Jacke aus den 1770er Jahren II

In den 1770ern muss es auch schon Haken und Augen gegeben haben. Ich habe mich ja so unwohl in der Jacke gefühlt, in die ich so viel Arbeit gesteckt hatte. Jetzt endlich habe ich mal Augen unter den Knöpfen angebracht und siehe da: plötzlich ist alles ganz anders!

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Die Jacke an der Schneiderpuppe. Die Puppe trägt kein Korsett.

Die Jacke steht am Ausschnitt etwas ab, was mir jetzt an der Puppe erst auffiel, da sie ja mit einem Fichu, einem Einstecktuch, getragen wird. Mit dem Fichu sieht es perfekt aus….

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Ich liebe es, an der Puppe Details zu fotografieren! Hier sieht man oben das erste Auge etwas hervorspitzen.

Damit wäre das Projekt endgültig abgeschlossen. Eine tragbare, bequeme Variante der Jacke ist entstanden und wird wohl zum WGT das ganze schwarz aufmischen.

 

Pet en l’air – jetzt mit Schneiderbüste

Guten Morgen!

Mein letzter Post war dann tatsächlich der Schubs, den ich gebraucht habe, mir eine Schneiderbüste zu kaufen. Ich habe mir eine einfache Styropor-Puppe vom bekannten Internet-Versandhaus ausgesucht:

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Das Kleid vom letzten Blogbeitrag in präsentabler Form, mit Poschen darunter, aber ohne Korsett – die Puppe hat (noch) nicht ganz meine Maße.

Ich werde sie mit etwas Schaumstoff unter dem sehr festen, elastischen Bezug noch auf meine Maße hochpolstern. Der Unterschied ist gar nicht so groß!

Das Kleid selbst hat ein paar Nähfehler, die an der Puppe ganz gut zu sehen sind. Ich lebe damit, als „historisches“ Projekt aus meiner mittleren Nähphase.

Hinten
Die Falten hinten fallen jedoch ganz ordentlich.

Ich kann sogar Details fotografieren!

Links eine Ansicht von hinten. Ich hatte derweil wohl eine halbe Recherche durchgeführt, denn die Schulterteile sind historisch korrekt aufgesetzt und nicht einfach rechts-auf-rechts angenäht. Schade, dass ich noch nichts von Robings wusste, der Falte, unter der die Nadeln für den Stecker versteckt werden. Deshalb ist auf dem rechten Bild im Schulterbereich so ein Gefalte zu sehen. Aber im Detail ist das Kleid sehr hübsch! Die Rüschen sind mir gut gelungen. Die Halskette stammt von einem Flohmarkt in London.

Ich habe mit der Schneiderbüste auch gleich einen Hut bestellt, von der vertrauenswürdigen Nashimiron:

Hut
Ich glaube, 1/3 meiner Hüte stammen von ihr.

Damit ist ein weiteres Projekt abgeschlossen und ich habe was zum Anziehen für den nächsten größeren Anlass!

Pet en l’air oder ein ufO ist kein ufO mehr

Ich hatte ein wenig Urlaub. Es wurde auch ein Abenteuer unternommen, aber dazu kommt vielleicht noch ein großer Blogbeitrag. Ich hatte aber auch Zeit zum Nähen – und Geburtstag, weswegen ich Geburtstagsgeld hatte. Zuerst wusste ich nicht, was ich damit anfangen soll, aber dann dachte ich, ich gehe diesmal keine Kompromisse ein und kaufe den teuren Stoff, den ich mir immer zu dem Pet en l’air vorgestellt habe: reine Seide.

Zu dem was? Ein Pet en l’air, wörtlich „Pups in der Luft“, ist eine Art kurze Robe á la francaise. Die Kleiderform mit den typischen Falten hinten, aber nicht bis zum Boden reichend, nannte man bis in die 1740er „casaquin“, erst danach kam die pupsige Bezeichnung auf. Ich habe so ein Teil von ganz, ganz früher im Schrank, aber nur ein einziges Mal mit einem viel zu schweren roten Rock auf dem WGT getragen. Heute nähe ich auch anders, ich würde die Bänder für die Verzierung nicht mehr ganz hart historisch inkorrekt mit einem Rollsaum versehen, aber so habe ich das eben damals gestaltet, als mir Akuratesse noch nicht so wichtig war.

