Ludwigsburg

Letztes Wochenende war ein lang anstehender Besuch bei Dieter in Ludwigsburg geplant. Also ab in die S-Bahn und los gehts! Ludwigsburg überraschte mit wundervollem Sonnenwetter und eigentlich war es Samstags noch zu warm für den Wintermantel. Was also machen nach einem Rundgang durch die Stadt, einem Besuch im Buchladen (natürlich) und einem mehr als ausreichendem Essen im örtlichen Pub? Klar, schönes Wetter, Zeit fürs Museum! Das Ludwigsburger Schloss, erbaut ab 1704 und bis in die 1730er imfassend erweitert, verfügt über original erhaltene Fürstenappartements und gleich zwei Corps de Logis. Es gibt zu jeder Schlosshälfte eine Führung, einmal die Seite mit dem Damenappartement, zum anderen das Herrenappartement. Natürlich mussten wir beides anschauen! Hintereinander! Jede Führung geht etwa 90 Minuten, klar machen wir das und dann noch den Schlosspark hinten dran! Wir hatten ja keine Ahnung. Zum Glück war die Dame, die die Führungen gemacht hat, sehr motiviert und hatte ein unglaubliches Wissen. Ich habe sie ständig mit Fachfragen unterbrochen, was die erste Führung ziemlich verlängert hat – das tut mir immernoch Leid! Aber ich musste wissen, ob der Boden noch original ist (ja), ob die Vorhänge noch aus der Zeit sind (nein) usw. usw.

Innen
Man, äh, darf eigentlich nicht im Schloss drinnen fotografieren. Das ist nur ein kleiner Eindruck von dem, was einen erwartet.

Die Räume im Schloss sind ein riesiger Fundus an historischem Wissen, nicht nur über die diversen Herzöge und Könige, die Ludwigsburg als Sommersitz oder Regierungssitz genutzt haben, auch an Raumausstattung und Gemälden bleiben fast keine Wünsche offen. Besonders ins Auge gefallen sind dabei die Möbel aus der Zeit um 1810, die allerdings teilweise aus dem Stuttgarter Schloss stammen. Außerdem hatte es ein paar hochwertige Gemälde der Herrscher, die auch gut Auskunft über die Mode der Zeit gaben.

MagdaleneWilhelminevonWuerr
Magdalene Wilhelmine von Württemberg (1677-1742), hier noch als Tochter des Herzogs von Württemberg, war später die Frau Karl Wilhelms von Baden-Durlach (1679-1738). Quelle

Leider war die Gemäldegalerie auf der Seite des Herzogs mehr als durchschnittlich, verglichen mit der Sammlung Karoline Luise von Badens aus etwa der selben Zeit (heute großteils Kunsthalle Karlsruhe), oder eigentlich jeder anderen fürstlichen Sammlung, war in dieser ein kleiner Rubens alles, was hervorstach. Da wurde um des Sammelns willens und nicht um der Qualität willen zusammengekauft. Man kann auch die beiden Kirchen des Schlosses besichtigen, eine davon in all ihrer barocken Pracht. Insgesamt dauerten die Führungen etwa drei Stunden. Man kann das Schloss nicht ohne Führung besichtigen, was angesichts der originalen Ausstattung nur logisch ist.

Wer mehr Eindrücke vom Inneren des Schlosses sehen will, der findet Bilder hier, hier oder hier.

Danach ist man aber mehr als abgefüttert mit Informationen, so sehr, das sogar geübte Historiker wie ich nochmal Wikipedia befragen müssen, wer da jetzt eigentlich was hat erbauen lassen und wann Württemberg Königreich wurde (1806). Und das schlimmste: bis alles fertig gezeigt war war es draußen dunkel! Also nix mit Park angucken. Das Schloss sieht aber auch im Dunkeln wunderschön aus und ist hübsch beleuchtet.

Fontaene
Auch im Dunkeln eine Schönheit: Das Neue Corps de Logis.

Also musste der Tag hier beendet werden und die berühmte Schwarz-Weiß-Bar aufgesucht werden. Diese war leider arg voll, sodass wir uns mit Katzentischen begnügen mussten – aber die Cocktails da sind ziemlich gut, und hallo, ist da Alkohol drin! Der geneigte Leser lasse sich nicht von den blumigen Beschreibungen in der Karte irritieren, zwei Cocktails sind mehr als genug! Zusammen mit der freundlichen Kellerathmosphäre – das ist keine Ironie, ich mag Kellerbars – und einer Menge gemachten und gelachten Wörtern ein gelungener Abend.

