(Regency-) Kleid mit Überkleid, Teil III. Ändern ist der Schneiderin Handwerk…

Und mein laufendes Projekt, das Regency-Kleid?

Das Ändern des weißen Kleides hat gut geklappt:

Dress
Das sieht doch schon viel besser aus, oder?

Der Sitz des Kleides hat sich komplett verändert. Vorne passt es nun sehr gut, aber die Ansatzlinie fällt nun gleichmäßig nach hinten ab. Ich habe aber beschlossen, das so zu lassen, da ich erhaltene Exemplare gefunden habe, bei denen diese Linie nach oben oder unten geht. Sehr viel mehr Raum zum Ändern habe ich auch nicht mehr.

Das Oberkleid, nun ja, das ist eine ziemliche Katastrophe. Ich habe mir beim Zuschneiden größte Mühe gegeben, die Streifen richtig anzuordnen, trotzdem passen diese nicht an allen Stellen aufeinandern. Das ist besonders vorn ärgerlich. Und dann habe ich bisher eher einen Morgenmantel fabriziert – die Größe M vom Schnitt entspricht eher einer europäischen Größe L! Zum Glück habe ich bisher nur geheftet, deshalb nehme ich dieses Kleid heute auseinander und mache alle Teile ca. 1 cm ringsum kleiner. Ja, es ist wirklich viel zu groß und daher habe ich auch noch nichts zum herzeigen.

Nachtrag:

Ueberkleid
Das sieht doch schon sehr nach dem Modekupfer aus, oder?

The American Duchess Guide to 18th Century Dressmaking

Buchrezension:

Lauren Stowell, Abby Cox: The American Duchess Guide to 18th Century Dressmaking. How to Hand Sew Georgian Gowns and Wear Them with Style, Page Street Publishing Co, Salem 2017.

18th-Century-Dressmaking_JA

Eine kurze Rezension zum gerade erschienen Guide von American Duchess. Das Buch, welches ich Mitte November vorbestellt hatte, kam schon am Erscheinungstag an, nämlich letzten Freitag. Es ist kein Hardcover, aber dennoch solide gemacht. Ein Kartonumschlag, bei dem der Buchblock in der Mitte herauspringt und somit den Buchrücken nicht zerknickt beim Lesen. Dadurch schlägt sich das Buch super flach auf, ideal, um es beim nähen neben der Arbeit liegen zu haben.

Gelesen habe ich zunächst die Einleitungsteile zu jedem Kleid. Es werden eine Englische Robe (1740er), eine Robe á la francaise (Sacque) (1760er bis 1770er), eine Robe á la anglaise (Italian gown, der Namensunterschied wird im Buch erklärt) (177oer bis 1790er) und ein Kleid mit hoher Taille, noch kein Regency-Kleid, aber eine „Round Gown“ (1790er) vorgestellt. Jedem Kleid sind großformatige Fotos vorangestellt, danach folgen ein bis zwei Seiten Hintergrundinformationen und Bilder von erhaltenen Kleidern. Dieser Teil interessierte mich am meisten, da ich gern einen Einblick in die Recherchearbeit anderer Leute haben wollte. Es ist auch gleichzeitig der informativste Teil. Amazon bietet einen schönen Einblick in das Buch, bei dem man auch mal ins Inhaltsverzeichnis schauen kann. Die Anleitungen sind sehr ausführlich, manche, wie das befestigen von Bändern, sind für mich schon irrelevant, dennoch kann ich sicher noch etwas lernen. Vor allem das selbsterstellen von Schnittmustern wird für mich wichtig werden. Zu jedem Kleid werden auch die jeweiligen Accesoires vorgestellt – und am Ende jeden Kapitels gibt es eine Anleitung, wie man das Kleid anzieht! Ganz, ganz wichtig! Wie oft habe ich schin fertig angezogen dagestanden und konnte dann die Schuhe nicht mehr selbst binden…. Gestört hat mich nur, dass, wie die Autorinnen selbst bemängeln, eine Anleitung für eine Schnürbrust (stays) komplett fehlt. Und viele der Bilder sind mit zum Beispiel 2a und 2b beschriftet, im Text gibt es aber nur eine Nummer 2.  Das ist auch Jennifer von Historical Sewing aufgefallen. Aber das schafft man mit halber Geistesleistung als Leser trotzdem zu verstehen. Für mich steht noch das ausprobieren der Anleitungen aus, ich werde wohl zuerst die Anglaise oder Italian Gown ausprobieren, da mir dieser Kleidertyp noch im Kleiderschrank fehlt.

Alles in allem ein schönes Buch, das wohl einen Ehrenplatz in meiner kleinen Handbibliothek bekommen wird!

(Regency-) Kleid mit Überkleid

Den ersten Beitrag zum Thema gibt es hier.