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Das gute Stück. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mal, wann ich das genäht habe. Ups. Das Oberteil selbst ist aus Baumwollstoff, aber die Deko schon aus Dupion-Seide.

Ich hatte also dieses „unfertige Objekt“, kurz ufO, jahrelang im Schrank und jetzt endlich den Stoff, den ich mir immer dazu vorgestellt habe. 3m wunderbare, nicht ganz tiefschwarze Dupionseide. Der Stecker zu dem Kleid ist auch schon lange verloren, aber Poschen sind vorhanden, damit es auch seine typische querovale Form bekommt.

Stoff
Links das Oberteil, danach der Stoff für die Saumrüsche, dann der für die Dekorüsche und dann der eigentliche Rockstoff.

Es ging also damit los, das ich historisch unkorrekt Stoffstreifen durch die Overlockmaschine gezogen habe.

Overlock
Der Streifen Washitape sorgt dafür, dass alle Steifen am Ende gleich breit sind.

Und dann habe ich, ebenso historisch unkorrekt, alles durch den ruffler (den „Rüscher“) gezogen:

ruffler
Made in China, macht das Nähen so viel leichter! Laut ist der ruffler. Aber hinten kommt eine fertige Rüschendeko raus.

Das Zusammenfügen der Teile war dann leicht, es sind eigentlich nur Rechtecke, die in eine Rockform gebracht werden. Nicht vergessen oben in der Mitte vom Rock etwas Länge rauszunehmen, denn durch die querovale, ausladende Form hängt der Rock sonst vorn zu tief.

Saum
Den Rock an einer Wäscheleine aufhängen und den Saum im Stehen stecken entspannt den Rücken und die Knie ungemein. Ich brauche mal einen richtigen Arbeitstisch, immer alles auf dem Boden machen ist nichts auf Dauer…

Die Rüsche habe ich mit einer simplen Schablone aus Papier aufgesteckt. Ich wollte das Schlichte des Kleides beibehalten und habe daher nur eine einfache, wellenförmig laufende Rüsche eingeplant.

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Idealerweise hätte ich die Wellenwiederholung auf den Rockumfang berechnet und die Welle etwas steiler und kleiner gemacht, aber es hat fast gepasst.

Es wird langsam klar, das das eher in Richtung „gothic meets rococo“ als historisch korrekt geht, das ist aber auch ok, denn wann außer zum WGT kann ich in seidenen Röcke rumlaufen? Ich kaufe mir zu dem Kleid noch einen opulenten Hut, und e voila, neues Outfit gefunden!

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Das silberne Band vom Oberteil musste natürlich wiederholt werden, also habe ich es einfach beim Annhähen mitlaufen lassen. Das hat überraschend gut funktioniert.

Was jetzt noch fehlt sind ein Stecker und ein sinnvolles Foto, wenn ich das Kleid an habe. (Oder ich kaufe mir endlich mal eine Schneiderpuppe….)

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Fertige Wellen mit silbernem Band.
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Ein kleiner, leicht schiefer Stecker. Das macht aber nichts, fertig im Kleid sieht man das gar nicht mehr. Muss ich eben auf der einen Seite mehr wegstecken.

ideal Voll Zick Zack Deluxe

Wie versprochen nun ein kleiner Artikel zur ideal-Nähmaschine. Hergestellt für Quelle in den 50er/60er Jahren, meine habe ich – auf dem Sperrmüll gefunden. Sie stand nach dem Sperrmüll noch auf der Straße, denn deutscher Sperrmüll nimmt keine Elektrogeräte mit. Der Koffe fehlte. Ich hab noch ein wenig abgewartet, ob doch noch jemand kommt, aber nein, und dann habe ich das Ding einfach nach Hause geschleppt. Yay, gratis Nähmaschine!

Und ein Test ergab: sogar funktionsfähig! Ein Füßchen dabei, und Unterfadenspulen hat es auch noch ganz viele. Leider war die Verkabelung auch noch Original, und da in meiner alten Wohnung schon das Bügeleisen die Sicherung rausgehauen hat, wollte ich das Risiko nicht eingehen, eine Vintage-Verkabelung zu verwenden. Also ab zu einem liebem Freund, der neue Kabel machen kann.

