang an spielte Kleidung eine große Rolle. Und damit meine ich mich und die Szene. Woher kommen sonst die ganzen Bilder von Gruftis, die schon im Jahr 1995 Reifröcke trugen? Sich selbst über Kleidung auszudrücken ist so typisch Jugendkultur, hier eben in der düsteren Spielrichtung. Ich habe mich zuerst nur für das Mittelalter interessiert, habe alles gelesen, was über das Leben im Mittelalter finden konnte, und Musik ohne Dudelsäcke fand ich ganz blöd. Noch habe ich meine Kleidung von meinen Eltern gekauft bekommen. Mit der Zeit erweiterte sich mein Musikgeschmack, und das Vorbild anderer Festival- und Clubbesucher brachte mein Interesse an aufwändigeren Kostüme voran. Seit einigen Jahren, und auch bedingt durch das Studium der Kunstgeschichte, gilt mein Interesse der historischen Kleidung von Rokoko bis edwardianisch (englisch)/wilhelminisch(deutsch). Gern mit einem düsteren Twist, aber meist in Farbe und Form korrekt (wen auch noch nicht historisch korrekt von Hand genäht).

In meiner Schulzeit, meiner Ausbildungszeit und am Anfang meines Studiums habe ich noch keine Kompromisse gemacht. Da gehöre ich hin, so kleide ich mich 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Bodenlange Röcke und Korsetts im Hörsaal? Check. Aber damit fährt es sich schlecht Rad, und potentielle Arbeitgeber finden das auch nicht so klasse, nicht mal im Kulturbetrieb. Also stimmte ich mein Gruftitum im Arbeitsleben von vornherein etwas herunter und bin damit auch noch nie wirklich angeeckt. Meine Lieblingskritik an der Kostümfraktion ist ja immer „Tragen die das auch im Alltag?!? Wen nein, gilt es nicht!“ Wie ich das hasse. Als ob der sonstige Gote immer die Möglichkeite hat, sich die Haare für seinen Job hochzustellen. So sehr kann ich meine Augen gar nicht verdrehen. Ist man nicht selbstständig im Kreativbereich kann man das Argument vergessen. Ich glaube nicht, das ich übertreibe, wenn ich sage, dass die meisten Gothics ihre Arbeitskleidung anpassen müssen. Ich habe derweil kein Problem mehr mit „corporate goth“. Schwarz als Grundfarbe geht immer, und Radfahren kann ich in Hosen auch prima. Daheim kann ich mich dann immer noch in meine Pluderhosen werfen.

WGT 2007, das Interesse an Kostümen steigt. Die Maske habe ich mir aus dem Venedig-Urlaub mitgebracht, genau wie den Schirm.

2007 ist dann etwas passiert: nach einem Urlaub in Venedig, von dem ich mir viele Accessoiries mitgebracht habe (sowas gabs damals nicht einfach so im örtlichen Gothicshop!), bekam ich plötzlich durch meine Kleidung auf dem WGT Aufmerksamkeit. Vor 2007 ging es darum, möglichst viele Konzerte zu besuchen, danach kam das sehen-und-gesehen-werden dazu. Noch ganz harmlos, bisschen Aufmerksamkeit von der Presse ist ja nett.

ARCHIV – Zwei Anhänger der Wave-Gotik-Szene, aufgenommen am 31.05.2009 beim Wave-Gotik-Treffen in Leipzig. Am kommenden Pfingstwochenende wird Leipzig wieder zum Mekka der Gothic-Szene. Rund 20 000 Anhänger der düsteren Musik werden zum 19. Wave-Gotik-Treffen (WGT) erwartet, das das weltgrößte seiner Art sein soll. Foto: Peter Endig dpa/lsn (zu dpa 0104 vom 20.05.2010) +++(c) dpa – Bildfunk+++

2009 dann das dpa-Foto – oben mit dazugehörigem Text. Ich bin ganz froh, das ich und mein Begleiter da maskiert sind, das Bild war ÜBERALL. Ich war angefixt. Da hatten wir beide noch wenig genug Gepäck, um die Reise zum Festival mit der Deutschen Bahn anzutreten, das sollte sich aber schnell ändern.

WGT 2010, mein erstes selbgemachtes Kleid. Hier habe ich herausgefunden, dass ich nähen kann.

Was ich tragen wollte gab es so nicht zu kaufen. Also habe ich mir die Nähmaschine meiner Mutter ausgeliehen und einfach angefangen. Der Stoff stammt aus dem Karstadt, die Dekoration aus dem örtlichen Stoffladen, die Glitzersteinchen hat Mama organisiert. Es gab noch keinen Internetversand für Material speziell für den gotischen Handwerker, geschweige denn Schnittmuster. Das ist eigentlich am Anfang mal typisch für die Szene gewesen: Wollte man etwas, hat man es selbst gemacht. Große Versandhäuser für Gothicmode wie XtraX sprangen zwar auf den Zug auf, aber der Konsens des Selbstmachens blieb – vor allem, wenn man individuell sein wollte.

WGT 2011. Alles außer der antiken Halskette ich selbst gemacht, auch das Korsett. In dem Jahr habe ich 57 Fotos von mir&meinen Freunden vom WGT im Internet gefunden. Dieses Foto ist von Thomas Bunge.

Leider muss ich zugeben, das 2011 für mich die Waage gekippt ist. Jetzt ging es nur noch ums Aussehen. Ich habe jeden Tag ein anderes Kleid getragen, das ich das Jahr über selbst gemacht hatte (wegen der Individualität und so). Mit Nebenjob und Studium ging das auch. Der „Erfolg“ zeigt sich schnell, 57 Fotos in fünf Tagen! So hübsch! So toll! So erfolgreich! Schluss mit der Ironie: mir ging es da nicht immer gut. In dem Outfit oben wäre ich auf dem Mittelaltermarkt beinah ohnmächtig geworden, denn ich musste ja die schlankste Taille haben. So ein Blödsinn.

WGT 2012, das Jahr mit 25 Fotos im Internet, eins davon hat es sogar auf die WGT-Webseite geschafft. Ab jetzt schwenke ich um zur historischen Kleidung, hier eine „Chemise á la reine“, 18. Jahrhundert.

2012 hat sich die Kostümfraktion bei mir richtig herausgebildet. Wir reisen mit einem gemieteten BMW an, der bis an die Oberkante mit Kleidung und Zubehör gefüllt ist. Warum, weiß ich nicht. Spaß hats nicht unbedingt gemacht. Das fertig machen dauerte gefühlt länger als der Festivaltag, und die ganzen schönen Kleider zu beaufsichtigen ist anstregend. Ich treffe mich ausschließlich mit Leuten, die auch gern Kostüme tragen.

WGT 2013, alles selbst gemacht, auch der Kopfschmuck.

