Warum ich auf dem WGT so gern Kostüme trage

Ich gehe seit 17 Jahren auf das Wave-Gotik-Treffen. Ich fühle mich schon lange der Schwarzen Szene zugehörig, denn da passe ich am ehesten hin. Deshalb folgen ab jetzt meine 1000 Wörter zur ewigen Diskussuion über die sogenannte „Kostümfraktion“. Mitgothics werden genau wissen, was ich meine, aber für alle Außenstehenden: Innerhalb der Schwarzen Szene gibt es schon seit Jahren ein Diskussion über verschiedene Kleidungsstile, besonders angefeindet werden dabei die Cyber-Gruftis und die Kostüm-Interessierten. Über erstere kann ich gar nichts sagen, da ich mich mich weder so kleide noch die passende Musik mag. Aber, oh boy, zur Kostümfraktion habe ich eine Menge zu sagen! Das soll kein Verteidungspost werden, sonders es wird ein biografisch basierter Eintrag werden, der zur Diskussion mehr Einsicht und Erkenntnis beitragen soll.

Anfangen möchte ich mit der Musik. Wie oben erwähnt hören Szenemitglieder oft, aber nicht immer, gern passende Musik zu ihrer Kleidung. Grob vereinfacht im Fall vom Beispiel Cybergoth eben elektronische Musik, die sich für mich nach utz-utz-utz anhört, die Kostümfraktion gern Musik, die ich am bestend mit „wallend“ beschreiben kann. Ein kurzes, grob vereinfachtes Beispiel zeigt: Es gibt da einen Zusammenhang zwischen Kleidung und Musik. Es folgt, wie so oft in der Schwarzen Szene, ein ABER: Das trifft nicht immer zu. Es gibt auch Leute, die sich jeden Tag des Festivals einer anderen Richtung entsprechend kleiden. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus ist der typische WGT-Besucher aber entweder/oder, bleibt also seinem Stil über die Festivaltage treu.

Was für ein Festival eigentlich? Das Wave-Gotik-Treffen, kurz WGT, findet seit 28 Jahren jedes Jahr zu Pfingsten in Leipzig statt und ist einer der großen Szene-Treffpunkte. Die ganze Stadt wird etwas dunkler, da die Veranstaltungsorte über ganz Leipzig verteilt sind. 20000 Besucher jedes Jahr, und die Bevölkerung kommt gut damit zu Recht. Haben sich wohl dran gewöhnt, die Guten. Man findet sich hier und insgesamt als Szene

[…] aufgrund ähnlich lautender Motive zusammen. Die düster-morbide Ästhetik steht dabei nicht alleine im Vordergrund. Vielmehr ist es das Wissen, in der Szene Gleichgesinnte für den Ausdruck der eigenen Gedanken und Gefühle in Bezug auf das Leben an sich und das Dasein in dieser Gesellschaft zu finden, […].

Kisten Wallraff: Die Gothics Teil 2. Weiss wie Schnee, Rot wie Blut und Schwarz wie Ebenholz, Hrsg. vom Archiv der Jugendkulturen, Berlin 2001.

Und das habe ich aus einem Buch, das auch schon 18 Jahre alt ist und welches an der selben Textestelle darauf verweist, das sich daran seit 20 Jahren nicht viel geändert habe. Und dem stimme ich zu. Ich war 2002 das erste Mal mit Eintrittskarte auf dem WGT, und es hat sich nach ankommen angefühlt. „Diese Leute sind so wie ich!“, dachte sich mein 15jähriges Ich.

WGT 2006, noch in gekauften Sachen und mit den typischen Stahlkappenschuhen zum Mittelalter-Inspirierten Kleid

Von Anfang an spielte Kleidung eine große Rolle. Und damit meine ich mich und die Szene. Woher kommen sonst die ganzen Bilder von Gruftis, die schon im Jahr 1995 Reifröcke trugen? Sich selbst über Kleidung auszudrücken ist so typisch Jugendkultur, hier eben in der düsteren Spielrichtung. Ich habe mich zuerst nur für das Mittelalter interessiert, habe alles gelesen, was über das Leben im Mittelalter finden konnte, und Musik ohne Dudelsäcke fand ich ganz blöd. Noch habe ich meine Kleidung von meinen Eltern gekauft bekommen. Mit der Zeit erweiterte sich mein Musikgeschmack, und das Vorbild anderer Festival- und Clubbesucher brachte mein Interesse an aufwändigeren Kostüme voran. Seit einigen Jahren, und auch bedingt durch das Studium der Kunstgeschichte, gilt mein Interesse der historischen Kleidung von Rokoko bis edwardianisch (englisch)/wilhelminisch(deutsch). Gern mit einem düsteren Twist, aber meist in Farbe und Form korrekt (wen auch noch nicht historisch korrekt von Hand genäht).

In meiner Schulzeit, meiner Ausbildungszeit und am Anfang meines Studiums habe ich noch keine Kompromisse gemacht. Da gehöre ich hin, so kleide ich mich 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Bodenlange Röcke und Korsetts im Hörsaal? Check. Aber damit fährt es sich schlecht Rad, und potentielle Arbeitgeber finden das auch nicht so klasse, nicht mal im Kulturbetrieb. Also stimmte ich mein Gruftitum im Arbeitsleben von vornherein etwas herunter und bin damit auch noch nie wirklich angeeckt. Meine Lieblingskritik an der Kostümfraktion ist ja immer „Tragen die das auch im Alltag?!? Wen nein, gilt es nicht!“ Wie ich das hasse. Als ob der sonstige Gote immer die Möglichkeite hat, sich die Haare für seinen Job hochzustellen. So sehr kann ich meine Augen gar nicht verdrehen. Ist man nicht selbstständig im Kreativbereich kann man das Argument vergessen. Ich glaube nicht, das ich übertreibe, wenn ich sage, dass die meisten Gothics ihre Arbeitskleidung anpassen müssen. Ich habe derweil kein Problem mehr mit „corporate goth“. Schwarz als Grundfarbe geht immer, und Radfahren kann ich in Hosen auch prima. Daheim kann ich mich dann immer noch in meine Pluderhosen werfen.

WGT 2007, das Interesse an Kostümen steigt. Die Maske habe ich mir aus dem Venedig-Urlaub mitgebracht, genau wie den Schirm.

2007 ist dann etwas passiert: nach einem Urlaub in Venedig, von dem ich mir viele Accessoiries mitgebracht habe (sowas gabs damals nicht einfach so im örtlichen Gothicshop!), bekam ich plötzlich durch meine Kleidung auf dem WGT Aufmerksamkeit. Vor 2007 ging es darum, möglichst viele Konzerte zu besuchen, danach kam das sehen-und-gesehen-werden dazu. Noch ganz harmlos, bisschen Aufmerksamkeit von der Presse ist ja nett.

ARCHIV – Zwei Anhänger der Wave-Gotik-Szene, aufgenommen am 31.05.2009 beim Wave-Gotik-Treffen in Leipzig. Am kommenden Pfingstwochenende wird Leipzig wieder zum Mekka der Gothic-Szene. Rund 20 000 Anhänger der düsteren Musik werden zum 19. Wave-Gotik-Treffen (WGT) erwartet, das das weltgrößte seiner Art sein soll. Foto: Peter Endig dpa/lsn (zu dpa 0104 vom 20.05.2010) +++(c) dpa – Bildfunk+++

2009 dann das dpa-Foto – oben mit dazugehörigem Text. Ich bin ganz froh, das ich und mein Begleiter da maskiert sind, das Bild war ÜBERALL. Ich war angefixt. Da hatten wir beide noch wenig genug Gepäck, um die Reise zum Festival mit der Deutschen Bahn anzutreten, das sollte sich aber schnell ändern.