Wie vor kurzem ein kleines bisschen angekündigt gibt es jetzt mehr vom Regency-Kleid mit Überkleid, wie ich es ab jetzt nenne. Zeitlich angesiedelt um 1805, ist es für Großbrittanien die Epoche des Regency und für Frankreich das Empire. In Deutschland bzw. Preußen wäre es wohl die Zeit Friedrich Wilhelm II., auch ein Empire, aber kein so  stilistisch bildendes. Daher, und weil ich großer Jane Austen-Fan bin, ab sofort: Regency!

Als erstes muss das Unterkleid geändert werden. Wie man auf den Fotos vom WGT im ersten Beitrag gut sieht, sitzt das Kleid nicht richtig. Die Taille ist falsch positioniert. Neulich in Ludwigsburg habe ich Originale aus der Zeit studiert. Ich muss definitv die Naht ändern.

ludwigsburg
Besonders im rechten Kleid sieht man deutlich, dass die Taille meines Kleides zu hoch sitzt. Quelle: https://www.pinterest.de/source/zum.de/

Ich habe übrigens auch Originale in Bath, also aus Janes Austens Lebensumgebung, studiert:

Bath
Kleid aus dem Fashion Museum in Bath. Leider fehlen mir alle Informationen, ich habe damals noch kein Notizbuch geführt.

Also, was mache ich: trennen und neu zusammennähen. Dadurch wird das Kleid kürzer, etwa so wie jenes im Hintergrund auf dem Ludwigsburger Bild. Immerhin falle ich dann nicht mehr drüber!

Trennen
Meister, ich bin fertig, darf ich trennen?

Und das Überkleid? Nun, da habe ich mir das Schnittmuster mal zu Gemüte geführt. Und, äh, … was? Das Rückteil ist mit Kellerfalten durchgängig geschnitten? Zum Glück habe ich viel Stoff, dann kann ich das mehrfach ausprobieren!

Schnittmuster
Schnittmuster Rocking Horse Farm 188, Gown with Calf Length Overdress

Der nächste Schritt ist also das Zuschneiden. An dieser Stelle dann später mehr!

Robe a lá Polonaise oder doch lieber Regency….?

Vor einiger Zeit war ich im Karstadt, weil ich Material für einen Rucksack brauchte. Leider hatte Karstadt auch einen Sale für Meterware, und natürlich konnte ich nicht rausgehen, ohne da zugeschlagen zu haben.

Stoff

Das habe ich gekauft: 5m von diesem wundervollen Gemisch (Viskose, Baumwolle, Polyester)! Diese Farbe! Kräftiges violett mit gold, was soll da schon schiefgehen? Gekostet hat mich das Stöffchen nicht mehr als 3 €/m. Historisch korrekt ist natürlich was anderes, aber historisierend geht allemal. Nur, jetzt liegt der Stoff schon seit einiger Zeit in meiner Stofftruhe und ich kann mich immernoch nicht entscheiden, was ich machen soll. Eine Robe á la Polonaise, wie ich schon vier Stück habe? Oder doch eher ein Empire-Kleid, wie ich nur zwei Stück habe? Oder ganz was anderes? Ideen habe ich genug:

Robe a lá francaise
Robe á la Francaise, um 1770-1780, Mint Museum, Inventarnummer: 2003.58A-B

 

Dieses Kleid beweist zumindest, das es violette Roben um 1770 gab. Es ist eigentlich eine Robe á la Francaise, hat also die berühmten Watteaufalten hinten, wird aber auch gerafft gezeigt:

Robe a lá francaise, als Polonaise gerafft
Robe a lá francaise, als Polonaise gerafftum 1770-1780, Mint Museum, Inventarnummer: 2003.58A-B

 

 

Gar nicht schlecht, oder? Eine Polonaise habe ich schon so oft genäht, eine Francaise nur zweimal bisher – und beide Male bin ich an den Falten beinah verzweifelt. Also vielleicht doch etwas einfacheres?

Eine andere Idee wäre ein Empire/Regency-Überkleid wie dieses hier:

Regency
1797, Journal des Luxus und der Moden

Das ist bei näherer Betrachtung eigentlich meine Lieblingsvariante. Ein zart gestreiftes Kleid hätte ich schon:

Regency
Ich in meinem Regency-Kleid.

Ha, ich habe sogar einen Schnitt für das Überkleid, bei dem genannten Schnitt ist ein Überkleid dabei!

Also habe ich jetzt fünf Meter Stoff, vorgewaschen und verarbeitungsbereit, den ich zusätzich zu meinen ohnehin geplanten Nähprojekten in ein Überkleid für mein altes Regency-Kleid verwandeln werde. Demnächst mehr!