2013 ist mir dann wieder eingefallen, warum ich eigentlich zum WGT gehe. Ich trage immernoch jeden Tag ein anderes Kleid, aber die Aufmerksamkeit der Leute mit Fotoapparat ist mir nicht mehr ganz so wichtig. Ich trage, was bequem ist, was ich selbst gemacht habe und herzeigen will. Ich treffe mich mit allerlei Leuten, was so weit geht, das ich mit einer Gruppe Stammkunden aus dem Club auf den Stamm-DJ des Clubs treffe. Warum gehen wir alle nochmal zum WGT? Zum Treffen, genau.

WGT 2014, jetzt trage ich nur noch komplett selbst gemachtes nach historischem Vorbild. An dem WGT war es auch unglaublich heiß.

Es wurde wieder besser mit mir und dem WGT. Ich nähe immmer noch das Jahr über Kleidung nach historischem Vorbild für mich, aber Bachelorarbeit und dann der Master und nun zwei Nebenjobs rücken andere Dinge in meinen Fokus. Ich habe einen Heidenspaß, fast alle Tage weiß zu tragen – die Trendfarbe des 18. Jahrhunderts, nicht unbedingt die Trendfarbe des WGT. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen, eine Haltung, die ich seither beibehalten habe. Ich trage, was wettergerecht und schön für mich ist. Endlich habe ich Zeit für das umfangreiche kulturelle Programm des WGT. Ich hatte mir jedes Jahr aufs Neue vorgenommen, mal ein Museum im Rahmen des WGT zu besuchen, und ab jetzt klappt das auch.

WGT 2015, in einem edwardianischen Ensemble.

Mit Kleidung wie dieser macht das WGT 2015 Spaß. In diesem Jahr lasse ich erstmals das „Viktorianische“ Picknick am Freitag weg. Ursprünglich als kleine, private Veranstaltung für Bekannte aus der Kostümfraktion von Viona Ielegems geplant, hat sich dieses über die Jahre zur öffentlichen Massenveranstaltung entwickelt. Man braucht kein Bändchen dafür, was Ein-Tages-Gruftis (also Leute, die sich für den einen Tag mal gruftig anziehen), Gaffer und Fotografen en Masse anzieht. Hier gilt auschließlich sehen und gesehen werden. Was auch mal zum Treffen und Inspiration sammeln gedacht war ist nur noch unangenehm. Ich versuche das Picknick seither zu meiden, aber das klappt nicht immer. Letztes Jahr (2018) stand ich mit gepackten Picknickkorb bereit, als ein privates Picknick abgesagt wurde, und dann war ich doch da. War doof.

WGT 2016, wieder in weiß, eine Art Robe á la anglaise diesmal.

2016 war sowas von kalt. Aber ich hatte meine Outfits entsprechend vorgeplant. Leider weiß ich bei den meisten WGT gar nicht mehr, was für Bands ich gesehen habe. Nach 17 WGT schwimmen die Konzerte langsam ineinander. Höhepunkte waren über die Jahre Schandmaul, ASP (als die noch auf dem WGT gespielt haben), Otto Dix, In the Nursery, Sangre de Muerdago, Irfan, Kaunan, Eivoer und Mila Mar.

WGT 2018. Man sehe und staune: ich trage ein Kleid zum zweiten Mal!

2017 und 2018 war ich mit einer großen Gruppe Leute da, die ich von zu Hause mitgebracht habe. War auch lustig, reicht aber erst mal, denn so eine große Gruppe ist nicht nur spaßig, sondern auch anstrengend.

Mitterweile bin ich deutlich gelassener geworden (okay, das kann auch mit dem Altern zusammen hängen). So faszinierend wie die ersten paar Male wird das WGT leider nie mehr sein, und als alter Hase überrascht einen kaum mehr was. Ich hoffe, dieser kleine Ritt durch das Festivalleben hat ein paar Punkte unterstreichen können: ich habe das Kostümtragen wegen der Aufmerksamkeit schnell wieder verworfen, ich trage Kostüme, weil selbst nähen mein Hobby ist, und ich finde mich schön in solchen Kostümen. Und manche meiner Freunde tragen auch gern Kostüme. Die treffe ich dann da auf dem Wave-Gotik-Treffen. Und dann reden wir über Stoffquellen, Schnittmusterquellen und den allgemeinen Zustand der Welt. Ich kleide mich im Alltag heute komplett anders, finde aber, ich muss auch niemandem mehr etwas beweisen.

Und zum Schluss: Ich gehe so in den Club. Immer. Das gehört für mich dann doch dazu. Wenns schon im Alltag nicht klappt.

Georgiana, Duchess of Devonshire

Eine meiner liebsten historischen Figuren ist Georgiana Spencer, verheiratete Duchess of Devonshire (1757-1806). Ihr Leben war interessant in einer interessanten Zeit, und die überlieferten Portraits von ihr sind einfach toll. Sie hat nur die besten Maler ihrer Zeit beauftragt. Deshalb soll es hier gar nicht um ihr Leben gehen, der englische Wikipedia-Artikel ist sehr gut, da kann man das nachlesen. Aber die Bilder in dem Artikel, uhhh! Ich poste die Bilder mal hier, Anschauungsmaterial! Viel Spaß!

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Georgiana kurz vor der Hochzeit mit dem Duke of Devonshire mit ihren Geschwistern Henrietta und George, von Angelica Kauffmann, 1774.

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Gerogiana, Duchess of Devonshire, 1775-76 von Joshua Reynolds.

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Mein Favorit: Georgiana of Devonshire von Thomas Gainsborough, 1783.

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Das „Portraithut“-Bild. 1785-87 von Thomas Gainsborough.

 

Schlossführerschulung

Der Blog fing so gut an, mit regelmäßigen Beiträgen, aber seit Januar mache ich zusätzlich zum Vollzeitjob in der Galerie eine Schlossführerschulung. Das ist eine von Schlösser und Gärten Baden-Württemberg gegebene Schulung, die mich am Ende befähigen soll, in einem der Schlösser professionell Führungen zu geben. In freier Mitarbeit, zum Glück, denn das ist schon mit der Schulung ziemlich anstregend. Später kann ich dann, denke ich, meine Arbeitszeiten frei wählen. Diese Schulung bezieht sich diesmal auf die Schlösser Heidelberg, Mannheim und Schwetzingen. Ich möchte jetzt gar nicht über die ganzen Details schreiben, die ich jeweils gelernt habe, das kommt vielleicht später, sondern lieber erst mal ein paar Fotos zeigen!

Treppe
1 Heidelberg: Die Treppe, die zum Schloss führt. Das war an dem Tag, an dem der Orkan über Süddeutschland zog. Ich hatte extra Fahrzeit deswegen eingeplant und dann nieselte es in Heidelberg bloß!

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2 Heidelberg: Die „spannende“ Ruinenseite. Im Vordergrund der Burggraben, dann der Ruprechtsbau, Bibiotheksbau und Frauenzimmerbau. Den englischen Bau habe ich nur angeschnitten. 15. bis 16. Jahrhundert.

