(Regency-) Kleid mit Überkleid, Teil III. Ändern ist der Schneiderin Handwerk…

Und mein laufendes Projekt, das Regency-Kleid?

Das Ändern des weißen Kleides hat gut geklappt:

Dress
Das sieht doch schon viel besser aus, oder?

Der Sitz des Kleides hat sich komplett verändert. Vorne passt es nun sehr gut, aber die Ansatzlinie fällt nun gleichmäßig nach hinten ab. Ich habe aber beschlossen, das so zu lassen, da ich erhaltene Exemplare gefunden habe, bei denen diese Linie nach oben oder unten geht. Sehr viel mehr Raum zum Ändern habe ich auch nicht mehr.

Das Oberkleid, nun ja, das ist eine ziemliche Katastrophe. Ich habe mir beim Zuschneiden größte Mühe gegeben, die Streifen richtig anzuordnen, trotzdem passen diese nicht an allen Stellen aufeinandern. Das ist besonders vorn ärgerlich. Und dann habe ich bisher eher einen Morgenmantel fabriziert – die Größe M vom Schnitt entspricht eher einer europäischen Größe L! Zum Glück habe ich bisher nur geheftet, deshalb nehme ich dieses Kleid heute auseinander und mache alle Teile ca. 1 cm ringsum kleiner. Ja, es ist wirklich viel zu groß und daher habe ich auch noch nichts zum herzeigen.

Nachtrag:

Ueberkleid
Das sieht doch schon sehr nach dem Modekupfer aus, oder?

The American Duchess Guide to 18th Century Dressmaking

Buchrezension:

Lauren Stowell, Abby Cox: The American Duchess Guide to 18th Century Dressmaking. How to Hand Sew Georgian Gowns and Wear Them with Style, Page Street Publishing Co, Salem 2017.

18th-Century-Dressmaking_JA

Eine kurze Rezension zum gerade erschienen Guide von American Duchess. Das Buch, welches ich Mitte November vorbestellt hatte, kam schon am Erscheinungstag an, nämlich letzten Freitag. Es ist kein Hardcover, aber dennoch solide gemacht. Ein Kartonumschlag, bei dem der Buchblock in der Mitte herauspringt und somit den Buchrücken nicht zerknickt beim Lesen. Dadurch schlägt sich das Buch super flach auf, ideal, um es beim nähen neben der Arbeit liegen zu haben.

Gelesen habe ich zunächst die Einleitungsteile zu jedem Kleid. Es werden eine Englische Robe (1740er), eine Robe á la francaise (Sacque) (1760er bis 1770er), eine Robe á la anglaise (Italian gown, der Namensunterschied wird im Buch erklärt) (177oer bis 1790er) und ein Kleid mit hoher Taille, noch kein Regency-Kleid, aber eine „Round Gown“ (1790er) vorgestellt. Jedem Kleid sind großformatige Fotos vorangestellt, danach folgen ein bis zwei Seiten Hintergrundinformationen und Bilder von erhaltenen Kleidern. Dieser Teil interessierte mich am meisten, da ich gern einen Einblick in die Recherchearbeit anderer Leute haben wollte. Es ist auch gleichzeitig der informativste Teil. Amazon bietet einen schönen Einblick in das Buch, bei dem man auch mal ins Inhaltsverzeichnis schauen kann. Die Anleitungen sind sehr ausführlich, manche, wie das befestigen von Bändern, sind für mich schon irrelevant, dennoch kann ich sicher noch etwas lernen. Vor allem das selbsterstellen von Schnittmustern wird für mich wichtig werden. Zu jedem Kleid werden auch die jeweiligen Accesoires vorgestellt – und am Ende jeden Kapitels gibt es eine Anleitung, wie man das Kleid anzieht! Ganz, ganz wichtig! Wie oft habe ich schin fertig angezogen dagestanden und konnte dann die Schuhe nicht mehr selbst binden…. Gestört hat mich nur, dass, wie die Autorinnen selbst bemängeln, eine Anleitung für eine Schnürbrust (stays) komplett fehlt. Und viele der Bilder sind mit zum Beispiel 2a und 2b beschriftet, im Text gibt es aber nur eine Nummer 2.  Das ist auch Jennifer von Historical Sewing aufgefallen. Aber das schafft man mit halber Geistesleistung als Leser trotzdem zu verstehen. Für mich steht noch das ausprobieren der Anleitungen aus, ich werde wohl zuerst die Anglaise oder Italian Gown ausprobieren, da mir dieser Kleidertyp noch im Kleiderschrank fehlt.

