Throwback Thursday: Die Zeit in der ich Fotoshootings gemacht habe

*Throwback Thursday: klicke hier für eine Erklärung

Auch ich habe in meinen frühen bis mittleren zwanzigern Fotoshootings gemacht. Gefühlt alle Gothic-Mädchen und -Frauen haben das in der Zeit gemacht. Manche sind dabei geblieben und verdienen heute damit Geld, viele haben das Hobby wieder fallen lassen. Bei mir war vielleicht der Punkt erreicht, an dem ich hätte Geld dafür verlangen können, mich hübsch gekleidet vor eine mehr oder weniger professionelle Kamera zu stellen. Da habe ich dann aufgehört. Ich habe alle Shootings immer auf tfp-Basis, sprich „time for pictures“, also „Zeit für Bilder“ gemacht. Manche der Fotografen kann ich immernoch verlinken, manche sind in den Tiefen des Internets verschwunden. Ich gebe mir Mühe, alle Beteiligten zu verlinken. Wenn jemand jetzt anders heißt oder nicht genannt werden will, bitte melden!

Der niedliche Anfang. Absichtlich kein Foto, bei dem ich direkt in die Kamera schaue, da ich hier noch keinen gescheiten Gesichtsausdruck hinbekommen habe und ständig meine eine Augenbraue hochziehe. Die Farben in dieser Serie finde ich immer noch total umwerfend! Foto von: Comes Noctis Das Kleid habe ich übrigens selbst genäht, mein erstes großes Werk.
September 2010.
Das Shooting habe ich als sehr lustig, aber echt kalt in Erinnerung. Das mit der Augenbraue wurde besser. Foto wieder von Comes Noctis. Das Korsett ist gekauft, den Rest habe ich selbst genäht.
Oktober 2010.

Für mich standen oft die Klamotten im Vordergrund. Ich habe so viel Zeit und Geld in dieses Hobby gesteckt, ich wollte davon auch mal gescheite Fotos. Eine Kleiderpuppe zu kaufen und selbst Fotos zu machen, da bin ich irgendwie nicht drauf gekommen…. Ich hatte oft Spaß bei den Shootings, manchmal waren es aber auch purer Stress. Wie das eine Shooting in Pforzheim, bei dem ich auf dem Rückweg in einen Bahnstreik geraten bin und dann zwei Stunden in Pforzheim festhing. Nachdem ich stundenlang mein Bestes versucht habe vor der Kamera zu geben. Alle Fotografen waren super nett, bis auf einer, der wirklich wollte, dass ich meine Bluse weiter auf mache. Von dem Shooting wird es hier auch keine Bilder geben, so eine Person unterstütze ich nicht. Der Typ ist noch aktiv und macht jetzt geschmacklose Aktfotos.

Trotzdem weiß ich nicht so ganz genau, wieso ich unbedingt vor die Kamera wollte. Ich bin da ein bisschen talentfrei… Und habe über das warum nie so richtig nachgedacht. Im Nachhinein bin ich aber froh, dasss ich jetzt so viele schöne Fotos von mir hab aus einer Zeit, in der ich wirklich gut aussah. Was nicht heißt, das ich jetzt schlecht aussehe, ich bin so fit wie nie zuvor, aber ich sehe das Alter auf den Fotos kommen. Stört mich weniger, als das jetzt klingt, denn ich bin endlich normalgewichtig und habe immernoch diese krass reine Haut. Und ich kann jetzt Dinge heben und Berge hochsteigen, da ich gesünder bin als damals.

Das ist imernoch mein Lieblingsfoto von mir. Das Outfit ist teilweise gekauft, aber an dem Tag hat alles gepasst, Wetter, Kleid, Fotograf, Schlosspark. Nico hat mir in dem Shooting so viel beigebracht. Hier ist seine Sedcard: EnEsTe
Oktober 2010.
Das Foto, auch von Nico, hatte ich sogar an der Wand, wegen der Libelle. Da war dann auch der schiefe Hintergrund egal (über den hat Nico sich auch geärgert), aber es war ein sekundenschneller Schnappschuss.

Ich habe gerade entdeckt, dass ich gar nicht so lang Fotoshootings gemacht habe. Es kommt mir vor wie etwa fünf Jahre, aber es waren tatsächlich nur drei, mit mehreren Shootings im Monat in 2010 und 2011. Insgesamt waren es nur 15 Shootings. Vielleicht kam mir das so viel vor, weil es doch immer ein Aufwand war – Fotograf finden, Klamotten absprechen und zusammenstellen, Ort finden, Termin finden, hinfahren…. Das war für alle Beteiligten nicht ohne.

Susan hat immer das Beste aus mir herausgekitzelt. Heute weiß ich diese angenehm ruhigen Bilder umso mehr zu schätzen. Warum Susan und ich nicht weiterhin befreundet geblieben sind ist mir bis heute ein Rätsel. Susan verlinke ich absichtlich nicht, da ich von ihr nur das private Facebook-Profil habe.
So schön! Den Hut habe ich, wie den Rock, selbst gemacht. Susan hats einfach drauf! März 2011.
Wolfgang ist so ein Fall, bei dem ich keine Spuren im Internet finde. Das war das Shooting in Pforzheim. Hier habe ich es erst gegen Ende hinbekommen, wirklich etwas auszudrücken. Wolfgang hat sich alle Mühe gegeben mit mir. Hier ist alles selbst gemacht, und man sieht: meine Haare wachsen! März 2011.

An der Stelle habe ich beschlossen, zwei throwback thursdays zu machen. Das beste Material kommt noch! Ist eine schöne Zeitreise, ich bekomme fast Lust, mal wieder vor eine Kamera zu treten.

Wandertag im Schwarzwald

Letzten Samstag hatten wir eine Einladung zum Wandertag. An dem Tag waren 33°C , und ich hatte schon das schlimmste befürchtet, als es hieß, die Strecke ginge kaum durch Wald, aber es war dann sehr, sehr schön und angenehm!

Kunst mit Kuh. Okay, Kunst mit Kühen und Bach. Die Kunst war entlang des „Lebenswegs“, den wir teilweise gegangen sind.

Los ging es bei Sonners Heinehof. Da gab es allerlei freilaufendes Nutzvieh, für die Städterin (wie mich) natürlich spannend. Vorbei an Kühen ging es los in Richtung Schweighof, erst runter ins Tal, dann immer schön Berg auf. Da gab es eine Menge schöner Aussichten, zum einen ins Tal Richtung St. Ulrich, zum anderen gen Rheinebene.

Blick von halber Höhe Richtung St. Ulrich.

Vorbei an einem kleinen, gipfelkreuzartigem Jesus ging es weiter, teilweise durch den Wald, teilweise an Kuhweiden vorbei, Richtung des Eckhofes, wo uns Eis versprochen worden war. Das hat natürlich angespornt! Bis dahin ging es noch meistens bergauf.

Blick ins Tal Richtung St. Ulrich von weiter oben. Kaiserwetter.

Es gab wirklich sehr, sehr feines Eis mit Milch von der Eckhof-Kuh. Ich hatte einen Milkshake:

Etwas rosa aufgrund des roten Sonnenschirms. Den Eckhof gab es schon im 16. Jahrhundert.

Zurück zum Heinehof ging es nach dem Eis recht fix, erstmal war es später am Tag und die Sonne knallte nicht mehr so sehr, zum anderen ging es jetzt wirklich nur noch bergab (manchmal zu schnell, eine ausgeschilderte Abkürzung stellte sich als kiesig und rutschig heraus).

Freilaufende Gänse beim Heidehof. Es gab noch mehr Gänse auf einer großen Weide.

Am Schluss gab es ein feines Essen für alle im Heinehof. Platt und fertig und zufrieden ging es dann wieder nach Hause. Ein schöner Tag!

Google lässt mich den Weg nicht exakt aufnehmen, die Abkürzung kennt es z.B. gar nicht. Aber das war so ungefähr unsere Wanderroute.

