Was ist eigentlich Kunst?

Ich brauche eine Freundin. Alle meine Freunde sind Jungs, und irgendwie scheinen sich Mädchen eher für Dinge wie die obige Frage zu interessieren. Das gesagt möchte ich eine Unterhaltung wiedergeben, die ich mit meiner Arbeitskollegin Simone hatte. Simone ist 14 Jahre älter als ich, und würden wir nicht eh 8 Stunden die Woche gemeinsam verbringen wäre ich gern mit ihr befreundet. (Auch wenn wir uns ohne die Arbeit nie kennen gelernt hätten.) Manchmal hebe ich mir Themen auf, über die ich Simone mal befragen will, denn sie hat immer noch eine Idee oder einen anderen Blickwinkel auf die Dinge. Diesmal hat sie von einer Theateraufführung erzählt, in der auch gefragt wurde: „Was ist Kunst?“. Und da haben wir beide, sitzend zwischen Kunst in einer Galerie, überlegt. Ich kann nur sagen: ich habe 13 Semster lang Kunstgeschichte studiert und ich habe keinen Schimmer, was Kunst ist. Mein Lieblingssatz ist aber „Das kann ich auch“, und Simones Antwort darauf war „Du hast es aber nicht gemacht“, was Stichpunkt eins ist: die Idee dahinter. Sei es nun eine Bildidee oder ein Theaterstück, eine erklärbare Idee ist das erste, was etwas zu Kunst macht. Kann der Künster/die Künstlerin das ganze dann auch noch handwerklich sinnvoll umsetzten, im Falle vom Theater ist das dann etwas offener, je nach Schauspielern/Regisseuren/Regieassistenten/…, dann wirds langsam richtig kunstvoll. Hat die betreffende Künstlerin/der betreffende Künstler dann auch noch Talent, dann ergeben die drei Dinge ein Kunstwerk. Im Fall von Musik ist das, finde ich, ganz arg wichtig. Man kann viel mit Übung wettmachen, aber eben nicht alles (siehe Florence Foster Jenkins). Der letzte Punkt, der Simone und mir eingefallen ist, ist allerdings sehr subjektiv: Die Kunst sollte eine Emotion beim Rezipienten auslösen. Manche Sachen sind mit Idee, Handwerk und Talent gemacht, aber zur falschen Zeit am falschen Ort, und dann erfolglos, weil die ausgelöste Emotion nicht ins Zeitgefühl passt. Oder man spricht die falschen Leute an. Oder die absolut richtigen, und dann wird’s ein Erfolg. Das weiß man leider nie. Aber das Kunst Emotionen auslöst ist klar – manchmal sind es auch Emotionen wie Abscheu. Da sind wir dann stehen geblieben. Für weitere Ideen bin ich offen!

Senbazuru

Ich hatte mir im März spontan eine kleine Packung Origami-Papier gekauft. Wie man Origami faltet wusste ich ja schon vom 35C3. In dieser 10x10cm Packung waren 50 Blatt Origami-Papier mit verschiedenen Mustern, und ich hatte schnell die ganze Packung leer gefaltet. Ausschließlich Kraniche, weil mir dieses Modell am besten gefallen hat (und ich mich an eine Geschichte mit 1000 Kranichen dunkel erinnern konnte). Einen Teil der Kraniche habe ich auf Zwirn gezogen und Girlanden drauß gemacht, die anderen landeten in einer Box. Das hat so viel Spaß gemacht, das ich noch mehr falten wollte. Zu etwas anderem hatte ich auch kaum Lust, nicht mal zum Netflix schauen oder so. Totale Unlust. Nur Kraniche falten ging als Ausgleich. Leider war dann erst mal ein Paar Tage Faltpause, gezwungenermaßen. Mein Paket mit dem neuen Papier, diesmal 7x7cm, wurde über DPD versendet und hatte Probleme, zu mir zu finden. Es kam schließlich ein kleiner Würfel Papier an:

Ein japanisches Senbazuru-Set! Es enthält genau 1005 Blatt Papier für eben 1000 Kraniche (plus 5, falls etwas nicht klappt).