Alles in allem ein schönes Buch, das wohl einen Ehrenplatz in meiner kleinen Handbibliothek bekommen wird!

(Regency-) Kleid mit Überkleid

Den ersten Beitrag zum Thema gibt es hier.

Wie vor kurzem ein kleines bisschen angekündigt gibt es jetzt mehr vom Regency-Kleid mit Überkleid, wie ich es ab jetzt nenne. Zeitlich angesiedelt um 1805, ist es für Großbrittanien die Epoche des Regency und für Frankreich das Empire. In Deutschland bzw. Preußen wäre es wohl die Zeit Friedrich Wilhelm II., auch ein Empire, aber kein so  stilistisch bildendes. Daher, und weil ich großer Jane Austen-Fan bin, ab sofort: Regency!

Als erstes muss das Unterkleid geändert werden. Wie man auf den Fotos vom WGT im ersten Beitrag gut sieht, sitzt das Kleid nicht richtig. Die Taille ist falsch positioniert. Neulich in Ludwigsburg habe ich Originale aus der Zeit studiert. Ich muss definitv die Naht ändern.

ludwigsburg
Besonders im rechten Kleid sieht man deutlich, dass die Taille meines Kleides zu hoch sitzt. Quelle: https://www.pinterest.de/source/zum.de/

Ich habe übrigens auch Originale in Bath, also aus Janes Austens Lebensumgebung, studiert:

Bath
Kleid aus dem Fashion Museum in Bath. Leider fehlen mir alle Informationen, ich habe damals noch kein Notizbuch geführt.

Also, was mache ich: trennen und neu zusammennähen. Dadurch wird das Kleid kürzer, etwa so wie jenes im Hintergrund auf dem Ludwigsburger Bild. Immerhin falle ich dann nicht mehr drüber!

Trennen
Meister, ich bin fertig, darf ich trennen?

Und das Überkleid? Nun, da habe ich mir das Schnittmuster mal zu Gemüte geführt. Und, äh, … was? Das Rückteil ist mit Kellerfalten durchgängig geschnitten? Zum Glück habe ich viel Stoff, dann kann ich das mehrfach ausprobieren!

Schnittmuster
Schnittmuster Rocking Horse Farm 188, Gown with Calf Length Overdress

Der nächste Schritt ist also das Zuschneiden. An dieser Stelle dann später mehr!

Universitätsmamsellen

Juhu, meine erste Buchrezenzion! Es handelt sich um:

Eckart Klessman: Universitätsmamsellen. Fünf Frauen zwischen Rokoko, Revolution und Romantik, AB – Die Andere Bibliothek GmbH & Co. KG, Berlin 2017.

Universitaetmamsellen

Vorneweg: Ein wunderschön aufgemachtes Buch. Der Einband ist natürlich industriell gefertigt, aber es ist ein solide gemachtes Buch. Der Einband, laut Impressum extra gestaltet, zeigt vier der fünf besprochenen Charaktere. Es gibt ein Lesebändchen und Kapitalbänder, gedruckt wurde auf haptisch angenehmem Papier. Die Vorsatzblätter zeigen zwei verschiedene Ansichten von Göttingen. Alles in allem ein schönes Exemplar!