Ausstellungseröffnung Karlsruher Künstlerbund: Künstler-Steinzeichnungen

Gestern war ich auf einer Ausstellungseröffnung. Dank der freundlichen Einladung der beiden Sammler, Herr Mayer und Herr Boeddinghaus, durfte ich als Einrahmerin die Sammlung einmal „in Aktion“ sehen. Was als Pflichttermin begann wandelte sich schnell in Spaß um. Zu sehen gab es Steinzeichnungen von Künstlern des Karlsruher Künstlerbundes, also viele Künstlerlithografien. Und diese waren es auch, die im Hauptfokus der Ausstellung standen – völlig zu Recht, denn ich habe selten so eine schöne Leuchtkraft und Lichtwirkung wie in vielen der Bilder gesehen! Auf die Lithographien war der Fokus gesetzt, demzufolge waren Ölbilder jeweils untergeordnet auf Staffeleien hinzugefügt. Das passte auch perfekt, denn die Ölbilder verfügen nicht über die gleiche Leuchtkraft wie die Lithographien. Das ist nicht falsch zu verstehen, ich mochte die Ölbilder, nur fehlte ihnen eben die Leuchtkraft der Lithografien.

Hier der Flyer für die Ausstellungseröffnung mit ein wenig mehr Info zum Künstlerbund.

Es war außerdem eine der best besuchten Ausstellungseröffnungen, auf der ich je war. Um nicht zu sagen: Es war richtig voll! Und das trotz 37°C-Wetter. Das macht natürlich Spaß, wenn man noch mehr Leute hat, mit denen man sich über Kunst unterhalten kann. Ich hatte mir außerdem meine Arbeitskollegin und meine Praktikantin mitgebracht, sodass wir eine kunstverständige Truppe waren. Herr Mayer war so freundlich, uns extra sein Büro zu zeigen, das vor wunderbarer Kunst schier platzt. Leider konnten wir uns nicht verabschieden, da wir nicht unhöflich ins Gespräch einfallen wollten. Ich habe schon sehr lange keine Ausstellungseröffnung mehr erlebt, die mir so viel Freude gemacht hat.

Leider habe ich keins der leuchtenden Bilder online finden können und kann daher nur mit meinem zweitliebsten Bild aufwarten, von dem gerade ein anderes Exemplar auf Ebay versteigert wird:

Walter Conz: Schlosspark, Lithografie, ca. 1920.

Zum Schluss noch ein Hinweis: hier gibt es einige Lithografien zu sehen, die zumindest eine Idee des Leuchtens vermitteln, von dem ich oben schrieb.

Es passiert nichts, aber es ist viel los

*Die Links in diesem Beitrag sind unbezahlt und von mir gesetzt!

Eigentlich hebe ich mir ja immer bestimmte Themen oder Ereignisse für den Blog auf. Diesen Monat hatte ich aber weder eine Idee noch ein Thema. Dabei habe ich mich mit so vielen Dingen beschäftigt! Darum soll es heute hier gehen – nichts passiert, aber viel los.

Mein letzter Artikel „Was ich nicht mehr kaufe“ ist dann doch nur die Spitze des Eisbergs gewesen. Was Anfang des Jahres mit Marie Kondo angefangen hat setzte sich mit der Entdeckung von Minimalismus als Lebenskonzept, Nachhaltigkeit und am Ende dann sogar Zero Waste fort. Youheum wurde eine große Inspiration, nicht nur eine Resource. Ihre Beiträge betrachte ich allerdings mit einem Funken Vorsicht, denn ich halte offen gesagt nichts vom Healing Code und EFT. Den Healing Code finde ich schlicht gefährlich. Methodisch Inkorrekt, der Wissenschaftspodcast, hat eine Kategorie „Schwurbel der Woche“, in den ich für mich persönlich alles derartige von Youheum einordne. That said: Der Rest ihres Blogs, Podcasts und Videos ist sehr gut! Viele Tipps zur Nachhaltigkeit, Minimalsimus als Lebensstil und generell einiges an Lebensweisheit. Den letzten Monat habe ich mich also hauptsächlich damit beschäftigt.

Gleich nach dem letzten Eintrag war dann die Gulaschprogammiernacht des Entropia e.V., bei der ich Samstag war und wieder viel gelernt habe. Ich kann mich immernoch nicht selbst überreden, die Frauen mit den Nähmaschinen anzusprechen, da möchte ich doch so gern mit machen! Ich hab sogar selbst was auf der GPN produziert:

Einfaches Stickbild des Sternbildes Kassiopeia mit LED.

Das WGT kam und ging das folgende Wochenende. Zum Thema Kostüme hatte ich mich ja schon hier geäußert. Beim Szeneblog Spontis gab es dann eine erwachsene, offene Diskussion zum Thema, an der ich mich ebenfalls beteiligt habe.

Eine ganz wichtige Errungenschaft für den Sommer wurde das folgende Wochenende installiert: Fliegengitter! Wir sind ja umgezogen, wie ich hier schrieb, und da wir einmal quer durch die Stadt nach Westen gen Rhein gezogen sind und dieses Jahr die Schnakenbekämpfungshubschrauber beide havariert waren, erwarten wir einen große Plage. Ob das chemische Bekämpfen der Schnaken ökologisch sinnvoll ist bezweifle ich, aber nicht jeder mag sich Fliegengitter installieren. Bisher haben die Gitter vor allem gegen die Wanzen geholfen, die jetzt außen drauf sitzen und rein gucken. Nehmt das, ihr Stinkwanzen!

Ich war tatsächlich mal wieder in einem Club. So nachts und mit tanzen. War ganz gut, auch meine Freunde hatte ich eine Weile nicht gesehen. Ich mag nicht mehr so viel Alkohol trinken und auch nicht mehr so lang bleiben, das ist wohl so ein Altersding – oder ich setze meine Prioritäten einfach anders? Bis 2 Uhr wars auf jeden Fall ganz gut.

Im Geschäft habe ich derzeit eine Schulpraktikantin. Ich hatte noch nie eine Praktikantin, ich war immer selbst die Praktikantin, deshalb gebe ich mir größte Mühe, dass sie einen Mehrwert aus dem Praktikum mitnimmt – wie Dinge gemacht werden, generelle Arbeitswelt, beantworten aller Fragen. Außerdem muss sie keinen Kaffee kochen und spült auch nur Geschirr, wenn sie Lust hat. Meine Praktikantin ist nicht da, um Pumpelarbeiten zu machen, sondern um was zu lernen!

Was ich als wöchentliche Gewohnheit eingeführt habe ist einmale die Woche zusätzlich zum Tanzunterricht Yoga zu machen. Derzeit noch mit einen Youtube-Video, aber im kommenden Semester möchte ich endlich einen Kurs an der Volkshochschule besuchen. Darauf spare ich ein wenig, auch wenn ich von finanzieller Seite nicht in Panik geraten muss, denn ich bekomme eine Gehaltserhöhung!

Mein Handy ist kaputt gegangen. Na ja, es funktioniert noch, aber ich habe das Display gesplittert (man nennt es auch Spider App, weil es aussieht wie ein Spinnennetz). Leider wird das Handy bei längerer Benutzung an der gesplitterten Stelle sehr heiß. Das ist zum einen gut, weil es meine Handynutzung einschränkt, aber auch doof, weil mein Handy mein wichtigstes Gadget ist. Ich spare für 2020 auf ein neues Handy, ein modulares, halbwegs fair und ökologisch produziertes Telefon. Das wird teuer, deshalb muss ich sparen.

Der Ausblick für den Rest des Sommers ist durchaus positiv. Ich habe mehrere Mittelaltermärkte im Kalender stehen, und dann noch eine kleine Reise nach England – diesmal mit dem Zug, was ein Abenteuer in sich ist. Wandern gehen möchte ich auch – die kommenden Monate werden also bestimmt gut!