WGT 2010, mein erstes selbgemachtes Kleid. Hier habe ich herausgefunden, dass ich nähen kann.

Was ich tragen wollte gab es so nicht zu kaufen. Also habe ich mir die Nähmaschine meiner Mutter ausgeliehen und einfach angefangen. Der Stoff stammt aus dem Karstadt, die Dekoration aus dem örtlichen Stoffladen, die Glitzersteinchen hat Mama organisiert. Es gab noch keinen Internetversand für Material speziell für den gotischen Handwerker, geschweige denn Schnittmuster. Das ist eigentlich am Anfang mal typisch für die Szene gewesen: Wollte man etwas, hat man es selbst gemacht. Große Versandhäuser für Gothicmode wie XtraX sprangen zwar auf den Zug auf, aber der Konsens des Selbstmachens blieb – vor allem, wenn man individuell sein wollte.

WGT 2011. Alles außer der antiken Halskette ich selbst gemacht, auch das Korsett. In dem Jahr habe ich 57 Fotos von mir&meinen Freunden vom WGT im Internet gefunden. Dieses Foto ist von Thomas Bunge.

Leider muss ich zugeben, das 2011 für mich die Waage gekippt ist. Jetzt ging es nur noch ums Aussehen. Ich habe jeden Tag ein anderes Kleid getragen, das ich das Jahr über selbst gemacht hatte (wegen der Individualität und so). Mit Nebenjob und Studium ging das auch. Der „Erfolg“ zeigt sich schnell, 57 Fotos in fünf Tagen! So hübsch! So toll! So erfolgreich! Schluss mit der Ironie: mir ging es da nicht immer gut. In dem Outfit oben wäre ich auf dem Mittelaltermarkt beinah ohnmächtig geworden, denn ich musste ja die schlankste Taille haben. So ein Blödsinn.

WGT 2012, das Jahr mit 25 Fotos im Internet, eins davon hat es sogar auf die WGT-Webseite geschafft. Ab jetzt schwenke ich um zur historischen Kleidung, hier eine „Chemise á la reine“, 18. Jahrhundert.

2012 hat sich die Kostümfraktion bei mir richtig herausgebildet. Wir reisen mit einem gemieteten BMW an, der bis an die Oberkante mit Kleidung und Zubehör gefüllt ist. Warum, weiß ich nicht. Spaß hats nicht unbedingt gemacht. Das fertig machen dauerte gefühlt länger als der Festivaltag, und die ganzen schönen Kleider zu beaufsichtigen ist anstregend. Ich treffe mich ausschließlich mit Leuten, die auch gern Kostüme tragen.

WGT 2013, alles selbst gemacht, auch der Kopfschmuck.

2013 ist mir dann wieder eingefallen, warum ich eigentlich zum WGT gehe. Ich trage immernoch jeden Tag ein anderes Kleid, aber die Aufmerksamkeit der Leute mit Fotoapparat ist mir nicht mehr ganz so wichtig. Ich trage, was bequem ist, was ich selbst gemacht habe und herzeigen will. Ich treffe mich mit allerlei Leuten, was so weit geht, das ich mit einer Gruppe Stammkunden aus dem Club auf den Stamm-DJ des Clubs treffe. Warum gehen wir alle nochmal zum WGT? Zum Treffen, genau.

WGT 2014, jetzt trage ich nur noch komplett selbst gemachtes nach historischem Vorbild. An dem WGT war es auch unglaublich heiß.

Es wurde wieder besser mit mir und dem WGT. Ich nähe immmer noch das Jahr über Kleidung nach historischem Vorbild für mich, aber Bachelorarbeit und dann der Master und nun zwei Nebenjobs rücken andere Dinge in meinen Fokus. Ich habe einen Heidenspaß, fast alle Tage weiß zu tragen – die Trendfarbe des 18. Jahrhunderts, nicht unbedingt die Trendfarbe des WGT. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen, eine Haltung, die ich seither beibehalten habe. Ich trage, was wettergerecht und schön für mich ist. Endlich habe ich Zeit für das umfangreiche kulturelle Programm des WGT. Ich hatte mir jedes Jahr aufs Neue vorgenommen, mal ein Museum im Rahmen des WGT zu besuchen, und ab jetzt klappt das auch.

WGT 2015, in einem edwardianischen Ensemble.

Mit Kleidung wie dieser macht das WGT 2015 Spaß. In diesem Jahr lasse ich erstmals das „Viktorianische“ Picknick am Freitag weg. Ursprünglich als kleine, private Veranstaltung für Bekannte aus der Kostümfraktion von Viona Ielegems geplant, hat sich dieses über die Jahre zur öffentlichen Massenveranstaltung entwickelt. Man braucht kein Bändchen dafür, was Ein-Tages-Gruftis (also Leute, die sich für den einen Tag mal gruftig anziehen), Gaffer und Fotografen en Masse anzieht. Hier gilt auschließlich sehen und gesehen werden. Was auch mal zum Treffen und Inspiration sammeln gedacht war ist nur noch unangenehm. Ich versuche das Picknick seither zu meiden, aber das klappt nicht immer. Letztes Jahr (2018) stand ich mit gepackten Picknickkorb bereit, als ein privates Picknick abgesagt wurde, und dann war ich doch da. War doof.

WGT 2016, wieder in weiß, eine Art Robe á la anglaise diesmal.

2016 war sowas von kalt. Aber ich hatte meine Outfits entsprechend vorgeplant. Leider weiß ich bei den meisten WGT gar nicht mehr, was für Bands ich gesehen habe. Nach 17 WGT schwimmen die Konzerte langsam ineinander. Höhepunkte waren über die Jahre Schandmaul, ASP (als die noch auf dem WGT gespielt haben), Otto Dix, In the Nursery, Sangre de Muerdago, Irfan, Kaunan, Eivoer und Mila Mar.

WGT 2018. Man sehe und staune: ich trage ein Kleid zum zweiten Mal!

2017 und 2018 war ich mit einer großen Gruppe Leute da, die ich von zu Hause mitgebracht habe. War auch lustig, reicht aber erst mal, denn so eine große Gruppe ist nicht nur spaßig, sondern auch anstrengend.

Mitterweile bin ich deutlich gelassener geworden (okay, das kann auch mit dem Altern zusammen hängen). So faszinierend wie die ersten paar Male wird das WGT leider nie mehr sein, und als alter Hase überrascht einen kaum mehr was. Ich hoffe, dieser kleine Ritt durch das Festivalleben hat ein paar Punkte unterstreichen können: ich habe das Kostümtragen wegen der Aufmerksamkeit schnell wieder verworfen, ich trage Kostüme, weil selbst nähen mein Hobby ist, und ich finde mich schön in solchen Kostümen. Und manche meiner Freunde tragen auch gern Kostüme. Die treffe ich dann da auf dem Wave-Gotik-Treffen. Und dann reden wir über Stoffquellen, Schnittmusterquellen und den allgemeinen Zustand der Welt. Ich kleide mich im Alltag heute komplett anders, finde aber, ich muss auch niemandem mehr etwas beweisen.

Und zum Schluss: Ich gehe so in den Club. Immer. Das gehört für mich dann doch dazu. Wenns schon im Alltag nicht klappt.