Wie der Titel schon sagt geht es es um fünf Frauen, allesamt Professorentöchter. Ihre Väter lehren an der 1737 gegründeten Georg-August-Universität in Göttingen. Und so handelt das erste Drittel des Buches dann auch von den Vätern. Hier hätte ich es beinah weggelegt, denn ich habe „Universitätsmamsellen“ nicht gekauft, um Geschichten über Männer zu lesen! Doch dann nimmt das Buch Fahrt auf, und es beginnt mit Philippine Gatterer (1756-1831), verheiratete Engelhard. Philippine hat in ihrer Jugend zwei Gedichtbände veröffentlicht, die Klessmann aber nicht gut bewertet. Während Wikipedia diese Gedichte aus heutiger Sicht als Teil der deutschen Literaturgeschichte nennt, findet Klessmann (*1933, das Buch ist mit der Originalauflage 2008 eher zum Alterswerk zu zählen) Gatterers Gedichte kaum erwähnenswert. Außer von ihrem frühen Ruhm in Göttingen spricht er kaum noch von ihr – sie hat aber auch lange Zeit nach dem zweiten Band nichts mehr veröffentlicht. Caroline Michaelis (1763-1809), verheiratete Böhmer, Schlegel und Schelling, ist die wohl interessanteste Frau im ganzen Buch. Sie ist Schriftstellerin und Klessmann wandert durch ihre bewegtes Leben wie durch einen Garten. Wenn es um Caroline Schelling geht läuft Klessmann zu Hochform auf, es liest sich plötzlich alles leicht. Klessmann zeigt angenehmerweise auch Carolines weniger begeherenswerte Charakterzüge auf, ohne sie, wie anscheinend viele Schriften aus ihrer Lebenszeit, völlig zu kritisieren. Als nächstes stellt Klessmann Therese Heyne (1764-1829), verheiratete Foster und Huber, vor. Diese sehr umtriebige Schriftstellerin gibt zeitweise ihre eigene Zeitschrift heraus, etwas besonderes im 18. Jahrhundert! Meta Wedekind (1765-1853), verheiratete Liebeskind und Forkel, wird als nächstes besprochen. Von Metas Leben bleibt vor allem  ihre Affäre mit Gottfried August Bürger in Erinnerung, über deren Ende Bürger harsche Worte findet. Meta war vor allem als Übersetzerun aktiv, unter anderem hat sie Ann Radcliffes „Udolpho“ übersetzt – das Buch, welches Jane Austen verwendet um ihrer Heldin in „Northanger Abbey“ einen gehörigen Schrecken einzujagen. Dorothea Schlözer (1770-1825), verheiratete Rodde,  bleibt vor allem im Gedächtnis, weil sie 1787 als zweite Frau in deutschprachigen Landen einen Doktortitel verliehen bekam. Das Wunderkind und die hochbegabte Frau scheinen zwei verschiedene Menschen zu sein, denn Werke sind von ihr während ihrer Lebenszeit nie veröffentlich worden. Dorothea hat in Lübeck einen Salon geführt und umfangreich Briefe geschrieben, aber nicht wie die anderen einen Roman, Gedichte oder Übersetzungen. Nachdem Klessmann alle fünf Frauen vorgestellt hat verknüft er ihre Lebensgeschichten miteinander. Teilweise waren die Frauen miteinander befreundet, manchmal zerbrach auch eine Freundschaft, aber alle waren Teil des literarisch-akademischen Lebens ums 1800. Dieser Bilderbogen liest sich dann auch schnell und gut, alle kommen anhand ihrer überlieferten Briefe selbst zu Wort und man merkt Klessmann an, das er Jahre in die Recherche gesteckt hat. Ich lese ja sehr, sehr gerne Biografien von Frauenleben um 1800, und „Universtätsmamsellen“ ist da eine erfrischende Ausnahme, da es exakt recherchiert, gut zu lesen und schön gemacht ist. Gleich fünf Frauen, ihre Lebensumstände und die politische Situation während der napoleonischen Kriege zu betrachten wirkt wie ein Mammutwerk. Klessmann schafft es aber, sein großes Thema leicht zu präsentieren. Alles in allem: sehr zu empfehlen!