Die Packung an sich ist ja schon total hübsch, aber der Inhalt auch: 12 verschiedene Farben, die sich als Regenbogen zusammensetzen lassen. Das Muster ist auf allen Blättern gleich. Damit war entschieden: ich mache ein Senbazuru! Derweil hatte ich die Sache mit den 1000 Kranichen nachgeschlagen und bin dabei auf Sasaki Sadako gestoßen und auf diesen Artikel, der eigentlich schon alles wieder gibt, was es zu wissen gibt.

Hier sieht man den Regenbogen schön, auch wenn nicht alle Farben dabei sind.

Derzeit bin ich bei 86 Kranichen. Ich falte zwischen einem und 16 am Tag. Ich zähle die ersten 50 Kraniche mit, sodass ich am Ende 55 Blatt von dem 7x7cm-Papier über haben sollte. Ich will nicht nur viele Kraniche haben, sondern auch schöne Kraniche, was mich ein bisschen verlangsamt. Ich versuche schon, exakt zu falten.

Kranich-Armee, und das ist nur ein Teil der kleinen Kraniche.

Was ich mit den 1000 Kranichen mache weiß ich noch nicht. Ich ziehe wie gesagt einige auf Girlanden auf, und auf Instagram wurde auch schon angefragt, ob ich welche verschenken will. Das ist gar keine dumme Idee, Kraniche verschenken bringt dem Empfänger nämlich Glück.

Gruppe türkiser Kraniche.

Kraniche falten entspannt tatsächlich. Es fordert die für mich gerade richtige Menge an Konzentration.

Links einer von den großen Kranichen, rechts ein farblich passender kleiner.
Zwei besonders schöne rosane Kraniche.

Die Kraniche befriedigen außerdem meinen Sinn für Ästhetik. Das zusammestellen der Girlanden und zusammesetzen der farblich passenden großen und kleinen Kraniche macht auch total Spaß.

Traditionelle japanische Muster.
Der aktuelle Zustand der Box. Ich glaube, ich brauche mal wieder eine neue Box…
Die Origami-Ecke. Alles gefaltete von mir, die Girlande mit den Schmetterlingen ist das Ergebnis vom 35C3, die runden Scheiben habe ich von einem Künstler geschenkt bekommen.

Unter Hackern

Dieser Beitrag wird bis zum Ende des Kongresses bearbeitet und erweitert. Viel Spaß mit der finalen Version 5!

Live vom 35. Chaos Communication Congress in Leipzig

Ich sitze in Halle 2 an einem Tisch bei den Futterständen. Hinter mir ist eine helle Lampe, sonst ist mein Handy oft das hellste in meiner direkten Umgebung. Musik unbestimmten Genres (Ambient?) läuft, aber nicht zu laut. Das Geräusch von Gesprächen liegt über der Halle, die gefüllt ist mit inspirierten Leuten, die an Projekten arbeiten, sich austauschen, basteln. LED-Lichter und Glitzer setzen Akzente. Die allgemein akzeptierte Anweisung, jeden Menschen im Foto vorher zu fragen sorgt für eine extrem entspannte Atmosphäre. Ist doch egal ob meine Haare richtig liegen, es wird nicht ohne meine Zustimmung festgehalten. Generell ist es bei den Hackern egal, ob du Männlein, Weiblein, Kindlein oder irgendwas dazwischen bist. Das ist sehr, sehr angenehm. Geschaut wird höchstens, wenn man ein interessantes Objekt mit sich trägt. Das können blinkende Rucksäcke, Haarschmuck oder beleuchtete Taschen sein. Hat man ein Fahrgerät – Roller, fliegender Teppich, Skates, Longboard, Sessel, Getränkekasten… – macht das die Wege kürzer, man wird aber gut im Ausweichen. Als Fahrer wie auch als Fußgänger. Richtig voll ist es nie, auch das hinaus- und hineingehen in die Vortragssäle klappt ohne Gedränge und Gedrücke. Dafür sorgen auch die unzähligen Engel, wie die freiwilligen Helfer genannt werden. Man kommt schnell ins Gespräch, über fachliches, aber auch einfach mit dem Nebentisch zum Thema Podcasts.

C3Croc
Dieses Bild ist tatsächlich von Tag zwei, als das C3Croc noch relativ sauberes Wasser hatte. Es bewacht die Skulpturen.