Senbazuru

Ich hatte mir im März spontan eine kleine Packung Origami-Papier gekauft. Wie man Origami faltet wusste ich ja schon vom 35C3. In dieser 10x10cm Packung waren 50 Blatt Origami-Papier mit verschiedenen Mustern, und ich hatte schnell die ganze Packung leer gefaltet. Ausschließlich Kraniche, weil mir dieses Modell am besten gefallen hat (und ich mich an eine Geschichte mit 1000 Kranichen dunkel erinnern konnte). Einen Teil der Kraniche habe ich auf Zwirn gezogen und Girlanden drauß gemacht, die anderen landeten in einer Box. Das hat so viel Spaß gemacht, das ich noch mehr falten wollte. Zu etwas anderem hatte ich auch kaum Lust, nicht mal zum Netflix schauen oder so. Totale Unlust. Nur Kraniche falten ging als Ausgleich. Leider war dann erst mal ein Paar Tage Faltpause, gezwungenermaßen. Mein Paket mit dem neuen Papier, diesmal 7x7cm, wurde über DPD versendet und hatte Probleme, zu mir zu finden. Es kam schließlich ein kleiner Würfel Papier an:

Ein japanisches Senbazuru-Set! Es enthält genau 1005 Blatt Papier für eben 1000 Kraniche (plus 5, falls etwas nicht klappt).

Die Packung an sich ist ja schon total hübsch, aber der Inhalt auch: 12 verschiedene Farben, die sich als Regenbogen zusammensetzen lassen. Das Muster ist auf allen Blättern gleich. Damit war entschieden: ich mache ein Senbazuru! Derweil hatte ich die Sache mit den 1000 Kranichen nachgeschlagen und bin dabei auf Sasaki Sadako gestoßen und auf diesen Artikel, der eigentlich schon alles wieder gibt, was es zu wissen gibt.

Hier sieht man den Regenbogen schön, auch wenn nicht alle Farben dabei sind.

Derzeit bin ich bei 86 Kranichen. Ich falte zwischen einem und 16 am Tag. Ich zähle die ersten 50 Kraniche mit, sodass ich am Ende 55 Blatt von dem 7x7cm-Papier über haben sollte. Ich will nicht nur viele Kraniche haben, sondern auch schöne Kraniche, was mich ein bisschen verlangsamt. Ich versuche schon, exakt zu falten.

Kranich-Armee, und das ist nur ein Teil der kleinen Kraniche.

Was ich mit den 1000 Kranichen mache weiß ich noch nicht. Ich ziehe wie gesagt einige auf Girlanden auf, und auf Instagram wurde auch schon angefragt, ob ich welche verschenken will. Das ist gar keine dumme Idee, Kraniche verschenken bringt dem Empfänger nämlich Glück.

Gruppe türkiser Kraniche.

Kraniche falten entspannt tatsächlich. Es fordert die für mich gerade richtige Menge an Konzentration.

Links einer von den großen Kranichen, rechts ein farblich passender kleiner.
Zwei besonders schöne rosane Kraniche.

Die Kraniche befriedigen außerdem meinen Sinn für Ästhetik. Das zusammestellen der Girlanden und zusammesetzen der farblich passenden großen und kleinen Kraniche macht auch total Spaß.

Traditionelle japanische Muster.
Der aktuelle Zustand der Box. Ich glaube, ich brauche mal wieder eine neue Box…
Die Origami-Ecke. Alles gefaltete von mir, die Girlande mit den Schmetterlingen ist das Ergebnis vom 35C3, die runden Scheiben habe ich von einem Künstler geschenkt bekommen.

Disziplin

Laut dem Google-Wörterbuch ist Disziplin unter anderem


das Beherrschen des eigenen Willens, der eigenen Gefühle und Neigungen, um etwas zu erreichen.

Google-Wörterbuch, aufgerufen am 05.04.2019

Nach der Aufräum-Sache mit Marie Kondo stelle ich für mich vor allem fest, das es nun auf Disziplin ankommt, die Dinge auch wieder an ihren zugewiesenen Platz zu räumen. Ich möchte damit etwas für mich erreichen (mehr Ordnung). Dieser Gedanke führte mich weiter. Es gehört eine gehörige Portion Disziplin dazu, jeden Morgen aufzustehen, sich anzuziehen und zur Arbeit zu fahren, und dabei auch noch pünktlich zu sein. Das wird, vor allem in Deutschland, als selbstverständlich angesehen, aber eigentlich, finde ich, ist es das nicht. Zumal die Welt sich weiter dreht, wenn man zu spät kommt. Meine Chefin beispielsweise kommt gern mal zu spät (obwohl ich bemerke, das sie daran arbeitet), aber meistens macht das nichts. Der Termin findet dann trotzdem statt, eben etwas später. Das soll jetzt kein Aufruf sein, absichtlich zu spät zur Arbeit zu kommen. Dieses Beispiel soll die Disziplin der Pünktlichkeit in Relation zur Realität setzen. Ich selbst tendiere dazu, zu früh dran zu sein, was auch unpünktlich ist. (Später am Tag werde ich eventuell einen Zug nehmen, mit dem ich genau pünktlich sein sollte. Wir werden sehen, ob ich nicht doch einknicke und wieder lieber 30 Minuten zu früh da bin als unpünktlich zu spät zu sein).

Die eigene Disziplin erstreckt sich auch auf Körperpflege und Sauberkeit. Irgendwie geht das bei mir Hand in Hand, ich dusche täglich (was zwar nicht gut für die Haut ist, aber sonst fühle ich mich unsauber, vor allem, wenn ich mit dem Rad zur Arbeit und zurück fahre). Ich sorge auch für mein direktes Umfeld. Im Geschäft verlasse ich den Laden so, wie ich am nächsten Morgen vorfinden möchte, maximal lasse ich ein angefangenes Projekt liegen, das ich am nächsten Morgen weiter bearbeiten will. Das gilt vor allem für die Tage, an denen meine Kollegin morgens kommt oder ich gar nicht da bin. Das gehört, finde ich, zur Disziplin dazu. Morgens nicht erst mal eine Stunde herumzulaufen, Sachen wegzuräumen und Kasse und Kassenbuch einzurichten sorgt für einen gelasseneren Start in den Tag. Daheim räume ich eben auf, aber ich sauge auch, wische regelmäßig die Küchenoberfläche ab, bringe den Müll herunter – entweder nach Termin oder wenn er voll ist – lüfte und mache die Betten. Ich finde, den Alltag durch das Ausführen dieser kleinen Dinge bequem und am Laufen zu halten gehört zur Disziplin dazu.

Größere Putzaktionen gehören ebenfalls zur Disziplin. Alle meine Freunde haben jetzt eigene Wohnungen, und alle sorgen dafür, das es so sauber wie möglich ist. Bei mir gehört dann staubwischen, die Bäder putzen, den Boden wischen, Wäsche waschen, die Küche gründlich putzen, Haare aus Abflüssen entfernen und sowas dazu. Muss eben gemacht werden, ein ganz typischer Satz, wenn es um Disziplin im Haushalt geht.

Wenn man Haustiere hat kommt man um Disziplin nicht herum. Ich möchte erreichen, das es meinem Hund, meiner Katze, meinen Garnelen so gut wie möglich geht. Ich habe vielleicht keine Lust, das stinkige Katzenklo sauber zu machen, aber ich muss mich hier beherrschen und es einfach machen. Oder, konketer, ich muss eben Wasserwechsel im Aquarium machen, auch wenn die aufwändig sind.