 

Willkommen im Historikerhimmel – Ausflug nach Ludwigsburg

Letztes Wochenende war ein lang anstehender Besuch bei Dieter in Ludwigsburg geplant. Also ab in die S-Bahn und los gehts! Ludwigsburg überraschte mit wundervollem Sonnenwetter und eigentlich war es Samstags noch zu warm für den Wintermantel. Was also machen nach einem Rundgang durch die Stadt, einem Besuch im Buchladen (natürlich) und einem mehr als ausreichendem Essen im örtlichen Pub? Klar, schönes Wetter, Zeit fürs Museum! Das Ludwigsburger Schloss, erbaut ab 1704 und bis in die 1730er imfassend erweitert, verfügt über original erhaltene Fürstenappartements und gleich zwei Corps de Logis. Es gibt zu jeder Schlosshälfte eine Führung, einmal die Seite mit dem Damenappartement, zum anderen das Herrenappartement. Natürlich mussten wir beides anschauen! Hintereinander! Jede Führung geht etwa 90 Minuten, klar machen wir das und dann noch den Schlosspark hinten dran! Wir hatten ja keine Ahnung. Zum Glück war die Dame, die die Führungen gemacht hat, sehr motiviert und hatte ein unglaubliches Wissen. Ich habe sie ständig mit Fachfragen unterbrochen, was die erste Führung ziemlich verlängert hat – das tut mir immernoch Leid! Aber ich musste wissen, ob der Boden noch original ist (ja), ob die Vorhänge noch aus der Zeit sind (nein) usw. usw.

Innen
Man, äh, darf eigentlich nicht im Schloss drinnen fotografieren. Das ist nur ein kleiner Eindruck von dem, was einen erwartet.

Die Räume im Schloss sind ein riesiger Fundus an historischem Wissen, nicht nur über die diversen Herzöge und Könige, die Ludwigsburg als Sommersitz oder Regierungssitz genutzt haben, auch an Raumausstattung und Gemälden bleiben fast keine Wünsche offen. Besonders ins Auge gefallen sind dabei die Möbel aus der Zeit um 1810, die allerdings teilweise aus dem Stuttgarter Schloss stammen. Außerdem hatte es ein paar hochwertige Gemälde der Herrscher, die auch gut Auskunft über die Mode der Zeit gaben.

MagdaleneWilhelminevonWuerr
Magdalene Wilhelmine von Württemberg (1677-1742), hier noch als Tochter des Herzogs von Württemberg, war später die Frau Karl Wilhelms von Baden-Durlach (1679-1738). Quelle

 

Leider war die Gemäldegalerie auf der Seite des Herzogs mehr als durchschnittlich, verglichen mit der Sammlung Karoline Luise von Badens aus etwa der selben Zeit (heute großteils Kunsthalle Karlsruhe), oder eigentlich jeder anderen fürstlichen Sammlung, war in dieser ein kleiner Rubens alles, was hervorstach. Da wurde um des Sammelns willens und nicht um der Qualität willen zusammengekauft. Man kann auch die beiden Kirchen des Schlosses besichtigen, eine davon in all ihrer barocken Pracht. Insgesamt dauerten die Führungen etwa drei Stunden. Man kann das Schloss nicht ohne Führung besichtigen, was angesichts der originalen Ausstattung nur logisch ist.

Wer mehr Eindrücke vom Inneren des Schlosses sehen will, der findet Bilder hier, hier oder hier.

 

Danach ist man aber mehr als abgefüttert mit Informationen, so sehr, das sogar geübte Historiker wie ich nochmal Wikipedia befragen müssen, wer da jetzt eigentlich was hat erbauen lassen und wann Württemberg Königreich wurde (1806). Und das schlimmste: bis alles fertig gezeigt war war es draußen dunkel! Also nix mit Park angucken. Das Schloss sieht aber auch im Dunkeln wunderschön aus und ist hübsch beleuchtet.

Fontaene
Auch im Dunkeln eine Schönheit: Das Neue Corps de Logis.