Für mich nicht ganz Neuland, aber in den Dimensionen schon. Ich war zweimal auf der Gulasch Programmier Nacht in Karlsruhe, aber dort nur als Kurzbesucher. Der CCC bespielt die komplette Neue Messe Leipzig, kein Vergleich zur handlichen GPN. Die schiere Größe des Events stört allerdings die Atmosphäre kaum, es bleibt kreativ.

Mich haben vor allem die Vorträge (Talks) angezogen. Als Kunsthistorikerin völlig fachfremd kann ich hier definitiv etwas Neues lernen. Manchmal fällt es mir schwer, wach zu bleiben (ich hätte mich im Studium nicht auf Wissen schlafend diffundieren trainieren sollen…), was aber nicht an der Qualität der Talks liegt. Bisher habe ich fünf Talks besucht, deren Themen von „How does the Internet work?“ bis zu „The good, the strange and the ugly in 2018 art&tech“ reichten. Ich habe jetzt eine dunkle Ahnung, wie mein Laptop mit Hilfe von Routern und Servern Internetseiten auf meinen Bildschirm bringt. Ich habe einen Ausflug in mein eigenes Fach gemacht und Kunst mit Technik verknüpft gesehen und die soziologische und ökologische Komponente vorgestellt bekommen. Ich werde so viel neues Wissen, Inspiration und Motivation vom CCC mitnehmen, das es für das ganze Jahr 2019 reicht!

Ada
Die Vögel wurden während des Congresses rehabilitiert. Die Dame ist Ada Lovelace, die als erste Programmiererin angesehen wird.

Im folgenden möchte ich einige der Talks hervor heben, die mir besonders viel mitgegeben haben. (Am Ende des Beitrags gibt eine Liste aller Talks, die besucht habe.) Da wäre zum Ersten der Talk über Datenschutz, der mich daran erinnert hat, die AGB von meiner eigenen Arbeitsstelle genauer lesen zu wollen, ob es da mit rechten Dingen zugeht. Die neuen Polizeigesetze in den einzelnen Bundesländern sind… Mir fehlen die Worte. (Dieser Talk war bis auf den letzten Platz besetzt.) Nico Semsrott verpackt Wahrheiten auf deprimierende Weise und bringt die volle Halle trotzdem zum Lachen. Ich lerne, wie ich mich bei eventuellen Hausdurchsuchungen durch die Polizei zu verhalten habe und welche Rechte ich habe und was ich tue, wenn die andere Seite meine Rechte nicht kennt.

Es gibt neben den Talks auch Workshops. Bisher habe ich einen Origami-Faltworkshop besucht. Dieser war so gut gefüllt, das das vorn erlernte Falten per mündlichem Wissenstransfer nach hinten durchgegeben würde und sich gegenseitig geholfen wird. Ich bin absolut begeistert, wie durch spontane Zusammenarbeit drei Origamitiere von allen Teilnehmern gefaltet werden konnten. Wenn mein nächster Workshop auch so läuft („Sewing with Electricity“)…! „Be excellent to each other!“ live und in Aktion!

Glaswurst
Nachts verwandelt sich die Glaswurst, sonst als Glashalle bekannt, in eine bunte Partyhalle mit Bars und Licht.

Es gab bereits einige Planänderungen. Statt der Doku „All creatures welcome“ war ich dann in Martin Sonneborns Satire aus dem Inneren des EU-Parlaments. Diese Veranstaltung wurde nicht gefilmt und ich kann sie somit nicht nachholen, anders als den Film. Davor hat Joscha einen Talk über den „Ghost in the Machine“ gehalten, den ich unbedingt nochmal gucken muss. Ich gebe zu, ich habe nicht alles genau verstanden, ich habe dennoch einige hochspannende Konzepte für mein eigenes Denken mitgenommen.

Wir haben einen Krankheitsfall in der Gruppe. Ich bleibe noch ein wenig daheim, um als nächstes herauszufinden, welche Daten Amazon über uns speichert. Das geht auch per Livestream.

Ich muss ständig fragen, welches Datum wir haben und welcher Wochentag ist (Ist Sonntag? Haben die Läden auf? Ah, nein, Samstag, Apotheke hat auf). Es verwirrt mich, ich finde es aber saugut. Richtig Pause von der Alltagswelt!