Am Schluss greift die Disziplin des einzelnen dann auf die Außenwelt über. Ich sollte mich disziplinert an Verkehrsregeln halten, auch wenn ich als Radfahrer das Gefühl habe, mich da noch schnell durchquetschen zu könnne und damit schneller von der Kreuzung zu sein. Leute erst aus der Bahn aussteigen zu lassen, während man draußen im Regen steht, gehört zu einer der diszipliniertesten Regeln des alltäglichen Zusammenlebens. Und schon kommme ich zu Kern der Sache: Eine gewisse Disziplin sorgt für ein gutes Zusammenleben in einem in Städten eben begrenztem Raum. Dafür ist Disziplin da.

Ab und an sollte man die Disziplin aber fahren lassen. Sonst macht das Leben keinen Spaß. Mal nicht aufräumen, mal nicht putzen, mal drängeln. Muss auch mal sein. Aber immer in Maßen!

Ich und die KonMari-Methode

Nachdem ich Teile der Netflix-Show mehrfach geschaut habe und Marie Kondos „Das große magic cleaning Buch“ zweimal gelesen habe möchte ich nun doch meine fünf Gedanken dazu aufschreiben. Ich bin ja gerade umgezogen und wollte diesmal gleich alles richtig einräumen und sauber haben. Das hat nur bedingt geklappt, es ist jetzt Monat vier und es stehen immernoch Kartons rum, weil wir einfach nicht so viel Geld für Möbel auf einmal ausgeben können. Aber: es sind nur noch vier Kartons und nur einer davon gehört mir!

Hier zur Illustration ein Foto von meinem Kleiderschrank. Man kann gut die vielen Kisten sehen, die die meine Kleidung stehend einsortiert ist. Oben links eine Ecke für Erinnerungsstücke: meine Plüschtiere.

Ich bin seit meinem Auszug bei meinen Eltern ein eher ordentlicher Mensch, wobei sich der Grad der Ordnung mit den Jahren eher verstärkt hat. Zwischendrin hatte ich sogar mal einen Putztick, aber immer alles perfekt und sauber macht auch nicht glücklich. Im Moment peile ich vor allem die leichte Auffindbarkeit von Dingen an und sortiere Dinge eines Themas zusammen. Sprich, Bücher zu Büchern, Nähzeug zu Nähzeug, Bastelzeug zu Bastelzeug und so weiter. Da kam die Netflix-Serie gerade zur richtigen Zeit für mich. Im Januar war ich auch noch ständig krank, und mehr als rumliegen und etwas schauen habe ich nicht hin bekommen. Also: Ich habe die ganze Staffel auf einmal geschaut. Und es ist einiges hängen geblieben!

Aus Kategorie eins, Kleidung, ist folgendes bei mir hängen geblieben: Die Kleider-Faltmethoden von Kondo-Sensei sind großartig! Mein Kleiderschrank sieht jetzt so viel besser aus, und heute morgen habe ich einfach in eine kleine Kiste gegriffen und hatte sofort die richtigen Socken in der Hand. Kleidung hatte ich vor dem Umzug schon heftig aussortiert, weswegen ich diesen Schritt in der neuen Wohnung überspringen konnte.

Bücher, Kategorie zwei, waren dann schon härter. Ich wollte, das alle meine Bücher in ein bestimmtes Kallax-Regal von Ikea passen, und dafür musste ich heftig Bücher loswerden. Zum Glück gibt es in Karlsruhe viele Bücherschränke, in welche ich Bücher einfach einstellen kann, und auch einen Bücher-Secondhandladen. Meine Bücher waren in der alten Wohnung im Flur, auf meinem Hochbett und in einem Regal verstaut. Also an drei Orten. Das wollte ich vermeiden, zumal ich oft ein bestimmtes Buch suchen musste. Jetzt passen alle meine Bücher in ein Regal, sind weitestgehend nach Thema sortiert und stehen bisher auch nur vereinzelt in zwei Reihen. Ich habe sogar noch Platz für weitere Anschaffungen! Allerdings möchte ich das Regal weiterhin so locker befüllt haben, das heißt, für jeden neuen Roman muss ein alter gehen. Mal sehen, wie lange ich das durchhalte…

Papiere, Kondo-Senseis Kategorie drei, habe ich leider erst nach dem Umzug richtig in Agriff genommen. Und hier konnte ich auch das meiste wegtun. Ich habe viele Briefe meines verstorbenen Opas aufgehoben, aber die meisten Zeitschriften ins Recycling gegeben. Die wenigen, die ich behalten wollte, habe ich zusammen ins Bücherregal gestellt (und ich ertappe mich jetzt dabei, wie ich sie immer mal wieder lese). Alles an Uni-Unterlagen bis auf meine beiden Lieblings-Seminare habe ich weggetan. Ich habe vor 10 Jahren angefangen zu studieren und schon während des Studiums nicht mehr in die Papiere des vorangegangenen Semesters geschaut, warum also aufheben? Da hat Kondo-Sensei absolut recht: Kann allles weg. Papiere, die wichtig sind, sind in ihren entsprechenden Ordner, und die neue Wohnung hat ihren eigenen Order, der ausnahmsweise in der Küche steht, damit mein Freund und ich beide leicht Zugriff darauf haben.

Komono, Kategorie vier, also „Verschiedenes“, hat vor allem in der Küche extrem Spaß gemacht. Da habe ich mit meinem Freund zusammen immer mal wieder umsortiert, und jetzt liegen Metalldinge bei Metall, Plastesachen sind alle zusammen in einem Schubfach, Backzeug unterm ofen…. Außerdem war der Tipp, alles IN die Schränke zu stellen, Gold wert. Ich habe immer eine freie Arbeitsplatte. Ich nehme sehr gern Dinge aus dem Schrank, wenn ich sie brauche, und stelle sie nach Benutzung wieder zurück. Das ist, wie Kondo-Sensei auch schreibt, gar keine große Sache. Allerdings bin ich in drei Punkten von der Methode abgewichen: Schwämme und Lappen kommen mir ganz sicher nicht IN den Schrank. Das Zeug trocknet einfach nie richtig. Außerdem habe ich an der Spüle eine praktische kleine Vertiefung mit Abfluss genau dafür. Toaster, Wasserkocher und Wasserfilter benutze ich mehrfach täglich und die stehen auf einem komischen Stück Arbeitsplatte am Fenster wirklich sehr gut und nicht im Weg, deswegen dürfen die drei draußen wohnen. Und ich pule sicher keine Etiketten von Putzmittel ab. Nachdem ich einen Unfall mit meinem Feinsteinzeug-Boden hatte möchte ich die Zusammensetzung eines Putzmittels unbedingt sofort nachgucken können.

Erinnerungsstücke, Kategorie fünf, haben mir noch nie viele Probleme beim Aussortieren verursacht. Aber Kuscheltiere, oh je. Da habe ich alte Erinnungsstücke aus einer 16 Jahre zurückliegenden Beziehung mehrfach mit mir umgezogen. Dank der KonMari-Methode habe ich endlich einiges an Kuscheltieren entsorgen können! Ich habe meine schönste Papiertüte hergerichtet, habe mich von jedem Tier einzeln verabschiedet, habe alle Kuscheltiere mit einem schönen Stoffrest zugedeckt, damit ich beim Entsorgen dann nicht noch einknicke, weil sie mich „so anschauen“ und dann ging das Verabschieden ganz leicht. Im Kleiderschrank habe ich jetzt auf dem oberen Brett einen Bereich für meine Lieblings-Plüschtiere. Die Idee, seinen Kleiderschrank auch für Erinnerungsstücke zu nutzen, habe ich auch von Marie Kondo.