Also musste der Tag hier beendet werden und die berühmte Schwarz-Weiß-Bar aufgesucht werden. Diese war leider arg voll, sodass wir uns mit Katzentischen begnügen mussten – aber die Cocktails da sind ziemlich gut, und hallo, ist da Alkohol drin! Der geneigte Leser lasse sich nicht von den blumigen Beschreibungen in der Karte irritieren, zwei Cocktails sind mehr als genug! Zusammen mit der freundlichen Kellerathmosphäre – das ist keine Ironie, ich mag Kellerbars – und einer Menge gemachten und gelachten Wörtern ein gelungener Abend.

Am nächsten Morgen dann eine böse Überraschung: kein schönes warmes Herbstwetter mehr, sondern kalt und Dauerregen! Da der Park ja gestern wegen Dunkelheit ausgefallen ist und heute nachgeholt werden sollte keine guten Nachrichten. Also erst mal ausgedehnt frühstücken. Dieter und ich hatten ein Museum noch nicht angeschaut – das Modemuseum. Dieses kannte ich zwar von einem Ausflug mit meiner Freundin Lisa (die man aus dem Artikel zum Freilichmuseum Beuren kennt), aber diesmal wollte ich mir vor allem die Kleider des 18 .Jahrhunderts genauer anschauen. Zu Studienzwecken wie z.B. für das Überkleid (zu welchem es hoffentlich bald Neuigkeiten geben wird).

Notizen
Auch im Modemuseum durfte man keine Fotos machen. Dafür habe ich jetzt einige Seiten meines Notizbuches voll mit Skizzen und Anmerkungen.

Dieter war zum Glück nicht furchtbar gelangweilt von meinem Sermon über Nähte, Stoffarten und französischen Kleidernamen. Mit mir in ein Modemuseum zu gehen ist schon recht mutig. Das Museum ist zum Glück nicht allzu groß, der größte Teil ist zum 18. und frühen 19. Jahrhundert. Leider ist nichts, oder fast nichts, an Kleidung von den ursprünglichen Besitzern des Schlosses Ludwigsburg erhalten. Dennoch liefern die Vitrinen mit den Kleidern ein anschauliches Bild, was man wohl im Schloss getragen hat.

Park
Der barocke Teil des Ludwigsburger Blühenden Barock.

Nach dem Mittagessen in einem der Cafés im Schlosspark hörte es dann auch endlich auf zu regnen. Nasse Herbstblätter sind ja meist farbiger als trockene, so hatte es auch sein gutes. Leider ist vieles im Schlosspark rutschig wenn nass, sodass der „Abgesang mit Heimgang“, der während unseres Spaziergangs stattfand, kein Wunder ist. Der Schlosspark schließt Anfang November, und der Sonntag war der letzte Tag des Kürbisfestes (Reste davon sieht man ein wenig im oberen Foto). Den Märchengarten hatte ich noch nicht gesehen.

Frosch
Ziemlich tolle Froschfontäne, die man über Trittsteine selbst steuern konnte, versteckt in einem matschigem Labyrinth.

Der Märchengarten schwankt zwischen „ist ja süß“ und „…..(?)“. Erbaut ab 1959, um mehr Besucher in den Schlosspark zu locken, sind vor allem die ersten Märchen charmant, die neueren (bis 2009) sind nicht so interessant gemacht. Fast alle Märchen kannte ich, nur der Riese Goliath stammte aus der Bibel und war nicht ohne Schild erkennbar.

Der Schlosspark an sich ist sehenswert, es gibt auch einen japanischen Garten, eine Voliere, eine künstliche Burgruine und viele interessante Bäume und Pflanzen. Im Blühenden Barock gibt es sogar nachgebaute Spielzeuge des barocken Hofes! Einige Schaukeln und ein Karussel, die aber leider schon nicht mehr in Betrieb waren, so spät im Jahr.

Bonsai
Der Herbst ist da: Bonsai aus dem japanischen Garten.

Ein Spaziergang durch den Park anfang November macht kalt und nass, bei Einbruch der Dunkelheit wollte ich dann nur noch ins Warme und einen Tee trinken. Bis mein Zug zurück nach Karlsruhe fuhr war ich dann wieder gut aufgewärmt.

