Jacke aus den 1770er Jahren

… oder auch: wie unbequem ist das denn?!?

Die Prüfung für Schlösser und Gärten ist vorbei, das WGT habe ich auch überstanden, Zeit, mein letztes Nähprojekt zu präsentieren:

Eine Jacke für die 1770er Jahre.

Im Metropolitan Museum ist eine Jacke in der Art in gelb erhalten, allerdings mit einer anderen Verschlusslösung:

 

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Diese Jacke aus Seide wird vorn ohne Stecker geschlossen, aber von hinten sieht sie genau aus wie meine. Quelle: The Met

Ich wollte mal ein etwas weniger höfisches Gewand anfertigen, etwas bequemes für heiße Tage, eher Richtung bürgerliches Leben des 18. Jahrhunderts. Die Stoffwahl war daher keine Seide, sondern Baumwolle, ungemustert. Ich wollte ursprünglich gelben Stoff nehmen, habe dann aber diesen wunderbaren blauen Stoff gefunden, der auch genau genug vorhanden war. Also blau-weiß statt gelb-weiß. Auch einen Hut gab es schon, den ich neu dekoriert habe. Diesmal historisch korrekter mit einen Streifen Stoff, den ich, mangels Stanzeisen, mit einer Zickzackschere ausgeschnitten habe.

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Das Hutband sieht gleich so viel besser aus!

Das komplette Outfit besteht aus:

  • einer Chemise aus dünnem Baumwoll-Leinen-Gemisch (vorhanden)
  • einem weißen Korsett, das ich neu angefertigt habe, das nur sehr, sehr leicht mit Stäben versehen ist
  • eigentlich weißen Strümpfen, vorhanden, die ich aber aufgrund der Hitze auf den Fotos nicht trage
  • einem Halstuch aus Leinen
  • einem Pokissen, auch neu, in weiß
  • einem Unterrock
  • einem Petticoat, der schon vorhanden war
  • der blauen Jacke mit Stecker
  • und dem Hut

Alles einmal angezogen, und – es ist unglaublich unbequem. Das Korsett mag nicht von hinten mit dem Pokissen gedrückt werden, die Jacke hält vorn nur durch pure Willenskraft zusammen (was sollte das mit den Knöpfen?!?), und zu warm ist es auch!

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Pokissen auffluffen – hier sieht man den Unterrock hervorblitzen. Die Rückseite kommt dem historischen Original sehr nahe.

Auf jeden Fall muss ich Ösen an der Vorderseite ergänzen, und ich würde das ganze gern ohne Korsett tragen können – das ist nicht historisch korrekt, aber so wie es jetzt ist werde ich es nie wieder anziehen wollen. Es sollte leicht und elegant sein, nicht anstrengend!

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Sonniger Tag, daher die Lichtflecke. Hier sieht man die Schnürung vorn über dem Stecker, und wie alles nur hält, weil ich das so will. Verrutscht ist es auch schon. Eigentlich soll der Stecker am Korsett festgesteckt werden, aber ich werde ihn wohl vorn in die Jacke mit Haken und Augen einhängen.

Allerdings hat es Spaß gemacht, die Jacke zu nähen. Ich musste das Schnittmuster (J. P. Ryan, A fine Collection of 18th Century Jackets, View B) sehr viel kleiner machen, da mir Größe 10 viel zu Groß war, aber die Passform ist ganz gut, finde ich. Alle sichtbaren Nähte sind diesmal von Hand genäht, deshalb hat das ganze Projekt länger gedauert, als ich dachte, aber es hat sich gelohnt.

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Sommer, Sonne, unbequem. Ich hoffe die Zugfalten an der Vorderseite der Jacke gehen weg, wenn ich den Verschluss ändere.

 

(Regency-) Kleid mit Überkleid, Teil V

Manchmal ist das Hobby, Kleider nach zu produzieren, einfach anstrengend. Heute habe ich sechs (!) Stunden damit zugebracht, ein einfaches Futter in das Kleid zu bringen. Ich habe doch noch ein Stück dünnen Baummwollstoff in der Stofftruhe gehabt, der genau gereicht hat.