Was ich nicht mehr kaufe

Die Europawahl ist vorbei und in Deutschland hat die Grüne Partei an vielen Orten die meisten Stimmen bekommen. Klimawandel ist echt und beim normalen Bürger als ernstes Thema angekommen. Und Leute machen sich jetzt – fast zu spät, aber immerhin – Gedanken, wie man weniger Müll verursachen, weniger Ressourcen verbrauchen und generell besser leben kann. Ich auch. Das ist ist ganz klar ein Trend, unter dem Hashtag #sustainability findet man allerei YouTube-Videos, Blogs und Infos. Könnte schlimmere Trends geben… Ein Teil des Trends ist bewusster Konsum oder sogar Konsumverweigerung. Darum geht es jetzt hier in meinem Artikel. Was kaufe ich nicht mehr? Wo möchte ich weniger/kein Müll mehr produzieren? Welche Ressourcen kann ich sparen? Wir (meint mich und meinen Freund) haben kein Auto und wollen auch keins, wir leben in der Stadt. Ich fahre seit 2006 fast alles innerhalb Deutschlands, Großbritanniens und Frankreichs mit der Bahn oder manchmal mit dem Bus. Diesen Nachhaltigkeitspunkt kann ich also schon mal abhaken. Im Alltag fahre ich Rad, und nur zwischen November und März habe ich ein Monatsticket für die Straßenbahn. Das ist also auch gebongt. Was gibt es noch?

Die Liste:

  • Einweglappen – es gibt prima waschbare Vesionen in jedem Drogeriemarkt. Demnächst werden die bei mir auch mal aus organischer, fair trade-Baumwolle sein können.
  • nicht vegane, mineralölhaltige und mikroplastikhaltige Kosmetik – ich brauche meine Reste davon noch auf, habe aber schon große Teile ersetzt. Führt zu viel etikettenlesen im Drogeriemarkt, aber ich habe sogar ein Shampoo gefunden, dessen Packung aus 90% Recyclingplastik sein soll.
  • Seife – da habe ich aber einen Vorteil, weil meine Eltern Seife herstellen.
  • Plastikflaschen – mit einer Ausnahme: Notfälle wie z.B. stundenlang im ICE ohne Klimaanlage in der Sonne festhängen. Das Wasser auf dem Klos im Zug ist kein Trinkwasser und meine mitgebrachten Wasservorräte in meiner BPA-freien Flasche sind dann meist schon leer. Passiert aber nicht allzu oft.
  • Obst und Gemüse in Plastik verpackt – was soll das? Außer Salat gibt es alles lose im Biobereich in jedem generischen Supermarkt. Ich bringe ggf. meine eigenen Beutel mit.
  • Plastiktüten (außer Müllbeutel, siehe unten) – aber auch keine Baumwollbeutel. Von letzteren habe ich soooo viele….
  • Smoothies, Öl und Essig in Plastikflaschen – Glasflaschen kann man besser recyclen und sie sehen schöner aus.
  • Strohhalme – sind eh verboten und wir besitzen seit Jahren welche aus Aluminium.
  • Kaffeemaschine – brauche ich nicht, ich mahle meinen Kaffee manuell und gieße ihn entweder im Filter (Biomüll!) oder in einer Kanne auf (gar kein Müll!)
  • Drucker und damit Druckerpatronen – bis vor zwei Wochen hatte ich daheim einen Drucker. Der ist nach gerade mal zwei Jahren kaputt gegangen. Sein Vorgänger hat ähnlich lange gehalten. Abgesehen davon, das Druckerpatronen auch nachgefüllt bös teuer sind und nicht umweltfreundlich: Das reicht jetzt. Ich drucke wichtige Sachen mit Erlaubnis meiner Chefin nun auf der Arbeit. Daheim schreibe ich mit der Hand, was sich für mich schon nach zwei Wochen angenehm entspannt und achtsam anfühlt.
  • Pflanzendünger – ich habe ein Aquarium, das Abwasser kriegen die Pflanzen. Scheint super zu funktionieren.
  • Starbucks im Pappbecher, generell Coffee-To-Go – braucht kein Mensch. In einer Porzellantasse nehme ich das süße Zeug aber ab und an schon gern…
  • Rucksäcke und Taschen – ich habe ausreichend Koffer, einen davon seit 12 Jahren. Rucksäcke nähe ich mir tatsächlich selbst, Taschen habe ich zwei Stück, eine davon auch schon 10 Jahre – ich brauche eigentlich nicht mehr als ein alltägliches Transportmittel.
  • Nicht-Öko-Schuhe – Schuhe habe ich im Schnitt 8 Jahre, die Qualität muss also sowieso gut sein. Hier bin ich aber auch im Vorteil, da ich auf die meisten Klebstoffe allergisch reagiere und meist nur Schuhe tragen kann, die irgendwie „öko“ sind. Meine letzten drei Schuhkäufe waren bei der Firma Waschbär und bei einem kleinen Laden in Heidelberg. Letzeres Schuhpaar wurde im Nachbarbundesland hergestellt.
  • Nagellack – zur Zeit besitze ich einen alten Klarlack und einen roten Lack, bei dem ich mir nicht mal mehr sicher bin, ob der noch taugt. Ich arbeite handwerklich, es macht einfach keinen Sinn, mir die Nägel zu lackieren. Und umweltschädlich ist das auch noch. Kaufe ich definitv nicht mehr nach.
  • Staubswiffer mit Griff und auswechselbaren Wedel – warum habe ich das Ding überhaupt gekauft? Verursacht Müll (der Wedelteil ist nicht waschbar!) und ich besitze waschbare Staubtücher…

Was ich mir fest vornehme nicht mehr zu kaufen

  • Fast Fashion – also C&A, H&M und Co. Eigentlich alles im großen Einkaufszentrum. Primark habe ich eh schon immer gehasst. Natürlich werfe ich meine Klamotten nun nicht einfach weg, die müssen schon noch ihre 4-10 Jahre von mir getragen werden, aber in Zukunft achte ich darauf, was ich kaufe. Ich habe schon sehr schöne Shops auf Etsy entdeckt, z.B. diesen oder diesen. Oder ich kaufe einfach gar nichts und mache mir Kleidung selbst. Kann ich ja, und ich habe auch schon einiges selbstgenähtes alltagstaugliches im Schrank.
  • Flugtickets – meine letzten beiden Flugreisen dauerten inkl. Flughafenaufenthalt 12 bzw. 8 Stunden. Braucht kein Mensch und ist eine der großen Umweltsünden – Zug fahren geht auch innerhalb Europas. Und ich fliege ja eh nicht gern. Sollte einfach sein, das durchzuhalten.
  • Fernseher – wir besitzen einen, der auch noch ausgerechnet im Schlafzimmer steht. Ein Erbstück, aber wenn der mal kaputt geht wird er nicht nachgekauft. Unnötiges Teil, und wir haben einen Beamer im Wohnzimmer….
  • Hinstellerchen – damit meine ich allgemeine Dekoartikel. Stauben ein und müssen ja auch irgendwo hergestellt worden sein.

Was ich noch ersetzen will

  • Monatsbinden – mit den Cups kann ich einfach nicht, allerdings bekomme ich meine Tage auch nur ca. 4x Jahr, da ich die Pille nehme. Aber da gibt’s bestimmt umweltfreundlichere Varianten für die leichten Tage…
  • Abschminkpads – das Zeug verursacht echt viel Müll und gebleicht ist es auch noch. Ich meine aber schon Ersatz gefunden zu haben, die probiere ich mal aus: waschbare Abschminkpads*.
  • Staubsauger – speziell einen, der ohne Beutel auskommt. (Den aktuellen, voll funktionsfähigen Staubsauger werfe ich dann nicht einfach weg, den spende ich dem Sozialkaufhaus.)