Amazon speichert alles, was nicht wirklich überraschend ist. Viel interessanter waren die Hinweise am Schluss des Talks, wie man an seinen Datensatz heran kommt. Das ist nämlich gar nicht so einfach, obwohl Amazon gesetzlich verpflichtet ist, dem Benutzer seine gespeicherten Daten zu geben. Ich fahre auf die Messe, nur um dann 45 min im CCL entspannt herumzusitzen und der Musik dort zu lauschen. Es folgt der Workshop, auf den ich mich schon den ganzen Congress freue. Und es war super! Ich habe es zwar nicht geschafft, meinen genähten Stromkreis zum laufen zu bringen, weiß aber, was ich falsch gemacht haben könnte und werde es daheim nochmal versuchen. Helen Leigh hat einen wunderbaren Job gemacht, viele Teilnehmer hatten am Ende einen drückbaren Stoffschalter. Und wieder waren alle Teilnehmer/innen sehr nett und hilfsbereit.

„Internet of Dongs“ ist, nach was es klingt: per App gesteuerte Vibratoren haben enorme Sicherheitslücken. Der Vortrag war kurz und knackig, und die Sicherheitslücken sind derartig lächerlich, das sogar ich einigermaßen beim Hacken mitgekommen bin.

Heute lag das Ende von Anfang an in der Luft. Die Teilnehmer scheinen alle übermüdet und geschafft zu sein, und auch meine Gruppe schafft nur noch zwei Talks und einen Kaffee. Als wir das Messegelände verlassen hat das Abbauen bereits begonnen. Ich möchte eigentlich noch nicht gehen und freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr.

Ich habe insgesamt das Gefühl, hier richtig zu sein. Der Congress und seine Teilnehmer gibt mir Hoffnung, das die menschliche Welt vielleicht doch noch geändert und besser gemacht werden kann.

Und noch etwas: kein Mensch braucht binäre Toiletten. Wir gehen da alle einfach nur kacken.

Nachtrag: Ich habe mich, statt für die Abreise zu packen, nochmal an mein Projektchen aus dem Workshop „Sewing with Electricity“ gesetzt und siehe da, jetzt leuchtet es (es war tatsächlich ein Fehler in der „Verkabelung“):

Persönlicher Fahrplan (Adams, Borg, Clarke etc. sind die jeweiligen Vortragssäle. Wer die Talks nachschauen will schaut bitte hier: https://media.ccc.de/c/35c3 )

Tag 1

  • Datenschutz für Neulandbürger – Beata Hubrig – Clarke
  • How does the Internet work? – Peter Stuge – Borg
  • Origami-Workshop
  • Transmission Control Protocol – Hannes Mehnert – Dijkstra
  • Polizeigesetze – Marie Bröckling, Constanze Kurz – Adams
  • Freude ist nur eun Mangel an Information – Nico Semsrott – Adams

Tag 2

  • Verhalten bei Hausdurchsuchungen – qbi, Kristin Pietrzyk – Borg
  • The good, the strange and the ugly in 2018 art&tech – Régine Debatty – Clarke
  • The Ghost in the Machine – Joscha – Adams
  • Meine Abenteuer im EU-Parlament – Martin Sonneborn – Adams

Tag 3

  • Archäologische Studien im Datenmüll – Letty, Katharina Nocun – Adams
  • Sewing with Electricity – Workshop – Helen Leigh
  • Internet of Dongs – Werner Schober – Borg

Tag 4

  • Netzpolitischer Wetterbericht – Markus Beckedahl – Adams
  • Secuity Nightmares 0x13 – frank, Ron – Adams

Georgiana, Duchess of Devonshire

Eine meiner liebsten historischen Figuren ist Georgiana Spencer, verheiratete Duchess of Devonshire (1757-1806). Ihr Leben war interessant in einer interessanten Zeit, und die überlieferten Portraits von ihr sind einfach toll. Sie hat nur die besten Maler ihrer Zeit beauftragt. Deshalb soll es hier gar nicht um ihr Leben gehen, der englische Wikipedia-Artikel ist sehr gut, da kann man das nachlesen. Aber die Bilder in dem Artikel, uhhh! Ich poste die Bilder mal hier, Anschauungsmaterial! Viel Spaß!

