Naumann-Nähmaschine I

Eines Tages stand meine Oma von ihrer Nähmaschine auf, klappte sie in den Tisch und hat sie danach nie wieder benutzt.

Ich vermisse meine Oma. Abgesehen davon, dass sie die besten Kassler der Welt gekocht hat, könnte sie mir erklären, wie ihre Nähmaschine, eine Naumann 24, genau funktioniert. Mein Erbstück steht seit zwei Jahren in meinem Zimmer, und ein erster Versuch, den Riemen aufzuziehen, war nicht erfolgreich. Seitdem habe ich meine moderne Brother immer auf den eingeklappten Tisch gestellt. Jetzt muss diese Brother zur Wartung und nun ja, ich brauche eine Ersatzmaschine. Moment, ich habe doch eine!*

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Die Naumann in ihrer ganzen Pracht. Der Riemen ist gerade nicht korrekt eingezogen.

Die letzten beiden Tage habe ich damit verbracht, eine Bedienungsanleitung im Internet zu finden. Dank des Nähmaschinenverzeichnisses und Herrn Lehning und ein wenig Stochern habe ich mehrere Anleitungen, die zwar alle nicht speziell für eine Naumann 24 sind, aber für ähnliche Maschinchen. Noch ein heißer Tipp von Herrn Lehning und siehe da: Der Riemen ist drauf und die Fäden sind eingefädelt! Meine Eltern haben auch noch einen neuen Riemen gefunden, den sie mir schicken wollen, denn der aktuelle ist noch der von meiner Oma und mehrfach geflickt.

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Defnitiv eine Naumann 24. Das ist übrigens der Stand, als ich sie heute nach Jahren wieder aus dem Tisch ausgeklappt habe.

Ein bisschen putzen und feudeln und ich dachte, ich probier mal zu treten….

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Putzen und feudeln. Geölt werden muss sie glaube ich noch nicht – das wäre dann aber der nächste Schritt. Reinigungsanleitungen hat das Internet zu Hauf… Links unter der Maschine sieht man den Platz, in den die Unterfadenspule kommt. Überraschenderweise kannte ich diesen Vorgang von der Veritas meiner Mutter, sodass der Unterfaden das kleinste Problem war!

Und dann: denkste. Treten ist gar nicht so einfach! Zunächst tat sich was, aber dann habe ich mich selbst sabotiert, indem ich aus Versehen das innere Rad des Handantriebs locker gedreht habe, was die Maschine in den „Leerlauf“ stelt. Prima für Tretübungen, aber bis ich wusste, warum jetzt plötzlich nichts mehr geht….

detail
Sehr hübsch, oder?

Ich habe eine Anleitung fürs Treten gefunden, nach der werde ich mich in Zukunft richten. Momentan ist die Maschine gereinigt und eingefädelt, auch den Unterfaden konnte ich hochholen, aber sie bildet keine Stiche, weil der Oberfaden am Greifer sofort reißt. Das Problem schaue ich mir demnächst an, zumal ich beim aussaugen des Tisches innen noch einen Greifer eingesaugt (und wieder aus dem Staubsauger gefischt) habe, der als Ersatz passen könnte.

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In der linken Schublade ist noch jede Menge Zubehör, unter anderem dieses steampunkige Teil, das ich für einen Ruffler halte.

Spoiler: in meinem Besitz befindet sich auch noch eine vintage Ideal, die allerdings immer noch beim Techniker meines Vertrauens steht, da sie eine neue Verkabelung brauchte. Über die Ideal wird es auch noch einen Post geben.

*insgesamt besitze ich vier Nähmaschinen: die Naumann 24, die Brother innovis 200, eine Pfaff Hobbylock und eine Ideal. Als Ersatz für die Brother taugt allerdings nur die Naumann bisher.

 

 

Jacke aus den 1770er Jahren

… oder auch: wie unbequem ist das denn?!?

