Was ich nicht mehr kaufe

Die Europawahl ist vorbei und in Deutschland hat die Grüne Partei an vielen Orten die meisten Stimmen bekommen. Klimawandel ist echt und beim normalen Bürger als ernstes Thema angekommen. Und Leute machen sich jetzt – fast zu spät, aber immerhin – Gedanken, wie man weniger Müll verursachen, weniger Ressourcen verbrauchen und generell besser leben kann. Ich auch. Das ist ist ganz klar ein Trend, unter dem Hashtag #sustainability findet man allerei YouTube-Videos, Blogs und Infos. Könnte schlimmere Trends geben… Ein Teil des Trends ist bewusster Konsum oder sogar Konsumverweigerung. Darum geht es jetzt hier in meinem Artikel. Was kaufe ich nicht mehr? Wo möchte ich weniger/kein Müll mehr produzieren? Welche Ressourcen kann ich sparen? Wir (meint mich und meinen Freund) haben kein Auto und wollen auch keins, wir leben in der Stadt. Ich fahre seit 2006 fast alles innerhalb Deutschlands, Großbritanniens und Frankreichs mit der Bahn oder manchmal mit dem Bus. Diesen Nachhaltigkeitspunkt kann ich also schon mal abhaken. Im Alltag fahre ich Rad, und nur zwischen November und März habe ich ein Monatsticket für die Straßenbahn. Das ist also auch gebongt. Was gibt es noch?

Die Liste:

  • Einweglappen – es gibt prima waschbare Vesionen in jedem Drogeriemarkt. Demnächst werden die bei mir auch mal aus organischer, fair trade-Baumwolle sein können.
  • nicht vegane, mineralölhaltige und mikroplastikhaltige Kosmetik – ich brauche meine Reste davon noch auf, habe aber schon große Teile ersetzt. Führt zu viel etikettenlesen im Drogeriemarkt, aber ich habe sogar ein Shampoo gefunden, dessen Packung aus 90% Recyclingplastik sein soll.
  • Seife – da habe ich aber einen Vorteil, weil meine Eltern Seife herstellen.
  • Plastikflaschen – mit einer Ausnahme: Notfälle wie z.B. stundenlang im ICE ohne Klimaanlage in der Sonne festhängen. Das Wasser auf dem Klos im Zug ist kein Trinkwasser und meine mitgebrachten Wasservorräte in meiner BPA-freien Flasche sind dann meist schon leer. Passiert aber nicht allzu oft.
  • Obst und Gemüse in Plastik verpackt – was soll das? Außer Salat gibt es alles lose im Biobereich in jedem generischen Supermarkt. Ich bringe ggf. meine eigenen Beutel mit.
  • Plastiktüten (außer Müllbeutel, siehe unten) – aber auch keine Baumwollbeutel. Von letzteren habe ich soooo viele….
  • Smoothies, Öl und Essig in Plastikflaschen – Glasflaschen kann man besser recyclen und sie sehen schöner aus.
  • Strohhalme – sind eh verboten und wir besitzen seit Jahren welche aus Aluminium.
  • Kaffeemaschine – brauche ich nicht, ich mahle meinen Kaffee manuell und gieße ihn entweder im Filter (Biomüll!) oder in einer Kanne auf (gar kein Müll!)
  • Drucker und damit Druckerpatronen – bis vor zwei Wochen hatte ich daheim einen Drucker. Der ist nach gerade mal zwei Jahren kaputt gegangen. Sein Vorgänger hat ähnlich lange gehalten. Abgesehen davon, das Druckerpatronen auch nachgefüllt bös teuer sind und nicht umweltfreundlich: Das reicht jetzt. Ich drucke wichtige Sachen mit Erlaubnis meiner Chefin nun auf der Arbeit. Daheim schreibe ich mit der Hand, was sich für mich schon nach zwei Wochen angenehm entspannt und achtsam anfühlt.
  • Pflanzendünger – ich habe ein Aquarium, das Abwasser kriegen die Pflanzen. Scheint super zu funktionieren.
  • Starbucks im Pappbecher, generell Coffee-To-Go – braucht kein Mensch. In einer Porzellantasse nehme ich das süße Zeug aber ab und an schon gern…
  • Rucksäcke und Taschen – ich habe ausreichend Koffer, einen davon seit 12 Jahren. Rucksäcke nähe ich mir tatsächlich selbst, Taschen habe ich zwei Stück, eine davon auch schon 10 Jahre – ich brauche eigentlich nicht mehr als ein alltägliches Transportmittel.
  • Nicht-Öko-Schuhe – Schuhe habe ich im Schnitt 8 Jahre, die Qualität muss also sowieso gut sein. Hier bin ich aber auch im Vorteil, da ich auf die meisten Klebstoffe allergisch reagiere und meist nur Schuhe tragen kann, die irgendwie „öko“ sind. Meine letzten drei Schuhkäufe waren bei der Firma Waschbär und bei einem kleinen Laden in Heidelberg. Letzeres Schuhpaar wurde im Nachbarbundesland hergestellt.
  • Nagellack – zur Zeit besitze ich einen alten Klarlack und einen roten Lack, bei dem ich mir nicht mal mehr sicher bin, ob der noch taugt. Ich arbeite handwerklich, es macht einfach keinen Sinn, mir die Nägel zu lackieren. Und umweltschädlich ist das auch noch. Kaufe ich definitv nicht mehr nach.
  • Staubswiffer mit Griff und auswechselbaren Wedel – warum habe ich das Ding überhaupt gekauft? Verursacht Müll (der Wedelteil ist nicht waschbar!) und ich besitze waschbare Staubtücher…