Dabei habe ich mir den bekannten Modekupfer nochmal angesehen, denn ich wollte auch noch die Spitze für den Ausschnitt des weißen Kleides aussuchen und bestellen. Diesmal habe ich das Bild nicht aus meinem Blog, sondern aus dem Ordner für den Blog gezogen, und daneben ist dieses Bild abgespeichert:

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Oha, andere Ärmel, anderer Verschluss, aber gestreift!

Leider, leider habe ich mir selbst einen Stein in den Weg gelegt: keinerlei Info, was das für ein Kleid ist oder woher ich das Bild habe! Kann es ein Original sein?

Am Ende habe ich die Google-reverse-Bildersuche bemühen müssen. Das Ergebnis ist leider ein bisschen enttäuschend: es ist ein Filmkostüm. Es gab als Quelle bei Pinterest wornthrough.com an, und bei der Bildersuche stand einmal „Purple Regency-style gown with pelisse – FIDM 2009 Emmy exhibit, costumes from the film Sense and Sensibility“ dabei, aber nicht, auf welcher Seite diese Worte stehen. Auf wornthrough.com habe ich trotz aller Suche keinen Zusammenhang finden können. Letztendlich war ich wohl einfach blind, denn ich kenne den Film:

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BBCs „Sense and Sensiblity“, 2008, das Kleid getragen von Hattie Morahan als Elinor. Quelle: rushblog

Nun ja, ich liege mit meiner Interpretation des Modekupfers wohl nicht ganz falsch, wenn die Filmleute, die ihre Recherchearbeit definitv gut gemacht haben, diese Art Kleid ähnlich interpretieren.

Jetzt ist das Futter drin und die neue Spitze bestellt.

Futter
Es gibt nicht viel zu sehen. Die Bänder, die an den Bügel geknotet sind, sind die Haarbänder.

 

(Regency-) Kleid mit Überkleid, Teil IV

Der letzte Stand hier war ja ein anziehbares Objekt, das noch keinen Verschluss hatte, keinen Saum um den Ausschnitt rum und auch noch zu kurz war. Den Saum um den Ausschnitt habe ich nicht abfotografiert, es war eigentlich nur umlegen und festnähen. Da ich es nicht über mich bringe, historisch korrekt zu arbeiten – was bei meiner Stoffwahl auch verschwendete Mühe wäre – habe ich alle Nahtzugaben mit der Overlockmaschine versäubert, sodass „umlegen und festnähen“ immernoch eine saubere Lösung ist.

Es folgt das verlängern des Kleides. Da der Stoff nicht in Webrichtung gestreift ist, sondern gerade andersherum, konnte ich die langen Teile nicht einfach unten verlängern, sondern musste ansetzen. Ansetzen immerhin ist historisch korrekt, aber kein Spaß, wenn man Streifen genau aneinander passen muss. Am Ende hat es auch nur fast geklappt.

Ansetzen
Ansetzen der vorderen beiden, umgeschlagenen Streifen am Rockteil. Die Streifen habe ich so genau wir möglich aufeinander gelegt. Dort, wo die Nadeln sind, wird später die Naht laufen.

Jetzt fehlt noch der Verschluss:

Regency
Zu Erinnerung der Modekupfer aus dem Journal des Luxus und der Moden.

Eigentlich sind es nur zwei Bänder, die das Kleid vorn zusammen halten.

Zuschnitt Streifen
Also schneide ich aus dem Stoff ein paar schmale Streifen, versäubere diese wieder historisch unkorrekt und mache ein paar einfache Bänder daraus.

Auf der einen Seite sind die Bänder angenäht, auf der anderen habe ich Haken und Augen eingesetzt. Und siehe da:

Fertiges-Kleid
Fertig!