… Und da stand die ideal dann ein paar Jahre. Weder er noch ich hatten „Nähmaschine reparieren“ als Priorität, außerdem konnte ich die ideal in meiner kleinen Wohnung ohnenhin nicht sinnvoll stellen. Und die Brother gab es ja auch noch. Doch dann musste diese Brother zur Wartung – worauf also nähen in der Zeit?!?

Das verlorene Kind kehrte generalüberholt und mit neuen Kabeln – aber noch dem originalen Fußanlasser – zu mir zurück. Jetzt auch mit Platz zum Stellen – ich bin derweil umgezogen.

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Das ist ideal. In wunderbarem 60er-Jahre-Design!

Erste Nähversuche sind geglückt, die Brother bekam derweil etwas Wellness.

Huelle

Als erstes habe ich eine Hülle für die Nähmaschine selbst genäht, da der Koffer ja fehlte. Das Füßchen ist das für den Zick-Zack-Stich, und in Zukunft wird das wohl auch meine Zick-Zack-Maschine werden, darauf ist sie nämlich hervorragend spezialisiert!

P.S. Das dieser Blog keine Videos zulässt gibt es etwas Bonus-Inhalt auf Welcome to my Worlds-Facebookseite.

Naumann-Nähmaschine I

Eines Tages stand meine Oma von ihrer Nähmaschine auf, klappte sie in den Tisch und hat sie danach nie wieder benutzt.

Ich vermisse meine Oma. Abgesehen davon, dass sie die besten Kassler der Welt gekocht hat, könnte sie mir erklären, wie ihre Nähmaschine, eine Naumann 24, genau funktioniert. Mein Erbstück steht seit zwei Jahren in meinem Zimmer, und ein erster Versuch, den Riemen aufzuziehen, war nicht erfolgreich. Seitdem habe ich meine moderne Brother immer auf den eingeklappten Tisch gestellt. Jetzt muss diese Brother zur Wartung und nun ja, ich brauche eine Ersatzmaschine. Moment, ich habe doch eine!*

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Die Naumann in ihrer ganzen Pracht. Der Riemen ist gerade nicht korrekt eingezogen.

Die letzten beiden Tage habe ich damit verbracht, eine Bedienungsanleitung im Internet zu finden. Dank des Nähmaschinenverzeichnisses und Herrn Lehning und ein wenig Stochern habe ich mehrere Anleitungen, die zwar alle nicht speziell für eine Naumann 24 sind, aber für ähnliche Maschinchen. Noch ein heißer Tipp von Herrn Lehning und siehe da: Der Riemen ist drauf und die Fäden sind eingefädelt! Meine Eltern haben auch noch einen neuen Riemen gefunden, den sie mir schicken wollen, denn der aktuelle ist noch der von meiner Oma und mehrfach geflickt.

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Defnitiv eine Naumann 24. Das ist übrigens der Stand, als ich sie heute nach Jahren wieder aus dem Tisch ausgeklappt habe.

Ein bisschen putzen und feudeln und ich dachte, ich probier mal zu treten….

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Putzen und feudeln. Geölt werden muss sie glaube ich noch nicht – das wäre dann aber der nächste Schritt. Reinigungsanleitungen hat das Internet zu Hauf… Links unter der Maschine sieht man den Platz, in den die Unterfadenspule kommt. Überraschenderweise kannte ich diesen Vorgang von der Veritas meiner Mutter, sodass der Unterfaden das kleinste Problem war!

Und dann: denkste. Treten ist gar nicht so einfach! Zunächst tat sich was, aber dann habe ich mich selbst sabotiert, indem ich aus Versehen das innere Rad des Handantriebs locker gedreht habe, was die Maschine in den „Leerlauf“ stelt. Prima für Tretübungen, aber bis ich wusste, warum jetzt plötzlich nichts mehr geht….

detail
Sehr hübsch, oder?

Ich habe eine Anleitung fürs Treten gefunden, nach der werde ich mich in Zukunft richten. Momentan ist die Maschine gereinigt und eingefädelt, auch den Unterfaden konnte ich hochholen, aber sie bildet keine Stiche, weil der Oberfaden am Greifer sofort reißt. Das Problem schaue ich mir demnächst an, zumal ich beim aussaugen des Tisches innen noch einen Greifer eingesaugt (und wieder aus dem Staubsauger gefischt) habe, der als Ersatz passen könnte.