Insgesamt ist die neue Wohnung luftig und leicht. Wir haben nun auch fast alle Möbel, und alles ist einfach zu finden. Freie Flächen überall. Wie sich das eigentliche Putzen letzendlich gestaltet muss ich noch sehen, aber Staubsaugen geht ganz gut, weil kaum was auf dem Boden rumsteht. Vieles kann ich auch einfach auf seinen Filznoppen nach vorn ziehen und dahinter fix saugen. Küche putzen muss ich nur noch ab und an, da ich Fettspritzer und Wasserflecken nach Kondo-Seinseis Rat gleich wegwische.

Das Buch finde ich persönlich hilfreicher als die Netflix-Serie. Meine liebste Folge ist tatächlich genau die, die Marie Kondo laut ihrer Webseite am liebsten mag: Jene, in der Marie Kondo einem amerikanisch-japanischen Ehepaar hilft, sein Haus für die „goldenen Jahre“ herzurichten. Diese beiden haben so schöne Sachen, die einfach nicht zur Geltung kamen, bis sie Kondo-Sensei (und Netflix) um Hilfe gebeten haben. Das hat mich angespornt, meine Erinnerungsstücke besser zur Geltung kommen zu lassen. Und eine Freundin hat mal zu mir gesagt: „Du hast so schöne Sachen“ und da hat sie Recht. Meine schönen Sachen sollen sichtbar sein – und ich brauche eigentlich keine weiteren schönen Sachen mehr. Ich habe ein bisschen was an Kleidung ausgetauscht, aber ich brauche definitv sonst nichts. Ich habe alles.

Ein kleiner letzter Absatz noch zur KonMari-Netflix-Serie: Der Vorwurf, dass Marie Kondo ein antiquirtes Frauenbild vermittelt, sprich, das die Frau den Haushalt schmeißt, erübrigt sich spätestens in der Folge, in der sie der GANZEN Familie Aufräumtricks beibringt und sich nach und nach jeder einen Bereich aussucht, für den er oder sie zuständig ist. Es geht darum, zusammen ein schönes Zuhause zu haben. Nicht mehr und nicht weniger.


Das Problemkleid (Gothic-Reformkleid 1881)

Für das WGT 2019 – oder irgendeine andere dunkelromantische Veranstaltung, die in halbwegs sauberen Räumen abgehalten wird – wollte ich mir ein neues Kleid nähen. Gemäß meines neuen Mottos „Weniger Sachen, dafür bessere Qualität“ habe ich diesmal einen beonders feinen Stoff ausgewählt, der auch halbwegs historisch korrekt ist, nämlich reine Seide. Teuer ist das auch. Das Schnittmuster hatte ich schon, ich habe „Patterns of History Avantgarde Dress 1881“ verwendet. Dieses Schnittmuster ist von einem originialen Kleid, was eine echte Frau in 1881 getragen hat, abgenommen worden, was für mich später noch von Bedeutung sein wird.

Kleines Bild des Schnittmusters. Das ist ganz umfangreich, aber die Anleitung ist nur ein fortlaufender Text ohne Bilder und daher leider ziemlich nutzlos. Generell ist das hier nichts für Anfänger, ich war froh, dass ich immerhin schon mal Blusen auf Futter nach viktorianischer Art konstruiert habe

Ich vergesse jedes Mal, dass ich um einiges größer bin als die historische Frau und hatte dann natürlich zunächst Probleme mit der Länge des Kleides. Zum Glück habe ich ein Probestück aus irgendwelchen Stoffresten gemacht, da konnte ich das Problem wenigstens bemerken. Jedoch habe ich die Probe-Ärmel nur angesteckt und nicht angeheftet. Wie doof, denn die sollten dann noch das zweite große Problem mit dem Kleid werden. Ich habe schon am Probestück alles kleiner im Umfang gemacht und Abnäher größer gemacht, dennoch ist das Kleid mir um die Hüfte einen Tacken zu groß. Obenrum hat es eigentlich gut gepasst, da habe ich dann doch etwas zu viel beim Futter zusammengekürzt und jetzt passt es nur noch gerade so. (Ich sollte mal einen Kurs zum Thema Schnittanpassung machen….)

Work in Progress noch in der alten Wohnung. Soweit, so gut, ein wenig Konstruktionsprobleme mit dem gerafften Frontpanel, sonst lief es da aber noch.

Ich habe mir diesmal von vornherein eine Gothic-Variante fürs WGT gedacht, weswegen ich nicht so extrem viel Wert auf eine historische Arbeitsweise oder Silhouette gelegt habe. Spätestens bei den Ärmel hatte sich das dann auch erledigt: Die geraden Ärmel aus dem Schnittmuster habe ich überhaupt nicht sinnvoll an das Kleid bekommen! Nach zweimal neu zuschneiden und dem Ende des Stoffes in Sicht habe ich getestete und für gut befundene Ärmel aus einem anderen Schnittmuster genommen und siehe da, die passten. Ich habe die später nochmal neu eingesetzt, da ich sie leicht verdreht hatte (der linke Ärmel spinnt immer noch ein bisschen), aber jetzt geht es.

Work in Progress, zweiter Teil. Leider, leider ist mir zu spät aufgefallen, dass die violette Seide nur 1,40m breit liegt und mir am Ausschnitt oben ca. 10 cm fehlen. Da habe ich dann mehr schlecht als recht angesetzt, und musste das Problem irgendwie verdecken. Hier noch mit dem Teststück, einer Halsschleife von einer alten Bluse.

Am Ende war ich mit dem Ausschnitt unglücklich. Nicht nur, dass ich ansetzen musste, ich fand die Form an mir auch ganz arg unvorteilhaft. Die Schleife steht mir sowieso besser, also Glück im Unglück. Zwischendurch habe ich überlegt, ob ich doch Korsett und Pokissen einplanen will, denn die Falten am unteren Rücken wollten auch nicht so wie ich, habe beides dann aber wieder verworfen. Das wurde wohl unter dem historischen Kleid getragen, aber ich wollte ja eben gerade eine leicht tragbare Version des Kleides! Leicht anzuziehen sollte es eben auch sein, es ist vorn zu schließen und ich kann von oben hereinsteigen (kein Haarspray auf meinem teuren Kleid….).

Nächstes Problem: Der Saum. Die Falten vom gerafften violetten Vorderteil wollten sowieso nicht wirklich in einen Saum gehen, obwohl ich die Anleitungsgemäß schön gebügelt habe. Der Saum selbst schleppt hinten ein paar Zentimeter, und mit dem steifen Seidentaft gab das irgendwie eine Art Zelt, das fast von allein steht. Ich wollte ja eigentlich keine Rüschen, deshalb habe ich versucht, den Saum mit Bleiband dazu zu bringen, das zu tun, was ich will, was zuerst auch geklappt hat – zuerst, denn leider, leider, war das Kleid jetzt zu kurz.

In diesem Zustand ist es dann mit umgezogen. Schon anziehbar, die Spitze immerhin mit der Maschine angetackert, aber insgesamt nicht zufrieden stellend. Die Ärmel waren Aufgrund der Drehung auch ein wenig zu kurz, weshalb sie kleine Rüschen aus Resten der violetten Seide bekommen haben. Wirklich letzte Reste, an dem Punkt hatte ich keinerlei Stoffreste mehr.

,Die finale Version, nach dem Umzug. Mit Rüschen und allem drum und dran.