Grotte
3 Heidelberg: Ruinen der Arkaden im Hortus Palatinus („Pfälzischer Garten“). Ich war vorher schon oft in Heidelberg, aber bis zu diesen Arkaden bin ich nie gekommen…. Da gibt es so viele künstliche Grotten! Und dank des Regentages hat es überall schön geplätschert.

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4 Heidelberg: Heidelberg, dramatisch nach dem Orkan. Der Neckar als graues, Hochwasser führendes Band. Rechts am Rand der Heiligenberg.

Schwetzingen
6 Schwetzingen: Der Mittelbau war zum Ehrenhof hin eine Wasserburg aus dem Mittelalter, was man, finde ich, auch sieht. Alles andere wurde in barocker Zeit angebaut. Schwetzingen war eine reine Sommerresidenz, sprich, nur ein paar Kamine – für heutige Schlossführer und Gäste sehr erfrischend!

Retiraden
7 Schwetzingen: Drei der „Retiraden“, sprich der Toilettenhäuschen, außem am neueren, barocken Teil des Schlosses.

Blick
8 Schwetzingen: Blick vom Dach des Schlossens gen Heidelberg. Schwetzingen liegt genau auf der Achse Königsstuhl-Pfälzer Wald. Letzterer war an dem Tag gar nicht zu sehen, den Königsstuhl sieht man hier schwach.

Lost-place
9 Schwetzingen: Besonderes (unscharfes, da beinah aus der Hüfte geschossenes) Schmeckerchen: Das dritte Geschoss des Schlosses ist noch nicht ausgebaut und nicht öffentlich zugänglich. So sieht ein Schloss aus, bevor es restauriert wird!

Theater
10 Schwetzingen: Das Theater von Schwetzingen wird heute noch bespielt, allerdings befindet sich hinter der barockisierenden Fassade der Bühne eine „moderne“ Bühnenmaschinerie aus den 1970er Jahren. Der Publikumssaal ist Original, aber mehrfach über-restauriert, und das sieht man als halbwegs Sachkundiger auch. Dennoch schön!

Beitragsbild: Foto vom Schlossdach Richtung Pfälzer Wald.

Was stand da eigentlich mal?

Die beiden Clubs in Karlsruhe, die noch Gothic-Veranstaltungen und vergleichbares anbieten, sind beide Kellerclubs. Beide mit Zugang über ein leeres Grundstück und beide mit mehr (Nachtwerk) oder weniger (Culteum) schönen Gewölben. Irgendwann hat meine innere Kunsthistorikerin sich gefragt, was da wohl vorher mal stand, wo jetzt nur noch die Kellergewölbe stehen. Vor allem im Fall des Nachtwerks, das ein wirklich großes Gewölbe mit Kreuzrippen hat. Die Lage des Nachtwerks Richtung Rhein und an der Alb verleitete mich, hier einen Bauernhof oder sogar ein Lokal zu vermuten, denn solche Keller wurden maximal bis Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut, vor allem in der Umgebung des noch sehr jungen Karlsruhe. Älter als 1700 kann das Gewölbe kaum sein, da im Karlsruher Raum wenig vor diesem Datum gebaut wurde.

Und damit war ich schon mittendrin in der Recherche. Ein hübscher Magen-Darm-Infekt beschert mir heute einen letzten Ausruh-Tag, an dem ich endlich wieder zum Denken fähig bin, und da dachte ich, schau’n mer mal, was die Archive auf den ersten Blick so zu bieten haben.

Erster Anlaufpunkt für solche Unterfangen: Wikipedia. Als Start für eine Recherche immer gut, nicht immer komplett richtig (vor allem das Stadtwiki), aber manchmal sind in den Einzelnachweisen Archivalien verlinkt.

Also: Culteum Essenweinstraße Nachtwerk Pfannkuchstraße Pfannkuch und nochmal Pfannkuch (Stadtwiki)

Was haben wir gelernt? Den Eintrag zum Culteum muss man nicht ernst nehmen. Bei der Essenweinstraße kristallisiert sich heraus, dass diese um 1903 bis 1909 angelegt oder neu bebaut wurde, da es vier Kulturdenkmale aus dieser Zeit gibt. Zum Nachtwerk wird es interessanter:

Er besteht aus einem großen Gewölbekeller, der zuvor der Firma Pfannkuch Handelsgesellschaft mbH als Weinkeller diente.

Okay, und woher kam dieser Weinkeller?

Die Pfannkuchstraße wurde erst 1976 in Pfannkuchstraße umbenannt, vorher hieß sie Oberfeldstraße. Merke: in den Archiven nach Oberfeldstraße suchen! Die Zentralbäckerei von Pfannkuch befand sich gegenüber dem Grundstück, auf dem heute das Nachtwerk steht, also ist naheliegend, das Pfannkuch das Nachtwerk als Weinlager genutzt hat. Pfannkuch war eine Supermarktkette, die 1896 gegründet wurde, vor dem zweiten Weltkrieg ihr Zentrallager in der Oberfeldstraße baute und 1998 an SPAR verkauft wurde. Mehr dazu in den Wikipedia-Artikeln. Der Stadtwiki-Artikel hatte noch einen interessanten Link in den Einzelnachweisen: klick

pfannkuch_klein
Der Link führte zur BLB, zu einem Adressbuch von 1960. Die Weingroßkellerei befindet sich in der Oberfeldstraße 14, also im Nachtwerk.

Noch etwas fiel mir auf: Der Teil der Pfannkuchstraße, auf dem das Nachtwerk liegt, gehört zu Grünwinkel. Und wie man in dem Link lesen kann wurde Grünwinkel 1784 ein selbstständiger Ort. Also ist meine These vom Gasthof bei Grünwinkel noch nicht ganz ausgeschlossen….

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Die Pfannkuchstraße befindet sich im nordwestlich vom Hauptteil Grünwinkels.

Bei weiteren Kartenbetrachtungen: Mühlburg liegt gerade auf der anderen Seite der Alb. Und Mühlburg ist sogar noch älter als Grünwinkel, vorher schon erwähnt, aber 1565 als Sommerresidenz des Markgrafen ausgebaut. Wieder ein Punkt für einen erheblich älteren Gewölbekeller als bisher nachweisbar. Möglich ist es…. (Der liebe Leser sieht, wie ich mich hier in eine These versteige.)

Jetzt heißt es wirklich ins Archiv einsteigen. Das Generallandesarchiv liefert nur einen einzigen Eintrag: Fliegerschaden in: Karlsruhe, Industriegleis Oberfeldstraße 03.09.1942. (hier). Also weiter zum Stadtarchiv. Der Suchbegriff „Oberfeldstraße“ liefert 59 Suchergebnisse. 14 in den Stadtakten, 2 in den Amtsbüchern und 42 in den Archivalischen Sammlungen. Die ersten 14 betreffen nicht die Oberfeldstraße 14 und 15, weisen aber auf eine rege Geschäftstätigkeit in der Oberfeldstraße nach dem Krieg hin. Die beiden Amtsbücher befassen sich mit Bürgerausschussvorlagen.

findbuch
So sieht das dann aus, wenn man die Treffer anklickt.