Was wir selten kaufen, und wenn, dann die recycelte Variante

  • Klopapier – wir sind nur zwei und arbeiten beide Vollzeit, ergo sind wir wenig zu Hause und verbrauchen damit nicht so viel Klopapier
  • Küchentuch – fürs trockenwischen/aufwischen nehmen wir tatsächlich vorhandene Handtücher und Lappen. Eine Rolle Küchentuch hält bei uns tatsächlich lange.

Für was ich noch keine Lösung gefunden habe

  • bestimmte Putzmittel – unser altes Hochspülerklo kann ich mir einfach nicht ohne Kloreiniger vorstellen. Das Ding wird sogar damit nicht richtig sauber…. Bäh-bäh.
  • Waschmittel – ich habe meine Sachen so lange, die müffeln irgendwann auch mit industriellem Waschmittel. Bis ich nicht was ausreichend duftendes gefunden habe bleibt’s dabei… Ob die Sachen von dm wirklich so umweltfreundlich sind, wie sie laut Etikett behaupten? Auf jeden Fall wäre das momentan der einzige Ersatz für mich.
  • Taschentücher – als manchmal allergiegeplagte Person kann ich mir Stofftaschentücher einfach nicht vorstellen. Können Taschentücher nicht Biomülltauglich sein??? Das wäre super.
  • Mülltüten außer Biomüll und Papier/Pappe – das sind alles Plastiktüten. Was hygienisches, siffdichtes müsste es geben… (Biomüll kommt in Papiertüten und Papier/Pappe kann ich in meiner Stadt einmal im Monat zur Sammlung rausstellen.)
  • Wimperntusche wasserfest und dazugehörige Abschminke – ich habe keine Idee. Nur dass Naturkosmetik mir noch nicht genug taugt weiß ich.

Was ich nicht ersetzen will

  • freiverkäufliche Medikamente wie Kopfschmerztabletten – Science is a thing. Und so eine Packung hält bei mir eine Weile.
  • Verpackung für Essen wie Käse, Toast, Sahne, Joghurt etc., alles was sifft und krümelt – wie haben das die Leute um 1900, vor dem Plastikzeitalter, mit laufigem Camembert gemacht???
  • Möbel – ich hätte ja echt gern weniger vom großen blauen Möbelhaus gekauft, aber das ist finanziell einfach nicht drin. Wenigstens das Bett – nicht Ikea – ist in Deutschland gefertigt. Was wir jetzt an Möbeln haben muss ausreichend lange halten, wenn es schon „fast furniture“ (siehe fast fashion) ist. Und Ikea verpackt wirklich gut, so viel wie nötig und so wenig wie möglich – das war fast alles Pappe für die monatliche Sammlung.

Dinge, die mir sowieso leicht fallen

  • nur ein, maximal zweimal die Woche Fleisch essen – ich esse sowieso kein Schwein, und Wurst esse ich nur ganz selten. Keine große Sache also.

Das Ziel ist, man ahnt es, wenig Müll (low waste). Kein Müll (zero waste) wäre das große Überziel, aber das liegt noch in weiter Ferne. Schritt für Schritt. Und wem es aufgefallen ist, dass da sehr oft „ich“ steht: dieser Artikel soll kein „man sollte das so machen“ sein. Ich mache die Dinge so, es ist ein Erfahrungsbericht, mehr nicht. Und für die Links im Text werde ich übrigens nicht bezahlt, das sind alles Sachen, die ich gut oder eben nicht gut finde.

Meine Ressourcen zum Thema sind:

Youheum: Webseite Youtube Instagram

Smarticular: Webseite

The Minimalists: Webseite

Exile Lifestyle: Webseite

Christoph Schulz: Plastikfrei für Einsteiger, München 2019.

Fumio Sasaki: Das kann doch weg!, München 2018.

Frank Trentmann: Herrschaft der Dinge, München 2017.

Cary Telander Fortini und Kyle Louise Quilici: Simplify your home, München 2018.

Das mit den vielen Verlagen in München ist entweder Zufall, oder ich kaufe gern Bücher von ein und derselben Verlagsgruppe. 😀

*Nachtrag zu den waschbaren Abschminkpads: Ich hab sie jetzt ausprobiert, und: die sind sowas von gut! Kamen in zwei kleinen Pappboxen, also prima recyclebar. Die sind größer als herkömmliche Baumwollbads, was ich super finde. Ein bisschen rau, aber das macht mir gerade nichts aus, denn so fühlt sich mein Gesicht sauberer an. Ich wasch die Pads kurz ab nach dem Benutzen, das macht die schon recht sauber, in der Waschmaschine passiert dann der Rest. Sehr zu empfehlen!

Was ist eigentlich Kunst?

Ich brauche eine Freundin. Alle meine Freunde sind Jungs, und irgendwie scheinen sich Mädchen eher für Dinge wie die obige Frage zu interessieren. Das gesagt möchte ich eine Unterhaltung wiedergeben, die ich mit meiner Arbeitskollegin Simone hatte. Simone ist 14 Jahre älter als ich, und würden wir nicht eh 8 Stunden die Woche gemeinsam verbringen wäre ich gern mit ihr befreundet. (Auch wenn wir uns ohne die Arbeit nie kennen gelernt hätten.) Manchmal hebe ich mir Themen auf, über die ich Simone mal befragen will, denn sie hat immer noch eine Idee oder einen anderen Blickwinkel auf die Dinge. Diesmal hat sie von einer Theateraufführung erzählt, in der auch gefragt wurde: „Was ist Kunst?“. Und da haben wir beide, sitzend zwischen Kunst in einer Galerie, überlegt. Ich kann nur sagen: ich habe 13 Semster lang Kunstgeschichte studiert und ich habe keinen Schimmer, was Kunst ist. Mein Lieblingssatz ist aber „Das kann ich auch“, und Simones Antwort darauf war „Du hast es aber nicht gemacht“, was Stichpunkt eins ist: die Idee dahinter. Sei es nun eine Bildidee oder ein Theaterstück, eine erklärbare Idee ist das erste, was etwas zu Kunst macht. Kann der Künster/die Künstlerin das ganze dann auch noch handwerklich sinnvoll umsetzten, im Falle vom Theater ist das dann etwas offener, je nach Schauspielern/Regisseuren/Regieassistenten/…, dann wirds langsam richtig kunstvoll. Hat die betreffende Künstlerin/der betreffende Künstler dann auch noch Talent, dann ergeben die drei Dinge ein Kunstwerk. Im Fall von Musik ist das, finde ich, ganz arg wichtig. Man kann viel mit Übung wettmachen, aber eben nicht alles (siehe Florence Foster Jenkins). Der letzte Punkt, der Simone und mir eingefallen ist, ist allerdings sehr subjektiv: Die Kunst sollte eine Emotion beim Rezipienten auslösen. Manche Sachen sind mit Idee, Handwerk und Talent gemacht, aber zur falschen Zeit am falschen Ort, und dann erfolglos, weil die ausgelöste Emotion nicht ins Zeitgefühl passt. Oder man spricht die falschen Leute an. Oder die absolut richtigen, und dann wird’s ein Erfolg. Das weiß man leider nie. Aber das Kunst Emotionen auslöst ist klar – manchmal sind es auch Emotionen wie Abscheu. Da sind wir dann stehen geblieben. Für weitere Ideen bin ich offen!

Warum ich auf dem WGT so gern Kostüme trage

Ich gehe seit 17 Jahren auf das Wave-Gotik-Treffen. Ich fühle mich schon lange der Schwarzen Szene zugehörig, denn da passe ich am ehesten hin. Deshalb folgen ab jetzt meine 1000 Wörter zur ewigen Diskussuion über die sogenannte „Kostümfraktion“. Mitgothics werden genau wissen, was ich meine, aber für alle Außenstehenden: Innerhalb der Schwarzen Szene gibt es schon seit Jahren ein Diskussion über verschiedene Kleidungsstile, besonders angefeindet werden dabei die Cyber-Gruftis und die Kostüm-Interessierten. Über erstere kann ich gar nichts sagen, da ich mich mich weder so kleide noch die passende Musik mag. Aber, oh boy, zur Kostümfraktion habe ich eine Menge zu sagen! Das soll kein Verteidungspost werden, sonders es wird ein biografisch basierter Eintrag werden, der zur Diskussion mehr Einsicht und Erkenntnis beitragen soll.