Die Haare sind nur ein Stand-In, aber so in etwa könnte es aussehen. Bänder für die Haare habe ich auch gleich noch gemacht. Das Kleid schleppt nur ein paar Zetimeter, fällt aber genau wie auf dem Modekupfer, da ich die unteren 60 cm mit dem selben Stoff wie dem Oberstoff gefüttert habe. Man sieht das Ende dieser Fütterung noch, denn noch fehlt ein Futter für das Oberteil, das dann dieses Ende überdecken würde. Die Schleppe ist dadurch schön schwer geworden. Meine Ärmel sind ganz anders als auf dem Modekupfer, da ich endlich die im Schnittmuster vorgegebenen Raffungen einigermaßen hinbekommen habe wollte ich das nicht ändern. Mein Unterkleid ist natürlich anders – ich habe von dem gestreiften Stoff  nichts mehr, um die Ärmel anzupassen. Zartgelbe Handschuhe fallen dann also auch weg. Was noch im machbaren Bereich liegt ist die Tasche. Das weiße Kleid bekommt noch eine Halsrüsche.

Insgesamt ist es mehr ein get-the-look-Projekt denn eine richtige Nachfertigung des Modekupfers. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Es hat eine ganze Weile gedauert, vor allem das Verkleinern war viel Aufwand. Mit den Details, die noch hinzugefügt werden können wäre dieses Ensemble sogar etwas für das nächste WGT….

(Regency-) Kleid mit Überkleid, Teil III. Ändern ist der Schneiderin Handwerk…

Und mein laufendes Projekt, das Regency-Kleid?

Das Ändern des weißen Kleides hat gut geklappt:

Dress
Das sieht doch schon viel besser aus, oder?

Der Sitz des Kleides hat sich komplett verändert. Vorne passt es nun sehr gut, aber die Ansatzlinie fällt nun gleichmäßig nach hinten ab. Ich habe aber beschlossen, das so zu lassen, da ich erhaltene Exemplare gefunden habe, bei denen diese Linie nach oben oder unten geht. Sehr viel mehr Raum zum Ändern habe ich auch nicht mehr.

Das Oberkleid, nun ja, das ist eine ziemliche Katastrophe. Ich habe mir beim Zuschneiden größte Mühe gegeben, die Streifen richtig anzuordnen, trotzdem passen diese nicht an allen Stellen aufeinandern. Das ist besonders vorn ärgerlich. Und dann habe ich bisher eher einen Morgenmantel fabriziert – die Größe M vom Schnitt entspricht eher einer europäischen Größe L! Zum Glück habe ich bisher nur geheftet, deshalb nehme ich dieses Kleid heute auseinander und mache alle Teile ca. 1 cm ringsum kleiner. Ja, es ist wirklich viel zu groß und daher habe ich auch noch nichts zum herzeigen.

Nachtrag:

Ueberkleid
Das sieht doch schon sehr nach dem Modekupfer aus, oder?

The American Duchess Guide to 18th Century Dressmaking

Buchrezension:

Lauren Stowell, Abby Cox: The American Duchess Guide to 18th Century Dressmaking. How to Hand Sew Georgian Gowns and Wear Them with Style, Page Street Publishing Co, Salem 2017.

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Eine kurze Rezension zum gerade erschienen Guide von American Duchess. Das Buch, welches ich Mitte November vorbestellt hatte, kam schon am Erscheinungstag an, nämlich letzten Freitag. Es ist kein Hardcover, aber dennoch solide gemacht. Ein Kartonumschlag, bei dem der Buchblock in der Mitte herauspringt und somit den Buchrücken nicht zerknickt beim Lesen. Dadurch schlägt sich das Buch super flach auf, ideal, um es beim nähen neben der Arbeit liegen zu haben.