In der neuen Wohnung habe ich das Kleid nochmal fast komplett neu gemacht. Ärmel raus, Saum auf und nochmal abrunden, Ärmel drehen, die Faltenpartie vorn falten und mit der Hand festnähen, Spitze von Hand schön festnähen. Der Saum war jetzt definitv zu kurz. Ich habe am Ende nochmal richtig Geld in einige Meter Seide investiert – der Laden hatte seit September zum Glück nicht alles der violetten Seide verkauft – und eine 12 cm breite Rüsche gemacht. Und wieder Glück im Unglück: Die Rüsche macht das Kleid irgendwie besser! Noch die Falten am unteren Rücken von Hand bändigen und die Schleife, die ich aus dem passenden Stoff gemacht habe, ausrichten, und jetzt ist es anziehbar. Was für en Drama. Es gibt nur ein anderes Kleid, an dem ich so viel geändert habe, und das ist tatsächlich das Regency-Kleid, welches ich unter dem schon vorgestellen Überkleid trage. Das hat aus dem gleichen Grund eine Saumrüsche.

Detail des oberen Bereiches. Sieht insgesamt viel besser aus

Was noch fehlt ist ein wenig Arbeit innen. Durch das viele Ändern habe ich sehr viele offene, unversäuberte Nähte, und obwohl das Futter – das Kleid ist nur im Oberteilbereich gefüttert – aus festem Baumwollstoff ist, muss ich da noch die eine oder andere fusselnde Naht versäubern. Versäubert habe ich mit der Overlock, aber gerade im Schleppenbereich muss da auch nochmal Schrägband um die Nähte, denn gerade diese super sauberen Overlocknähte neigen dazu, den halben Parkweg samt aller Blätter und kleiner Stöckchen einzusammeln und gut fest zu halten.


Die Rückansicht ist jetzt phänomenal. Und ja, da stehen immernoch Umzugskartons in der Wohnung.

Fazit: Seide nehme ich für sowas nicht nochmal, das ist zum einen viel zu teuer, zum anderen fiel mir im Laufe der Arbeit auf, dass ich dafür eine Menge Seidenraupen habe umbringen lassen. Ob das Kleid überhaupt in die Reinigung kann ist noch offen. Ich muss auf jeden Fall eine Chemise drunter tragen, um es halbwegs zu schützen.

Das Schnittmuster ist auch nicht der Bringer. Die originale Trägerin muss klein und um die Hüften sehr umfangreich gewesen sein, aber viel Busen hatte sie nicht. Wenn man, so wie ich, nicht so gut im Schnittmuster anpassen ist, ist das ein echtes Problem. Die Anleitung ist auch ziemlich nutzlos. Da haben sich mal eine Grupper Forscher*innen so viel Mühe gegeben, das ist ein wenig schade, das es am Ende so unpraktisch zu benutzen ist, das Schnittmuster. Aber: Ich habe jetzt ein schönes Kleid! Das wird vermutlich auch mein einziges neues Kleid fürs WGT sein, weswegen ich es stolz tragen werde!

Das Jahr des (inneren) Schwein(ehunde)s*

2019 scheint bei mir das Jahr der Veränderung zu werden. Auslöser dafür ist hauptsächlich, das ich mit meiner Jobumgebung so sehr unzufrieden bin. Ich kämpfe zusätzlich immer mal wieder mit persönlichen Problemen, wieder jeder andere auch, nur schaffe ich es oft nicht, den genauen Grund für meine Unausgeglichenheit zu finden.

Versteht mich nicht falsch, ich mag den Inhalt meiner Arbeit in der Kunstgalerie sehr, ich kann nur einfach nicht damit, wie er organisiert ist. Ich hätte nie gedacht, dass mir sowas mal so wichtig sein kann, aber ich brauche ein geregeltes Maß an Arbeit, um zurecht zu kommen. (Randbemerkung: ein paar Sachen konnte ich selbst organisieren, aber vieles wird von oben geblockt. Es ist nicht so, als hätte ich 2018 nicht versucht, mein Arbeitsumfeld zu verändern.)

Das letzte Jahr über habe ich schon gemerkt, das der Wurm drin ist, aber hauptsächlich darüber gejammert – noch wusste ich genau, was eigentlich das Problem ist. Das führt bei mir zu übermäßigem Jammern. Jetzt weiß ich, was ich tun kann, um das Problem zu beheben, und das jammern wird weniger. Insgesamt ist der große Überplan also, einen anderen Job zu finden. Am besten etwas, das weiterhin mit Schlösser und Gärten zusammenpasst.

Bei Schlösser und Gärten hatte ich umzugsbedingt und wegen des Weihnachtsgeschäfts drei Monate Pause einlegen müssen. In den drei Monaten hat sich das Gerücht bestätigt, dass das Schloss Mannheim ab März 2019 wegen Renovierungsarbeiten bis 2020 geschlossen bleiben wird. Das hat mich zunächst geärgert, da ich den Kurs, von dem ich hier ja schon berichtet hatte, anders angegangen wäre, hätte ich das gewusst. Dann wurde mir jedoch eine Ersatzposition im Schloss Schwetzingen ab April angeboten, die mit meinem Schneiderhobby zusammengeht, weshalb sich das Problem schnell gelöst hat.

Auf sportlicher Seite steht ein Auftritt mit der Tibal-Fusion-Tanzklasse an, und ich weiß jetzt schon, das ich bei dem angekündigten zweiten Auftritt nicht dabei sein werde. Ich tanze seit drei Jahren sehr gern und gehe regelmäßig ins Training, aber ich wollte nie Auftritte haben und jetzt weiß ich auch wieder warum: ich möchte die Zeit für Auftritte einfach nicht aufwenden. Es gilt ein Kostüm für mich passend zu den anderen Tänzerinnen zu machen, es gibt Extraproben und der Auftritt selbst kostet mich wohl ein ganzes Wochenende – ich leide nicht sehr unter Lampenfieber, aber allein der mit Menschen gefüllte Raum und die Aufregung der anderen, die ich spüren kann, wird mich auslaugen. (Ich kenne die Rocking Away the Cold-Hafla als Besucher.) Der Auftritt wird Klasse werden, wir alle stecken da so viel Arbeit rein, aber für mich reicht das erst mal.

Längerfristig steht ein Rechtsstreit mit unserem ehemaligem Vermieter aus, den ich schon seit Dezember versuche weit von mir zu schieben – ich möchte mit der ganzen Sache eigentlich nichts mehr zu tun haben, auch wenn wir warscheinlich im Recht sind. Es laugt mich aus, immer wieder darüber zu sprechen, zu texten und Temine zu haben. Ich möchte nur noch, das die Sache vorbei ist, egal mit welchem Ausgang. (Leider weiß ich, dass wir in absehbarer Zeit keine Ruhe davor haben werden, denn es steht noch eine Abrechnung aus.) Hier arbeite ich an mir, mich da eher wie mein Freund zu verhalten, der das Ganze wenig an sich ran lässt (und sich zugegeben auch sehr viel weniger darum kümmert als die beiden Mädchen aus unserer alten WG). Ich sehe hier aber auch eine große Chance für mich, vielleicht wird mir so die Angst genommen, immer alles hinzunehmen, auch wenn man im Recht ist, nur aus Angst, die Wohnung gekündigt zu bekommen.

Ich habe in den vergangenen Jahren viele Hürden überwinden müssen, vieles davon hätte ich mir vor, sagen wir, 10 Jahren, gar nicht vostellen können. Ich werde besser darin, diese Hürden leichter zu nehmen (und Hürden, dich nicht überspringen kann, einfach sein zu lassen und nicht ständig darüber zu grübeln). Das möchte ich in 2019 weiter führen. Ich habe dieses schon geschafft, da schaffe ich das hier auch noch.