Angelica_Kauffmann_Portrai_2
Georgiana kurz vor der Hochzeit mit dem Duke of Devonshire mit ihren Geschwistern Henrietta und George, von Angelica Kauffmann, 1774.

Joshua_Reynolds_-_Georgiana
Gerogiana, Duchess of Devonshire, 1775-76 von Joshua Reynolds.

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Mein Favorit: Georgiana of Devonshire von Thomas Gainsborough, 1783.

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Das „Portraithut“-Bild. 1785-87 von Thomas Gainsborough.

 

Holzschnitt aus Nagasaki

Manchmal bekomme ich interessante Sachen auf der Arbeit zum Rahmen. Diese Woche ist es ein Holzschnitt aus Japan, bei dem der Rahmen noch ganz war, aber das Glas zerbrochen. Ich konnte den Kunden überreden, den Rahmen zu behalten, weil ich fand, dass er gut zum Bild passt und ich auch beim Drehen des Bildes auf der Rückseite ein Etikett gefunden habe, das besagt, das das Bild in Japan gerahmt worden ist. Das war am Ende auch gut so, denn der Rahmen ist etwas ganz besonderes:

Rahmenecke
Eine etwas abgestoßene Rahmenecke.

Was hier zu sehen ist klassische japanische Holzverbindungen. Der Rahmen wurde nicht, wie in Europa üblich, getackert, genagelt oder geklebt, sondern über einen Zapfen verbunden (der dunkle Stich). Sowas gibt es zwar auch heute in Europa, es ist aber unbeschreiblich teuer. Außerdem sind die Japaner für Ihre perfekten und kunstvollen Holzsteckverbindungen bekannt.

Der Inhalt des Bilderrahmens ist eine Karte von Nagasaki:

Passepartout
Die Karte, hier im neuen Passepartout.

Eindeutig ein Holzschnitt in zwei Farben, schwarz und blau. Das Blau ist ziemlich versetzt zum Schwarz. Das Schnitt selber wurde schon einmal restauriert, er ist nämlich auf ein dünnes Trägerpapier aufgeklebt.

Laut dem Etikett auf der Rückseite ist es ein Holzschnitt von 1802, vom Verleger Bunkin-Do. Laut dem Printing Museum Tokio wurden diese Holzschnitte vor allem zwischen 1790 und 1830 für ein ausländisches Publikum als Souvenir hergestellt.

Etkett
Bunkin-Do ist das Verlagshaus, dass das Etikett in Englisch ist weist wiederum auf ein Souvenir hin.

Ich freue mich, dass der Kunde sich für entspiegeltes Glas entschieden hat, das auch über eine erhöhten UV-Schutz im Vergleich zu normalem Glas verfügt. So bleibt sein Holzschnitt lange schön.

fertiges-Bild
Das fertig neu gerahmte Bild.

Was macht eigentlich eine Galerieassistentin?

Nachdem ich mein ganzes Studium der Kunstgeschichte gefragt worden bin, was man eigentlich damit macht, werde ich jetzt gefragt, was ich als Galerieassistentin so mache. (Das hört wohl nie auf…)

Also, was mache ich den ganzen Tag über?

Ich arbeite in der Modern Art Gallery. Zunächst berate ich Kundinnen, die sich einen Rahmen für ein bereits vorhandenes Bild aussuchen wollen. Ich habe über 2000 Rahmenmuster zur Verfügung, und es sei gesagt, dass ich mich ganz gut auskenne und durchaus von etwas abraten kann, was vielleicht dem Kunden supergut gefällt, aber nicht zum Bild passt oder umgekehrt. Sprich, ich stupse Leute in die richtige Richtung, bin aber auch bereit, etwas Verrücktes auszuprobieren. Es gibt so viele tolle Bilderrahmen!

Rahmen
Rahmenmuster von einer Firma names Klüber.

Hier kommt dann meine handwerkliche Ausbildung ins Spiel: Ich rahme die Bilder dann auch ein. Je nachdem wie groß das Bild ist bekomme ich entweder Rahmenstücke direkt vom Hersteller oder einen Leerrahmen, und dann handwerke ich los.