Und da ein Treffer:

S. 213 – 214: Tausch von Grundstücken an der Oberfeldstraße gegen ein Grundstück im Oberfeld mit der Firma Pfannkuch GmbH (Antrag vom 11.12.1929) (03 Stadt Karlsruhe Amtsbücher, Bestand: 3/B Amtsbücher)

Also wurden 1929 irgendwelche Grundstücke für Pfannkuch getauscht! Die größte Überraschung: Ganz unten am Findbuch ist ein kleines pdf-Symbol. Und wenn man da drauf klickt, kann man sich das Amtsbuch anschauen! Ganz bequem von zu Hause aus mit einer Tasse Tee in der Hand! Leider ist der Eintrag nur marginal hilfreich, immerhin weiß ich jetzt, das Pfannkuch seit den 1920ern auf dem Grundstück tätig war. Der Keller müsste da schon gestanden haben – oder aber Pfannkuch hat ihn erst erbauen lassen.

Tausch
Quelle: siehe oben. Dem Antrag wurde stattgegeben.

In den 43 Archivalischen Sammlungsstücken habe ich nur das gefunden:

Dieser fragwürdige Hausfrauennachmittag unterm Hakenkreuz:

Hausfrauennachmittag
Postkarte von 1936. 08 Archivische Sammlungen, 08.10 Plan- und Bildersammlung, Bestand: 8/PBS XIVf – Plan- und Bildersammlung – Firmenansichten

Diverse Ansichten der Firma Pfannkuch aus den 1970ern, hier mal nur zwei:

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Einweihung des neuen Lagergebäudes und erweiterten Fleischwerks der Lebensmittelgroßhandlung Pfannkuch in der Oberfeldstraße 14, 1970. Negativ: A 19 22_5_10

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„Tag der offenen Tür“ mit Volksfest bei der Pfannkuch-Zentrale in der Oberfeldstraße, April 1975. Negativ: A 29 102_2_29

Und das wars mit der Pfannkuchstraße, dem Nachtwerk und der Oberfeldstraße. Keine Hinweise auf ein älteres Gebäude oder ob überhaupt jemand vor der Firma Pfannkuch auf dem Gelände gebaut hat. Nach derzeitigem Stand ist der Keller frühestens in den 1920ern gebaut wurden, und das auch extra für Pfannkuch. (Schade, kein alter Gasthof…)

Und das Culteum in der Essenweinstraße? Der Hinweis, das es in der Essenweinstraße Kulturdenkmale stehen, grenzt die Erbauungszeit eines möglichen Gebäudes auf ab 1896-1900 ein. Die Essenweinstraße hieß schon immer Essenweinstraße. Das Generallandesarchiv weiß nichts, das Stadtarchiv liefert 90 Ergebnisse. 42 von sind Akten, 3 Amtsbücher, 45 Stücke aus den Archivischen Sammlungen. Das Culteum liegt in der Essenweinstraße 9, aber zusammen mit der Hausnummer schränkt das die Suche im Findbuch nur auf Dinge ein, in denen die 9 vorkommt (z.B. 1939). Diesmal fange ich unten an mit der Suche, bei den 45 Archivalien. Leider kein Treffer. Einige Fotos der Bewohner der Essenweinstraße 44, aber nicht mal ein Hinweis auf die Essenweinstraße 9. Weiter zu den Amtsbüchern.

Aha, ein Treffer:

S. 250 – 257: Ausbau von Teilen der Veilchen- und Essenweinstraße zu Ortsstraßen, mit Verträgen, Tabellen und Plan (s. S. 815) (Antrag vom 04.09.1902) (03 Stadt Karlsruhe Amtsbücher, Bestand: 3/B Amtsbücher – Amtsbücher)

1902? Ein Plan? Gibt es diesen Plan in der pdf, die wie bei der Oberfeldstraße angehängt ist?

Das ist fast ein Treffer:

essenweinstr
Plan zum Ausbau der Essenweinstraße und Veilchenstraße von 1902, I.-Num.: 0031, Dat.-Findbuch: 4. Jan. 1902 – 15. Dez. 1904. Zu diesem Plan gibt es beim Antrag eine Liste der Besitzer der jeweiligen Flurstücke.

Leider, leider befindet sich das Grundstück Essenweinstraße 9 vor, also westlich, der Sternbergstraße.

Das nächste Amtsbuch enthält einige interessante Baupläne, z.B. füreine Mädchenschule in der Sophienstraße und eine Blaupause für ein Auto (?), aber leider geht auch hier der Ausbau der Essenweinstraße gen Osten weiter:

Essenwein_1908
Plan zum Ausbau der Essenweinstraße und Veilchenstraße von 1908, I.-Num.: 0033, Dat.-Findbuch: 8. Febr. 1907 – 17. Dez. 1908.

Im dritten Amtsbuch, jetzt von 1910, nach einem Eintrag über die finanzielle Beteiligung der Anwohner am Straßenbau, wieder das:

S. 589 – 592a: Ausbau eines Teils der Essenweinstraße zur Ortsstraße, mit Verträgen und Lageplan (Antrag vom 30.07.1910) (I.-Num.: 0034, Dat.-Findbuch: 15. Dez. 1908 – 23. Mai 1910)

Wer lange sucht wird fündig! Diesmal ist es das Straßenstück zwischen Georg-Friedrich-und Sternbergstraße! (Juhu!) Ich habe die Karte der Einfachheit halber eingenordet, sie ist mit Nord bezeichnet, aber gedreht ins Amtbuch eingebunden:

Essenwein_1910_nord
S. 589 – 592a: Ausbau eines Teils der Essenweinstraße zur Ortsstraße, mit Verträgen und Lageplan (Antrag vom 30.07.1910) (I.-Num: 0034, Dat.-Findbuch: 15. Dez. 1908 – 23. Mai 1910)

Uuuuund, Trommelwirbel: Da ist etwas ungefähr auf dem Gelände des Culteums verzeichnet! Grundstück 6272, Himmelsbach, Anton, Fabrikant!

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Quelle: siehe oben, Anton Himmelsbach steht unter 2.c.

Damit habe ich zwei Rätsel gelöst: erstens: Dieser Teil der Essenweinstaße wurde erst 1910 angelegt, der restliche Teil weiter östlich eher. Das Culteum war möglicherweise einfach ein Fabrikkeller. Dazu kommt, das das Culteum eigentlich nur im vorderen Bereich alte Steine hat, der Rest ist unter viel Beton beinah unkenntlich. Der vordere Teil stammt also von vor 1910!