Alles in allem: Man kann dieses große Schloss samt Garten nicht in einem Tag schaffen. Es gibt ja auch noch das Schloss Favourite, dass derzeit restauriert und renoviert wird. Der Eintritt ist happig, lohnt sich aber. Bei Regen braucht man Wanderschuhe für den Park. Ludwigsburg an sich ist hübsch und es gibt auch die eine oder andere Möglichkeit, gescheit Konsum zu betreiben. Warum nochmal wohne ich in Karlsruhe?

 

Komm auf die Moloch – Wochenende in Berlin

Der Titel bezieht sich auf das Musical „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“. Musik gibt es hier. Ich empfinde Berlin immer als leicht überfordernd, weil es da so groß und viel und gleichzeitig ist, eben ein Moloch. Das Titelbild ist zufällige Streetart.

Dieser Eintrag ist ein bisschen spät dran. Ich war eigentlich schon vorletztes Wochenende bei meiner Schwester Sophie in Berlin, habe mir aber einen schönen Virus von dort mitgebracht und als ich wieder gesund war kam das Leben mit einem Brückentag und einer Reihe Feiertage dazwischen.

Beinahe wäre ich gar nicht in Berlin angekommen, da ich erst sehr spät von der Arbeit losgekommen bin und fast den Zug verpasst hätte. Und dann gab es auch noch Personenschaden auf der Strecke, den die Deutsche Bahn aber gut gehandhabt hat – ich durfte einfach außerplanmäßig in Fulda in einen außerplanmäßig dort haltenden Zug steigen und kam so nur 20 Minuten zu spät in Berlin an, statt über zwei Stunden später. Glück im Unglück. Sophie wohnt sehr zentral, sodass wir am nächsten Morgen recht fix loslegen konnten.

Fernsehturm
Berlin, Berlin. Leider nicht mehr mit so vielen hübschen Herbstbäumen, da der große Sturm gerade vorbei war.

Zuerst waren wir in Mitte einen Einkaufstour machen – für mich als Provinzbewohnerin aus dem Ländle ist es irgendwie ein Muss, mal schicke Läden zu besuchen. Wir waren in einem tollen Schreibwarenladen, in einer Buchhandlung namens Hundt Hammer Stein (dort habe ich auch das meiste Geld ausgegeben), bei Muji  und in der Kunstbuchhandlung Walther König. Muji war leider kein tolles Kauferlebnis, da es dort sehr überlaufen war, aber ich brauchte einen Stift. Unbedingt. Einen Second-Hand-Laden und ein oder zwei Chi-Chi-Läden (Chi-Chi: Sachen, die hübsch sind, die man aber nicht unbedingt braucht, wie z.B. Seife) haben wir auch noch besucht. Den Namen von dem Second-Hand-Laden habe ich mir gleich gar nicht notiert, ich wollte einen Rock kaufen, aber der Preis war für Second-Hand (nicht Vintage!) ziemlich frech. Gegessen haben wir bei Quy Ngyên, ein leckerer, veganer Vietnamese. Die Limo dort ist fantastisch! Natürlich lassen Sophie und ich die Kultur nicht ganz aus, wir waren in der Sophienkirche (die namentliche Übereinstimmung ist reiner Zufall).

Sophienkirche
Die Sophienkirche ist ruhig gelegen. In den Häusern rechts und links waren noch Einschusslöcher von Straßenschlachten aus dem Zweiten Weltkrieg zu finden.

Die Sophienkirche ist 1713 geweiht worden und Berlins einzige erhaltene Barockkirche. Die große Orgel ist renoviert, aber das Gebäue an sich braucht dringend neuen Putz und Farbe, was das ganze sehr charmant macht. Ich bin als Kunsthistorikerin aber immer für den Erhalt von Gebäuden, also sollte die Kirche renoviert werden, charmant hin oder her. Martin Luther King hat 1964 dort eine Rede gehalten, weswegen die Kirche ganz gut besucht wird. Ich hoffe, das so die Spenden schnell zusammen kommen.