Ganz großes Thema jetzt gerade ist die Wohnung und vor allem putzen und aufräumen. In einer WG mit vier anderen Menschen konnte ich vieles auf andere abwälzen bzw. vieles war durch andere verursacht, das ist in meiner eigenen Wohnung nun nicht mehr der Fall. Mein Freund ist ebenfalls ein ordentlicher Mensch, und zusammen arbeiten wir Schritt für Schritt an der neuen Wohnungseinrichtung. Das wird uns eventuell das ganze Jahr begleiten. Im Moment habe ich Marie Kondo und ihre Methoden für mich entdeckt. Ich gehöre zum Glück nicht zu den Menschen, die die These, durch aufräumen werde mein Leben besser, für das neue Mantra halten, aber ich nehme dennnoch Sortier- und Falttipps sowie eine gewisse Achtsamkeit für meine Dinge mit. Gestern hat jemand zu mir gesagt: „Du hast so viele schöne Dinge.“ und ich habe zugestimmt. Ziel in der neuen Wohnung ist, die Dinge besser zur Geltung kommen zu lassen und mehr zu benutzen. Und vor allem: weniger Neues zu kaufen.

Konsum und Müll ist in meinem Umfeld vor allem in der WG ein großes Thema. Einer meiner Mitbewohner hat vollkommen Recht, wenn er den großen Anteil an der globalen Erwärmung und den wirtschaftlichen Schwierigkeiten den großen Kooperationen/Firmen zuschreibt. Schuld sind zu großen Teilen deren unsachgemäßer Umgang mit Ressourcen, diebische Geschäftspraktiken und schlicht kriminelle Energie. Mir fallen da auf Anhieb der Dieselskandal, der Glyphosatfall und die durch wirtschaftliche, politische und nicht zuletzt eben durch die globale Erwärmung ausgelöste „Flüchtlingskrise“ ein. Dennoch denke ich, dass auch weiterhin jeder Einzelne seinen Teil tun kann. Bei mir bezieht sich das vor allem auf mein Konsumverhalten: ich versuche schon seit letztem Jahr, nur Sachen zu kaufen, die ich wirklich gut finde (Marie Kondo nennt das „spark of joy“) und von denen ich glaube, dass ich sie brauche und sehr lange benutzen werde. Mein Freund verfolgt diesen Gedanken schon länger, was zur Folge hat, das wir viele teure Sachen haben – davon aber immer nur schönes und ein einziges. Der nächste Schritt wäre nun, sich mehr auf Fair Trade und die Herkunftt der Dinge zu konzentrieren. Wir arbeiten da dran, ich kaufe meine Schuhe nun „made in Germany“, unser Bett ist aus europäischem Holz und ebenfalls in Deutschland hergestellt, sehr viele unserer Küchendinge sind so, dass wir sie warscheinlich für immer haben. Zum Glück habe ich wenigstens auf der Arbeit ind diesem Bereich kein Gewissensproblem, denn das meiste der Waren in der Galerie wird sogar in Baden-Württemberg produziert (weniger Liefer-LKW hat das auch noch zur Folge). Müll scheint sich irgendwie von selbst gelöst zu haben. Biomüll kommt bei uns eh in einen Papierbeutel und wird in die entsprechende Tonne entsorgt, und abgesehen vom Verpackungsmaterial vom Umzug (das glücklicherweise viel Pappe und Papier war und über die entsprechende Sammlung entsorgt werden konnte) produzieren wir beide überraschend wenig Mülll. Restmüll ist unter 6 l in zwei Wochen. Wir werden weiterhin wenn möglich eher unverpackte Lebensmittel kaufen. Das wird zum Glück von den lokalen Supermärkten hier unterstützt, alle bieten Optionen zum selbst abpacken an – sei es als Fleischtheke oder loses Obst und Gemüse.

Nach dem 35c3 habe ich mich gefragt, wo eigentlich mein von meinen Eltern schon gefördertes politisches Engagement hin ist. Ich war als Jugendliche viel auf Demos – teilweise mit meinem Eltern – aber in den letzten Jahren bin ich zwar regelmäßig wählen gegangen, aber das wars auch schon. Zu jeder Wahl gehörte auch, das ich mich informiere, was ich wähle und wen ich wo sehen will (mit der Bundestagswahl hat das übrigens geklappt, mein Abgeordneter sitzt im Bundestag und vertritt meine Ansichten da, wie ich finde, ganz gut). Aber sonst? Ich nehme mir für 2019 vor, wenigstens gelegentlich mal die eine oder andere Sache zu unterstützen, die ich wichtig finde.

Den Kreativitätsschub vom 35c3 möchte ich weiterverfolgen. Momentan hängt es an einer fehlenden Bestellung, aber LED werden hoffentlich in 2019 weiterhin Thema bleiben. (Weniger im Internet bestellen steht nicht auf meiner Liste, da leider die meisten Geschäft ähnliche Öffnungszeiten haben wie mein Arbeitsplatz und ich so schlicht nicht einkaufen gehen kann.)

Und der letzte große Punkt für 2019: mehr bloggen (das klappt ja schon ganz gut). Jede Woche ein Eintrag war utopisch, und manchmal ist es eben nur ein Eintrag im Monat, da oft auch Recherche dazu gehört. Alle zwei Wochen könnte aber realistisch werden. Ich könnte ja auch mal wieder über Bücher schreiben – und vor allem müssen die Einträge ja nicht lang sein. Das wäre wirklich gut für mich.

*2019 ist das Jahr des Schweins

Unter Hackern

Dieser Beitrag wird bis zum Ende des Kongresses bearbeitet und erweitert. Viel Spaß mit der finalen Version 5!

Live vom 35. Chaos Communication Congress in Leipzig

Ich sitze in Halle 2 an einem Tisch bei den Futterständen. Hinter mir ist eine helle Lampe, sonst ist mein Handy oft das hellste in meiner direkten Umgebung. Musik unbestimmten Genres (Ambient?) läuft, aber nicht zu laut. Das Geräusch von Gesprächen liegt über der Halle, die gefüllt ist mit inspirierten Leuten, die an Projekten arbeiten, sich austauschen, basteln. LED-Lichter und Glitzer setzen Akzente. Die allgemein akzeptierte Anweisung, jeden Menschen im Foto vorher zu fragen sorgt für eine extrem entspannte Atmosphäre. Ist doch egal ob meine Haare richtig liegen, es wird nicht ohne meine Zustimmung festgehalten. Generell ist es bei den Hackern egal, ob du Männlein, Weiblein, Kindlein oder irgendwas dazwischen bist. Das ist sehr, sehr angenehm. Geschaut wird höchstens, wenn man ein interessantes Objekt mit sich trägt. Das können blinkende Rucksäcke, Haarschmuck oder beleuchtete Taschen sein. Hat man ein Fahrgerät – Roller, fliegender Teppich, Skates, Longboard, Sessel, Getränkekasten… – macht das die Wege kürzer, man wird aber gut im Ausweichen. Als Fahrer wie auch als Fußgänger. Richtig voll ist es nie, auch das hinaus- und hineingehen in die Vortragssäle klappt ohne Gedränge und Gedrücke. Dafür sorgen auch die unzähligen Engel, wie die freiwilligen Helfer genannt werden. Man kommt schnell ins Gespräch, über fachliches, aber auch einfach mit dem Nebentisch zum Thema Podcasts.

C3Croc
Dieses Bild ist tatsächlich von Tag zwei, als das C3Croc noch relativ sauberes Wasser hatte. Es bewacht die Skulpturen.

Für mich nicht ganz Neuland, aber in den Dimensionen schon. Ich war zweimal auf der Gulasch Programmier Nacht in Karlsruhe, aber dort nur als Kurzbesucher. Der CCC bespielt die komplette Neue Messe Leipzig, kein Vergleich zur handlichen GPN. Die schiere Größe des Events stört allerdings die Atmosphäre kaum, es bleibt kreativ.