Zuletzt die Akten. Alle 42 Ergebnisse sind Anträge auf Wiederzulassung eines Gewerbebetriebs nach 1945. Viele Kraftfahrzeugwerkstätten, ein Bäcker, ein oder zwei Schlosser, ein Maler, ein Feilenhauer, ein oder drei Schneidereien, ein oder zwei Metzger, ein Uhrmacher, ein Küfer, eine Nähmaschinen-Reparaturwerkstatt, eine Wäscherei, kurzum: das ganze Spektrum der handwerklichen Betriebe des oberen Mittelstandes. In der Essenweinstraße 9 wurde 1946 eine Holzsägerei angemeldet, von einem Hans Herbolsheimer. Ab hier könnte man die Personenstandsregister in Kirchen oder dem Generallandesarchiv befragen. Meine Frage ist jedoch geklärt!

P.S. Ja, normalerweise sollte man sich ändernde Hausnummern miteinbeziehen, das ist hier in Karlsruhe aufgrund des fehlenden Alters aber zu vernachlässigen.

P.P.S. Ich habe mal ein bisschen mit Photoshop herumgespielt und das Culteum befindet sich unter dem rechteckigem Gebäude, auf welches das Wort „Himmelsbach“ zeigt. Also, sehr entzaubert, das ganze.

 

Willkommen im Historikerhimmel – Ausflug nach Ludwigsburg

Letztes Wochenende war ein lang anstehender Besuch bei Dieter in Ludwigsburg geplant. Also ab in die S-Bahn und los gehts! Ludwigsburg überraschte mit wundervollem Sonnenwetter und eigentlich war es Samstags noch zu warm für den Wintermantel. Was also machen nach einem Rundgang durch die Stadt, einem Besuch im Buchladen (natürlich) und einem mehr als ausreichendem Essen im örtlichen Pub? Klar, schönes Wetter, Zeit fürs Museum! Das Ludwigsburger Schloss, erbaut ab 1704 und bis in die 1730er imfassend erweitert, verfügt über original erhaltene Fürstenappartements und gleich zwei Corps de Logis. Es gibt zu jeder Schlosshälfte eine Führung, einmal die Seite mit dem Damenappartement, zum anderen das Herrenappartement. Natürlich mussten wir beides anschauen! Hintereinander! Jede Führung geht etwa 90 Minuten, klar machen wir das und dann noch den Schlosspark hinten dran! Wir hatten ja keine Ahnung. Zum Glück war die Dame, die die Führungen gemacht hat, sehr motiviert und hatte ein unglaubliches Wissen. Ich habe sie ständig mit Fachfragen unterbrochen, was die erste Führung ziemlich verlängert hat – das tut mir immernoch Leid! Aber ich musste wissen, ob der Boden noch original ist (ja), ob die Vorhänge noch aus der Zeit sind (nein) usw. usw.

Innen
Man, äh, darf eigentlich nicht im Schloss drinnen fotografieren. Das ist nur ein kleiner Eindruck von dem, was einen erwartet.

Die Räume im Schloss sind ein riesiger Fundus an historischem Wissen, nicht nur über die diversen Herzöge und Könige, die Ludwigsburg als Sommersitz oder Regierungssitz genutzt haben, auch an Raumausstattung und Gemälden bleiben fast keine Wünsche offen. Besonders ins Auge gefallen sind dabei die Möbel aus der Zeit um 1810, die allerdings teilweise aus dem Stuttgarter Schloss stammen. Außerdem hatte es ein paar hochwertige Gemälde der Herrscher, die auch gut Auskunft über die Mode der Zeit gaben.

MagdaleneWilhelminevonWuerr
Magdalene Wilhelmine von Württemberg (1677-1742), hier noch als Tochter des Herzogs von Württemberg, war später die Frau Karl Wilhelms von Baden-Durlach (1679-1738). Quelle

 

Leider war die Gemäldegalerie auf der Seite des Herzogs mehr als durchschnittlich, verglichen mit der Sammlung Karoline Luise von Badens aus etwa der selben Zeit (heute großteils Kunsthalle Karlsruhe), oder eigentlich jeder anderen fürstlichen Sammlung, war in dieser ein kleiner Rubens alles, was hervorstach. Da wurde um des Sammelns willens und nicht um der Qualität willen zusammengekauft. Man kann auch die beiden Kirchen des Schlosses besichtigen, eine davon in all ihrer barocken Pracht. Insgesamt dauerten die Führungen etwa drei Stunden. Man kann das Schloss nicht ohne Führung besichtigen, was angesichts der originalen Ausstattung nur logisch ist.

Wer mehr Eindrücke vom Inneren des Schlosses sehen will, der findet Bilder hier, hier oder hier.

 

Danach ist man aber mehr als abgefüttert mit Informationen, so sehr, das sogar geübte Historiker wie ich nochmal Wikipedia befragen müssen, wer da jetzt eigentlich was hat erbauen lassen und wann Württemberg Königreich wurde (1806). Und das schlimmste: bis alles fertig gezeigt war war es draußen dunkel! Also nix mit Park angucken. Das Schloss sieht aber auch im Dunkeln wunderschön aus und ist hübsch beleuchtet.

Fontaene
Auch im Dunkeln eine Schönheit: Das Neue Corps de Logis.

Also musste der Tag hier beendet werden und die berühmte Schwarz-Weiß-Bar aufgesucht werden. Diese war leider arg voll, sodass wir uns mit Katzentischen begnügen mussten – aber die Cocktails da sind ziemlich gut, und hallo, ist da Alkohol drin! Der geneigte Leser lasse sich nicht von den blumigen Beschreibungen in der Karte irritieren, zwei Cocktails sind mehr als genug! Zusammen mit der freundlichen Kellerathmosphäre – das ist keine Ironie, ich mag Kellerbars – und einer Menge gemachten und gelachten Wörtern ein gelungener Abend.

Am nächsten Morgen dann eine böse Überraschung: kein schönes warmes Herbstwetter mehr, sondern kalt und Dauerregen! Da der Park ja gestern wegen Dunkelheit ausgefallen ist und heute nachgeholt werden sollte keine guten Nachrichten. Also erst mal ausgedehnt frühstücken. Dieter und ich hatten ein Museum noch nicht angeschaut – das Modemuseum. Dieses kannte ich zwar von einem Ausflug mit meiner Freundin Lisa (die man aus dem Artikel zum Freilichmuseum Beuren kennt), aber diesmal wollte ich mir vor allem die Kleider des 18 .Jahrhunderts genauer anschauen. Zu Studienzwecken wie z.B. für das Überkleid (zu welchem es hoffentlich bald Neuigkeiten geben wird).

Notizen
Auch im Modemuseum durfte man keine Fotos machen. Dafür habe ich jetzt einige Seiten meines Notizbuches voll mit Skizzen und Anmerkungen.