Was ich mir fest vornehme nicht mehr zu kaufen

  • Fast Fashion – also C&A, H&M und Co. Eigentlich alles im großen Einkaufszentrum. Primark habe ich eh schon immer gehasst. Natürlich werfe ich meine Klamotten nun nicht einfach weg, die müssen schon noch ihre 4-10 Jahre von mir getragen werden, aber in Zukunft achte ich darauf, was ich kaufe. Ich habe schon sehr schöne Shops auf Etsy entdeckt, z.B. diesen oder diesen. Oder ich kaufe einfach gar nichts und mache mir Kleidung selbst. Kann ich ja, und ich habe auch schon einiges selbstgenähtes alltagstaugliches im Schrank.
  • Flugtickets – meine letzten beiden Flugreisen dauerten inkl. Flughafenaufenthalt 12 bzw. 8 Stunden. Braucht kein Mensch und ist eine der großen Umweltsünden – Zug fahren geht auch innerhalb Europas. Und ich fliege ja eh nicht gern. Sollte einfach sein, das durchzuhalten.
  • Fernseher – wir besitzen einen, der auch noch ausgerechnet im Schlafzimmer steht. Ein Erbstück, aber wenn der mal kaputt geht wird er nicht nachgekauft. Unnötiges Teil, und wir haben einen Beamer im Wohnzimmer….
  • Hinstellerchen – damit meine ich allgemeine Dekoartikel. Stauben ein und müssen ja auch irgendwo hergestellt worden sein.

Was ich noch ersetzen will

  • Monatsbinden – mit den Cups kann ich einfach nicht, allerdings bekomme ich meine Tage auch nur ca. 4x Jahr, da ich die Pille nehme. Aber da gibt’s bestimmt umweltfreundlichere Varianten für die leichten Tage…
  • Abschminkpads – das Zeug verursacht echt viel Müll und gebleicht ist es auch noch. Ich meine aber schon Ersatz gefunden zu haben, die probiere ich mal aus: waschbare Abschminkpads*.
  • Staubsauger – speziell einen, der ohne Beutel auskommt. (Den aktuellen, voll funktionsfähigen Staubsauger werfe ich dann nicht einfach weg, den spende ich dem Sozialkaufhaus.)

Was wir selten kaufen, und wenn, dann die recycelte Variante

  • Klopapier – wir sind nur zwei und arbeiten beide Vollzeit, ergo sind wir wenig zu Hause und verbrauchen damit nicht so viel Klopapier
  • Küchentuch – fürs trockenwischen/aufwischen nehmen wir tatsächlich vorhandene Handtücher und Lappen. Eine Rolle Küchentuch hält bei uns tatsächlich lange.