Anfangen möchte ich mit der Musik. Wie oben erwähnt hören Szenemitglieder oft, aber nicht immer, gern passende Musik zu ihrer Kleidung. Grob vereinfacht im Fall vom Beispiel Cybergoth eben elektronische Musik, die sich für mich nach utz-utz-utz anhört, die Kostümfraktion gern Musik, die ich am bestend mit „wallend“ beschreiben kann. Ein kurzes, grob vereinfachtes Beispiel zeigt: Es gibt da einen Zusammenhang zwischen Kleidung und Musik. Es folgt, wie so oft in der Schwarzen Szene, ein ABER: Das trifft nicht immer zu. Es gibt auch Leute, die sich jeden Tag des Festivals einer anderen Richtung entsprechend kleiden. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus ist der typische WGT-Besucher aber entweder/oder, bleibt also seinem Stil über die Festivaltage treu.

Was für ein Festival eigentlich? Das Wave-Gotik-Treffen, kurz WGT, findet seit 28 Jahren jedes Jahr zu Pfingsten in Leipzig statt und ist einer der großen Szene-Treffpunkte. Die ganze Stadt wird etwas dunkler, da die Veranstaltungsorte über ganz Leipzig verteilt sind. 20000 Besucher jedes Jahr, und die Bevölkerung kommt gut damit zu Recht. Haben sich wohl dran gewöhnt, die Guten. Man findet sich hier und insgesamt als Szene

[…] aufgrund ähnlich lautender Motive zusammen. Die düster-morbide Ästhetik steht dabei nicht alleine im Vordergrund. Vielmehr ist es das Wissen, in der Szene Gleichgesinnte für den Ausdruck der eigenen Gedanken und Gefühle in Bezug auf das Leben an sich und das Dasein in dieser Gesellschaft zu finden, […].

Kisten Wallraff: Die Gothics Teil 2. Weiss wie Schnee, Rot wie Blut und Schwarz wie Ebenholz, Hrsg. vom Archiv der Jugendkulturen, Berlin 2001.

Und das habe ich aus einem Buch, das auch schon 18 Jahre alt ist und welches an der selben Textestelle darauf verweist, das sich daran seit 20 Jahren nicht viel geändert habe. Und dem stimme ich zu. Ich war 2002 das erste Mal mit Eintrittskarte auf dem WGT, und es hat sich nach ankommen angefühlt. „Diese Leute sind so wie ich!“, dachte sich mein 15jähriges Ich.

WGT 2006, noch in gekauften Sachen und mit den typischen Stahlkappenschuhen zum Mittelalter-Inspirierten Kleid

Von Anfang an spielte Kleidung eine große Rolle. Und damit meine ich mich und die Szene. Woher kommen sonst die ganzen Bilder von Gruftis, die schon im Jahr 1995 Reifröcke trugen? Sich selbst über Kleidung auszudrücken ist so typisch Jugendkultur, hier eben in der düsteren Spielrichtung. Ich habe mich zuerst nur für das Mittelalter interessiert, habe alles gelesen, was über das Leben im Mittelalter finden konnte, und Musik ohne Dudelsäcke fand ich ganz blöd. Noch habe ich meine Kleidung von meinen Eltern gekauft bekommen. Mit der Zeit erweiterte sich mein Musikgeschmack, und das Vorbild anderer Festival- und Clubbesucher brachte mein Interesse an aufwändigeren Kostüme voran. Seit einigen Jahren, und auch bedingt durch das Studium der Kunstgeschichte, gilt mein Interesse der historischen Kleidung von Rokoko bis edwardianisch (englisch)/wilhelminisch(deutsch). Gern mit einem düsteren Twist, aber meist in Farbe und Form korrekt (wen auch noch nicht historisch korrekt von Hand genäht).

In meiner Schulzeit, meiner Ausbildungszeit und am Anfang meines Studiums habe ich noch keine Kompromisse gemacht. Da gehöre ich hin, so kleide ich mich 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Bodenlange Röcke und Korsetts im Hörsaal? Check. Aber damit fährt es sich schlecht Rad, und potentielle Arbeitgeber finden das auch nicht so klasse, nicht mal im Kulturbetrieb. Also stimmte ich mein Gruftitum im Arbeitsleben von vornherein etwas herunter und bin damit auch noch nie wirklich angeeckt. Meine Lieblingskritik an der Kostümfraktion ist ja immer „Tragen die das auch im Alltag?!? Wen nein, gilt es nicht!“ Wie ich das hasse. Als ob der sonstige Gote immer die Möglichkeite hat, sich die Haare für seinen Job hochzustellen. So sehr kann ich meine Augen gar nicht verdrehen. Ist man nicht selbstständig im Kreativbereich kann man das Argument vergessen. Ich glaube nicht, das ich übertreibe, wenn ich sage, dass die meisten Gothics ihre Arbeitskleidung anpassen müssen. Ich habe derweil kein Problem mehr mit „corporate goth“. Schwarz als Grundfarbe geht immer, und Radfahren kann ich in Hosen auch prima. Daheim kann ich mich dann immer noch in meine Pluderhosen werfen.

WGT 2007, das Interesse an Kostümen steigt. Die Maske habe ich mir aus dem Venedig-Urlaub mitgebracht, genau wie den Schirm.

2007 ist dann etwas passiert: nach einem Urlaub in Venedig, von dem ich mir viele Accessoiries mitgebracht habe (sowas gabs damals nicht einfach so im örtlichen Gothicshop!), bekam ich plötzlich durch meine Kleidung auf dem WGT Aufmerksamkeit. Vor 2007 ging es darum, möglichst viele Konzerte zu besuchen, danach kam das sehen-und-gesehen-werden dazu. Noch ganz harmlos, bisschen Aufmerksamkeit von der Presse ist ja nett.

ARCHIV – Zwei Anhänger der Wave-Gotik-Szene, aufgenommen am 31.05.2009 beim Wave-Gotik-Treffen in Leipzig. Am kommenden Pfingstwochenende wird Leipzig wieder zum Mekka der Gothic-Szene. Rund 20 000 Anhänger der düsteren Musik werden zum 19. Wave-Gotik-Treffen (WGT) erwartet, das das weltgrößte seiner Art sein soll. Foto: Peter Endig dpa/lsn (zu dpa 0104 vom 20.05.2010) +++(c) dpa – Bildfunk+++

2009 dann das dpa-Foto – oben mit dazugehörigem Text. Ich bin ganz froh, das ich und mein Begleiter da maskiert sind, das Bild war ÜBERALL. Ich war angefixt. Da hatten wir beide noch wenig genug Gepäck, um die Reise zum Festival mit der Deutschen Bahn anzutreten, das sollte sich aber schnell ändern.

WGT 2010, mein erstes selbgemachtes Kleid. Hier habe ich herausgefunden, dass ich nähen kann.

Was ich tragen wollte gab es so nicht zu kaufen. Also habe ich mir die Nähmaschine meiner Mutter ausgeliehen und einfach angefangen. Der Stoff stammt aus dem Karstadt, die Dekoration aus dem örtlichen Stoffladen, die Glitzersteinchen hat Mama organisiert. Es gab noch keinen Internetversand für Material speziell für den gotischen Handwerker, geschweige denn Schnittmuster. Das ist eigentlich am Anfang mal typisch für die Szene gewesen: Wollte man etwas, hat man es selbst gemacht. Große Versandhäuser für Gothicmode wie XtraX sprangen zwar auf den Zug auf, aber der Konsens des Selbstmachens blieb – vor allem, wenn man individuell sein wollte.