Dieter war zum Glück nicht furchtbar gelangweilt von meinem Sermon über Nähte, Stoffarten und französischen Kleidernamen. Mit mir in ein Modemuseum zu gehen ist schon recht mutig. Das Museum ist zum Glück nicht allzu groß, der größte Teil ist zum 18. und frühen 19. Jahrhundert. Leider ist nichts, oder fast nichts, an Kleidung von den ursprünglichen Besitzern des Schlosses Ludwigsburg erhalten. Dennoch liefern die Vitrinen mit den Kleidern ein anschauliches Bild, was man wohl im Schloss getragen hat.

Park
Der barocke Teil des Ludwigsburger Blühenden Barock.

Nach dem Mittagessen in einem der Cafés im Schlosspark hörte es dann auch endlich auf zu regnen. Nasse Herbstblätter sind ja meist farbiger als trockene, so hatte es auch sein gutes. Leider ist vieles im Schlosspark rutschig wenn nass, sodass der „Abgesang mit Heimgang“, der während unseres Spaziergangs stattfand, kein Wunder ist. Der Schlosspark schließt Anfang November, und der Sonntag war der letzte Tag des Kürbisfestes (Reste davon sieht man ein wenig im oberen Foto). Den Märchengarten hatte ich noch nicht gesehen.

Frosch
Ziemlich tolle Froschfontäne, die man über Trittsteine selbst steuern konnte, versteckt in einem matschigem Labyrinth.

Der Märchengarten schwankt zwischen „ist ja süß“ und „…..(?)“. Erbaut ab 1959, um mehr Besucher in den Schlosspark zu locken, sind vor allem die ersten Märchen charmant, die neueren (bis 2009) sind nicht so interessant gemacht. Fast alle Märchen kannte ich, nur der Riese Goliath stammte aus der Bibel und war nicht ohne Schild erkennbar.

Der Schlosspark an sich ist sehenswert, es gibt auch einen japanischen Garten, eine Voliere, eine künstliche Burgruine und viele interessante Bäume und Pflanzen. Im Blühenden Barock gibt es sogar nachgebaute Spielzeuge des barocken Hofes! Einige Schaukeln und ein Karussel, die aber leider schon nicht mehr in Betrieb waren, so spät im Jahr.

Bonsai
Der Herbst ist da: Bonsai aus dem japanischen Garten.

Ein Spaziergang durch den Park anfang November macht kalt und nass, bei Einbruch der Dunkelheit wollte ich dann nur noch ins Warme und einen Tee trinken. Bis mein Zug zurück nach Karlsruhe fuhr war ich dann wieder gut aufgewärmt.

Alles in allem: Man kann dieses große Schloss samt Garten nicht in einem Tag schaffen. Es gibt ja auch noch das Schloss Favourite, dass derzeit restauriert und renoviert wird. Der Eintritt ist happig, lohnt sich aber. Bei Regen braucht man Wanderschuhe für den Park. Ludwigsburg an sich ist hübsch und es gibt auch die eine oder andere Möglichkeit, gescheit Konsum zu betreiben. Warum nochmal wohne ich in Karlsruhe?

 

Fotoatelier von Otto Hofmann im Freilichtmuseum Beuren

Wie versprochen folgt der Extra-Artikel über das Fotoatelier aus dem Freilichtmuseum Beuren. Ich fand dieses kleine Gebäude am interessantesten, da es sich erstens baulich von den anderen Häusern unterschied und zweitens sehr genau die Arbeitswelt um 1910 wiedergab. Außerdem zeigte es das Mind-Set der Leute um 1910. Fotografie war damals noch etwas besonderes, und ein Bild von sich zu besitzen war teuer und etwas besonderes. Kein Wunder, dass die Kundschaft von solchen Fotoateliers in ihrer besten Sonntagskleidung abgelichtet werden wollte. Ich fand das Atelier auch interessant, weil ich eine kleine Sammlung alter Fotos besitze, von denen leider keins aus Kirchheim unter Teck stammt, aber einige aus Leipzig und Dresden (komischerweise, denn ich habe alle Bilder im selben Antiquitätengeschäft in Karlsruhe gekauft). Also wollte ich wissen, wie solche Bilder entstanden sind.

Eigene Fotos
Ein Stück meiner eigenen Sammlung. Oben links: junge Frau aus dem Fotoatelier Mürnseer in Karlsruhe. Oben Mitte: Soldat des 1. Weltkriegs aus dem Fotoatelier Sander aus Leipzig. Oben rechts: Ellie Grant aus dem Fotoatelier Fier in Trier, 1889 (steht alles handschriftlich auf der Rückseite). Unten links: Junge Dame aus dem Fotoatelier Bing in Wien. Unten rechts: Brautpaar aus dem Fotoatelier Tschopp in Wil, nach 1896.

Otto Hofmann kam 1882 nach Kirchheim unter Teck. Der gelernte Malergehilfe fand schnell eine Anstellung als Dekorationsmaler. Er macht bald eine Ausbildung zum Fotografen, und 1889 richtet er sich sein Atelier ein: er stellt ein Baugesuch zur Erstellung eines photographischen Ateliers im Garten des F. Stadelmayer, Alleenstr. 64 im Mai 1889. Im Schätzungsprotokoll der Gebäude-Brand-Versicherung wird das Glashaus mit Anbau am 01.01.1891 vermerkt als „neu erbaut, erstmals versichert, 1 fotografisches Atelier heizbar, 1 Vorzimmer“.* Seine Blütezeit erlebt das „Atelier für Photographie“ zwischen 1894 und 1914. Otto Hofmann wird zum gefragtesten Fotografen in Kirchheim und Umgebung. Dank der Mithilfe seiner Frau Anna und später seiner Tochter Anna jr. kann er den Kundenansturm bewältigen und gleichbleibend gute Qualität liefern. Leider gehen nach dem Ersten Weltkrieg die Geschäfte schlechter, und als 1930 Anna jr. das Atelier nicht übernehmen kann, führen Otto und seine Frau es bis 1948 weiter. Otto Hofmann stirbt 1950.

Atelier_2
Das hölzerne Ateliergebäude. Die Tür zum Windfang steht offen, ganz leicht kann man das Wort „Atelier“ über der Tür erkennen.

Das 28 m2 großeGebäude selbst lässt er mehrfach umbauen, es zieht sogar einmal um. Nach 1950 wird das Glashaus als Gartenhaus und dann als Lagerschuppen genutzt und gerät nach und nach in Vergessenheit. 2002 zieht es dann schließlich ins Freilichtmuseum Beuren um.  Mehr Informationen zu diesen baulichen Vorgängen gibt es bei der Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg, und zwar hier.

Von aussen
Dieses Foto habe ich von außen nach innen aufegnommen, deshalb die starke Spiegelung. Das Ateliergebäude ist und war nach Norden ausgerichtet, und mit Vorhängen konnte das Licht im Inneren ideal gestaltet werden.

Bevor der Kunde, der ein Foto von sich sollte, den eigentlichen Fotoraum betrat, kam er in das Cabinet. Dieses diente als Warteraum. Ein kleiner Ofen beheizte Fotoraum und Cabinet, ein Spiegel für letzte Korrekturen an der Frisur steht bereit, un Beispielfotos und Alben bieten Inspiration.