Mich haben vor allem die Vorträge (Talks) angezogen. Als Kunsthistorikerin völlig fachfremd kann ich hier definitiv etwas Neues lernen. Manchmal fällt es mir schwer, wach zu bleiben (ich hätte mich im Studium nicht auf Wissen schlafend diffundieren trainieren sollen…), was aber nicht an der Qualität der Talks liegt. Bisher habe ich fünf Talks besucht, deren Themen von „How does the Internet work?“ bis zu „The good, the strange and the ugly in 2018 art&tech“ reichten. Ich habe jetzt eine dunkle Ahnung, wie mein Laptop mit Hilfe von Routern und Servern Internetseiten auf meinen Bildschirm bringt. Ich habe einen Ausflug in mein eigenes Fach gemacht und Kunst mit Technik verknüpft gesehen und die soziologische und ökologische Komponente vorgestellt bekommen. Ich werde so viel neues Wissen, Inspiration und Motivation vom CCC mitnehmen, das es für das ganze Jahr 2019 reicht!

Ada
Die Vögel wurden während des Congresses rehabilitiert. Die Dame ist Ada Lovelace, die als erste Programmiererin angesehen wird.

Im folgenden möchte ich einige der Talks hervor heben, die mir besonders viel mitgegeben haben. (Am Ende des Beitrags gibt eine Liste aller Talks, die besucht habe.) Da wäre zum Ersten der Talk über Datenschutz, der mich daran erinnert hat, die AGB von meiner eigenen Arbeitsstelle genauer lesen zu wollen, ob es da mit rechten Dingen zugeht. Die neuen Polizeigesetze in den einzelnen Bundesländern sind… Mir fehlen die Worte. (Dieser Talk war bis auf den letzten Platz besetzt.) Nico Semsrott verpackt Wahrheiten auf deprimierende Weise und bringt die volle Halle trotzdem zum Lachen. Ich lerne, wie ich mich bei eventuellen Hausdurchsuchungen durch die Polizei zu verhalten habe und welche Rechte ich habe und was ich tue, wenn die andere Seite meine Rechte nicht kennt.

Es gibt neben den Talks auch Workshops. Bisher habe ich einen Origami-Faltworkshop besucht. Dieser war so gut gefüllt, das das vorn erlernte Falten per mündlichem Wissenstransfer nach hinten durchgegeben würde und sich gegenseitig geholfen wird. Ich bin absolut begeistert, wie durch spontane Zusammenarbeit drei Origamitiere von allen Teilnehmern gefaltet werden konnten. Wenn mein nächster Workshop auch so läuft („Sewing with Electricity“)…! „Be excellent to each other!“ live und in Aktion!

Glaswurst
Nachts verwandelt sich die Glaswurst, sonst als Glashalle bekannt, in eine bunte Partyhalle mit Bars und Licht.

Es gab bereits einige Planänderungen. Statt der Doku „All creatures welcome“ war ich dann in Martin Sonneborns Satire aus dem Inneren des EU-Parlaments. Diese Veranstaltung wurde nicht gefilmt und ich kann sie somit nicht nachholen, anders als den Film. Davor hat Joscha einen Talk über den „Ghost in the Machine“ gehalten, den ich unbedingt nochmal gucken muss. Ich gebe zu, ich habe nicht alles genau verstanden, ich habe dennoch einige hochspannende Konzepte für mein eigenes Denken mitgenommen.

Wir haben einen Krankheitsfall in der Gruppe. Ich bleibe noch ein wenig daheim, um als nächstes herauszufinden, welche Daten Amazon über uns speichert. Das geht auch per Livestream.

Ich muss ständig fragen, welches Datum wir haben und welcher Wochentag ist (Ist Sonntag? Haben die Läden auf? Ah, nein, Samstag, Apotheke hat auf). Es verwirrt mich, ich finde es aber saugut. Richtig Pause von der Alltagswelt!

Amazon speichert alles, was nicht wirklich überraschend ist. Viel interessanter waren die Hinweise am Schluss des Talks, wie man an seinen Datensatz heran kommt. Das ist nämlich gar nicht so einfach, obwohl Amazon gesetzlich verpflichtet ist, dem Benutzer seine gespeicherten Daten zu geben. Ich fahre auf die Messe, nur um dann 45 min im CCL entspannt herumzusitzen und der Musik dort zu lauschen. Es folgt der Workshop, auf den ich mich schon den ganzen Congress freue. Und es war super! Ich habe es zwar nicht geschafft, meinen genähten Stromkreis zum laufen zu bringen, weiß aber, was ich falsch gemacht haben könnte und werde es daheim nochmal versuchen. Helen Leigh hat einen wunderbaren Job gemacht, viele Teilnehmer hatten am Ende einen drückbaren Stoffschalter. Und wieder waren alle Teilnehmer/innen sehr nett und hilfsbereit.

„Internet of Dongs“ ist, nach was es klingt: per App gesteuerte Vibratoren haben enorme Sicherheitslücken. Der Vortrag war kurz und knackig, und die Sicherheitslücken sind derartig lächerlich, das sogar ich einigermaßen beim Hacken mitgekommen bin.

Heute lag das Ende von Anfang an in der Luft. Die Teilnehmer scheinen alle übermüdet und geschafft zu sein, und auch meine Gruppe schafft nur noch zwei Talks und einen Kaffee. Als wir das Messegelände verlassen hat das Abbauen bereits begonnen. Ich möchte eigentlich noch nicht gehen und freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr.

Ich habe insgesamt das Gefühl, hier richtig zu sein. Der Congress und seine Teilnehmer gibt mir Hoffnung, das die menschliche Welt vielleicht doch noch geändert und besser gemacht werden kann.

Und noch etwas: kein Mensch braucht binäre Toiletten. Wir gehen da alle einfach nur kacken.

Nachtrag: Ich habe mich, statt für die Abreise zu packen, nochmal an mein Projektchen aus dem Workshop „Sewing with Electricity“ gesetzt und siehe da, jetzt leuchtet es (es war tatsächlich ein Fehler in der „Verkabelung“):

Persönlicher Fahrplan (Adams, Borg, Clarke etc. sind die jeweiligen Vortragssäle. Wer die Talks nachschauen will schaut bitte hier: https://media.ccc.de/c/35c3 )

Tag 1

  • Datenschutz für Neulandbürger – Beata Hubrig – Clarke
  • How does the Internet work? – Peter Stuge – Borg
  • Origami-Workshop
  • Transmission Control Protocol – Hannes Mehnert – Dijkstra
  • Polizeigesetze – Marie Bröckling, Constanze Kurz – Adams
  • Freude ist nur eun Mangel an Information – Nico Semsrott – Adams

Tag 2

  • Verhalten bei Hausdurchsuchungen – qbi, Kristin Pietrzyk – Borg
  • The good, the strange and the ugly in 2018 art&tech – Régine Debatty – Clarke
  • The Ghost in the Machine – Joscha – Adams
  • Meine Abenteuer im EU-Parlament – Martin Sonneborn – Adams

Tag 3

  • Archäologische Studien im Datenmüll – Letty, Katharina Nocun – Adams
  • Sewing with Electricity – Workshop – Helen Leigh
  • Internet of Dongs – Werner Schober – Borg

Tag 4

  • Netzpolitischer Wetterbericht – Markus Beckedahl – Adams
  • Secuity Nightmares 0x13 – frank, Ron – Adams