Gelesen habe ich zunächst die Einleitungsteile zu jedem Kleid. Es werden eine Englische Robe (1740er), eine Robe á la francaise (Sacque) (1760er bis 1770er), eine Robe á la anglaise (Italian gown, der Namensunterschied wird im Buch erklärt) (177oer bis 1790er) und ein Kleid mit hoher Taille, noch kein Regency-Kleid, aber eine „Round Gown“ (1790er) vorgestellt. Jedem Kleid sind großformatige Fotos vorangestellt, danach folgen ein bis zwei Seiten Hintergrundinformationen und Bilder von erhaltenen Kleidern. Dieser Teil interessierte mich am meisten, da ich gern einen Einblick in die Recherchearbeit anderer Leute haben wollte. Es ist auch gleichzeitig der informativste Teil. Amazon bietet einen schönen Einblick in das Buch, bei dem man auch mal ins Inhaltsverzeichnis schauen kann. Die Anleitungen sind sehr ausführlich, manche, wie das befestigen von Bändern, sind für mich schon irrelevant, dennoch kann ich sicher noch etwas lernen. Vor allem das selbsterstellen von Schnittmustern wird für mich wichtig werden. Zu jedem Kleid werden auch die jeweiligen Accesoires vorgestellt – und am Ende jeden Kapitels gibt es eine Anleitung, wie man das Kleid anzieht! Ganz, ganz wichtig! Wie oft habe ich schin fertig angezogen dagestanden und konnte dann die Schuhe nicht mehr selbst binden…. Gestört hat mich nur, dass, wie die Autorinnen selbst bemängeln, eine Anleitung für eine Schnürbrust (stays) komplett fehlt. Und viele der Bilder sind mit zum Beispiel 2a und 2b beschriftet, im Text gibt es aber nur eine Nummer 2.  Das ist auch Jennifer von Historical Sewing aufgefallen. Aber das schafft man mit halber Geistesleistung als Leser trotzdem zu verstehen. Für mich steht noch das ausprobieren der Anleitungen aus, ich werde wohl zuerst die Anglaise oder Italian Gown ausprobieren, da mir dieser Kleidertyp noch im Kleiderschrank fehlt.

Alles in allem ein schönes Buch, das wohl einen Ehrenplatz in meiner kleinen Handbibliothek bekommen wird!

(Regency-) Kleid mit Überkleid

Den ersten Beitrag zum Thema gibt es hier.

Wie vor kurzem ein kleines bisschen angekündigt gibt es jetzt mehr vom Regency-Kleid mit Überkleid, wie ich es ab jetzt nenne. Zeitlich angesiedelt um 1805, ist es für Großbrittanien die Epoche des Regency und für Frankreich das Empire. In Deutschland bzw. Preußen wäre es wohl die Zeit Friedrich Wilhelm II., auch ein Empire, aber kein so  stilistisch bildendes. Daher, und weil ich großer Jane Austen-Fan bin, ab sofort: Regency!

Als erstes muss das Unterkleid geändert werden. Wie man auf den Fotos vom WGT im ersten Beitrag gut sieht, sitzt das Kleid nicht richtig. Die Taille ist falsch positioniert. Neulich in Ludwigsburg habe ich Originale aus der Zeit studiert. Ich muss definitv die Naht ändern.

ludwigsburg
Besonders im rechten Kleid sieht man deutlich, dass die Taille meines Kleides zu hoch sitzt. Quelle: https://www.pinterest.de/source/zum.de/

Ich habe übrigens auch Originale in Bath, also aus Janes Austens Lebensumgebung, studiert:

Bath
Kleid aus dem Fashion Museum in Bath. Leider fehlen mir alle Informationen, ich habe damals noch kein Notizbuch geführt.

Also, was mache ich: trennen und neu zusammennähen. Dadurch wird das Kleid kürzer, etwa so wie jenes im Hintergrund auf dem Ludwigsburger Bild. Immerhin falle ich dann nicht mehr drüber!

Trennen
Meister, ich bin fertig, darf ich trennen?

Und das Überkleid? Nun, da habe ich mir das Schnittmuster mal zu Gemüte geführt. Und, äh, … was? Das Rückteil ist mit Kellerfalten durchgängig geschnitten? Zum Glück habe ich viel Stoff, dann kann ich das mehrfach ausprobieren!

Schnittmuster
Schnittmuster Rocking Horse Farm 188, Gown with Calf Length Overdress

Der nächste Schritt ist also das Zuschneiden. An dieser Stelle dann später mehr!