Fotowand
Das mittlere und größte Foto war für mich von Interesse: es zeigt eine große Familie, deren Mutter möglicherweise asiatischer Herkunft war.

Otto Hofmann stellte in seinem Atelier Accescoiries für seine Kundschaft bereit, wie eine Pelzstola oder modische Hüte. Sonntags war Hauptgeschäftszeit, da die Leute ohnehin in ihren besten Sonntagskleidern nach der Kirche unterwegs waren, ließen sie oft ein Foto machen. Anna Hofmann jr. berichtet noch 1985 im Teckboten:

„Wie haben schier Tag und Nacht gearbeitet, auch Sonntags. Sonntags kamen die Leute von den Dörfern in die Stadt, und dann gingen sie auch beim Fotografen vorbei und wollten ein Bild haben.“*

Vorhang
Hatte man im Vorzimmer abgewartet und sich gerichtet ging es weiter in den eigentlichen Fotoraum. Der Hintergrund konnte auf Kundenwunsch angepasst werden, es sind noch fast alle von Otto Hofmanns Hintergründen erhalten! Dieser hier ist allerdings eine Kopie.

Ich vermute, dass Anna Hofmann sr. für die Retusche zuständig war. Es gab, angeschlossen an den Warteraum und auf der verglasten Nordseite bei idealem Licht gelegen, ein kleines Retuschierzimmer. Auch in den Zeiten vor Photoshop wollte die Kundschaft schöner und schlanker aussehen – wenn auch die erste Retusche Fehler auf der Fotoplatte ausgleichen sollte. Die Schönheitsretusche kam erst später dazu.

Retusche
Der kleine Retuschierraum. Es gab in einer Slideshow auch Beispiele retuschierter Fotos zu sehen.

Eine im Atelier vorhandene kleine Dunkelkammer war nicht zum Entwickeln der Fotos gedacht. Die eigentliche Dunkelkammer wird sich im Haupthaus befunden haben. Die kleine Dunkelkammer wurde genutzt, um die empfindliche Platte in die Kamera einzulegen. Wer mehr über Plattenfotografie wissen möchte, findet Informationen hier.

Innen
Leider war das Glasdach den Ateliers undicht, deshalb die Eimer.

Die Atmosphäre im Fotoatelier war einzigartig. Es strahlte eine angenehme Ruhe aus, und dank der perfekten Lichtverhältnisse fühlte man sich irgendwie geerdet. Dazu kam die vorhandene Kamera, die das alte Handwerk darstellte. Abgesehen davon war es von allen Gebäuden jenes, dass sich am ehesten an der Raumeinrichtung der Oberschicht orientierte – Otto Hofmann wollte seinen Kunden ganz eindeutig etwas bieten.

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Was wäre dieser Blogartikel ohne eine Foto vom Fotografenehepaar. Hätte mich auch gewundert, wenn Hofmanns nie ein Foto von sich zu Werbezwecken gemacht hätten.

Damit beende ich meinen Bericht vom Freilichtmuseum Beuren! Dort kann man wirklich noch etwas lernen und einen schönen Tag verbringen. Mehr Informationen zum Freilichtmuseum Beuren gibt es hier.

Freilichtmuseum Beuren

Heute war ich meine Freundin Lisa besuchen. Lisa arbeitet im Freilichtmuseum Beuren. Da musste ich natürlich mal vorbeischauen, schon allein, weil ich dort bestimmt etwas neues historisches oder denkmlapflegerisches lernen kann!

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Ein Wohn- und Wirtshaus aus Tamm, gezeigt im Zustand um 1750.

Erstmal war ich wirklich überrascht, wie groß das Gelände ist. Die einzelnen Häuser stehen zwischen Streuobstwiesen auf einer Fäche von 13 Hektar – das klingt wenig, ist es aber nicht! Also viel zu sehen. Da ich schon vor dem Beginn des eigentlich erst 11 Uhr startenden Moschtfest dort war – ich bin mit Lisa zur Arbeit gefahren – konnte ich ein oder zwei Häuser fast ohne Besucherandrang anschauen. Angefangen habe ich mit dem Bauernhaus und dem dazugehörigen Ausgedinghaus. Dieses winzige Haus zeigt die ländliche Bauweise von 1509 bis 1984. Hier habe ich am meisten zum Thema Denkmalpflege gelernt, denn die verschiedenen Umbauphasen waren gut ablesbar, es gab einige Filme über den Abbau am alten Standort Aichelau und den Wiederaufbau in Beuren, und alles war wunderbar beschriftet. Dieses Haus war komplett eingerichtet, da die letzte Besitzerin erst 1984 verstoben ist. Es war wahnsinnig spannend, die frühere Lebensweise fast zum Anfassen vorgestellt zu bekommen! Das Ausgedinghaus ist ein gartenhausähnliches Nebengebäude, in dem die Eltern der dann die Landwirtschaft übernehmenden Kindern ihren Ruhestand verbrachten. Ich als Großstadtkind wusste nicht, das die „Rente“ eigentlich ein vertraglich festgelegter Anteil am Ertrag war, der den „Rentnern“ einen guten Lebensabend ermöglichen sollte. Irgendwie eine schöne Vorstellung, nach einem langen, arbeitsreichen Leben in das kleine Häuschen mit Garten ziehen zu können und sich über eine Grundversorgung keine Gedanken machen zu müssen. Bei dieser Familie hat das gut geklappt, aber wenn die neuen Bauernsleute nicht so tüchtig waren oder es wetterbedingt Ernteausfälle gab…?

Das nächste Haus, das Weberhaus, zeigt gut, was passiert, wenn man nicht so tüchtig war. Dieses Haus, welches das Leben um 1835 bzw. 1853 zeigt, war in drei Parteien aufgeteilt, alle drei Weber aus Laichingen.

Weberhaus
Der Giebel des Weberhauses. Diese Haushälte war von tüchtigeren Leuten bewohnt als die andere Hälfte.

In der einen Hälfte lebte eine Weberfamilie, die wirtschaftlich erfolgreich war. Ihnen gehörte die komplette Hälfte, inklusive Keller für den Webstuhl, und nach der Einrichtung zu schließen konnte dieser Wohlstand auch erhalten werden. Die andere Hälfte wurde von einer Witwe an deren einzigen Sohn zur Hälfte verkauft, als dieser heiratete. Richtig, die ohnehin schon kleine Haushälfte wurde nochmal geteilt, und in einem Teil lebte der Sohn mit seiner kleinen Familie, im anderen Teil die Witwe mit ihren ledigen Töchtern. Über den Sohn gibt es nicht so viel zu erzählen, er webte und starb, seine Frau gründetet in ihrem Hausviertel eine neue Familie. Aber zur Witwe bzw. ihren ledigen Töchtern gibt es Geschichten! Anscheinend haben es die vier Töchter nicht nötig gehabt, tüchtig zu arbeiten, denn einige von ihnen hatte uneheliche Kinder und alle haben sich erst verheiratet und sind aus ihrem Hausviertel ausgezogen, als ihre Mutter verstarb. Das klingt hochnäsig und spitz, aber alle Bewohner der ausgestellten Häuser haben hart gearbeitet und sich ihren Lebensunterhalt redlich verdient, nur diese Töchter nicht. Es stach so heraus aus den vielen Lebensgeschichten, die in Beuren erzählt werden.