Sophienkirche_Decke
Mein Handy hatte den Tag vor der Abreise beschlossen, dass es jetzt nicht mehr starten will, weshalb alle Fotos dieses Beitrags mit dem Tablet gemacht worden sind. Die Kirchendecke ist eigentlich weiß und geht auf einen Umbau 1891/1892 zurück; ist also leider nicht original erhalten.

Im Museum auf der Museumsinsel waren wir letztes Mal, als ich in Berlin war, weshalb wir nur kurz vorbei geschaut haben, da der Säulengang dort einer meiner Lieblingsorte ist. Im Berliner Dom war ich schon wieder nicht, da dort eine geschlossene Veranstaltung stattfand.

Museumsinsel
Ach man, das Foto ist richtig unscharf. Aber ich mag den Säulengang auf der Museumsinsel so sehr.

Samstag Abend hatte Sophie eine Einladung zur Nobelpreisfeier von ICAN. ICAN hat zwei Wochen zuvor den Friedensnobelpreis gewonnen und es gab eine Party der deutschen Abteilung von ICAN. Das war ziemlich cool! ICAN hat einen Vertrag durchgesetzt, den 53 Staaten unterschrieben haben, der, kurz gefasst, den Besitz von Atomwaffen zu einem Verstoß gegen das Völkerrecht erklärt.* Die Party selbst war ein bisschen improvisiert, aber nichtsdestotrotz toll.

Sonntag stand dann schon der Zug für die Heimreise bereit, sodass wir uns einen kleinen Kulturpunkt ausgesucht haben, den ich gern besuchen wollte: Das Computerspielemuseum Berlin. Ich kenne den Ausstellungsteil des ZKM in Karlsruhe sehr gut und wollte schauen, wie das Museum in Berlin so ist. Und das Fazit vorneweg: Würde man das Museum in Berlin mit dem in Karlsruhe zusammenlegen hätte man das perfekte Museum zum Thema Videospiele. Berlin hat viel zur Geschichte der Videospiele, einen Raum für eine Sonderausstellung, viele hands-on-Ausstellungsstücke und einen kleinen Raum, der eine Arcade-Spielhalle nachbaut, aber kaum was zum künstlerischen Aspekt der Spiele – und ganz ganz neue Spiele fehlen komplett. Da würde das ZKM perfekt anschließen, da hier der geschichtliche Teil winzig und unbefriedigend ist.

Wall
Die „Wall of Hardware“, in der Konsolen und Handhelds und… einfach alles seit Beginn der Videospiele ausgestellt waren.

Ich interessiere mich ja mehr als Sophie für Games, aber Sophie hatte auch ihren Spaß. Am besten hat ihr ELIZA von 1966 gefallen. Die ziemlich oberflächliche Simulation eines Psychotherapeuten, benannt nach Eliza Dolittle aus Pygmalion (oder My Fair Lady), konnte Sophie schnell an seine Grenzen bringen. Aber so frühe spielerische Anwendungen hat man kaum mal in einem Museum zum ausprobieren.

Eliza
Hier sehen wir Sophie, wie sie ELIZA austrickst.

Ich fand den museumspädagischen Ansatz zur Historie der Videospiele am besten. Eine Wand mit integrierten Ausstellungskästen konnte vom Besucher mittels eines Lasers angesteuert werden und hat dann auf einem Bildschirm Snippets vom Gameplay und historische Informationen zu Meilensteinen der Videospiele gegeben.

History
Die ansteuerbare Wand zu den Game-Meilensteinen.

Informationsbeschaffung zu gamemifizieren ist eine clevere Idee, um den Besucher passend zum Thema anzusprechen. Ansonsten ist der Arcade-Raum ziemlich großartig, ich habe zum ersten Mal „Space Invaders“ ausprobiert, es gab aber auch „Pac Man“ und „Donkey Kong“ und einige weitere. Der Raum war an einem Sonntag im Oktober aber recht schnell ziemlich voll, sodass ich nicht alle Spiele angespielt habe.

Polyplay
Poly Play ist der einzige Arcade-Automat, der in der DDR produziert wurde.