Die Prüfung für Schlösser und Gärten ist vorbei, das WGT habe ich auch überstanden, Zeit, mein letztes Nähprojekt zu präsentieren:

Eine Jacke für die 1770er Jahre.

Im Metropolitan Museum ist eine Jacke in der Art in gelb erhalten, allerdings mit einer anderen Verschlusslösung:

 

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Diese Jacke aus Seide wird vorn ohne Stecker geschlossen, aber von hinten sieht sie genau aus wie meine. Quelle: The Met

Ich wollte mal ein etwas weniger höfisches Gewand anfertigen, etwas bequemes für heiße Tage, eher Richtung bürgerliches Leben des 18. Jahrhunderts. Die Stoffwahl war daher keine Seide, sondern Baumwolle, ungemustert. Ich wollte ursprünglich gelben Stoff nehmen, habe dann aber diesen wunderbaren blauen Stoff gefunden, der auch genau genug vorhanden war. Also blau-weiß statt gelb-weiß. Auch einen Hut gab es schon, den ich neu dekoriert habe. Diesmal historisch korrekter mit einen Streifen Stoff, den ich, mangels Stanzeisen, mit einer Zickzackschere ausgeschnitten habe.

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Das Hutband sieht gleich so viel besser aus!

Das komplette Outfit besteht aus:

  • einer Chemise aus dünnem Baumwoll-Leinen-Gemisch (vorhanden)
  • einem weißen Korsett, das ich neu angefertigt habe, das nur sehr, sehr leicht mit Stäben versehen ist
  • eigentlich weißen Strümpfen, vorhanden, die ich aber aufgrund der Hitze auf den Fotos nicht trage
  • einem Halstuch aus Leinen
  • einem Pokissen, auch neu, in weiß
  • einem Unterrock
  • einem Petticoat, der schon vorhanden war
  • der blauen Jacke mit Stecker
  • und dem Hut

Alles einmal angezogen, und – es ist unglaublich unbequem. Das Korsett mag nicht von hinten mit dem Pokissen gedrückt werden, die Jacke hält vorn nur durch pure Willenskraft zusammen (was sollte das mit den Knöpfen?!?), und zu warm ist es auch!

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Pokissen auffluffen – hier sieht man den Unterrock hervorblitzen. Die Rückseite kommt dem historischen Original sehr nahe.

Auf jeden Fall muss ich Ösen an der Vorderseite ergänzen, und ich würde das ganze gern ohne Korsett tragen können – das ist nicht historisch korrekt, aber so wie es jetzt ist werde ich es nie wieder anziehen wollen. Es sollte leicht und elegant sein, nicht anstrengend!

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Sonniger Tag, daher die Lichtflecke. Hier sieht man die Schnürung vorn über dem Stecker, und wie alles nur hält, weil ich das so will. Verrutscht ist es auch schon. Eigentlich soll der Stecker am Korsett festgesteckt werden, aber ich werde ihn wohl vorn in die Jacke mit Haken und Augen einhängen.

Allerdings hat es Spaß gemacht, die Jacke zu nähen. Ich musste das Schnittmuster (J. P. Ryan, A fine Collection of 18th Century Jackets, View B) sehr viel kleiner machen, da mir Größe 10 viel zu Groß war, aber die Passform ist ganz gut, finde ich. Alle sichtbaren Nähte sind diesmal von Hand genäht, deshalb hat das ganze Projekt länger gedauert, als ich dachte, aber es hat sich gelohnt.

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Sommer, Sonne, unbequem. Ich hoffe die Zugfalten an der Vorderseite der Jacke gehen weg, wenn ich den Verschluss ändere.

 

Georgiana, Duchess of Devonshire

Eine meiner liebsten historischen Figuren ist Georgiana Spencer, verheiratete Duchess of Devonshire (1757-1806). Ihr Leben war interessant in einer interessanten Zeit, und die überlieferten Portraits von ihr sind einfach toll. Sie hat nur die besten Maler ihrer Zeit beauftragt. Deshalb soll es hier gar nicht um ihr Leben gehen, der englische Wikipedia-Artikel ist sehr gut, da kann man das nachlesen. Aber die Bilder in dem Artikel, uhhh! Ich poste die Bilder mal hier, Anschauungsmaterial! Viel Spaß!