WGT 2011. Alles außer der antiken Halskette ich selbst gemacht, auch das Korsett. In dem Jahr habe ich 57 Fotos von mir&meinen Freunden vom WGT im Internet gefunden. Dieses Foto ist von Thomas Bunge.

Leider muss ich zugeben, das 2011 für mich die Waage gekippt ist. Jetzt ging es nur noch ums Aussehen. Ich habe jeden Tag ein anderes Kleid getragen, das ich das Jahr über selbst gemacht hatte (wegen der Individualität und so). Mit Nebenjob und Studium ging das auch. Der „Erfolg“ zeigt sich schnell, 57 Fotos in fünf Tagen! So hübsch! So toll! So erfolgreich! Schluss mit der Ironie: mir ging es da nicht immer gut. In dem Outfit oben wäre ich auf dem Mittelaltermarkt beinah ohnmächtig geworden, denn ich musste ja die schlankste Taille haben. So ein Blödsinn.

WGT 2012, das Jahr mit 25 Fotos im Internet, eins davon hat es sogar auf die WGT-Webseite geschafft. Ab jetzt schwenke ich um zur historischen Kleidung, hier eine „Chemise á la reine“, 18. Jahrhundert.

2012 hat sich die Kostümfraktion bei mir richtig herausgebildet. Wir reisen mit einem gemieteten BMW an, der bis an die Oberkante mit Kleidung und Zubehör gefüllt ist. Warum, weiß ich nicht. Spaß hats nicht unbedingt gemacht. Das fertig machen dauerte gefühlt länger als der Festivaltag, und die ganzen schönen Kleider zu beaufsichtigen ist anstregend. Ich treffe mich ausschließlich mit Leuten, die auch gern Kostüme tragen.

WGT 2013, alles selbst gemacht, auch der Kopfschmuck.

2013 ist mir dann wieder eingefallen, warum ich eigentlich zum WGT gehe. Ich trage immernoch jeden Tag ein anderes Kleid, aber die Aufmerksamkeit der Leute mit Fotoapparat ist mir nicht mehr ganz so wichtig. Ich trage, was bequem ist, was ich selbst gemacht habe und herzeigen will. Ich treffe mich mit allerlei Leuten, was so weit geht, das ich mit einer Gruppe Stammkunden aus dem Club auf den Stamm-DJ des Clubs treffe. Warum gehen wir alle nochmal zum WGT? Zum Treffen, genau.

WGT 2014, jetzt trage ich nur noch komplett selbst gemachtes nach historischem Vorbild. An dem WGT war es auch unglaublich heiß.

Es wurde wieder besser mit mir und dem WGT. Ich nähe immmer noch das Jahr über Kleidung nach historischem Vorbild für mich, aber Bachelorarbeit und dann der Master und nun zwei Nebenjobs rücken andere Dinge in meinen Fokus. Ich habe einen Heidenspaß, fast alle Tage weiß zu tragen – die Trendfarbe des 18. Jahrhunderts, nicht unbedingt die Trendfarbe des WGT. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen, eine Haltung, die ich seither beibehalten habe. Ich trage, was wettergerecht und schön für mich ist. Endlich habe ich Zeit für das umfangreiche kulturelle Programm des WGT. Ich hatte mir jedes Jahr aufs Neue vorgenommen, mal ein Museum im Rahmen des WGT zu besuchen, und ab jetzt klappt das auch.

WGT 2015, in einem edwardianischen Ensemble.

Mit Kleidung wie dieser macht das WGT 2015 Spaß. In diesem Jahr lasse ich erstmals das „Viktorianische“ Picknick am Freitag weg. Ursprünglich als kleine, private Veranstaltung für Bekannte aus der Kostümfraktion von Viona Ielegems geplant, hat sich dieses über die Jahre zur öffentlichen Massenveranstaltung entwickelt. Man braucht kein Bändchen dafür, was Ein-Tages-Gruftis (also Leute, die sich für den einen Tag mal gruftig anziehen), Gaffer und Fotografen en Masse anzieht. Hier gilt auschließlich sehen und gesehen werden. Was auch mal zum Treffen und Inspiration sammeln gedacht war ist nur noch unangenehm. Ich versuche das Picknick seither zu meiden, aber das klappt nicht immer. Letztes Jahr (2018) stand ich mit gepackten Picknickkorb bereit, als ein privates Picknick abgesagt wurde, und dann war ich doch da. War doof.

WGT 2016, wieder in weiß, eine Art Robe á la anglaise diesmal.

2016 war sowas von kalt. Aber ich hatte meine Outfits entsprechend vorgeplant. Leider weiß ich bei den meisten WGT gar nicht mehr, was für Bands ich gesehen habe. Nach 17 WGT schwimmen die Konzerte langsam ineinander. Höhepunkte waren über die Jahre Schandmaul, ASP (als die noch auf dem WGT gespielt haben), Otto Dix, In the Nursery, Sangre de Muerdago, Irfan, Kaunan, Eivoer und Mila Mar.

WGT 2018. Man sehe und staune: ich trage ein Kleid zum zweiten Mal!

2017 und 2018 war ich mit einer großen Gruppe Leute da, die ich von zu Hause mitgebracht habe. War auch lustig, reicht aber erst mal, denn so eine große Gruppe ist nicht nur spaßig, sondern auch anstrengend.

Mitterweile bin ich deutlich gelassener geworden (okay, das kann auch mit dem Altern zusammen hängen). So faszinierend wie die ersten paar Male wird das WGT leider nie mehr sein, und als alter Hase überrascht einen kaum mehr was. Ich hoffe, dieser kleine Ritt durch das Festivalleben hat ein paar Punkte unterstreichen können: ich habe das Kostümtragen wegen der Aufmerksamkeit schnell wieder verworfen, ich trage Kostüme, weil selbst nähen mein Hobby ist, und ich finde mich schön in solchen Kostümen. Und manche meiner Freunde tragen auch gern Kostüme. Die treffe ich dann da auf dem Wave-Gotik-Treffen. Und dann reden wir über Stoffquellen, Schnittmusterquellen und den allgemeinen Zustand der Welt. Ich kleide mich im Alltag heute komplett anders, finde aber, ich muss auch niemandem mehr etwas beweisen.

Und zum Schluss: Ich gehe so in den Club. Immer. Das gehört für mich dann doch dazu. Wenns schon im Alltag nicht klappt.

Senbazuru

Ich hatte mir im März spontan eine kleine Packung Origami-Papier gekauft. Wie man Origami faltet wusste ich ja schon vom 35C3. In dieser 10x10cm Packung waren 50 Blatt Origami-Papier mit verschiedenen Mustern, und ich hatte schnell die ganze Packung leer gefaltet. Ausschließlich Kraniche, weil mir dieses Modell am besten gefallen hat (und ich mich an eine Geschichte mit 1000 Kranichen dunkel erinnern konnte). Einen Teil der Kraniche habe ich auf Zwirn gezogen und Girlanden drauß gemacht, die anderen landeten in einer Box. Das hat so viel Spaß gemacht, das ich noch mehr falten wollte. Zu etwas anderem hatte ich auch kaum Lust, nicht mal zum Netflix schauen oder so. Totale Unlust. Nur Kraniche falten ging als Ausgleich. Leider war dann erst mal ein Paar Tage Faltpause, gezwungenermaßen. Mein Paket mit dem neuen Papier, diesmal 7x7cm, wurde über DPD versendet und hatte Probleme, zu mir zu finden. Es kam schließlich ein kleiner Würfel Papier an:

Ein japanisches Senbazuru-Set! Es enthält genau 1005 Blatt Papier für eben 1000 Kraniche (plus 5, falls etwas nicht klappt).