Webstuhl
Webstuhl im sogenannten „Dunken“, einem Webkeller. Es wurde hauptsächlich Flachs und Leinen verabeitet, für die das Klima in einem Keller wohl ideal war – für die Weber eher nicht so…

Gleich gegenüber steht das Tagelöhnerhaus aus Weidenstetten. Wenn ich geschrieben habe, dass das erste Bauernhaus winzig war, dann war dieses hier mikroskopisch. Ich bin mit 1,70 m nur wenig größer als die durchschnittliche Frau und ohenhin überall angestoßen, aber in diesem Haus konnte ich mich kaum umdrehen, und dann noch die anderen Besucher!

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Der Schlafbereich des Tagelöhnerhauses. Ein eigenes Schlafzimmer gab es nicht, der Alkoven schloss sich direkt an die Stube an.

Trotzdem war das Haus irgendwie gemütlich, und diese Leute müssen tüchtig geschafft haben, es war nämlich alles vorhanden, was man zum Leben in 1957 so braucht, inklusive eines Vorratskellers. Fast jedes Haus hat einen angeschlossenen Bauerngarten, der vom Tagelöhnerhaus war besonders schön:

Bauerngarten
Bauerngarten am Tagelöhnerhaus.

Danach entdeckte ich mein persönliches Highlight: Das Fotoaltelier von Otto Hofmann aus Kircheim unter Teck! Nicht so typisch für ein Dorf, aber hochinteressant! So interessant, dass ich dem Atelier einen eigenen Beitrag widmen werde.

Fotoatelier
Das Atelier wurde in seiner Hoch-Zeit von 1900-1914 gezeigt, hat aber bis 1948 bestanden.

Deshalb schnell weiter zum nächsten Haus: das Öschelbronner Bauernschloss. Die linke Hälfte wird für Versanstaltungen und Tagungen genutzt, unten gibt es eine kleine Ausstellung zum Thema alte Getreidesorten. Die rechte Hälfte ist der museale Teil.

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Das Öschelbronner Bauernschloss. Der museale Teil befindet sich hinter dem Moststand.

Hier gibt es eine fast komplette Einrichtung von 1927 zu sehen – das Haus wurde schon 1799 gebaut und ist gut dokumentiert. Auch hier sind die Bewohner fast noch in den Räumen zu spüren. Was ich hier besonders bemerkenswert fand war eine Tafel im Stall. Ich wusste nicht, dass es innerhalb der Landbevölkerung auch eine Art Schichtaufteilung gab. An reichsten und angesehensten waren die Viehbauern, vor allem die, die Zugtiere besaßen. Dann kam die mittlere Schicht mit den kleineren Tieren und dann die Tagelöhner – und das Gesinde stand noch unter den Tagelöhnern. Ich dachte immer, letzteres wäre umgekehrt gewesen. Die Bewohner des Bauernschlosses jedenfalls gehörten, wie man sich vom Namen her denken kann, zur Oberschicht.

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Die Stube. Alles war mit Papiertapeten tapeziert und schön hell.

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Das Schlafzimmer.

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Die vollständig eingerichtete Küche. Daneben gab es noch eine Vorratskammer inklusive eingewecktem Obst und Gemüse.

Tatsächlich gibt es noch viel mehr zu sehen, als ich hier beschreibe, zum Beispiel eine Schreinerei mit angrenzendem Wohnhaus, in dem alle Möbel vom Schreiner selbst gebaut wurden. Aber ich muss ja nicht alles vorher verraten, oder? Deshalb kommt jetzt noch ein Haus, und den Rest muss man sich selbst anschauen!

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Büro im Rathaus. Das Rathaus wirkte wie eine Zeitkapsel, da es hier die meisten kleinen Alltagsdinge gab.

Das Rathaus mit Lehrerwohnung aus Häslach zeigt das Leben von 1963. Es wurde sogar ein Video mit einer ehemaligen Rathausmitarbeiterin gezeigt, die dort bis 1988 gearbeitet hatte – anscheinend hat sich zwischen 1963 und 1988 im Häslacher Rathaus nicht viel verändert! Das Haus wurde 200 Jahre lang als typisches Rathaus genutzt, es war Rathaus, Schule, Lehrerwohnhaus und Bank gleichzeitig. Das wird auch schön gezeigt. Im Obergeschoss in der Stube steht z.B. ein Schreibtisch, auf dem alle Bankgeschäfte des Dorfes abgewickelt wurden, komplett mit Kasse und Sparbüchern.

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Die Küche der Lehrerwohnung hat mich sehr an die alte Küche meiner Großeltern erinnert.

Diese Sparkasse befand sich in der Stube der Lehrerwohnung, die fast komplett eingerichtet zu besichtigen ist. Am schönsten fand ich natürlich das Kinderzimmer mit Nähecke für die Frau Lehrerin:

Rathaus_3
Man baeachte die Zeitung mit dem Titel „Kennedy erschossen!“.

Während ich in dem beheizten Rathaus war fing es an, stark zu regnen. Es hörte ab und an wieder auf, aber es machte dann keinen rechten Spaß mehr, zumal das Moschtfest in vollem Gange war – nichts gegen Kinder, aber es war teilweise recht laut. Das Moschtfest selber war übrigens sehr schön, es gab viel wissenswertes über alte Apfelsorten, Stände mit allerlei Obsterzeugnissen, Mitmachaktionen und natürlich auch Essen.

Aepfel
Bestimmte alte Apfelsorten sind allergikerfreundlich. Leider habe ich einen Apfel probiert, der wohl nicht von so einem Baum stammte und prompt hat mir der Mund gejuckt.

Des weiteren gibt es auch eine Reihe glücklicher Tiere im Freilichtmuseum Beuren, hier soll nur ein lesendes Schaf stellvertretend für Kaninchen, Hühner, Ziegen und Kühe stehen:

lesendes_schaf
In Beuren sind die Schafe besonders gebildet. Sie lesen sogar kopfüber.

Insgesamt ein toller Tag! Das Freilichtmuseum kann ich empfehlen – nur muss ich dazu sagen, dass es besser ist, gleich mit dem Auto anzureisen. Da Lisa noch arbeiten musste habe ich die Heimreise mit einem Bus, einem Bähnle, einem Regionalexpress und einem Intercity bewältigt, was mich drei Stunden gekostet hat. Abgesehen davon: top!