Am nächsten Morgen dann eine böse Überraschung: kein schönes warmes Herbstwetter mehr, sondern kalt und Dauerregen! Da der Park ja gestern wegen Dunkelheit ausgefallen ist und heute nachgeholt werden sollte keine guten Nachrichten. Also erst mal ausgedehnt frühstücken. Dieter und ich hatten ein Museum noch nicht angeschaut – das Modemuseum. Dieses kannte ich zwar von einem Ausflug mit meiner Freundin Lisa (die man aus dem Artikel zum Freilichmuseum Beuren kennt), aber diesmal wollte ich mir vor allem die Kleider des 18 .Jahrhunderts genauer anschauen. Zu Studienzwecken wie z.B. für das Überkleid (zu welchem es hoffentlich bald Neuigkeiten geben wird).

Notizen
Auch im Modemuseum durfte man keine Fotos machen. Dafür habe ich jetzt einige Seiten meines Notizbuches voll mit Skizzen und Anmerkungen.

Dieter war zum Glück nicht furchtbar gelangweilt von meinem Sermon über Nähte, Stoffarten und französischen Kleidernamen. Mit mir in ein Modemuseum zu gehen ist schon recht mutig. Das Museum ist zum Glück nicht allzu groß, der größte Teil ist zum 18. und frühen 19. Jahrhundert. Leider ist nichts, oder fast nichts, an Kleidung von den ursprünglichen Besitzern des Schlosses Ludwigsburg erhalten. Dennoch liefern die Vitrinen mit den Kleidern ein anschauliches Bild, was man wohl im Schloss getragen hat.

Park
Der barocke Teil des Ludwigsburger Blühenden Barock.

Nach dem Mittagessen in einem der Cafés im Schlosspark hörte es dann auch endlich auf zu regnen. Nasse Herbstblätter sind ja meist farbiger als trockene, so hatte es auch sein gutes. Leider ist vieles im Schlosspark rutschig wenn nass, sodass der „Abgesang mit Heimgang“, der während unseres Spaziergangs stattfand, kein Wunder ist. Der Schlosspark schließt Anfang November, und der Sonntag war der letzte Tag des Kürbisfestes (Reste davon sieht man ein wenig im oberen Foto). Den Märchengarten hatte ich noch nicht gesehen.

Frosch
Ziemlich tolle Froschfontäne, die man über Trittsteine selbst steuern konnte, versteckt in einem matschigem Labyrinth.

Der Märchengarten schwankt zwischen „ist ja süß“ und „…..(?)“. Erbaut ab 1959, um mehr Besucher in den Schlosspark zu locken, sind vor allem die ersten Märchen charmant, die neueren (bis 2009) sind nicht so interessant gemacht. Fast alle Märchen kannte ich, nur der Riese Goliath stammte aus der Bibel und war nicht ohne Schild erkennbar.

Der Schlosspark an sich ist sehenswert, es gibt auch einen japanischen Garten, eine Voliere, eine künstliche Burgruine und viele interessante Bäume und Pflanzen. Im Blühenden Barock gibt es sogar nachgebaute Spielzeuge des barocken Hofes! Einige Schaukeln und ein Karussel, die aber leider schon nicht mehr in Betrieb waren, so spät im Jahr.

Bonsai
Der Herbst ist da: Bonsai aus dem japanischen Garten.

Ein Spaziergang durch den Park anfang November macht kalt und nass, bei Einbruch der Dunkelheit wollte ich dann nur noch ins Warme und einen Tee trinken. Bis mein Zug zurück nach Karlsruhe fuhr war ich dann wieder gut aufgewärmt.

Alles in allem: Man kann dieses große Schloss samt Garten nicht in einem Tag schaffen. Es gibt ja auch noch das Schloss Favourite, dass derzeit restauriert und renoviert wird. Der Eintritt ist happig, lohnt sich aber. Bei Regen braucht man Wanderschuhe für den Park. Ludwigsburg an sich ist hübsch und es gibt auch die eine oder andere Möglichkeit, gescheit Konsum zu betreiben. Warum nochmal wohne ich in Karlsruhe?