Ich wusste nicht mal, dass in  der DDR überhaupt Spiele hergestellt wurden! Der Poly Play-Automat war zum ausprobieren, ansonsten wurde die super raren DDR-Spielkonsolen hinter Glas gezeigt. Eine ganze Wand war dem Thema Spiele in der DDR gewidmet, was mich als geborene Ossi überrascht hat. Ich habe davon einfach nichts gewusst. Leider waren die Spiele in der DDR in der Entwicklung denen in der BRD und dem Rest der Welt etwa vier Jahre hinterher, sodass es keine großen Exportschlager waren. Von Poly Play sind aber, soweit ich das richtig erinnere, etwa 2000 Stück verkauft worden.

Der Shop im Museum ist winzig, aber gut sortiert. Nichts, was nicht auch woanders erhältlich wäre, aber es gab einen Sale… Nun ja.

Und dann war es auch schon wieder Zeit, in der recht vollen Zug nach Karlsruhe zu steigen, der mich ohne Zwischenfälle wieder Heim gefahren hat. Zum Glück hatte ich für die sechs Stunden meinen Nintendo dabei, wenigsten ein bisschen zocken nach dem Computerspielemuseum…

*Ich hoffe, ich habe das richtig verstanden und habe die Zahlen richtig. Wenn nicht, schreibt mir!

Wardruna in Heidelberg am 17.10.2017

Da Kameras im Kongresshaus verboten waren habe ich diesmal keine eigenen Fotos zum Herzeigen.

Ich habe im Kongresshaus in Heidelberg einen Flyer gefunden, den ich ersatzweise eingescannt habe:

Wardruna

Für besseres Verständnis höre der Leser hier oder hier ein Lied von Wardruna.

Die Anreise zur Kongresshalle gestaltet sich schwierig, trotz dass ich in wunderbarer, autobesitzender Begleitung gefahren bin. Das eigentlich Parkhaus war bereits voll als wir ankamen, sodass wir ins benachbarte Parkaus ausweichen mussten, in welches wir als vorletztes Auto reinfuhren. Dann musste jeder gleich nach dem Betreten der Stadthalle mal aufs Klo – und schon hatten wir die Vorband Kaunan verpasst. Auf die hatte ich mich eigentlich gefreut, da es ein neues Projekt von Oliver S. Tyr von Faun ist. Ein Lied habe ich mitbekommen, das hat mir gut gefallen. Mehr kann ich leider nicht zu Kaunan sagen. Dieses Unglück haben Wardruna mehr als wett gemacht. Für diese Art Musik ist die Stadthalle ein gut gewählter Ort, die schnörkelige Ballhausarchitektur hat sehr zur Atmosphäre beigetragen. (Perfekt wäre das Konzert oben auf dem Heiligenberg gewesen, aber man kann nicht alles haben.) Wardruna sind live so viel besser als auf CD oder gar mp3! Einar Selvik singt mit mehr Ausdruck, als man vielleicht aufnehmen kann, die Band ist gut eingespielt und die außergewöhnlichen Instrumente sind gut abgemischt. Zusammen mit einer schönen Lichtshow ein Ereignis! Musik zum Träumen und Genießen. Das hat das Publikum auch die meiste Zeit getan, abgesehen von frenetischem Beifall zwischen den Songs war es sehr still und es wurde sich wenig bewegt. Ich habe keins meiner Lieblingslieder vermisst. Unten folgt eine Setlist vom Konzert in Utrecht vor drei Tagen, die sich mit meiner Erinnerung aus Heidelberg deckt:

  1. Tyr
  2. Wunjo
  3. Bjarkan
  4. Heimta Thurs
  5. Runaljod
  6. Raido
  7. Isa
  8. Jara
  9. Algir – Stien klanar
  10. Dagr
  11. Rotlaust tre fell
  12. Fehu
  13. NaudiR
  14. Odal
  15. Helvegen
  16. Zugabe: Snake Pit Poetry
Warduna_2
Bild mit freundlicher Genehmigung von Jan Heesch vom Rock Genuine Magazin.

(Dieter, falls du das liest: Es war mir ein Fest!)