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In der linken Schublade ist noch jede Menge Zubehör, unter anderem dieses steampunkige Teil, das ich für einen Ruffler halte.

Spoiler: in meinem Besitz befindet sich auch noch eine vintage Ideal, die allerdings immer noch beim Techniker meines Vertrauens steht, da sie eine neue Verkabelung brauchte. Über die Ideal wird es auch noch einen Post geben.

*insgesamt besitze ich vier Nähmaschinen: die Naumann 24, die Brother innovis 200, eine Pfaff Hobbylock und eine Ideal. Als Ersatz für die Brother taugt allerdings nur die Naumann bisher.

 

 

Jacke aus den 1770er Jahren

… oder auch: wie unbequem ist das denn?!?

Die Prüfung für Schlösser und Gärten ist vorbei, das WGT habe ich auch überstanden, Zeit, mein letztes Nähprojekt zu präsentieren:

Eine Jacke für die 1770er Jahre.

Im Metropolitan Museum ist eine Jacke in der Art in gelb erhalten, allerdings mit einer anderen Verschlusslösung:

 

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Diese Jacke aus Seide wird vorn ohne Stecker geschlossen, aber von hinten sieht sie genau aus wie meine. Quelle: The Met

Ich wollte mal ein etwas weniger höfisches Gewand anfertigen, etwas bequemes für heiße Tage, eher Richtung bürgerliches Leben des 18. Jahrhunderts. Die Stoffwahl war daher keine Seide, sondern Baumwolle, ungemustert. Ich wollte ursprünglich gelben Stoff nehmen, habe dann aber diesen wunderbaren blauen Stoff gefunden, der auch genau genug vorhanden war. Also blau-weiß statt gelb-weiß. Auch einen Hut gab es schon, den ich neu dekoriert habe. Diesmal historisch korrekter mit einen Streifen Stoff, den ich, mangels Stanzeisen, mit einer Zickzackschere ausgeschnitten habe.

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Das Hutband sieht gleich so viel besser aus!

Das komplette Outfit besteht aus:

  • einer Chemise aus dünnem Baumwoll-Leinen-Gemisch (vorhanden)
  • einem weißen Korsett, das ich neu angefertigt habe, das nur sehr, sehr leicht mit Stäben versehen ist
  • eigentlich weißen Strümpfen, vorhanden, die ich aber aufgrund der Hitze auf den Fotos nicht trage
  • einem Halstuch aus Leinen
  • einem Pokissen, auch neu, in weiß
  • einem Unterrock
  • einem Petticoat, der schon vorhanden war
  • der blauen Jacke mit Stecker
  • und dem Hut

Alles einmal angezogen, und – es ist unglaublich unbequem. Das Korsett mag nicht von hinten mit dem Pokissen gedrückt werden, die Jacke hält vorn nur durch pure Willenskraft zusammen (was sollte das mit den Knöpfen?!?), und zu warm ist es auch!

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Pokissen auffluffen – hier sieht man den Unterrock hervorblitzen. Die Rückseite kommt dem historischen Original sehr nahe.

Auf jeden Fall muss ich Ösen an der Vorderseite ergänzen, und ich würde das ganze gern ohne Korsett tragen können – das ist nicht historisch korrekt, aber so wie es jetzt ist werde ich es nie wieder anziehen wollen. Es sollte leicht und elegant sein, nicht anstrengend!

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Sonniger Tag, daher die Lichtflecke. Hier sieht man die Schnürung vorn über dem Stecker, und wie alles nur hält, weil ich das so will. Verrutscht ist es auch schon. Eigentlich soll der Stecker am Korsett festgesteckt werden, aber ich werde ihn wohl vorn in die Jacke mit Haken und Augen einhängen.

Allerdings hat es Spaß gemacht, die Jacke zu nähen. Ich musste das Schnittmuster (J. P. Ryan, A fine Collection of 18th Century Jackets, View B) sehr viel kleiner machen, da mir Größe 10 viel zu Groß war, aber die Passform ist ganz gut, finde ich. Alle sichtbaren Nähte sind diesmal von Hand genäht, deshalb hat das ganze Projekt länger gedauert, als ich dachte, aber es hat sich gelohnt.

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Sommer, Sonne, unbequem. Ich hoffe die Zugfalten an der Vorderseite der Jacke gehen weg, wenn ich den Verschluss ändere.