Für was ich noch keine Lösung gefunden habe

  • bestimmte Putzmittel – unser altes Hochspülerklo kann ich mir einfach nicht ohne Kloreiniger vorstellen. Das Ding wird sogar damit nicht richtig sauber…. Bäh-bäh.
  • Waschmittel – ich habe meine Sachen so lange, die müffeln irgendwann auch mit industriellem Waschmittel. Bis ich nicht was ausreichend duftendes gefunden habe bleibt’s dabei… Ob die Sachen von dm wirklich so umweltfreundlich sind, wie sie laut Etikett behaupten? Auf jeden Fall wäre das momentan der einzige Ersatz für mich.
  • Taschentücher – als manchmal allergiegeplagte Person kann ich mir Stofftaschentücher einfach nicht vorstellen. Können Taschentücher nicht Biomülltauglich sein??? Das wäre super.
  • Mülltüten außer Biomüll und Papier/Pappe – das sind alles Plastiktüten. Was hygienisches, siffdichtes müsste es geben… (Biomüll kommt in Papiertüten und Papier/Pappe kann ich in meiner Stadt einmal im Monat zur Sammlung rausstellen.)
  • Wimperntusche wasserfest und dazugehörige Abschminke – ich habe keine Idee. Nur dass Naturkosmetik mir noch nicht genug taugt weiß ich.

Was ich nicht ersetzen will

  • freiverkäufliche Medikamente wie Kopfschmerztabletten – Science is a thing. Und so eine Packung hält bei mir eine Weile.
  • Verpackung für Essen wie Käse, Toast, Sahne, Joghurt etc., alles was sifft und krümelt – wie haben das die Leute um 1900, vor dem Plastikzeitalter, mit laufigem Camembert gemacht???
  • Möbel – ich hätte ja echt gern weniger vom großen blauen Möbelhaus gekauft, aber das ist finanziell einfach nicht drin. Wenigstens das Bett – nicht Ikea – ist in Deutschland gefertigt. Was wir jetzt an Möbeln haben muss ausreichend lange halten, wenn es schon „fast furniture“ (siehe fast fashion) ist. Und Ikea verpackt wirklich gut, so viel wie nötig und so wenig wie möglich – das war fast alles Pappe für die monatliche Sammlung.

Dinge, die mir sowieso leicht fallen

  • nur ein, maximal zweimal die Woche Fleisch essen – ich esse sowieso kein Schwein, und Wurst esse ich nur ganz selten. Keine große Sache also.

Das Ziel ist, man ahnt es, wenig Müll (low waste). Kein Müll (zero waste) wäre das große Überziel, aber das liegt noch in weiter Ferne. Schritt für Schritt. Und wem es aufgefallen ist, dass da sehr oft „ich“ steht: dieser Artikel soll kein „man sollte das so machen“ sein. Ich mache die Dinge so, es ist ein Erfahrungsbericht, mehr nicht. Und für die Links im Text werde ich übrigens nicht bezahlt, das sind alles Sachen, die ich gut oder eben nicht gut finde.

Meine Ressourcen zum Thema sind:

Youheum: Webseite Youtube Instagram

Smarticular: Webseite

The Minimalists: Webseite

Exile Lifestyle: Webseite

Christoph Schulz: Plastikfrei für Einsteiger, München 2019.

Fumio Sasaki: Das kann doch weg!, München 2018.

Frank Trentmann: Herrschaft der Dinge, München 2017.

Cary Telander Fortini und Kyle Louise Quilici: Simplify your home, München 2018.

Das mit den vielen Verlagen in München ist entweder Zufall, oder ich kaufe gern Bücher von ein und derselben Verlagsgruppe. 😀

*Nachtrag zu den waschbaren Abschminkpads: Ich hab sie jetzt ausprobiert, und: die sind sowas von gut! Kamen in zwei kleinen Pappboxen, also prima recyclebar. Die sind größer als herkömmliche Baumwollbads, was ich super finde. Ein bisschen rau, aber das macht mir gerade nichts aus, denn so fühlt sich mein Gesicht sauberer an. Ich wasch die Pads kurz ab nach dem Benutzen, das macht die schon recht sauber, in der Waschmaschine passiert dann der Rest. Sehr zu empfehlen!