Die Packung an sich ist ja schon total hübsch, aber der Inhalt auch: 12 verschiedene Farben, die sich als Regenbogen zusammensetzen lassen. Das Muster ist auf allen Blättern gleich. Damit war entschieden: ich mache ein Senbazuru! Derweil hatte ich die Sache mit den 1000 Kranichen nachgeschlagen und bin dabei auf Sasaki Sadako gestoßen und auf diesen Artikel, der eigentlich schon alles wieder gibt, was es zu wissen gibt.

Hier sieht man den Regenbogen schön, auch wenn nicht alle Farben dabei sind.

Derzeit bin ich bei 86 Kranichen. Ich falte zwischen einem und 16 am Tag. Ich zähle die ersten 50 Kraniche mit, sodass ich am Ende 55 Blatt von dem 7x7cm-Papier über haben sollte. Ich will nicht nur viele Kraniche haben, sondern auch schöne Kraniche, was mich ein bisschen verlangsamt. Ich versuche schon, exakt zu falten.

Kranich-Armee, und das ist nur ein Teil der kleinen Kraniche.

Was ich mit den 1000 Kranichen mache weiß ich noch nicht. Ich ziehe wie gesagt einige auf Girlanden auf, und auf Instagram wurde auch schon angefragt, ob ich welche verschenken will. Das ist gar keine dumme Idee, Kraniche verschenken bringt dem Empfänger nämlich Glück.

Gruppe türkiser Kraniche.

Kraniche falten entspannt tatsächlich. Es fordert die für mich gerade richtige Menge an Konzentration.

Links einer von den großen Kranichen, rechts ein farblich passender kleiner.
Zwei besonders schöne rosane Kraniche.

Die Kraniche befriedigen außerdem meinen Sinn für Ästhetik. Das zusammestellen der Girlanden und zusammesetzen der farblich passenden großen und kleinen Kraniche macht auch total Spaß.

Traditionelle japanische Muster.
Der aktuelle Zustand der Box. Ich glaube, ich brauche mal wieder eine neue Box…
Die Origami-Ecke. Alles gefaltete von mir, die Girlande mit den Schmetterlingen ist das Ergebnis vom 35C3, die runden Scheiben habe ich von einem Künstler geschenkt bekommen.

Disziplin

Laut dem Google-Wörterbuch ist Disziplin unter anderem


das Beherrschen des eigenen Willens, der eigenen Gefühle und Neigungen, um etwas zu erreichen.

Google-Wörterbuch, aufgerufen am 05.04.2019

Nach der Aufräum-Sache mit Marie Kondo stelle ich für mich vor allem fest, das es nun auf Disziplin ankommt, die Dinge auch wieder an ihren zugewiesenen Platz zu räumen. Ich möchte damit etwas für mich erreichen (mehr Ordnung). Dieser Gedanke führte mich weiter. Es gehört eine gehörige Portion Disziplin dazu, jeden Morgen aufzustehen, sich anzuziehen und zur Arbeit zu fahren, und dabei auch noch pünktlich zu sein. Das wird, vor allem in Deutschland, als selbstverständlich angesehen, aber eigentlich, finde ich, ist es das nicht. Zumal die Welt sich weiter dreht, wenn man zu spät kommt. Meine Chefin beispielsweise kommt gern mal zu spät (obwohl ich bemerke, das sie daran arbeitet), aber meistens macht das nichts. Der Termin findet dann trotzdem statt, eben etwas später. Das soll jetzt kein Aufruf sein, absichtlich zu spät zur Arbeit zu kommen. Dieses Beispiel soll die Disziplin der Pünktlichkeit in Relation zur Realität setzen. Ich selbst tendiere dazu, zu früh dran zu sein, was auch unpünktlich ist. (Später am Tag werde ich eventuell einen Zug nehmen, mit dem ich genau pünktlich sein sollte. Wir werden sehen, ob ich nicht doch einknicke und wieder lieber 30 Minuten zu früh da bin als unpünktlich zu spät zu sein).

Die eigene Disziplin erstreckt sich auch auf Körperpflege und Sauberkeit. Irgendwie geht das bei mir Hand in Hand, ich dusche täglich (was zwar nicht gut für die Haut ist, aber sonst fühle ich mich unsauber, vor allem, wenn ich mit dem Rad zur Arbeit und zurück fahre). Ich sorge auch für mein direktes Umfeld. Im Geschäft verlasse ich den Laden so, wie ich am nächsten Morgen vorfinden möchte, maximal lasse ich ein angefangenes Projekt liegen, das ich am nächsten Morgen weiter bearbeiten will. Das gilt vor allem für die Tage, an denen meine Kollegin morgens kommt oder ich gar nicht da bin. Das gehört, finde ich, zur Disziplin dazu. Morgens nicht erst mal eine Stunde herumzulaufen, Sachen wegzuräumen und Kasse und Kassenbuch einzurichten sorgt für einen gelasseneren Start in den Tag. Daheim räume ich eben auf, aber ich sauge auch, wische regelmäßig die Küchenoberfläche ab, bringe den Müll herunter – entweder nach Termin oder wenn er voll ist – lüfte und mache die Betten. Ich finde, den Alltag durch das Ausführen dieser kleinen Dinge bequem und am Laufen zu halten gehört zur Disziplin dazu.

Größere Putzaktionen gehören ebenfalls zur Disziplin. Alle meine Freunde haben jetzt eigene Wohnungen, und alle sorgen dafür, das es so sauber wie möglich ist. Bei mir gehört dann staubwischen, die Bäder putzen, den Boden wischen, Wäsche waschen, die Küche gründlich putzen, Haare aus Abflüssen entfernen und sowas dazu. Muss eben gemacht werden, ein ganz typischer Satz, wenn es um Disziplin im Haushalt geht.

Wenn man Haustiere hat kommt man um Disziplin nicht herum. Ich möchte erreichen, das es meinem Hund, meiner Katze, meinen Garnelen so gut wie möglich geht. Ich habe vielleicht keine Lust, das stinkige Katzenklo sauber zu machen, aber ich muss mich hier beherrschen und es einfach machen. Oder, konketer, ich muss eben Wasserwechsel im Aquarium machen, auch wenn die aufwändig sind.

Am Schluss greift die Disziplin des einzelnen dann auf die Außenwelt über. Ich sollte mich disziplinert an Verkehrsregeln halten, auch wenn ich als Radfahrer das Gefühl habe, mich da noch schnell durchquetschen zu könnne und damit schneller von der Kreuzung zu sein. Leute erst aus der Bahn aussteigen zu lassen, während man draußen im Regen steht, gehört zu einer der diszipliniertesten Regeln des alltäglichen Zusammenlebens. Und schon kommme ich zu Kern der Sache: Eine gewisse Disziplin sorgt für ein gutes Zusammenleben in einem in Städten eben begrenztem Raum. Dafür ist Disziplin da.

Ab und an sollte man die Disziplin aber fahren lassen. Sonst macht das Leben keinen Spaß. Mal nicht aufräumen, mal nicht putzen, mal drängeln. Muss auch mal sein. Aber immer in Maßen!

Ich und die KonMari-Methode

Nachdem ich Teile der Netflix-Show mehrfach geschaut habe und Marie Kondos „Das große magic cleaning Buch“ zweimal gelesen habe möchte ich nun doch meine fünf Gedanken dazu aufschreiben. Ich bin ja gerade umgezogen und wollte diesmal gleich alles richtig einräumen und sauber haben. Das hat nur bedingt geklappt, es ist jetzt Monat vier und es stehen immernoch Kartons rum, weil wir einfach nicht so viel Geld für Möbel auf einmal ausgeben können. Aber: es sind nur noch vier Kartons und nur einer davon gehört mir!

Hier zur Illustration ein Foto von meinem Kleiderschrank. Man kann gut die vielen Kisten sehen, die die meine Kleidung stehend einsortiert ist. Oben links eine Ecke für Erinnerungsstücke: meine Plüschtiere.