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Georgiana kurz vor der Hochzeit mit dem Duke of Devonshire mit ihren Geschwistern Henrietta und George, von Angelica Kauffmann, 1774.
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Gerogiana, Duchess of Devonshire, 1775-76 von Joshua Reynolds.
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Mein Favorit: Georgiana of Devonshire von Thomas Gainsborough, 1783.
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Das „Portraithut“-Bild. 1785-87 von Thomas Gainsborough.

 

Holzschnitt aus Nagasaki

Manchmal bekomme ich interessante Sachen auf der Arbeit zum Rahmen. Diese Woche ist es ein Holzschnitt aus Japan, bei dem der Rahmen noch ganz war, aber das Glas zerbrochen. Ich konnte den Kunden überreden, den Rahmen zu behalten, weil ich fand, dass er gut zum Bild passt und ich auch beim Drehen des Bildes auf der Rückseite ein Etikett gefunden habe, das besagt, das das Bild in Japan gerahmt worden ist. Das war am Ende auch gut so, denn der Rahmen ist etwas ganz besonderes:

Rahmenecke
Eine etwas abgestoßene Rahmenecke.

Was hier zu sehen ist klassische japanische Holzverbindungen. Der Rahmen wurde nicht, wie in Europa üblich, getackert, genagelt oder geklebt, sondern über einen Zapfen verbunden (der dunkle Stich). Sowas gibt es zwar auch heute in Europa, es ist aber unbeschreiblich teuer. Außerdem sind die Japaner für Ihre perfekten und kunstvollen Holzsteckverbindungen bekannt.

Der Inhalt des Bilderrahmens ist eine Karte von Nagasaki:

Passepartout
Die Karte, hier im neuen Passepartout.

Eindeutig ein Holzschnitt in zwei Farben, schwarz und blau. Das Blau ist ziemlich versetzt zum Schwarz. Das Schnitt selber wurde schon einmal restauriert, er ist nämlich auf ein dünnes Trägerpapier aufgeklebt.

Laut dem Etikett auf der Rückseite ist es ein Holzschnitt von 1802, vom Verleger Bunkin-Do. Laut dem Printing Museum Tokio wurden diese Holzschnitte vor allem zwischen 1790 und 1830 für ein ausländisches Publikum als Souvenir hergestellt.

Etkett
Bunkin-Do ist das Verlagshaus, dass das Etikett in Englisch ist weist wiederum auf ein Souvenir hin.

Ich freue mich, dass der Kunde sich für entspiegeltes Glas entschieden hat, das auch über eine erhöhten UV-Schutz im Vergleich zu normalem Glas verfügt. So bleibt sein Holzschnitt lange schön.

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Das fertig neu gerahmte Bild.

Manteltaschenfund

Ich weiß gar nicht, warum ich immer so negativ eingestellt bin und mein Leben langweilig finde. Es ist nicht das große Wahre und auch nicht genau das, wo ich hin wollte – aber schlecht ist es auch nicht. Und langweilig schon gar nicht.

Wegen des kalten Wetters habe ich meinen dicksten, flauschigsten, handgestrickten Pullover (danke, Mama!) aus dem Schrank genommen und angezogen. Über den passt meine normale Winterjacke nicht, deshalb habe ich einen Mantel, den ich zuletzt im November an hatte, aus dem Schrank genommen. Woher ich weiß, dass ich den Mantel im November das letzte Mal getragen habe? Daher:

Da waren Fahr- und Eintrittskarten in den Taschen! Von Links oben: Eintritt ins Ludwigsburger Schloss vom Ausflug nach Ludwigsburg, Eintrittskarte für Schwetzingen, Fahrkarten für die Berliner U-Bahn und ein Kalender von der Postbank. Ich habe mein Konto nicht bei der Post. Ich komme ganz schön rum! Und an keinem der Ausflüge war ich ohne nette Begleitung unterwegs. Ich habe tolle Sachen gesehen, geredet und gelacht, Fotos gemacht… Und den Mantel habe ich auch noch von meiner Kollegin geschenkt bekommen (danke, Jutta!). Besser könnte es fast nicht sein.