Das zweite große Thema sind die Originale, von denen die Gallery am meisten im Bereich Grafik führt. Radierungen, Serigrafien, Carborundum-Radierungen, Collagen, alles ist dabei. Malerei und Zeichnung natürlich auch, auch gibt es vereinzelt Skulpturen. Viel limtierte Sachen, und da diese preislich eher im Mittelfeld sind, macht es am meisten Spaß, die zu verkaufen.

Ansonsten bin ich auch für die Kasse, das führen den Bestellbuchs, allerlei Organisatorisches und manchmal auch für die Webseiten-Betreuung zuständig.

Und ich kann mit jeder Menge Kunst umgehen:

Regen
Ich kann leider nicht erzählen, welche Kundin es gebracht hat, Datenschutz und so.

Dieses Bild ist ein Aquarell, das eine Kundin zum einrahmen vorbeigebracht hat. Der Rahmen ist bereits ausgesucht und bestellt, und ich habe hier das Passepartout ausgeschnitten und das Bild mit speziellem, säurefreien Klebeband im Passepartout befestigt. Das Band muss säurefrei sein, damit es über die Zeit nicht das Papier des Bildes übersäuert und braune Flecken macht. Die Briefbeschwerer helfen beim Ankleben.

Manchmal bringen Kunden auch lustige Sachen, also, für mich lustig:

Karte
Historische Karte von Leipzig, vor 1990.

Also, ich lebe ja im Südwesten Deutschlands, und es ist immer schön, Zugewanderte zu treffen. Lustig für mich, das der Kunde mir eine Karte meiner eigenen Heimatstadt bringt! Auch hier ist das Passepartout schon drum.

Spezialfälle gibt es immer wieder:

Puppen1
Handgemachte Puppen, die so gerahmt werden müssen, dass zwischen ihnen und dem Glas genug Platz ist.

Dieses Platz schaffen nennt man „hochbauen“. Ich bin nicht immer begeistert vom Hochbauen, vor allem, wenn es viele Bilder hintereinander sind, da ich Ruhe brauche, um sehr exakt alles zuzuschneiden und einzukleben. Zum Glück habe ich einen tolle Kollegin! Zu zweit geht alles besser.

Puppen2
Seitlich in den Rahmen fotografiert, damit man das Hochbauen besser sieht.

Anderseits ist die Herausforderung manchmal wirklich gut, denn das Tagesgeschäft kann auch in einer Galerie manchmal langweilig sein. Meine Chefin ist total auf Zack, was den aktuellen Zeitgeschmack betrifft, und bringt oft neue Kunst mit, aber dennoch. Ein komplizierter Auftrag ist gleichzeitig toll und nervig.

Libelle
Nochmal hochgebaut. Eine echte Libelle, die letzten Sommer leider im Ladengeschäft verunglückt ist. Man kann fast alles einrahmen.

Manchmal schlagen meine eigenen Ideen mir den Boden unter den Füßen weg. Ein Stoffbild zwischen zwei Glasscheiben rahmen? Klar, machen wir!

Nur wie?

Mandala
Zweiseitiges Stoffmandala, beidseitig sichtbar gerahmt.

Am Ende wurde es eine ganz clevere Lösung, die wir drei „Guardians of the Gallery“ uns ausgedacht haben: auf der Rückseite dieses Rahmens ist ein zweiter Rahmen eingehängt, in den wiederum einen Leiste geklebt ist, die alle Aufbauten im Inneren verdeckt.

Ihr seht, fast alles ist möglich.

So, das war ein kleiner Einblick in mein Tagesgeschäft. Man kann also doch etwas aus einem Studium in Kunstgeschichte und einer Ausbildung zur Buchbinderin machen…. 😉

NACHTRAG:

Der Regentag fertig gerahmt:

Regentag

Außerdem habe ich den perfektesten Rahmen gemacht:

Spagl_3
Das ist eine Schattenfuge. Es kommt ein auf Keilrahmen gezogenes Leinwandbild in den Rahmen, mit 5 mm Abstand zum silbernen Rand – eben die Schattenfuge.

Spagl__2
Das ist leider ziemlich unscharf, mein Handy ist nicht so gut mit Makro. Erinnerung: Kamera kaufen…

Spagl_1