Ich bin seit meinem Auszug bei meinen Eltern ein eher ordentlicher Mensch, wobei sich der Grad der Ordnung mit den Jahren eher verstärkt hat. Zwischendrin hatte ich sogar mal einen Putztick, aber immer alles perfekt und sauber macht auch nicht glücklich. Im Moment peile ich vor allem die leichte Auffindbarkeit von Dingen an und sortiere Dinge eines Themas zusammen. Sprich, Bücher zu Büchern, Nähzeug zu Nähzeug, Bastelzeug zu Bastelzeug und so weiter. Da kam die Netflix-Serie gerade zur richtigen Zeit für mich. Im Januar war ich auch noch ständig krank, und mehr als rumliegen und etwas schauen habe ich nicht hin bekommen. Also: Ich habe die ganze Staffel auf einmal geschaut. Und es ist einiges hängen geblieben!

Aus Kategorie eins, Kleidung, ist folgendes bei mir hängen geblieben: Die Kleider-Faltmethoden von Kondo-Sensei sind großartig! Mein Kleiderschrank sieht jetzt so viel besser aus, und heute morgen habe ich einfach in eine kleine Kiste gegriffen und hatte sofort die richtigen Socken in der Hand. Kleidung hatte ich vor dem Umzug schon heftig aussortiert, weswegen ich diesen Schritt in der neuen Wohnung überspringen konnte.

Bücher, Kategorie zwei, waren dann schon härter. Ich wollte, das alle meine Bücher in ein bestimmtes Kallax-Regal von Ikea passen, und dafür musste ich heftig Bücher loswerden. Zum Glück gibt es in Karlsruhe viele Bücherschränke, in welche ich Bücher einfach einstellen kann, und auch einen Bücher-Secondhandladen. Meine Bücher waren in der alten Wohnung im Flur, auf meinem Hochbett und in einem Regal verstaut. Also an drei Orten. Das wollte ich vermeiden, zumal ich oft ein bestimmtes Buch suchen musste. Jetzt passen alle meine Bücher in ein Regal, sind weitestgehend nach Thema sortiert und stehen bisher auch nur vereinzelt in zwei Reihen. Ich habe sogar noch Platz für weitere Anschaffungen! Allerdings möchte ich das Regal weiterhin so locker befüllt haben, das heißt, für jeden neuen Roman muss ein alter gehen. Mal sehen, wie lange ich das durchhalte…

Papiere, Kondo-Senseis Kategorie drei, habe ich leider erst nach dem Umzug richtig in Agriff genommen. Und hier konnte ich auch das meiste wegtun. Ich habe viele Briefe meines verstorbenen Opas aufgehoben, aber die meisten Zeitschriften ins Recycling gegeben. Die wenigen, die ich behalten wollte, habe ich zusammen ins Bücherregal gestellt (und ich ertappe mich jetzt dabei, wie ich sie immer mal wieder lese). Alles an Uni-Unterlagen bis auf meine beiden Lieblings-Seminare habe ich weggetan. Ich habe vor 10 Jahren angefangen zu studieren und schon während des Studiums nicht mehr in die Papiere des vorangegangenen Semesters geschaut, warum also aufheben? Da hat Kondo-Sensei absolut recht: Kann allles weg. Papiere, die wichtig sind, sind in ihren entsprechenden Ordner, und die neue Wohnung hat ihren eigenen Order, der ausnahmsweise in der Küche steht, damit mein Freund und ich beide leicht Zugriff darauf haben.

Komono, Kategorie vier, also „Verschiedenes“, hat vor allem in der Küche extrem Spaß gemacht. Da habe ich mit meinem Freund zusammen immer mal wieder umsortiert, und jetzt liegen Metalldinge bei Metall, Plastesachen sind alle zusammen in einem Schubfach, Backzeug unterm ofen…. Außerdem war der Tipp, alles IN die Schränke zu stellen, Gold wert. Ich habe immer eine freie Arbeitsplatte. Ich nehme sehr gern Dinge aus dem Schrank, wenn ich sie brauche, und stelle sie nach Benutzung wieder zurück. Das ist, wie Kondo-Sensei auch schreibt, gar keine große Sache. Allerdings bin ich in drei Punkten von der Methode abgewichen: Schwämme und Lappen kommen mir ganz sicher nicht IN den Schrank. Das Zeug trocknet einfach nie richtig. Außerdem habe ich an der Spüle eine praktische kleine Vertiefung mit Abfluss genau dafür. Toaster, Wasserkocher und Wasserfilter benutze ich mehrfach täglich und die stehen auf einem komischen Stück Arbeitsplatte am Fenster wirklich sehr gut und nicht im Weg, deswegen dürfen die drei draußen wohnen. Und ich pule sicher keine Etiketten von Putzmittel ab. Nachdem ich einen Unfall mit meinem Feinsteinzeug-Boden hatte möchte ich die Zusammensetzung eines Putzmittels unbedingt sofort nachgucken können.

Erinnerungsstücke, Kategorie fünf, haben mir noch nie viele Probleme beim Aussortieren verursacht. Aber Kuscheltiere, oh je. Da habe ich alte Erinnungsstücke aus einer 16 Jahre zurückliegenden Beziehung mehrfach mit mir umgezogen. Dank der KonMari-Methode habe ich endlich einiges an Kuscheltieren entsorgen können! Ich habe meine schönste Papiertüte hergerichtet, habe mich von jedem Tier einzeln verabschiedet, habe alle Kuscheltiere mit einem schönen Stoffrest zugedeckt, damit ich beim Entsorgen dann nicht noch einknicke, weil sie mich „so anschauen“ und dann ging das Verabschieden ganz leicht. Im Kleiderschrank habe ich jetzt auf dem oberen Brett einen Bereich für meine Lieblings-Plüschtiere. Die Idee, seinen Kleiderschrank auch für Erinnerungsstücke zu nutzen, habe ich auch von Marie Kondo.

Insgesamt ist die neue Wohnung luftig und leicht. Wir haben nun auch fast alle Möbel, und alles ist einfach zu finden. Freie Flächen überall. Wie sich das eigentliche Putzen letzendlich gestaltet muss ich noch sehen, aber Staubsaugen geht ganz gut, weil kaum was auf dem Boden rumsteht. Vieles kann ich auch einfach auf seinen Filznoppen nach vorn ziehen und dahinter fix saugen. Küche putzen muss ich nur noch ab und an, da ich Fettspritzer und Wasserflecken nach Kondo-Seinseis Rat gleich wegwische.

Das Buch finde ich persönlich hilfreicher als die Netflix-Serie. Meine liebste Folge ist tatächlich genau die, die Marie Kondo laut ihrer Webseite am liebsten mag: Jene, in der Marie Kondo einem amerikanisch-japanischen Ehepaar hilft, sein Haus für die „goldenen Jahre“ herzurichten. Diese beiden haben so schöne Sachen, die einfach nicht zur Geltung kamen, bis sie Kondo-Sensei (und Netflix) um Hilfe gebeten haben. Das hat mich angespornt, meine Erinnerungsstücke besser zur Geltung kommen zu lassen. Und eine Freundin hat mal zu mir gesagt: „Du hast so schöne Sachen“ und da hat sie Recht. Meine schönen Sachen sollen sichtbar sein – und ich brauche eigentlich keine weiteren schönen Sachen mehr. Ich habe ein bisschen was an Kleidung ausgetauscht, aber ich brauche definitv sonst nichts. Ich habe alles.

Ein kleiner letzter Absatz noch zur KonMari-Netflix-Serie: Der Vorwurf, dass Marie Kondo ein antiquirtes Frauenbild vermittelt, sprich, das die Frau den Haushalt schmeißt, erübrigt sich spätestens in der Folge, in der sie der GANZEN Familie Aufräumtricks beibringt und sich nach und nach jeder einen Bereich aussucht, für den er oder sie zuständig ist. Es geht darum, zusammen ein schönes Zuhause zu haben. Nicht mehr und nicht weniger.