Schlossführerschulung

Der Blog fing so gut an, mit regelmäßigen Beiträgen, aber seit Januar mache ich zusätzlich zum Vollzeitjob in der Galerie eine Schlossführerschulung. Das ist eine von Schlösser und Gärten Baden-Württemberg gegebene Schulung, die mich am Ende befähigen soll, in einem der Schlösser professionell Führungen zu geben. In freier Mitarbeit, zum Glück, denn das ist schon mit der Schulung ziemlich anstregend. Später kann ich dann, denke ich, meine Arbeitszeiten frei wählen. Diese Schulung bezieht sich diesmal auf die Schlösser Heidelberg, Mannheim und Schwetzingen. Ich möchte jetzt gar nicht über die ganzen Details schreiben, die ich jeweils gelernt habe, das kommt vielleicht später, sondern lieber erst mal ein paar Fotos zeigen!

Treppe
1 Heidelberg: Die Treppe, die zum Schloss führt. Das war an dem Tag, an dem der Orkan über Süddeutschland zog. Ich hatte extra Fahrzeit deswegen eingeplant und dann nieselte es in Heidelberg bloß!
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2 Heidelberg: Die „spannende“ Ruinenseite. Im Vordergrund der Burggraben, dann der Ruprechtsbau, Bibiotheksbau und Frauenzimmerbau. Den englischen Bau habe ich nur angeschnitten. 15. bis 16. Jahrhundert.
Grotte
3 Heidelberg: Ruinen der Arkaden im Hortus Palatinus („Pfälzischer Garten“). Ich war vorher schon oft in Heidelberg, aber bis zu diesen Arkaden bin ich nie gekommen…. Da gibt es so viele künstliche Grotten! Und dank des Regentages hat es überall schön geplätschert.
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4 Heidelberg: Heidelberg, dramatisch nach dem Orkan. Der Neckar als graues, Hochwasser führendes Band. Rechts am Rand der Heiligenberg.
Schwetzingen
6 Schwetzingen: Der Mittelbau war zum Ehrenhof hin eine Wasserburg aus dem Mittelalter, was man, finde ich, auch sieht. Alles andere wurde in barocker Zeit angebaut. Schwetzingen war eine reine Sommerresidenz, sprich, nur ein paar Kamine – für heutige Schlossführer und Gäste sehr erfrischend!
Retiraden
7 Schwetzingen: Drei der „Retiraden“, sprich der Toilettenhäuschen, außem am neueren, barocken Teil des Schlosses.
Blick
8 Schwetzingen: Blick vom Dach des Schlossens gen Heidelberg. Schwetzingen liegt genau auf der Achse Königsstuhl-Pfälzer Wald. Letzterer war an dem Tag gar nicht zu sehen, den Königsstuhl sieht man hier schwach.
Lost-place
9 Schwetzingen: Besonderes (unscharfes, da beinah aus der Hüfte geschossenes) Schmeckerchen: Das dritte Geschoss des Schlosses ist noch nicht ausgebaut und nicht öffentlich zugänglich. So sieht ein Schloss aus, bevor es restauriert wird!
Theater
10 Schwetzingen: Das Theater von Schwetzingen wird heute noch bespielt, allerdings befindet sich hinter der barockisierenden Fassade der Bühne eine „moderne“ Bühnenmaschinerie aus den 1970er Jahren. Der Publikumssaal ist Original, aber mehrfach über-restauriert, und das sieht man als halbwegs Sachkundiger auch. Dennoch schön!

Beitragsbild: Foto vom Schlossdach Richtung Pfälzer Wald.